Montag 7.02.2011 in Überarbeiten |
Ich weiß es noch gut. Ich sitze in der Erörterung, für die wir fünf Schulstunden Zeit hatten. Die erste Hälfte ist um. Ich hole mir noch zwei Blätter und schreibe weiter. Nach drei Stunden bin ich fertig. Mist! Blick nach links: da schreiben noch alle. Blick nach rechts: die auch. Manche haben erst drei Seiten. Ich habe neun. Es gibt nur eine Erklärung: Meins ist schlecht. Zu schlecht. Am besten ich nutze die verbleibende Zeit für Verbesserungen …
ARGH! Schon war ich im Reich der Verschlimmbesserungen.
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Mittwoch 19.01.2011 in Überarbeiten |
Ich gebe zu: dass sich der Artikel „10 Formatierungen, die Ihren Text unlesbar machen“ zum Renner entwickelt, habe ich nicht erwartet. In nur einer Woche wurde er schon Hunderte Male angeklickt.
Das freut mich, denn tatsächlich ist die Lesefreundlichkeit genauso wichtig wie ein guter Text. Mir ist nachträglich noch ein weiterer wichtiger Aspekt aufgefallen, den ich ergänzen möchte: die sinnvolle Gleichmacherei.
Damit ist gemeint, dass Sie bestimmte Formate, Schreibweisen und auch die Bebilderung „gleich“ durchziehen und nicht andauernd wechseln.
Konkrete Beispiele dafür sind:
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Montag 10.01.2011 in Überarbeiten |
Der schönste Text nützt Ihnen nichts, wenn Ihre Leser ihn nicht lesen können … oder wollen. Ich habe zehn ungute Formatierungen für Sie zusammengestellt, die mir andauernd begegnen. Jede für sich ist problematisch, und doch treten sie leider sogar gehäuft auf.
1. popelkleine Schrift
Komfortabel lesbar sind die meisten Schriften in 11 oder 12 Punkt. Je nach Schrift ist manchmal 10 Punkt auch noch angenehm lesbar. Schreiben Sie mal einen Beispielsatz, kopieren und formatieren ihn einmal mit Arial 10 Punkt und zum Vergleich mit Times New Roman 10 Punkt, da sehen Sie bereits die Unterschiede. Texte, die zu klein sind, kann und mag man nicht lesen.
Alle einstelligen Punktgrößen gehen gar nicht! Für einen Fotonachweis oder eine ganz kurze Notiz okay, aber selbst „Kleingedrucktes“ wie AGBs sollten Sie angenehm groß gedruckt schreiben, weil es sonst mühselig ist und so wirkt, als wollten Sie den Leser übers Ohr hauen.
Bei Briefen herrscht häufig der Glaube, man dürfe nur eine einzige Seite nutzen. Das führt dann zu elendigem Gequetsche. Prüfen Sie lieber, wie Sie Ihren Text straffer überarbeiten können – damit wird er sogar noch besser. Wenn Sie tatsächlich mehr zu sagen haben und das wirklich relevant für den Leser ist, dann nehmen Sie natürlich ein zweites Blatt. Ob es um ein Angebot oder um Tipps geht: wenn es aus Lesersicht etwas bringt, liest er gerne mehr.
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Mittwoch 1.12.2010 in Überarbeiten |
Jeder Text profitiert vom Überarbeiten. Ein gestraffter Text bedeutet aber auch, dass Sie kürzen oder bestehende Formulierungen ändern – wie unter anderem hier beschrieben:
Gedankenschleifen killen, Kill your darlings, Vorsicht! Aufmerksamkeitskidnapper!
Manchmal ist es aber so, dass das, was Sie in einem Text kürzen wo- bzw. wannanders super gut passt. Oder Ihnen ist die Formulierung des Jahrhunderts gelungen … und ausgerechnet diese muss weichen.
Gehen Sie also nicht einfach mit dem Presslufthammer an Ihre Texte und machen gnadenlos alles nieder, sondern befreien Sie Ihre Texte sorgsam und bedacht von allen Fitzelchen, die nicht hingehören – und bewahren Sie die Perlen in Ihrem Staubsaugerbeutel auf. Nicht alles, was sich beim Überarbeiten dort verfängt, können Sie später wieder brauchen – aber die eine oder andere Idee, Formulierung oder Passage ist vielleicht nochmal nützlich. Vielleicht einfach nur als Sprungbrett für eine neue Idee.
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Mittwoch 17.11.2010 in Überarbeiten |
Das ist Geschmackssache. Meine Meinung deckt sich mit der vieler anderer Autoren: den ersten Entwurf würde ich immer komplett schreiben und mich nicht von Feedback beirren lassen.
Die Gründe:
- Man macht sich verrückt – und wird nie fertig – wenn man jeden Fitzel lesen lässt und dann das (mehr oder weniger hilfreiche) Feedback anderer berücksichtigen soll.
- Man bringt nie einen Entwurf zu Ende, wenn man währenddessen ständig umschreibt. Das schadet vor allen Dingen auch dem gesamten Text: der Struktur und dem Inhalt. Texte werden auf diese Weise schnell zu Flickwerk.
- Außerdem kann es sehr entmutigen, wenn Ihr Text bekrittelt wird. Und das führt möglicherweise dazu, dass Sie erst gar nicht weiterschreiben.
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Freitag 5.11.2010 in Überarbeiten |
Manchmal ist man mit einem Text einfach nicht zufrieden. Dann gibt man entnervt auf oder doktert hier ein wenig und da ein wenig und schaut, ob es damit besser wird. Wenn man Pech hat, wird alles noch ein wenig „falscher“.
Das Gemeine dabei ist, dass man oft einfach nicht sieht, warum ein Text nicht funktioniert. Sonst wäre das Überarbeiten ja einfach.
Eine gute Lösung ist es, wenn Sie sich überlegen, wie Sie Ihren Text gerne hätten. Wie er sein sollte … anstatt sich darauf zu versteifen, dass er „langweilig“ oder „kantig“ oder „holprig“ ist.
Ich schreibe beispielsweise gerade an einem Kapitel eines neuen Buches. Der erste Entwurf, den ich fertig gestellt habe, ist tadellos: er liest sich gut, er hat alles Wichtige drin, was drin sein sollte, er bezieht die Leser mit Fragen ein. Aber obwohl objektiv alles stimmt, bin ich damit noch nicht zufrieden.
Frage: Wie hätte ich es gerne?
Antwort: Ich hätte es gerne noch runder, noch mehr als Einheit.
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Donnerstag 4.11.2010 in Überarbeiten |
Die Berufsschreiber unter Ihnen dürften auf den Fall schon aufmerksam geworden sein: Der Autor Christian Jungblut hat einen Rechtsstreit gegen „GEO“ geführt, weil einer seiner Texte stark verändert und gegen seinen Willen mit seinem Namen abgedruckt wurde. Entscheidend für das Urteil war laut Blogbeitrag von Stefan Niggemeier
das „Urheberpersönlichkeitsrecht, das dem Urheber das Recht gibt, eine Entstellung oder eine andere Beeinträchtigung seines Werkes zu verbieten, die geeignet ist, seine berechtigten geistigen oder persönlichen Interessen am Werk zu gefährden”.
Mehr zu diesem Fall, ein Interview mit dem Autoren und das Urteil sind hier verlinkt: Gericht erklärt „Geo”: Autoren haben Rechte
Das ist für mich das Stichwort, einmal über die andere Seite von Texteingriffen zu schreiben, mit denen Sie es zu tun haben, wenn Sie für Zeitschriften, Buchverlage aber auch für Kunden schreiben.
Denn das Ideal, dass ein weiterer Beteiligter - wie beispielsweise ein Lektor – den Text besser macht, gibt es keineswegs immer.
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Mittwoch 27.10.2010 in Überarbeiten |
Wenn Sie möchten, dass Ihre Texte wirklich wirken, sollten Sie unbedingt darauf achten, Ihre Aussagen nicht zu verwässern.
Das mit dem Verwässern ist wortwörtlich gemeint: Wenn Sie einen Apfelsaft mit Wasser verlängern, wird er weniger süß schmecken. Je nach Wassermenge schmeckt es bis zu einem gewissen Grad noch etwas nach Apfel, aber irgendwann nur noch wässrig.
Ein guter Text ist Ihr Apfelsaft: Die Ausagekraft soll richtig da sein, die Formulierung gut lesbar sein, vielleicht pointiert. Der Nutzengehalt für Ihre Leser möglichst groß und Ihre Aussage möglichst eindeutig sein.
Getreu dem Motto “Gefahr erkannt, Gefahr gebannt” mache ich Sie mit zehn typischen Verwässerungsfallen bekannt:
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Donnerstag 2.09.2010 in Überarbeiten |
Eine große Schwäche bei vielen Texten ist die mangelnde Struktur und Durchführung des Lesers. Das ist eine „Disziplin“, die am Anfang gar nicht so einfach ist. Besonders ungeübte Schreiber sind oft so sehr mit Formulierungen beschäftigt, dass sie nicht auf das Fundament des Textes achten.
Ich hatte Ihnen hier und hier schon beschrieben, wie wichtig es ist, Ihren Texten vor dem Schreiben eine klare Struktur zu geben. Wenn Sie das tun, können Sie die Probleme, die durch einen nicht vorhandenen klaren roten Faden, von vornherein aushebeln (und: Sie werden Ihre Texte sehr viel schneller schreiben, wenn die Struktur vorher steht).
Eine weitere Möglichkeit, ein Gespür dafür zu entwickeln, ob sich ein klarer roter Faden durchzieht, ist es, die typischen Schwächen zu erkennen.
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Freitag 6.08.2010 in Überarbeiten |
Zur Zeit stelle ich ja gerade mein neues Buch fertig. Der erste Entwurf ist vollendet und aktuell steht Überarbeiten an. Wie hier beschrieben heißt “überarbeiten” zunächst mal alles, was ich bisher geschrieben habe, durchzulesen. Das ist bei einem Buch natürlich ziemlich viel.
Egal, ob Sie ein Buch oder einen anderen langen Text, zum Beispiel eine Gebrauchsanweisung oder einen Selbstlernkurs schreiben: Es ist natürlich immer wichtig, das Endprodukt insgesamt zu beurteilen bevor Sie es fertigstellen. Gerade bei umfassenden Texten arbeitet man ja immer an einzelnen Abschnitten oder Kapiteln. Doch insgesamt muss die Schlüssigkeit natürlich da sein, es fällt einem erst im insgesamten Lesen auf, wo es Wiederholungen oder Überschneidungen gibt, wann ein Querverweis nötig ist und wo einfach die Struktur noch nicht so stimmig ist.
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