Struktur

Dein Ziel/deine Motivation, warum du diesen Text schreibst

Die von mir empfohlenen Schreibphasen sind über die Jahre gleich geblieben, doch inhaltlich habe ich sie im Laufe der Zeit verfeinert. Unter anderem die drei „weichenstellenden Fragen“, die Ihr aus der Konzeptionsphase kennt. Lasst mich die noch mal kurz wiederholen, weil das für heute besonders wichtig ist.

Wenn Ihr nach meinem System schreibt, dann geht es um diese fünf Phasen:

Phase 1: Eine kleine Themenfacette aus Eurem Fachgebiet auswählen und ihr einen ganz klaren Aufhänger geben: Der daraus entstehende Plankton-Arbeitstitel sagt Euch ganz genau, was das Herzstück Eures Textes ist. Das wiederum bestimmt die Gewichtung. Mehr als 50 % des Textes bekommt dieses Herzstück.

Phase 2: Den Text vorausdenken – konzipieren. Der erste Teil des Konzeptes sind der angepeilte Umfang (damit du weißt, wie viel reinpasst) + die drei weichenstellenden Fragen:

1. Für welche Zielgruppe ist dieser Text?
2. Was ist dein Ziel/deine Motivation?
3. Was soll der Leser wissen, können oder tun?

Die drei weichenstellenden Fragen gestalten den Text maßgeblich, aber nur, wenn sie konkret beantwortet werden. Erst auf dieser Basis lassen sich im zweiten Teil des Konzeptes dann die Struktur und sämtliche Kerninhalte des Textes so festlegen, dass sie allem zuvor Konzipierten gerecht werden.

Steht das Konzept, flutscht das eigentliche Schreiben:

Phase 3: Der Quick & Dirty-Entwurf.
Phase 4: Etwas Abstand bekommen.
Phase 5: Feintuning. Fertig!

Bei den Schreib-Basics ist alles ausführlich erklärt.

Das klingt jetzt immer so einfach, wenn man es so sieht. Doch wer schon mal in einem Workshop bei mir war, weiß, wie sehr gerade Plankton-Arbeitstitel und Konzept es in sich haben.

Heute richte ich mal das Spotlight auf die zweite weichenstellende Frage, denn die wird gerne zu oberflächlich und nüchtern beantwortet. Viele von Euch, die jetzt lesen und ganz andere Schreibgewohnheiten haben, haben sich die Frage vielleicht noch nie gestellt. Dabei nützt sie Euch und Euren Text ganz enorm!

hmmm

Wie wirkt sich dein Ziel/deine Motivation aus?

Texte – gerade, wenn du selbstständig bist – sollen einzigartig sein. Sie sollen deinen eigenen Stempel tragen und nicht neutral irgendwelche altbekannten Infos an die Leser bringen. Und sie sollen kein reiner Infodienst sein. Wie oft schreiben Selbstständige wirklich nützliche Informationen, die tatsächlich in dieser Form noch nicht überall stehen, die aber so geschrieben sind, dass sie von irgendjemandem sein könnten?

Texte werden aber nur dann eingefärbt, wenn wir emotionaler an unsere Themen rankommen. Das, was im Kundenalltag selbstverständlich ist, wird beim Schreiben verborgen – manchmal absichtlich, doch meistens ist es einfach unsere neutrale Schreibe, der Filter im Kopf, wenn wir was schriftlich sagen möchten.

zum emotional Rankommen gibt es eine dreiteilige Video-Reihe

Wenn du dich zum aktuellen Text fragst, was denn jetzt wirklich dein persönlicher Bezug zum Thema ist, …

  • dann kristallisiert sich raus, welche Art von Text es wird.
  • beeinflusst das den Inhalt und/oder die Schreibe, also was du wie ansprichst.
  • und du wirst dir über dein Hauptanliegen klar.

Was meine ich mit Letzterem? Gerade, wenn du noch nicht so geübt mit dem Festlegen des Themas bist, hilft dir die Frage dabei, dein Plankton zu fokussieren. Manchmal startet man nämlich mit einem Titel und merkt dann beim näheren Hinsehen, dass es einem eigentlich um etwas anderes geht.

Beispiele, wie die Frage einen Text verändert.

Die Frage nach dem Ziel/der Motivation fällt je nach Thema unterschiedlich aus, manchmal liegt einem was am Herzen. Manchmal geht einem was gegen den Strich. Manchmal hat man persönliche Erfahrungen. Es geht hier also darum, frisch von der Leber weg den eigenen Bezug zum Thema hinzuschreiben. – Nicht großartig rumdenken und vor allem nichts Neutrales erwähnen, das entweder eh schon dasteht oder später beim Nutzen oder den Inhalten kommt.

Sagen wir, ich schreibe einen Text über den Umgang mit cholerischen Chefs. Die Zielgruppe sind Angestellte, die sich total verunsichern lassen und eher ducken.

Mein Ziel/meine Motivation:
Ich habe selbst zwei Mal cholerische Chefs gehabt und weiß, wie ätzend das ist. Das darf man auf keinen Fall mit sich machen lassen! Ich habe gelernt, dass Unterwerfen das Schlechteste ist, was man machen kann.

Seht Ihr, was da klar drinsteckt, an Richtung, unter anderem für meinen Schreibstil?

Und jetzt schauen wir an, was ist, wenn die Antwort ein wenig anders ausfällt:

Mein Ziel/meine Motivation:
Mir blutet das Herz, wenn cholerische Führungskräfte ihre Angestellten terrorisieren. Ich weiß aber, dass Choleriker oft in sich gefangen sind. Darum möchte ich den Angestellten die Handlungsmacht zurückgeben. Sie können die Situation verbessern!

Da steht nicht das Gleiche! Die beiden Texte würden sich von der Art und Ansprache unterscheiden.

Vielleicht ist die Antwort – je nach Thema – mitunter so, dass Ihr Euch selbst an die Nase fasst, also einen anderen Blickwinkel dazu habt:

Mein Ziel/meine Motivation:
Ich schäme mich dafür, aber auch ich habe früher in meiner Chefinnenzeit die Situation erlebt, dass ich total ungehalten wurde und schon mal explodiert bin. Jetzt will ich aufdröseln, was da von meiner Seite vorging.

Als schreibende EinzelunternehmerInnen haben wir in der Regel ein persönliches Anliegen, besonders im eigenen Blog. Komm dem näher auf die Spur! Es macht deine Texte viel besser.

Ach und noch ein Hinweis zu dem, was ich oben gerade gesagt habe: Dass einem diese Frage manchmal hilft, das Plankton-Thema zu korrigieren. Sagen wir, mein vorläufiger Arbeitstitel wäre gewesen: „Lass das nicht mit dir machen! 3 Tipps, um cholerischen Chefs einen Riegel vorzuschieben“

Jetzt beantworte ich die Frage nach meinem Ziel/meiner Motivation aber mit dieser eigenen Erfahrung, dass ich selbst schon cholerisch war. Dann merke ich vielleicht: „Oha, das ist ein viel besserer Ansatz!“ – Da ich gerade erst angefangen habe mit der Konzeption, kann ich direkt noch den Arbeitstitel verändern, bevor ich weitermache. Dann heißt der Text vielleicht: „Ich war eine cholerische Chefin – was ging in mir vor und warum habe ich mich so verhalten?“

Oder ich notiere mir das als zweite Idee, wenn ich über beide Themen schreiben will.

Nicht immer, aber oft, steckt die Intro drin

Noch ein Bonus für alle, die sich schwer mit Text-Einstiegen tun: Häufig, aber nicht immer, lassen sich Brocken aus der Antwort bei „Dein Ziel/deine Motivation“ für die Intro verwenden.