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Ironie: Fallstricke beim Schreiben

Es kann ein sehr gutes Stilmittel sein, ironisch über etwas zu reden oder den Lesern einen bestimmten Blickwinkel “verquer” vor Augen zu führen. Doch genau wie im Gespräch, kann Ironie beim Schreiben gewaltig nach hinten losgehen.

Wann immer du deinen Standpunkt nicht klar genug aussprichst, wirst du schneller missverstanden.

Von Klartext, Ironie und Sarkasmus

Beim Schreiben ist es wichtig, Klartext zu reden. Eine eigene Meinung zu haben, also einen Standpunkt zu vertreten. Eindeutig zu sein, damit LeserInnen folgen können und von den Informationen, Anregungen + Tipps etwas haben.

Ironie ist auf den ersten Blick das Gegenteil von Klartext:

  • sie verschleiert, was man eigentlich meint.
  • sie kann helfen, einen wichtigen Aspekt aufzunehmen, sich jedoch gleichzeitig davon zu distanzieren.
  • sie lässt die Tür zum „das war nicht so gemeint“ offen.

Greift man etwas ironisch auf, kann das augenrollend oder belustigt geschehen. Im Extremfall wird es sarkastisch mit Hohn, Spott und einem Schuss Bösartigkeit.

Du hast bestimmt schon erlebt, dass Ironie in persönlichen Gesprächen nicht immer erkennbar ist. Und selbst wenn, fühlt man sich nicht immer damit wohl. Es gibt auch Leute, die standardmäßig ironisch sind: Man weiß nie, woran man ist, und manchmal scheint es tatsächlich so, als ob der andere einfach nur zu feige ist, Klartext zu reden.

Für LeserInnen ist es noch schwieriger, Ironie zu erkennen. Denn sie haben uns nicht vor Augen. Sie können nicht sehen, wenn wir mit Mimik oder Tonfall eine Aussage relativieren, und nehmen dann schnell etwas für bare Münze, das wir gar nicht so meinen.

Beim Schreiben muss Ironie mit Klartext immer Hand in Hand gehen. Aus Kontext und Formulierung muss eindeutig erkennbar sein, wenn du etwas gar nicht so meinst.

Die Fallstricke, wenn Ironie nicht verstanden wird:

Wann immer wir ironisch werden, meinen wir etwas gerade nicht so. Je nachdem, was du schreibst, kann das unschöne Nebenwirkungen haben:

Leser wundern sich, dass du eine bestimmte Ansicht vertrittst, was gerade bei uns Selbstständigen natürlich auch auf unser Business reflektiert. Das kann dich in eine Schublade stecken, in der du auf keinen Fall sein willst.

Augenrollen. Manche Aussagen oder Meinungen werden mit einem Augenrollen quittiert, das mit einem persönlichen Urteil über dich einhergeht: Wer das sagt … | Was ist das denn für eine verquere Ansicht … | Sowas Blödes!

Polarisieren. Polarisieren ist prinzipiell eine gute Sache. Es bedeutet, dass du eine klare Meinung vertrittst, und da sich Ansichten unterscheiden, teilt sie eben nicht jeder. Es gibt Themen, die von vornherein zwei Lager ansprechen [Vegetarier/Fleischesser; Raucher/ Nichtraucher]; es gibt Verhaltensweisen beziehungsweise Formulierungen, die polarisieren [Du sollst/musst/ darfst nicht; Du machst das falsch/So geht es richtig!], und es gibt einfach Meinungsverschiedenheiten.

Vor den Kopf stoßen. Lässt du dich in einem Text über etwas oder jemanden aus, das diese Person als Affront versteht, fühlt sie sich vor den Kopf gestoßen. Das ist beim ironischen Ansatz doppelt gefährlich, wenn der andere nicht merkt, dass du eigentlich auf seiner Seite stehst.

An den Pranger stellen. Je nachdem, was und wie du es formulierst, kann sich ein Leser regelrecht vorgeführt fühlen. Als ob man jetzt öffentlich über ihn diskutiert oder du ihn [seine Ansichten, Verhaltensweisen] bloßstellst.

Schriftlich wird man schneller missverstanden.

Gerade wenn du im Internet veröffentlichst, kann es dir passieren, dass Aussagen aus dem Kontext gerissen weiterverbreitet werden.

Trotzdem ist die gezielt eingesetzte Ironie ein wunderbares Stilmittel, wenn eindeutig erkennbar ist, wie es gemeint ist.

 

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