Selten so gelacht! Lesen Sie mal bitte den ersten Absatz dieses Artikels von Stefan Niggemeier:
Anfangen
Übers Bild zum Text
Haha! Ich habe eine Digitalkamera geschenkt bekommen – meine erste (die lausige im Handy zählt nicht). Es ist die Fujifilm Finepix JX200.
Jedenfalls fotografiere ich gerade alles, was bei drei nicht auf dem Baum ist. Besonders gut bin ich natürlich noch nicht, aber die Kamera ist so laienfreundlich, dass doch schon das eine oder andere gute Bild dabei rauskommt. Vor allen Dingen ist die Qualität endlich sehr viel besser!
Da ich momentan eher zufällig alles fotografiere, baue ich gerade Artikel um Bilder, die mir gut gefallen. Und das hat mich an unseren Adventskalender vom letzten Jahr erinnert:
Thema gefunden. Wille da. Und jetzt?
“Ein gutes Thema hab ich! Aber wo fange ich jetzt nur an?” Wenn ich jetzt fragen würde “Newsletter-LeserInnen: bitte mal Hand hoch, wem es schon mal so gegangen ist”, dann bin ich ziemlich sicher, dass wir ein Händemeer sehen würden. Sie sind also bei weitem nicht alleine!
Die Kunst des Auswählens ist die wichtigste Autorenleistung, die die Leser in der Regel überhaupt nicht wahrnehmen. Die TeilnehmerInnen meiner Buchkonzept-Schreibwerkstatt kennen es besonders: Gar nicht so leicht, eine noch so gute Buchidee im Detail auszuarbeiten.
Doch egal, wie lange Ihr Text ist, ob es sich um ein Buch, einen Tipptext, eine Gebrauchsanweisung, einen Roman oder einen Marketingtext handelt: immer stellt sich die Frage, wie Sie das Thema denn jetzt nun wirklich anpacken.
Gehirnverstopfung
Manchmal habe ich den Drang, mit einem Pümpel meine Gehirnverstopfung zu beseitigen. Ich würde mir ein Ohr zuhalten und den Pümpel überm anderen Ohr festnapfen – und dann mehrmals kräftig pumpen. Aaaah! Endlich wieder einwandfrei denken!
Mit „Gehirnverstopfung“ meine ich nicht eine Schreibblockade oder Schreibunlust. Sondern ein Zuviel:
- zu viele Möglichkeiten, über was man gerade schreiben könnte
- zu viele Ideen, Informationen und Erfahrungen, die sich zu einem Thema in den Vordergrund drängeln
- zu viel Aktuelles im Kopf, das durcheinander läuft oder sich in den Vordergrund drängt
Weil das mit dem Pümpel leider nicht so einfach geht, hier einige alternative Wege, eine Gehirnverstopfung zu beseitigen:
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Wählen Sie blutdrucksteigernde Themen
Besonders einfach fällt uns das Argumentieren, wenn uns etwas total wichtig ist oder wahnsinnig aufregt. Das können Sie sich natürlich auch für das Schreiben zu Nutze machen: Startschwierigkeiten lösen sich sehr schnell auf, wenn Sie einfach Ihre Meinung sagen. Je mehr Sie das Thema in irgendeiner Weise anpiekt, umso besser.
Mich beispielsweise regt das „Der Kunde ist König“ total auf – und zwar sowohl aus der Vertriebler-Sicht (ich war früher viele Jahre im Vertrieb tätig), als auch aus Kundenperspektive.
- Mir passt dieses Antiquierte und Pauschale daran überhaupt nicht. Ich möchte weder als König bezeichnet und womöglich noch so behandelt werden, weil man das ja tun muss … obwohl man mich hintenrum vielleicht verflucht.
- Ich möchte auch ganz bestimmt niemanden als „König“ ansehen und hochschauen oder über mich herrschen lassen müssen. Augenhöhe finde ich da für beide Seiten sehr viel gesünder.
- Und letztlich stört mich daran auch, dass sich so mancher König da draußen wie ein Depp benimmt: man braucht nur mal im Supermarkt oder Restaurant genauer hinsehen oder eigene denkwürdige Begegnungen mit unverschämten, unhöflichen oder gar betrügerischen Kunden Revue passieren lassen.
Sternsinger oder „Wie war das mit der Recherche?“
Im März hatte ich schon einmal über Recherche geschrieben. Damals ging es um Texte, bei denen es nicht zwingend nötig ist, zu recherchieren: Soll man recherchieren – oder lieber nicht?
Die „Sternsinger“ haben mich an dieses Thema erinnert, weil ich bei wikipedia gelesen habe, wie unterschiedlich die Schreibweise und Interpretation des „C+M+B“, das die Sternsinger auf Türrahmen schreiben, ist. Unter anderem heißt es dort:
Die Bedeutung der Buchstaben C, M und B wird offiziell spätestens seit den 1950er Jahren als Abkürzung der lateinischen Worte „Christus mansionem benedicat“ (= „Christus segne dieses Haus“) gedeutet. [...] in älteren volkskundlichen Abhandlungen herrscht die Deutung der Buchstaben als Initialen der drei Könige vor.
und
In Deutschland und der Schweiz wird von den veranstaltenden Organisationen die Schreibweise 20*C+M+B+10 empfohlen. Diese Schreibweise hat laut Kindermissionswerk, folgende Bedeutung: ein Stern für den Stern von Bethlehem und die drei Kreuze für den Dreifaltigen Gott: Vater, Sohn und Hl. Geist. In Österreich und Südtirol findet vor allem die Schreibweise 20-C+M+B-10 mit einem weiteren Kreuz über dem Buchstaben M als zusätzliches Segenssymbol Anwendung.
Wie interessant! Ich wusste das nicht so genau, vor allen Dingen, dass das mit den Schreibweisen so komplex ist und sogar die Kreuze etwas bedeuten und nicht nur ein Pluszeichen sind.
Recherche führt einerseits immer zu mehr Wissen. Sie kann aber auch zu mehr Verwirrung führen. Auch das ist übrigens ein Grund, warum ich es vermeide, über Dinge zu schreiben, über die ich nicht genug weiß. Wenn es dann doch mal vorkommt, dass ich zum Beispiel in einem Buch eine bestimmte Erklärung oder Hintergründe zu einer Sache beschreibe, dann checke ich doppelt und dreifach verschiedene Quellen – und würde mich beispielsweise niemals nur auf eine Quelle beziehen, zum Beispiel wikipedia, die zum schnellen Nachsehen (oder für hier im Adventskalender) natürlich sehr praktisch ist. Das wäre mir zu unsicher.
Noch schlimmer ist es natürlich, wenn Sie Fachartikel oder historische Texte schreiben und für die Richtigkeit absolut bürgen müssen.
Es gibt noch einen weiteren sehr wichtigen Grund, warum es sich lohnt, sogar vermeintliche Tatsachen zu überprüfen:
Der schlechteste Tipp
Fangen Sie einen Artikel doch einfach mal mit dem schlechtesten Tipp an, den Sie jemals gelesen oder bekommen haben.
Dann nur noch begründen, warum Sie den Tipp so daneben finden … et voilá: der Text ist fertig.
Ein etwas anderer Tipp-Text, der besonders spannend wird, wenn Sie einen Tipp auswählen,
- den Sie total platt finden,
- mit dem Sie volle Kanne reingefallen sind
- oder/und über den Sie sich so richtig aufregen können.
Denn das ist der Garant, dass bei Ihnen die Emotionen hochkochen, was wiederum die Formulierungen automatisch lebendiger werden lässt.
Der unvermittelte Anfang
Normalerweise führt man mit den ersten Sätzen seine Leser an das Thema heran. Klassische Einstiege sind beispielsweise:
Ich muss Ihnen nicht erzählen, wie entscheidend Ihre Einstellung dafür ist, ob Ihr Vorhaben erfolgreich sein wird. Sie kennen die Beispiele aus dem Sport zur Genüge: Wenn der Hochspringer innerlich überzeugt ist, dass er die Höhe nicht schafft, hat er keine Chance.
oder:
Selbstmarketing – und alles, was man sich davon erhofft – wird meistens etwas falsch verstanden. Die einen denken, man müsste den großen Bonzo raushängen lassen, sich ständig selbst loben oder nach vorne drängeln. Und die anderen gehen die Sache theoretischer an und versuchen Werbe-Werkzeuge auf die eigene Person anzuwenden.
oder:
Normalerweise führt man mit den ersten Sätzen seine Leser an das Thema heran. Klassische Einstiege sind beispielsweise
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Sie können Ihre Leser aber auch unvermittelt mitten in den Text schubsen. Das hat seinen ganz eigenen Reiz und einige Vorteile:
- Es kommt Dynamik ins Lesen und miterleben.
- Je nachdem, womit Sie beginnen, wird der Leser neugierig.
- Sie können bestimmte Emotionen wecken und den “Ton” Ihres Textes bestimmen.
- Ihr Stil bleibt frisch, wenn Sie immer mal etwas anders beginnen.
- Und es ist eine gute Möglichkeit für alle Autoren, die gerne mal am Anfang hängenbleiben.
Die Überschrift als Startpunkt
Ob Sie mit einer Überschrift anfangen oder erst am Ende die beste Überschrift für den Text finden, ist Geschmackssache. Die Überschrift kann Ihnen, wenn Sie sie konkret formulieren, ein nützlicher Startpunkt und wichtiger roter Faden für das Schreiben sein. Sie ist zudem ein gutes Gegenmittel für das Wegkippen des Themas, was vielen am Anfang passiert.
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Den Leser schon am Start neugierig machen
Ein guter Text sorgt dafür, dass Ihre Leser wirklich bis zum Schluss dranbleiben. Wenn Sie regelmäßig schreiben und Ihre Stammleser Ihren Stil mögen, dann lesen diese meist zu Ende, weil sie Sie kennen: Er/sie schreibt gute Texte. Es lohnt sich, dranzubleiben.
Doch diesen Bonus hat man in der Regel nicht. Darum ist es immer wichtig, darauf zu achten, dass der Text so nah am Leser ist, dass er Lust hat, weiterzulesen. Ein Grund dafür ist die schon oft benannte Nutzendichte: keine Längen, keine unnötigen Schlenker, nichts Verwirrendes, sondern schlüssige Informationen und gute Tipps. Wenn Sie einen Text zur Unterhaltung schreiben, dann heißt es: Unterhaltungsdichte. Gleiches Prinzip.
Eine sehr effektive Möglichkeit, zu garantieren, dass Ihre Leser wirklich bis zum Ende dranbleiben, ist es, zu Beginn eine Lücke zu öffnen:
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