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Formulieren & Stilmittel

7 Anzeichen dafür, dass Internetbewertungen selbst geschrieben sind

Das Internet ist voll von Besprechungen: ob Testimonials auf Unternehmenswebsites oder den zahlreichen Bewertungsplattformen, wo mittlerweile alle nur erdenklichen Firmen, Produkte und Leistungen besprochen werden.

Viele dieser Bewertungen sind Fakes. Immer wieder gibt es kleine Skandälchen wie vor einigen Jahren auf der amerikanischen amazon-Website, wo für einige Stunden die Klarnamen von Rezensenten sichtbar waren und herauskam, dass zahlreiche Autoren reihenweise ihre eigenen Bücher hochgelobt und die von Konkurrenzprodukten runtergeschrieben haben. Oder vor einigen Monaten die Besprechung eines Elektronikproduktes, die der Geschäftsführer der Firma selbst geschrieben hatte. Leider hatte er ein Häkchen falsch gesetzt, so dass sein Pseudonym mit seinem echten Namen verknüpft war.

Doch solche Fehler braucht es gar nicht. Es gibt einige Anzeichen, die darauf hindeuten, dass man es mit “einem Fake” zu tun hat. Besonders wenn mehrere davon gleichzeitig präsent sind, können Sie fast wetten, dass die Besprechung unecht ist.

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Vorsicht: zu gewollt und anstrengend

Früher, als ich den Fernseher noch hatte, habe ich gerne Talkshows geschaut. Nicht die blöden Talkrunden, wo wirr und oberflächlich durcheinandergeschwätzt wird. Die haben eher meinen Zorn entfacht und mich einige Male sogar die Mattscheibe anschreien lassen, sondern Talkshows, wo die Gäste etwas über sich erzählt haben. Wo man den Menschen hinter dem Künstler oder Politiker sah. Das war oft überraschend positiv, häufig aber leider auch enttäuschend und abtörnend. Das Schlimmste in solchen Talkshows sind Comedians: die sind derartig krampfig darauf bedacht, in jedem Satz irgendeine Pointe zu liefern, dass menschlich so gar nichts rüberkommt. Und mal abgesehen davon, dass oft die gleichen Statements recycelt werden, ist es als Zuschauer einfach nur anstrengend.

Beim Schreiben ist das auch so: Wir hatten es schon öfter, dass zu viele Informationen auf einmal anstrengend sind. Es gibt aber einige weitere Schreibfehler, bei denen Leser einfach nur aufstöhnen:

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Immer gern gelesen: Typologien

Ein amüsantes Stilmittel, das immer gut ankommt, sind Typologien. Diese können ernst gemeint sein, rein der Unterhaltung dienen oder einen Schuss Augenzwinkern enthalten (haha: ein Schuss Augenzwinkern, ist ja mal ganz was Neues!).

Genau wie bei Selbst-Tests, die die meisten Leute gern machen, erfreuen sich Typologien großer Beliebtheit. Sie werden nicht nur gerne gelesen, sondern sind sehr beliebt im Internet – werden also oft weitergeschickt und verlinkt.

Und sie sind relativ leicht zu schreiben:

  • Überlegen Sie sich einfach welche ausgeprägten Typen es gibt.
  • Geben Sie diesen einen plakativen oder witzigen Namen.
  • Schreiben Sie eine kleine Beschreibung, was den jeweiligen Typ auszeichnet.

Das muss gar nicht ausführlich sein! Zu Ihrer Inspiration hier einige Beispiele:

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Gemischtwörterladen

Immer wieder fallen mir einzelne Wörter auf oder ein, die keinen eigenen Beitrag hergeben, zu denen es aber doch etwas zu sagen gibt. Darum gibt es ab jetzt immer mal den “Gemischtwörterladen”. Diesmal mit:

:arrow: Weld: Gestern fiel mir auf dem Viktualienmarkt ein bayerisches Stand-Schild auf, das wunderbar geschrieben war, aber mit “von überall auf der Weld” endete. Im ersten Moment war ich, als Bayer, ganz enttäuscht: denn bayerisch sagt man weder “überall” noch “Weld”.  Je nach Region fällt das dann etwas anders aus, ich als Garmischerin würde beispielsweise sagen “überoi” und “Wejd”. Nachträglich fiel mir ein, dass es goldrichtig ist, wie die Standbetreiber es geschrieben haben. Denn jeder Nichtbayer wäre völlig überfordert, wenn diese Dialektwörter zu bayerisch geschrieben werden: der Sinn würde sich überhaupt nicht erschließen! Hier haben wir uns auch schon einmal über geschriebenen Dialekt unterhalten.

:arrow: Partnerrückführung: Diese Wortschöpfung, die mir auf Google-Anzeigen auf bloggerei.de zum ersten Mal aufgefallen ist, finde ich phänomenal. Da haben sich Hellseher & Co. wirklich was Gutes einfallen lassen! Partnerrückführung bringt “die Leistung” auf den Punkt, trifft das Bedürfnis der Zielgruppe genau und klingt wie eine Garantie.

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Unfreiwillig komisch

Eben bei uns am Schwarzen Brett: Offenbar verschaffen sich gerade Vertreter einer Firma Zutritt in Wohnungen, indem sie Mietern erzählen, sie seien im Auftrag der Hausverwaltung unterwegs. Was aber nicht stimmt.

Nun gibt es einen Warn-Aushang, der mit diesem bezaubernden Satz endet:

Bitte beachten Sie, dass Sie als Mieter nicht verpflichtet sind, evtl. Betrüger in Ihre Wohnung zu lassen.

Schreibt mehr Postkarten!

Vor einigen Tagen habe ich mich doppelt gefreut, als ich in meinen Briefkasten geschaut habe:

:arrow: Erstens waren zwei Postkarten drin – handgeschriebene Post! Eine seltene Sache.

:arrow: Zweitens habe ich mich sehr über die Formulierungen gefreut. Mal nicht einfach ein „Wetter ist schön, viele Grüße“.

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Wenn Wörter uns in eine bestimmte Richtung manipulieren

“Catherine Zeta-Jones gibt die Wohltäterin“, lese ich gestern und bin fassungslos: Da wird mit nur einem Wort der ganze Beitrag eingefärbt. Dieses „gibt“ muss man sich in diesem Zusammenhang mal auf der Zunge zergehen lassen: Da setzt sich jemand für einen wohltätigen Zweck ein. Das könnte man neutral berichten. Man könnte es positiv hervorheben, aber mit dem „gibt“ wird es derart negativ, dass es kaum schlimmer geht.

Das erinnert mich an eine Agenturmeldung über Tom Cruise vor einigen Jahren. Damals fand es ein britischer Radioreporter lustig, Tom Cruise auf dem roten Teppich zur Premiere seines Filmes mit einer Wasserpistole vollzuspritzen. In den Medienberichten stand, dass Cruise daraufhin ausgerastet sei. Sie können sich auf youtube ansehen, wie das Ausrasten aussah.

Ich schreibe diesen kleinen Beitrag einerseits, um zu sensibilisieren, was man mit Wortwahl auslösen kann – natürlich auch im positiven Sinne. Es geht mir aber vor allen Dingen auch darum, das, was man so liest, immer auch mit Vorsicht zu genießen. Das gilt für Zeitungsberichte genauso wie für E-Mails eines Arbeitskollegen oder einer Freundin. Es ist immer wichtig zu merken, wenn man mit Wörtern in eine bestimmte Richtung gedrückt wird.

Stark angefangen. Stark nachgelassen.

Vor einigen Tagen hebe ich gerade Geld ab, und während der Automat noch rattert, fällt mein Blick auf einen Flyer der Bank. Da steht:

Die Zeit ist reif für einen Wechsel zur XY Bank.

„Ein starker Satz!“, denke ich und lese gespannt weiter, warum die Zeit denn jetzt reif ist.

Weil Kompetenz zählt.

Uääääääh.

Schwächer hätte es nicht weitergehen können. Aber das ist noch nicht alles! Der Slogan dieser Großbank heißt „Leistung aus Leidenschaft“. Oh Mann. Wie glaubwürdig ist so eine Aussage denn für eine Großbank?

Hier hätte ich am liebsten geweint. Also mal umdrehen, ob da noch was Gutes kommt: „wechseln Sie zu mehr Kompetenz“ … „legen Sie Wert auf erstklassige Beratung“ …  „zu zuverlässigem Service verpflichtet“ … das übliche Blabla. Was den Slogan mit der Leidenschaft erst recht Lügen straft.

Diese Großbank ist nicht das einzige Beispiel, sondern ich will das mal als Aufhänger nutzen, dass Sie bei Ihren Texten darauf achten, dass es nicht zu so einem Schwächeanfall im Text kommt.
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Ich liebe Sie!

… es hat nichts mit Schreiben zu tun, aber ich muss gerade so lachen über meine Formulierung. Eben klingelts und der DHL-Mann steht vor der Tür. Während ich unterschreibe, entwickelt sich dieser Dialog:

“Wow! So früh!”

“Ja, das ist DHL.”

“Ich liebe Sie eh.
Äh. Also nicht Sie, sondern DHL.”

Charmant: dosiert eingesetzter Dialekt

In der Münchener Abendzeitung gab es gestern ein „Gartel-ABC“. Kein Garten-ABC, kein Gartenarbeits-ABC, sondern ein Gartel-ABC. Wenn wir Bayern im Garten arbeiten, dann „garteln“ wir.

Punktuell eingesetzter Dialekt kann goldrichtig sein, um die Sprache Ihrer Zielgruppe zu sprechen oder aber um charmante Glanzlichter in Ihrem Text zu setzen. Dazu kommt, dass Dialekt ausgeschrieben meistens extrem lustig aussieht.

Ich schreibe beispielsweise, wenn ein E-Mail-Empfänger bayerisch spricht, gerne mal als Grußformel „An scheena Dog“ – was nicht nur lustig aussieht (und merkwürdig doppeldeutig wirkt), sondern mich selbst auch jedes Mal zum Lachen bringt … und ganz sicher auch den Empfänger.

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