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Schreib spontaner! Mit klaren Entscheidungen

Immer wieder plädiere ich dafür, nicht ewig an einem Text rumzumachen. Wer viel schreibt, kann weder ständig auf kussfreudige Musen warten, noch sich leisten, Stunde um Stunde [oder gar tagelang] an einem Artikel zu hängen.

Das kostet zu viel, macht in der Regel keinen Spaß – und es ist nicht mal ein Garant dafür, dass deine Texte wirklich besser werden.

DU machst den Text …

… er „entwickelt sich nicht irgendwie“.

Wer zielgerichtet und mit der Zeit immer flotter wirklich gute Texte schreiben möchte, weiß: Schreiben beginnt mit klaren Entscheidungen.

Ich habe nicht irgendeine Themenidee, setz mich hin und schaue was passiert. Sondern ich habe eine Themenidee, die durch meine klaren aufeinander aufbauenden Entscheidungen zu einem Text wird.

Gute Texte sind kein Zufall. Gute Texte sind Absicht.

Unabhängig davon, wie du beim Schreiben vorgehst, bedeutet das, dass du ab der Themenidee klar entscheidest, worauf du mit dem Text rauswillst – was der Text für deine LeserInnen überhaupt bringen soll. Und was du dafür brauchst, um das zu erreichen.

Damit wir uns richtig verstehen …

Mit „spontan“ meine ich gerade nicht, irgendwas im Blindflug zu machen. Sondern es geht darum, dass wir als Selbstständige nutzen, was wir können:

  • Wer ein Business-Blog oder einen Newsletter schreibt, hat Ahnung von seinem Fach.
  • Du hast praktische Erfahrung; erprobte Methoden, Tipps und Übungen; du weißt, was sich deine Zielgruppe fragt, wo sie Schwierigkeiten hat, womit sie sich herumschlägt; du hast eine Meinung samt eigener Denke und Herangehensweise.

Das Schreiben ist ein anderes Paar Stiefel, da sind wir uns einig! Doch genau darum ist es so wichtig, zu verstehen, dass die ganzen Entscheidungen vorher wichtig sind, damit du zielgerichtet aus dem Kopf ziehen kannst, was da ist. Gerade WEIL das Schreiben ein anderes Paar Stiefel ist.


Ohne klare Entscheidungen draufloszuschreiben, dauert unnötig lange. Und es führt dazu, dass dein Text – selbst, wenn er ganz gut wird – unter seinen Möglichkeiten bleibt. Immer.

Noch mal zur Erinnerung:

Ein Text entwickelt sich nicht, sondern wir als Autoren treffen eine Entscheidung nach der anderen, die aus einer Idee einen Text machen.

Anhand der konkreten Entscheidungen, was der Text für wen bringen soll, bin ich überhaupt erst in der Lage, aus meinem Kopf zu holen, was ich dafür brauche.

Dann wird geschrieben.

Bei mir sind das die „weichenstellenden Fragen“

Ich schreibcoache und -workshoppe eine gefühlte Ewigkeit, und ich habe in all den Jahren mit Anfängern, geübten SchreiberInnen und Profis verfeinert, wie sie diese wirklich konkreten Entscheidungen treffen können.

Neben dem Plankton-Arbeitstitel, spielen die weichenstellenden Fragen eine zentrale Rolle. Wenn du schon mal in einem Workshop warst, wird das jetzt eine Erinnerung. Wenn es dir neu ist, dann sieh es als bewährte Anregung – aber unterschätze diese Fragen nicht. Sie nützen nur was, wenn sie wirklich konkret beantwortet werden und klar aufeinander aufbauen.

Alleine die Denke, dass man einen Text aktiv gestaltet, indem man klare Entscheidungen trifft, was man jetzt überhaupt genau schreiben will, ist für die meisten neu.

Weil sie denken, das Schreiben passiert beim Schreiben.

Nach meiner Vorgehensweise passiert alles vor dem Schreiben. So baut alles schlüssig aufeinander auf und unterm Strich macht es die eigenen Texte sogar lebendiger, denn wenn es losgeht mit dem Schreiben, kannst du dich auf das Formulieren konzentrieren – alles andere ist bereits vorausgedacht.

Mit dem Plankton-Arbeitstitel geht’s los: Hier wird aus einer groben Idee nämlich eine ganz zielgerichtete Aussage, worums im Text gehen wird.

Sagen wir, jemand hat als Idee „ich schreibe mal was über Lampenfieber bei Vorträgen“, dann käme er bei mir damit nicht durch! „Lampenfieber bei Vorträgen“ ist zwar ein gutes Plankton-Thema, also eine klare Teilfacette – aber es fehlt der konkrete Aufhänger, worauf der Text raus will. Darum gibt’s den Plankton-Arbeitstitel. Diese vorläufige Überschrift sagt UNS SELBST glasklar, worauf der Text rausläuft.

Ich bin also hier bereits gefordert, meine erste Entscheidung zu treffen: Worüber genau will ich schreiben, wenn es es um Lampenfieber bei Vorträgen geht? – Da kann ich jetzt Hunderte von Artikeln schreiben. Ich könnte sogar ein Lampenfieber-Blog starten!

Als Kundin von mir weißt du, du musst dich an dieser Stelle schon entscheiden. Ich mach dir mal drei Beispiele für mögliche Texte zu „Lampenfieber bei Vorträgen“:

  • Warum jeder Lampenfieber hat und es deinen Vortrag sogar besser macht!
  • Lampenfieber vorm Vortrag? – Eine Zwei-Minuten-Übung, mit der du dein Herzflattern sofort beruhigst
  • Ist dein Lampenfieber begründet? – 7 Schlampereien und Versäumnisse von Vortragenden, die zu Kniezittern führen

Siehst du, wie viel besser du sofort dein Thema greifen kannst, wenn du dich an dieser Stelle klar entscheidest, worauf du rauswillst? „Ich schreibe was zu Lampenfieber bei Vorträgen“ ist Schwamm. Der Plankton-Arbeitstitel verhindert Schwamm.

Wie gesagt: Der Plankton-Arbeitstitel ist eine vorläufige Überschrift, die erstmal nur für dich selbst da ist (der hat nichts mit der späteren Überschrift zu tun, die veröffentlicht wird).

weitere Beispiele zum Plankton-Arbeitstitel

Den Umfang im Blick:  Ich kann nur dann realistischen Nutzen reinbringen, wenn ich weiß, wie lange der Text ungefähr wird. Die Bedeutung des Umfangs

Meine drei weichenstellenden Fragen sind:

  1. Für welche Zielgruppe schreibe ich diesen Text? Und da reicht nicht „für meine Blogleser“ oder das Hinschreiben der Zielgruppe, die man im Business hat, sondern …
  2. Was ist mein Ziel/meine Motivation, warum ich ausgerechnet darüber schreibe? Auch das ist eine konkrete, WEICHENSTELLENDE Frage, wenn du sie für diesen Text klar beantwortest, wie ich hier näher erkläre.
  3. Was soll der Leser wissen, können oder tun? Diese Frage stellen sich meine Kunden genau so und legen dann aus Leserperspektive zwei bis drei handfeste Punkte fest, die der Text bewirken soll.

Diese Fragen werden nacheinander richtig konkret beantwortet (das ist anfangs schwieriger, als es aussieht, wenn man mit den Antworten wirklich aussagekräftige Entscheidungen für den Text geben will) + sie bauen logisch aufeinander auf.

So wird eine groben Idee für einen Text flott und klar weiterentwickelt.

Das wiederum macht es einfach, eine sinnvolle Struktur auszuwählen + zu sehen: Welche Inhalte brauche ich für welche Passage, damit das, was ich alles an Entscheidungen für den Text getroffen habe, sicher funktioniert?

Plankton-Arbeitstitel und Konzipieren sind übrigens in jedem meiner Schreibworkshops feste Vorgehensweise. Es gibt auch einen Konzipieren-Workshop – derzeit als „Wunsch-Workshop“.

Muss man das so machen?

Nö. Müssen tut man gar nichts. Ich empfehle und übe es genau so in jedem meiner Workshops, weil ich immer wieder sehe, wie exzellent es funktioniert:

  • Dass die Leute, die dranbleiben, deutlich nützlichere Texte mit einem ganz eigenen Stil produzieren.
  • Viel besser ihr eigenes jeweiliges Thema greifen können.
  • Ratzfatz auf Basis ihres Konzeptes den ersten Entwurf buchstäblich runterschreiben.
  • Es bis auf das Feintuning praktisch kein Überarbeiten braucht.
  • Sie auf diesem starken Fundament vielseitig aufbauen können, wie sie an Themen und Texte rangehen.

Doch auch wenn du anders vorgehst, bleibt es bei meinem Plädoyer: Hol dein Know-how und deinen Erfahrungsschatz zielgerichtet und flott aus dir aus.

Triff klare Entscheidungen für deinen Text, BEVOR du losschreibst.

 

4 Kommentare

  1. Hallo Gitte,

    auch diesmal ist dein Artikel wieder ein Treffer ins Schwarze! Ich sitze nämlich gerade an einem neuen Blogartikel zum spannenden Thema „Erkenntnisse der Psychologie fürs Schreiben nutzen“, das eben auch ein Plankton-Thema ist. Da kommen deine drei weichenstellenden Fragen gerade recht. Ganz wichtig ist für mich auch die Frage: was soll am Ende der Leser wissen, können oder sogar tun? Diese Frage bestimmt ja Richtung und Ziel des ganzen Artikels.

    Viele Schreibgrüße
    Gabriele

  2. Liebe Gitte, immer wieder super, von dir erinnert zu werden. Danke fürs Dran-Bleiben mit uns.
    Schönen Freitag.
    Petra

  3. Liebe Gitte! Auch bei mir trifft Dein Artikel quasi des Pudels Kern. Ich bin mir bewusst, dass ich mit dem Schreiben für meinem Blog viel, viel zu viel Zeit „verliere“ weil ich viel zu konzeptlos an die Sache rangehe. Die Beiträge, die mir selber am meisten Freude machten (auch beim Betrachten der Leserzahlen!) waren diejenigen, die ich einfach komplett ohne überhaupt nachzudenken in die Tasten gehauen und danach sofort veröffentlicht habe. Meist entstanden die allerdings auf Basis eines oder mehrerer Fotos, da gab dann halt das Fotografische quasi den Inhalt vor, das ist für mich einfacher. Wo ich mich schwertue ist bei der Frage nach der Zielgruppe. Weil: na klar sind das ganz einfach meine Blogleser und ich kenne die ja nur zu einem Bruchteil. Ich sehe nicht, wie ich das näher eingrenzen könnte. Auf jeden Fall werde ich mal versuchen, nach Deiner Methode zu arbeiten. Mit lieben Grüssen, Arletta

  4. Liebe Gitte,
    ja, das stimmt, was Du schreibst. Seit unseren Workshops letztes Jahr, ist es mir bewusst und meine Texte werden griffiger.

    Ich stelle allerdings fest, dass es mir oft schwer fällt, den wahren Kern (meine tatsächliche Botschaft) herauszupulen, schwerfällt.
    Im Moment passe ich an, schmeiße raus, stelle um, wenn ich Zick-Zack in meinen Texten merke. Das kann bedeuten, ganze Passagen nachträglich zu löschen.
    So von Anfang an auf den Punkt zu kommen? Ich hoffe, das kommt noch mit der Übung.

    Das Konzipieren geht jetzt schon besser. Und ich kapiere allmählich, was damit gemeint ist „Wer ist Deine Zielgruppe?“. Da ist mein Hirn mit großartigen Vorstellungen ausgestattet. Dabei ist es doch immer auf den Text gemeint, den ich schreiben will.
    Schreibe ich einen Text für Wanderer, die an ausgesetzten Stellen Angst haben, dann ist die Zielgruppe: „Wanderer, die an ausgesetzen Stellen Angst haben.“ und nicht „Bergwanderer“. Diese Erkenntnis reift gerade. 🙂

    Danke für diesen tollen Aufrüttler. Da setzte ich gleich einen Fav.

    Herzliche Grüße
    Heike

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