schreibnudel.de Rotating Header Image

Stilmittel

Geschenke, die von Herzen kommen …

Letzte Woche sitze ich so in einem Coffeeshop und schaue zum Fenster raus. Auf dem Schaufenster des gegenüberliegenden Buchladens steht “Geschenke, die von Herzen kommen”. Beim Gehen fällt mir ein weihnachtlich geschmücktes Regal mit Kaffeetassen, Teekannen etc. auf. Darüber steht “Geschenke, die von Herzen kommen.”

Kurz überlege ich, ob ich in den nächsten Tagen immer meinen Fotoapparat dabei haben sollte und so viele “Geschenke, die von Herzen kommen”-Schilder fotografiere, wie ich finden kann.

Es ist ja ein sehr netter Spruch. Nur leider passt er praktisch auf alles.
:arrow: Die Sache mit der Austauschbarkeit

Vorhin gehe ich runter zur U-Bahn und grinse amüsiert:


Klar, das polarisiert. Dafür ist “Weihnachten wird unterm Baum entschieden” auf jeden Fall sehr originell – und mal was anderes!

Vorsicht: zu gewollt und anstrengend

Früher, als ich den Fernseher noch hatte, habe ich gerne Talkshows geschaut. Nicht die blöden Talkrunden, wo wirr und oberflächlich durcheinandergeschwätzt wird. Die haben eher meinen Zorn entfacht und mich einige Male sogar die Mattscheibe anschreien lassen, sondern Talkshows, wo die Gäste etwas über sich erzählt haben. Wo man den Menschen hinter dem Künstler oder Politiker sah. Das war oft überraschend positiv, häufig aber leider auch enttäuschend und abtörnend. Das Schlimmste in solchen Talkshows sind Comedians: die sind derartig krampfig darauf bedacht, in jedem Satz irgendeine Pointe zu liefern, dass menschlich so gar nichts rüberkommt. Und mal abgesehen davon, dass oft die gleichen Statements recycelt werden, ist es als Zuschauer einfach nur anstrengend.

Beim Schreiben ist das auch so: Wir hatten es schon öfter, dass zu viele Informationen auf einmal anstrengend sind. Es gibt aber einige weitere Schreibfehler, bei denen Leser einfach nur aufstöhnen:

(weiterlesen…)

So filtern Sie sich unbemerkt Leser weg – und wie Sie das vermeiden können.

Wenn Sie einen Artikel schreiben, dann überlegen Sie sich ein gutes Thema, Sie packen idealerweise richtig viel Nutzen für Ihre Leser rein – und vielleicht grübeln Sie länger über einer besonders neugierigmachenden Überschrift. Damit haben Sie prinzipiell die Aufmerksamkeit Ihrer Zielgruppe, doch jetzt geht es um die Wurst: Bleiben Ihre Leser dran? Lesen sie Ihren Text bis zum Ende durch?

Eine Hürde, die viele Autoren nicht genug im Blick haben, ist das unbeabsichtigte Wegfiltern möglicher Leser. Ich zeige Ihnen anhand fünf Filter-Fallen, wie es zu so einem Wegfiltern kommen kann:

(weiterlesen…)

Entrümpeln Sie Ihre Sätze, indem Sie auf diese fünf einfachen Dinge achten

Manchmal, wenn man so schreibt, wie es einem gerade einfällt, schleichen sich eine ganze Menge Nebensätze ein – und die machen einem dann das Lesen und das Verstehen wirklich schwer, wenn nicht gar unmöglich. Gleiches gilt (nicht nur, aber auch!) für die meisten Klammern. Punktuell eingesetzt ist eine Klammer (genauso wie Spiegelstriche) natürlich in Ordnung, aber wenn Sie sie über Gebühr einsetzen, wird es ganz schnell unübersichtlich. ;-)

Behalten Sie beim Überarbeiten im Augen:

:arrow: Entschlacken Sie Sätze: Verzichten Sie auf Ausschmückungen und Gedankenschleifen.

:arrow: Verkürzen Sie zu lange Sätze: entweder knackiger formulieren oder Sätze einfach teilen

:arrow: Lösen Sie Klammern & Co. möglichst auf: Auch hier gilt „keep it simple“ – meistens kann man auf Klammern sogar verzichten, etwa wenn Sie bei einer Aufzählung in jedem Punkt eine Klammer gesetzt haben. Oft ist ein Doppelpunkt wesentlich übersichtlicher.

:arrow: Achten Sie auf ein Zuviel: zu viele Kommas, zu viele Gedankenstriche, zu viele Aufzählungen, zu viele „und“, „oder“, „weil“ etc.

:arrow: Reißen Sie den Sinn nicht auseinander! Der Satz „Punktuell eingesetzt ist eine Klammer (genauso wie Spiegelstriche) natürlich in Ordnung“ ist so ein Beispiel für einen auseinandergerissenen Sinn, weil ich vor dem Satzende noch schnell etwas anderes „reingestopft“ habe. Das „(genauso wie Spiegelstriche)“ stört den Lesefluss und damit die Verständlichkeit.

Falsche Versprechungen

Wenn wir selbst von einer Sache überzeugt sind, neigen wir dazu, falsche Versprechungen zu machen. Das ist gemein, denn es enttäuscht, entmutig – oder verärgert – die Leser möglicherweise. Besonders schnell tappt man in diese Falle, wenn es um etwas geht, das einem sehr, sehr wichtig ist oder besonders gut tut.

Sagen wir, Sie kochen mit Herz und Seele. Und Sie wissen: Kochen bedeutet nicht nur, Zutaten in einen Topf zu werfen, sondern es geht auch darum, liebevoll zu kochen und mit dem Herzen dabei zu sein. Nun schreiben Sie aus dieser Perspektive heraus einen Text und empfehlen Ihren Lesern abschließend:

Lassen Sie einfach alle Liebe, die Sie für Ihre Familie spüren, in das Gericht einfließen – und das Essen wird wunderbar schmecken.

Ich kann Ihnen versprechen, dass es das nicht automatisch wird. :mrgreen:
(weiterlesen…)

Überlegen Sie sich das “wenn” gut!

Immer wieder lese ich Formulierungen wie:

Wenn Sie Interesse haben …
Wenn Sie neugierig geworden sind …
Sofern ich Sie überzeugen konnte …

… freue ich mich über Ihre Antwort.

Überlegen Sie sich in diesem Zusammenhang das „Wenn“ gut. Gerade bei der Geschäftsanbahnung oder einer Kooperationsanfrage möchten Sie vielleicht auf jeden Fall gerne eine Resonanz haben. Das Wenn oder Sofern sind aber die sofortige Einladung, sich erst gar nicht zu rühren. Als Leser antwortet man dann nicht einmal höflichkeitshalber.

Passt die Schreibe?

Vor einigen Wochen habe ich mir ein Buch gekauft, in dem es darum ging, mit Humor und Leichtigkeit durch das Leben zu gehen. Ich sage absichtlich nicht, welches Buch es war, weil ich es nicht schlecht machen möchte. Aber Mann: Dieses Buch war derart grottenschlecht geschrieben, dass ich es in den Müll geworfen habe, weil ich es nicht einmal der Bücherei zumuten mochte.

Dabei war das Thema super und auch einige der Anekdoten, die darin waren, waren wirklich gut. Aber: Das Buch war nicht nur planlos und unlustig geschrieben, sondern es war derart staubtrocken und lahm, dass es schon wieder eine Leistung war. Humorvoll zu schreiben, ist nicht einfach. Genau wie die wenigsten Leute Witze erzählen können, können noch weniger mal eben einen lockerflockigen Text aus dem Ärmel schütteln.

Das ist nicht schlimm.
Aber: Es ist wichtig, sich dessen bewusst zu sein.
(weiterlesen…)

Fundstück: Alberner Einschub

Im Buch Zur Kasse Schnäppchen! Warum wir immer mehr kaufen, als wir wollen hat mich dieser Satz zum Lachen gebracht:

Zum Instrumentarium der Preisoptik zählen die gebrochenen Preise. Dies hat nichts mit Übelkeit zu tun, sondern mit einer speziellen Form der Preiswahrnehmung: Wir nehmen Preise, die knapp unterhalb runder Beträge angesiedelt sind, günstiger wahr als runde Beträge bzw. Preise, die über einem runden Beitrag angesiedelt sind.

Was für ein absurder kleiner Einschub! Und ein schönes Beispiel dafür, wie man auch informative, lehrreiche Texte mit amüsanten kleinen Schlenkern auflockern kann. Besonders gut: das Buch ist von zwei Professoren geschrieben.

Finden Sie Ihre Standardwörter … und ersetzen Sie sie

Jeder von uns hat ja einen anderen aktiven Wortschatz. Und innerhalb dieses begrenzten aktiven Wortschatzes finden sich Standardwörter. Manche sind Dauerbrenner, manche simple Angewohnheit und für andere haben wir uns schlichtweg noch nie die Mühe gemacht, einen Ersatz zu finden.

Dazu kommt, dass Sie mehr oder weniger von Ihrer Umwelt beeinflusst sind. Ich beispielsweise habe immer wieder ein Wort oder einen Spruch der Saison, und zwar völlig unkontrolliert. :mrgreen: Plötzlich sage ich 1-2 Monate zu allem „Großartig!“ oder „Unfassbar!“ … und dann ist die Phase wieder vorbei.

Unser Wortschatz bestimmt aber natürlich auch unsere Texte.
(weiterlesen…)

Fundstück: Schrot und Korn

In der neuen „Schrot und Korn“ habe ich gestern einen total lustigen kleinen Text gelesen, den ich Ihnen unbedingt zeigen möchte. Es ist eine Intro zu einem Artikel für gesunde Pausensnacks zum Mitnehmen. Die Autorin Sabine Kumm hat mich schon im ersten Satz schallend zum Lachen gebracht (was auf dem U-Bahnsteig besonders laut ist):

Unser Vorschlag für alle Hungerkünstler, Kantinenflüchtlinge und Jäger des verlorenen Schnitzels: die Rückkehr zur heimischen Stulle.

Der ganze Artikel ist zum Glück online. Lesen Sie den Text auf dieser ersten Seite mal durch und schauen Sie, wieviel langweiliger solche Texte normalerweise ausfallen und was man alles draus machen kann!

© Gitte Härter · Dietersheimer Straße 19 · 80805 München
Tel. 089 36107847 · info@schreibnudel.de · Impressum · Datenschutzerklärung

Nutzung meiner Texte nur nach vorheriger schriftlicher Erlaubnis!

blogoscoop Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de