Blog + Newsletter
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„Was mache ich, wenn überwiegend Branchenkollegen bei mir lesen?“

Blogleserin Susanne fragt:

Meinen Blog und auch Newsletter abonnieren übrigens viele Kolleginnen aus meiner Branche – die vermutlich nie Kundin bei mir werden. Ist das ein gutes Zeichen für meinen Expertenstatus und wie kann ich das im besten Sinne für mich verwenden?

Ist es ein gutes Zeichen oder clasht es mit meinen Zielen?

Auf den ersten Blick könnte man das als Lob und Bestätigung sehen und sich gut fühlen: Oho! So viele Branchenkollegen lesen bei mir mit! Da muss ich wirklich gute Inhalte bringen, sonst wäre das ja nicht so.

Doch es ist klug von Susanne, das zu hinterfragen. Die eigentlich relevante Frage ist, welche konkreten Ziele hinter ihrem Blog und Newsletter stecken.

In der Regel schreiben wir Selbstständigen zu Marketingzwecken. Wir machen uns die Arbeit mit einem regelmäßigen Newsletter oder einem Blog – im Gegenzug erhoffen wir uns Vorteile für unser Business.

Ich weiß jetzt nicht, wie es bei Susanne ist, weil wir uns nicht kennen. Doch meiner Erfahrung nach ist es so, dass die meisten mehr oder weniger mit einem Newsletter oder dem Bloggen loslegen, ohne diese wichtigen Marketingwerkzeuge vorher klar auszurichten.

Mal ein grob skizziertes Beispiel (in Wirklichkeit ist der Prozess natürlich viel konkreter, weil man die einzelnen Ziele auf das eigene Business, die Leistungspalette und den Mitteilungsdrang abstimmen muss). Nehmen wir ein Blog rund um Konfliktlösung, bei dem augenscheinlich vorrangig Mitbewerber mitlesen. Jetzt schauen wir uns drei verschiedene Personen an, die hinter so einem Blog stehen könnten:

  • Konflikt-Spezialistin A gibt Workshops für Unternehmen und macht Mediation für Privatpersonen. Alles regional im Raum Berlin. Sie bloggt zu einem Teil aus Idealismus, weil sie das Miteinander verbessern will – und sie will mögliche Auftraggeber auf sich aufmerksam machen.
  • Konflikt-Spezialistin B hat als Ziel, sich überregional als Expertin zu etablieren. Ihr Business läuft. Wenn über das Blog weitere Anfragen kommen, ist es gut, aber in erster Linie will sie sich einen Namen machen, weil sie ihre Medienpräsenz erhöhen und ein Speaker-Standbein aufbauen möchte.
  • Konflikt-Spezialistin C hat in ihrer Leistungspalette sowohl „Endkunden“ als auch Fortbildungen für Kollegen. Ganz neu will sie das Coaching per Skype etablieren, um künftig weniger reisen zu müssen.

Aus diesen plakativen Szenarien wird bereits das „Kommt drauf an“ klar, das hinter der Frage steckt, ob die vielen Branchenkollegen positiv sind oder nicht.

Für Susanne bedeutet das: Wenn ihre Ziele eigentlich sind, über ihr Schreiben an Auftraggeber zu kommen, sie aber nichts für Branchenkollegen anbietet, das diese bei ihr kaufen könnten (selbst, wenn sie noch so überzeugt von ihr sind), dann ist es kein gutes Zeichen, wenn tatsächlich überwiegend Branchenkollegen bei ihr mitlesen.

Sind ihre Texte großartig und teilt sie Methoden, dann bietet sie den Branchenkollegen zwar einen sicher gern genommenen Service, doch unterstützt sie nicht ihr Business, sondern das der anderen.

Diese Tatsache kann sogar empfindlich weh tun, wenn Susanne ein besonderes Know-how hat: Einen eigenen Ansatz, eine spezielle Sichtweise oder wenn sie Methoden oder griffige Zusammenfassungen von Tipps und Übungen wunderbar für die Konkurrenz aufbereitet.

Es gilt also zu klären:

Ist es WIRKLICH so, dass außergewöhnlich viele Branchenkollegen abonniert haben? Dieser Eindruck kann täuschen, denn es fallen einem natürlich in der Verteilerliste besonders diejenigen auf, die im selben Business tätig sind. Ein gewisser Anteil ist immer aus der eigenen Branche. Und selbst das heißt noch nichts, denn unter diesen kann es – je nach Blog und Newslettertexten – welche geben, die gute Multiplikatoren sind. Weil sie die konkreten Leistungen, die Susanne macht, nicht selbst anbieten. Oder weil es einfach aktive NetzwerkerInnen sind. Das ist also umgekehrt oft ein schönes Win-Win, weil einem Mitbewerber, die etwas anders arbeiten oder für eine andere Zielgruppe auf den Radar geraten.

Wenn es so ist, dann bitte nicht blind als Kompliment werten. Nur weil man im eigenen Verteiler eine gewisse Anzahl an Branchenkollegen findet, lassen sich daraus nicht automatisch Schlüsse ziehen. Denn wir wissen nicht, was dahinter steckt und was die denken – wie ich hier schon mal näher aufgedröselt habe.

Wie kann ich das im besten Sinne für mich verwenden?

Bestätigt sich der Eindruck, dass ein hoher Anteil ihrer Leserschaft aus der eigenen Branche ist, kommt Susannes zweite kluge Frage zum Einsatz: Wie kann ich das für mich nutzen?

Zum einen ist es wichtig, sich der eigenen Ziele bewusst zu werden, die Susanne mit dem Schreiben ihres Blogs oder Newsletters verfolgt.

Bitte drandenken: Das sind zwei verschiedene Medien! Bitte nicht einfach in denselben Topf werfen!

Hier sind die meisten Selbstständigen viel zu grobmaschig, was das jeweilige Marketingwerkzeug, ihr Ziel und daraus resultierend die Ausrichtung betrifft. Die Beispiele mit den Konfliktspezialisten oben haben das Prinzip ja skizziert, auch wenn das, wie gesagt, sehr viel konkreter hinterfragt werden muss.

Zum anderen ist es ein guter Anreiz, das eigene Business abzuklopfen: Habe ich bereits was für Branchenkollegen in meinem Leistungsspektrum? Wenn nein oder nur unzureichend: Würde mich das interessieren? Und wenn ja, in welcher Form. Im Business-to-Business-Bereich, also bei Fortbildungen für Kollegen, sind höhere Honorare drin, weil diese das jeweilige Angebot immer sofort für ihr eigenes Business versilbern können.

Hier ebenfalls bitte viel konkreter werden.

Oft denkt man nämlich viel zu nahe an dem, was tatsächlich ist. So könnte es sein, dass eine Konfliktspezialistin bisher Konfliktlösungsseminare gibt und dann denkt „Bläh, ich hab keine Lust, sowas mit Branchenkollegen zu trainieren, das langweilt mich“. Vielleicht ist es aber so, dass sie merkt: „Hey, ich hätte gute Lust, mein Business mittelfristig neu auszurichten und anderen KommunikationsunternehmerInnen bei der Positionierung und Supervision unter die Arme zu greifen.

Oder Susanne merkt: Ah, ich will meine bisherige Schiene mit den Endkunden weiterführen, aber wenn ich schon so eine hohe Mitbewerber-Leserschaft habe, dann stelle ich für die einen Online-Workshop zusammen – so dass ich für das Fachpublikum zumindest ein Kaufprodukt habe.

Es gibt viele Möglichkeiten! Was besonders wichtig ist – wie Susanne das direkt tut: Bemerken, dass da was ist und sich fragen „Was bedeutet das? Wie kann ich das für mich nutzen?“

Selbst klarer zusammenzurren!

Geht die Leserschaft tatsächlich an dem vorbei, wen man anpeilt, dann macht man mit einem Newsletter und Blog eine permanente Thema-Verfehlung.

  • Möchte Susanne also nichts dergleichen für die Branchenkollegen anbieten,
  • ist ihr Ziel nicht, ihren Namen als Expertin zu etablieren, sondern schreibt sie „eigentlich“ für eine andere Zielgruppe,

dann ist wichtig, ihr Blog- bzw. Newsletterkonzept durchzugehen und ihre Inhalte zu prüfen. Das ist wieder eine Stelle, die man so allgemein gehalten gar nicht näher beschreiben kann, weil es zu komplex ist. Das muss individuell konkret hinterfragt, abgeklopft und entschieden werden.

Passt da alles, dann hat sie Blog und Newsletter bisher nicht oder zu wenig bei ihrer eigentlichen Zielgruppe bekannt gemacht. Denn auch das ist ein verbreitetes Versäumnis: Man stellt was ins Netz und hofft/wartet, dass es schon jemand sieht.

Ich muss aber als AutorIn und Selbstständige immer dafür sorgen, dass die Zielgruppe, die ich erreichen will, mein Angebot überhaupt kennt.

 

3 Kommentare

  1. Ja, das ist sowas von total wichtig! Denn es bestimmt ja auch, wie die Artikel geschrieben werden. Hätte ich nicht immer die Menschen vor Augen, die sich für meine Thematik interessieren, von ihr aber meist null Ahnung haben, würde ich komplett unverständlich rüberkommen.

    Nachdem wir mal in einem Blog-Workshop zusammen rausgearbeitet haben, wie meine Zielgruppe eigentlich „wirklich“ aussieht, haben sich meine Artikel komplett geändert. Abgesehen davon, dass mir das Schreiben jetzt viel mehr Spaß macht. Denn meine Kollegen sind ja schon „überzeugt“, ich aber möchte aber das schlechte Image meiner Branche mit jedem Artikel ein bissel mehr gerade rücken :-). Und das scheint mir recht gut zu gelingen, nachdem mir die Zielgruppe richtig klar geworden ist.

    Manchmal gib´ts auch einen „Fachartikel“, den nur Eingeweihte verstehen, einfach weil ich Lust dazu habe. Dann wird das aber gleich in der Einleitung kommuniziert, so dass jede/r entscheiden kann, ob er/sie weiterliest.

    Liebe Grüße
    Sylvia

  2. Liebe Gitte, grüezi, hab ich total gern und mit Interesse gelesen.

    Wir haben auch schon mal ein Blogkonzept für mich überlegt. Das hatte ich immer im Kopf als ich jetzt meinen neuen wesentlichwerden-blog aus der Taufe hob.

    Ich bin guter Dinge weil in einer Auszeit :-).

    Toll dein neuer Look. Alles Liebe in 2017.

  3. Gitte Härter sagt

    Huhu Sylvia und Petra,

    herzlichen Dank für Eure Ergänzungen und eigenen Erfahrungen – ich freue mich, dass ich beitragen durfte/darf.

    Herzliche Grüße + auch für Euch ein wunderbares neues Jahr!
    Gitte

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