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Konzipieren

Making-of: Wort-schick-Text

Im März habe ich aufgerufen „Schicken Sie mir ein Wort!“ – Dafür, dass ich erst gezweifelt hatte, ob überhaupt jemand mitmacht, war die Resonanz überwältigend: Gleich 43 Postkarten sind bei mir angekommen!

… und damit auch 43 ganz unterschiedliche Wörter. Das Prinzip war so ähnlich, wie beim Adventskalender 2010, wo mir BlogleserInnen jeden Tag ein möglichst abstruses Wort vorgegeben haben, aus dem ich dann einen Schreibtipp machen musste. Mein Ehrgeiz war damals, die Tipps zu Begriffen wie „Kloßpresse“, „Säbelzahntiger“, „Karamellpudding“ & Co. möglichst schlüssig zu gestalten und mich nicht rauszumogeln. Man kann sich die Sache ja auch immer leichter oder schwerer machen. Sich selbst zu fordern, lohnt sich immer! :-)

Bei dieser Aktion ging mein ursprünglicher Plan jedoch nicht auf:

Aus dem Mosaik an Wörtern, das entsteht, mache ich eine Geschichte – idealerweise einen Tipp-Text rund ums Schreiben (aber das hängt natürlich davon ab, welche Wörter kommen – also nicht nur absurde Hauptwörter schicken, sondern bitte auch normale Begriffe) … klar fülle ich auf, was nötig ist, aber nur um der Sache Sinn zu verleihen. Der Text soll sich hauptsächlich aus Ihren Wörtern zusammensetzen.

Klar kann man aus diesen vielen, ganz unterschiedlichen Wörtern witzige Geschichten zimmern, wie die zahlreichen kreativen LeserInnen-Beispiele zeigen. Doch ich will ja einen richtigen Schreibtipp machen, der die 43 Wörter enthält. Da es derart viele Wörter aus völlig unterschiedlichen Richtungen sind und die Hauptwörter außerdem überwiegen, musste ich eine andere Form finden.

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Lesernutzen: Kleinere Brötchen backen!

gittehaerter_backenImmer wieder empfehle ich Ihnen, vor dem eigentlichen Schreiben den geplanten Text zu konzipieren. Dazu reichen schon wenige Minuten, denn beim Konzipieren geht es lediglich darum, sich vorher darüber klar zu werden:

  • Wer genau ist die Zielgruppe?
  • Was will ich mit dem Text überhaupt erreichen?
  • Was soll der Leser konkret wissen/können oder tun?

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:arrow: Konzipieren mit 3 x 5 – So stellen Sie sicher, dass das Wichtigste auch in Ihrem Text landet
:arrow: Mit einer Zusammenfassung beginnen

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Das gilt für alle Texte, egal ob es ein Werbetext, ein Blogtext oder ein Abschnitt in einem Buch ist. Wenn man seine Texte auf diese Weise vorausdenkt …

… merkt man, ob man im Verhältnis zum vorhandenen Umfang schon beim Plankton angelangt ist.

… vermeidet man, zu viele Informationen in einen Text zu stopfen, was besonders bei Werbetexten ein Schuss ins Knie ist.

… vor allen Dingen aber beschleunigt man den gesamten Schreibprozess, denn man sieht mit so einem konkreten Konzept den Text sozusagen schon vor sich. Es wird sofort klar, ob eine bestimmte Artikelform sich besonders anbietet und Sie können zielgerichtet losschreiben, ohne zu befürchten, dass Ihnen unbemerkt das Thema wegkippt (Vom Hölzchen aufs Stöckchen).

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Was ist die wichtigste Fähigkeit beim Schreiben?

Fangen wir so an: Können Sie überhaupt schreiben oder sind Sie ein hoffnungsloser Fall?

Beim Schreiben ist es wie mit allen anderen Fähigkeiten:

Die allermeisten von uns gehören einem breiten Mittelfeld an (dazu zähle ich mich auch): Sie sind oft schon ganz gut, was ihnen nicht immer bewusst ist, oder sie haben auf jeden Fall das Potenzial, sehr gut schreiben zu können.

Die Wahrscheinlichkeit ist also extrem hoch, dass Sie kein „hoffnungsloser Fall“ sind. ;-)

Es gibt aber natürlich auch einen kleinen Teil, für die das Schreiben nicht der richtige Kanal ist. Das ist dann so, wenn man dem Schreiben einfach nichts abgewinnen kann – obwohl man von den Voraussetzungen her im breiten Mittelfeld wäre. Es kann aber auch sein, dass das Schreiben nicht “ihres” ist. Das ist wie mit der Musik: Es gibt Menschen, die haben einfach überhaupt kein Taktgefühl. Egal, wie gut man einen Takt hört, sie hören ihn eben nicht. Wenn man aber kein Taktgefühl hat, kann man vieles, das darauf basiert, nicht tun. Probieren Sie mal, sich von einem Tanzpartner führen zu lassen, der den Takt nicht hören kann! Auch wenn er handwerklich alles richtig macht, geht das in die Hose.

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Wie bekomme ich das …(er)?

Zur Zeit schreibe ich ja mein neues Buch. Letztes Jahr habe ich beschlossen, dass ich künftig nur noch Ratgeber schreibe, die ein außergewöhnliches Thema haben (wie mein im September erscheinendes „30 Minuten Arschlöcher zähmen“) oder ein gewöhnliches Thema in einem außergewöhnlichen Format.

Das bedeutet für mich aber auch, dass ich wieder mehr aus mir heraushole. Denn auch ich bewege mich, wie wir alle, auf  meinen üblichen Schreib-Trampelpfaden. Je nachdem, wie fest unsere Sprachmuster sind und wie viel Routine wir beim Schreiben haben, desto eingetretener sind diese Trampelpfade.

Eine simple Möglichkeit, die ich auch selbst gerade intensiv nutze, ist, sich eine Frage zu stellen. Zum Beispiel:

:arrow: Wie bekomme ich das lustiger?

:arrow: Wie bekomme ich das schlüssiger zusammengezurrt?

:arrow: Wie bekomme ich das besonderer?

Das klingt simpel, aber es nützt enorm. Denn Sie stellen sich eine konkrete Aufgabe und bringen damit Ihr Gehirn auf neue Wege.

Wichtig dabei ist, dass Sie die Frage auf einen konkreten Aspekt anwenden. Ich kann mir bei einem Buch bereits beim Konzipieren die Aufgabe stellen: “Aha, ich habe hier ein tolles Thema für einen Ratgeber. Wie kann ich das von Haus aus pfiffiger umsetzen als normal?”

Oder aber Sie sind bereits beim Schreiben und merken, dass Sie etwas gerade toterklären. Sie können sich schon vorstellen, dass Ihre Leser längst nicht mehr mitkommen. Also ist die Frage für diese Passage: “Wie bekomme ich das schlüssiger erklärt? Wie kann ich mehr auf den Punkt kommen?”

Ja, das stellt Sie vor eine neue Herausforderung. Wenn Ihr erster Impuls ein “Weiß ich doch nicht!” ist, machen Sie alles richtig. :-) Denn jetzt sind Sie wirklich gefordert, eine Lösung zu finden.

Keine Sorge: Wenn Sie über ein Thema schreiben, in dem Sie sattelfest sind, dann haben Sie alles Wissen, das Sie brauchen, um einen lustigeren/außergewöhnlicheren/dringlicheren/schlaueren/strafferen oder oder oder Ansatz zu finden.

:arrow: Lesen Sie auch Teil 2: Vielseitiger, anders schreiben

Songwriting

Ich liebe ja Musik – und auch hier geht es ums Schreiben. Über das Bildblog bin ich auf die interessante Website songfacts.com gestoßen. Auf dieser (englischen) Seite geht es um das Schreiben von Liedern und es gibt Interviews mit Songwritern.

Letztes Jahr habe ich Songwriting For Dummies gelesen, das ich ebenfalls sehr spannend fand – auch wenn ich keine Ambitionen habe, ein Lied zu schreiben. Es ist interessant zu erfahren, was hinter einem gut geschriebenen Lied steckt und wie viel auch hier schlicht und ergreifend Handwerk ist.

Das Buch ist mitgeschrieben von Jim Peterik, der Mitglied der Band SURVIVOR war und „Eye of the Tiger“ mitgeschrieben hat. Außerdem hat er das bekannte und oft gecoverte Lied „Vehicle“ geschrieben, das Sie bestimmt auch kennen, wenn Sie es hören: youtube: Vehicle/Ides of March.

Der Mann weiß also, wovon er schreibt.

Und dann starre ich aufs Papier und warte auf die Erleuchtung …

Zur Zeit ist ja der Buchkonzept-Workshop, wo elf fleißige künftige Autorinnen an ihren wunderbaren Buchideen feilen. Die wahre Kunst am Bücherschreiben liegt ganz am Anfang: wieder mal das Konzipieren. Eine Buchidee zu finden, ist relativ einfach. Aber dafür die Inhalte bestimmen und schlüssig in Form zu bringen, ist etwas ganz anderes.

Gerade vorhin ist mir so richtig bewusst geworden, dass etwas, das ich ganz oft mache, um den richtigen Dreh für den Aufbau zu finden, tatsächlich das Starren aufs Papier ist (manchmal auch auf den Bildschirm, aber weit häufiger drucke ich es aus oder notiere mir Ideen auf Papier).

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Sehr, sehr nützlich: Textschablonen

Eine simple Möglichkeit, schneller zu schreiben, ist, sich vorab eine Standardstruktur zu überlegen. Auf diese Weise entsteht eine “Textschablone”, die Sie nur zu füllen brauchen.

:arrow: Das erleichtert es Ihnen, die besten Inhalte auszuwählen.

:arrow: Sie halten sich (und Ihren Text) sicher auf Kurs.

:arrow: Sie tun sich sehr viel leichter, schneller zu schreiben.

:arrow: Wenn Sie mehrere Texte für die gleiche Sache schreiben, z. B. eine Artikelserie oder Ihre Website, dann wird das Endergebnis ausgewogener und “runder”. Die Leser finden sich zudem schneller zurecht.

So geht’s:

1. Sie überlegen sich zuerst, was genau in einen Text soll.
2. Sie definieren sinnvolle Textabschnitte (die manchmal auch identisch sein können).
3. Jetzt brauchen Sie nur noch aufzufüllen. Dabei brauchen Sie nicht mal sofort zu formulieren, sondern können zunächst Stichpunkte pro Textabschnitt notieren.

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Formulieren stört das Konzipieren!

Wann immer Sie etwas konzipieren – Ihre Website, einen Flyer, einen Artikel, eine Seminarausschreibung, ein Buch, eine Checkliste, ein Projekt – verbieten Sie sich in der Konzeptionsphase das Formulieren! Schreiben Sie aussagekräftige Stichpunkte, halten Sie sich erstmal ganz an die Fakten.

Warum?

:arrow: Weil das Formulieren Ihr Gehirn in eine Richtung schickt, die Sie momentan nicht brauchen. Fokussieren Sie erstmal auf Rahmen, Inhalt, Struktur und Ziele.

:arrow: Weil das Formulieren auch Sie selbst sehr schnell darüber hinwegtäuschen kann, dass es kein „Fleisch an den Knochen gibt“ (siehe auch „Where’s the beef?“)

:arrow: Und weil das Formulieren den einen sehr leicht und den anderen sehr schwer fällt: Wenn es Ihnen leicht fällt, haben Sie das Gefühl „fertig“ zu sein, obwohl Sie überhaupt nicht genug in die Tiefe gedacht haben. Und wenn es Ihnen schwer fällt, sind Sie doppelt gelackmeiert: Denn wer keine klaren Fakten hat, kann auch nicht gut formulieren: da fehlt der Stoff für Struktur und Inhalte. Unterm Strich brauchen Sie also noch länger und haben am Ende weder das eine, noch das andere richtig gemacht.

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Vom Hölzchen aufs Stöckchen

Anfang des Jahres hat sich Silke mal gewünscht, dass ich etwas mehr über Struktur schreibe, unter anderem darüber, wie man sich nicht in Details verliert. Jetzt ist das Thema „Struktur“ wirklich sehr komplex – es zieht sich buchstäblich durch jeden Ihrer Texte. Und Sie können sich mit den verschiedensten Hilfsmitteln Struktur schaffen: Mit einer Artikel-Form etwa, die vorgibt, dass Ihr Text „7 Tipps“ enthält, mit einem Interview oder einer Liste. Um nur drei zu nennen.

Leider kann man nicht einfach sagen „Mach A und B, dann wirst Du Dich nie mehr in Details verlieren oder vom Thema abkommen“. Denn es kommt immer auf den Text insgesamt an. Auch eine Detailinformation oder ein kleiner Ausflug auf ein Nebenthema kann goldrichtig platziert sein.

Schauen wir uns also am besten mal drei grundlegende Aspekte an, die Sie fest im Blick halten sollten, wenn Sie einen Text schreiben. Denn diese sind dafür verantwortlich, dass Sie den Text grundsätzlich richtig aufbauen. Wenn der Aufbau in sich stimmt, sind grobe Verzettelungen schon gar nicht mehr richtig drin.
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Streuobstwiese

Im Adventskalender lernt man ja Einiges: dass es eine Kloßpresse gibt, was es mit Springderby auf sich hat, die Prinzipien der Landschaftsplanung und wie man mit einer Zitrone geheime Botschaften schreibt und wieder dechiffriert. Jetzt also die Streuobstwiese.

Ich dachte ja, dass das Obst von den Bäumen fällt und verstreut auf der Wiese liegt. Natürlich ist wieder alles ganz anders: Der Clou an einer Streuobstwiese ist die Mehrfachverwertung. Es werden hochgewachsene Bäume genutzt, die locker und verstreut stehen, so dass man auch die Flächen darunter nutzen kann – zum Mähen, für Viehweide etc. Plötzlich wird diese Streuobstwiese zu einem perfekten Stichwort für die Mehrfachnutzung, die auch beim Schreiben natürlich sehr schlau ist!

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