Schreib-Basics

In meinen Workshops – und hier im Blog – komme ich immer wieder auf einige wenige, zentrale Punkte zu sprechen. Außerdem empfehle ich einen ganz bestimmten Schreibprozess mit klaren einzelnen Phasen.

Keine Sorge: Jeder Aspekt lässt genügend Freiraum, und doch ist es sehr sinnvoll, gerade die Schreibphasen einzuhalten, wenn du schneller richtig nützliche Texte produzieren willst, die es so nicht überall gibt. Vor allem, wenn sich das Schreiben für dein Business lohnen soll!

*

Wer auf schreibnudel.de mitliest, hört immer wieder vom Plankton. Dabei geht es darum, ein klitzekleines, klar umrissenes Thema zu wählen. Das Problem ist nämlich, dass die Themen meistens viel zu riesig und schwammig sind. Das rächt sich gleich dreifach:

  • Man schreibt ins Blaue.
  • Der Text bleibt an der Oberfläche (das gefürchtete Frauenzeitschriften-Niveau!).
  • Das Schreiben dauert sehr viel länger.

Mit einem Plankton-Thema kannst du selbst bei kurzen Texten richtig schön in die Tiefe gehen. Das ist wichtig, denn: In der Tiefe steckt der Lesernutzen!

Ganz wichtig ist es, dass du dein Plankton-Thema konkret aufschreibst, und zwar in einer Arbeitstitel-Überschrift, die eindeutig festlegt, worum es in dem Text gehen wird: Warum die Überschrift erst einmal für dich da ist

*

Nun sind wir bei der allerwichtigste Phase! Wer sein aussagekräftiges Plankton-Thema hat, weiß schon genau, wo der Text hin soll. Jetzt heißt es, mit Rücksicht auf den angepeilten Umfang ganz gezielt die Inhalte aus dem Hirn zu holen, die rein müssen.

Leider überspringen die meisten die Konzeptionsphase und fangen direkt mit dem Schreiben an. Oder sie konzipieren zu larifari. Zentrale Aspekte, damit das Konzipieren was bringt:

  • Was bezwecke ich mit dem Text?
  • Für wen genau schreibe ich ihn?
  • Was soll der Leser wissen, können oder tun?

Das klingt einfach, und ist es auch, aber nur, wenn du wirklich konkret wirst! Eine Konzeption ist dann gut genug, wenn die Inhalte praktisch schon fast dastehen, aber ohne dass du den Text bereits schreibst.

Wenn du das Vorausdenken deiner Texte lernst, wirst du immer besser und schneller. Vor allem bekommen deine LeserInnen richtig viel Mehrwert. Das Coole ist, dass du nach einiger Zeit automatisch konzeptioneller denkst. Eine unglaubliche Fähigkeit, die dir nicht nur beim Schreiben nützt.

*

Mit der vollständigen, aussagekräftigen Konzeption hast du alles schon vor dir liegen: Die Arbeitstitel-Überschrift sagt dir ganz klar, worauf du rauswillst. Die Inhalte sind realistisch abgesteckt. Der Lesernutzen ist konkretisiert. Auf dieser Basis kannst du superflott und frei von der Leber weg deinen Entwurf schreiben.

Aber nur, wenn du deine Konzeption beachtest!
Es gibt nicht wenige Pappenheimer, die drauflosschreiben und alle Vorarbeit völlig links liegen lassen.

Es heißt nicht umsonst Entwurf! Du hältst dich nicht endlos mit dem besten Einstiegssatz auf, formulierst dich nicht zu Tode oder schreibst ständig einen Satz neu. Quick & dirty heißt:

  • Du spuckst den fertigen (unperfekten) Text in einem Schwung raus.
  • Du schreibst so, wie es dir gerade einfällt. Wenn ein Satz mal ein wenig holpert oder doppelte Wörter drin sind, stört uns das noch gar nicht. Dafür ist die Feintuningphase am Schluss da.
  • Du vergeudest in diesem Stadium keine Zeit mit Layout oder sonstigen Verschönerungen.

Der Vorteil des „quick & dirty“ ist, dass du viel natürlicher schreibst. Und es geht enorm schnell.

PS: In Workshops geb ich immer den Tipp „Schreibs für mich. Stell dir vor, wir sitzen im Café und plaudern darüber“. Wenn wir uns eine bestimmte Person vorstellen, mit der wir locker reden, sind wir viel näher bei uns. Wir lassen unsere Botschaft ungefilterter raus.

*

… hier kommt der bewährte Tipp, den Entwurf nicht sofort zu überarbeiten, sondern zunächst etwas Abstand zu bekommen.

In dem Moment, wo alles noch frisch im Gedächtnis ist, siehst du weniger: Dein Hirn weiß genau, was Du meinst [aber nicht unbedingt dasteht]. Der Text ist noch so frisch im Kopf, dass dir holprige Formulierungen und Tippfehler nicht auffallen. Oft fehlt auch die Lust, das, was man sich eben ausgedacht hat, schon wieder zu lesen.

Noch schlimmer: Viele lassen das Überarbeiten unter den Tisch fallen.
Dabei ist das Überarbeiten, wenn du die Phasen davor richtig genutzt hast, ein unabdingbares Straffen + Polieren. Ganz besonders, wenn du meinen Empfehlungen folgst. Denn dann ist dein erster Entwurf zwar schon richtig gut, aber eben noch „dirty“.

Übrigens: „Abstand“ können nur wenige Minuten sein, in denen du etwas ganz anderes machst. Zum Beispiel ein Käffchen trinken.

*

Erst ganz am Schluss geht es ans Straffen und Polieren. Wenn du vorher alle Schreibphasen richtig gut genutzt hast, ist das nämlich gar kein großartiges Überarbeiten mehr.