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Leser-Ansprache

Schreibt mehr Postkarten!

Vor einigen Tagen habe ich mich doppelt gefreut, als ich in meinen Briefkasten geschaut habe:

:arrow: Erstens waren zwei Postkarten drin – handgeschriebene Post! Eine seltene Sache.

:arrow: Zweitens habe ich mich sehr über die Formulierungen gefreut. Mal nicht einfach ein „Wetter ist schön, viele Grüße“.

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9 Namensfehltritte und verpasste Chancen

Vom Namen in der Korrespondenz, in Newslettern, über Produktnamen bis hin zu Firmen- und Domainnamen. Da kann ganz einiges gehörig in die Hose gehen.

Ein kleines Potpourri:

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Ich, ich, ich, ich, ich, ich, ich.

Falls Sie noch unsicher sind: Heute geht es um das „Ich“ (und „wir“) in Texten aller Art. ;-)

Ein Feedback, das ich seit vielen Jahren immer wieder von meinen Newsletterlesern höre, ist: „Sie sind mir so vertraut!“ Das ist natürlich ganz wunderbar, es kommt aber auch nicht von ungefähr. Denn Sie bekommen von mir nicht einfach nur neutral formulierte Tipps, sondern ganz oft verrate ich Ihnen gleichzeitig etwas von mir:

:arrow: Sie erfahren, worüber ich mich aufgeregt habe (z. B. Firmenkorrespondenz, bei der ich mir als Kunde die Haare büschelweise ausriss …, „Falsche Antwort!“) oder auch, wenn mich etwas begeistert (z. B. Klitzekleine Dinge, die mein Kundenherz erfreut haben).

:arrow: Sie bekommen mit, was in meinem Alltag geschieht und ich lasse sie an Hürden oder Zweifeln teilhaben (z. B. Hä? – unverständliche Mission Statements, Wie ich mich von einer Sprossenwand einschüchtern ließ, Wie uns unser Gefühl manchmal bedrängt …).

:arrow: Ich lasse Sie an Erinnerungen und Meinungen teilhaben (z. B. Immer nochmal Hand anlegen, Interpretieren Sie Ihre Leistungen neu).

Alle Themen und Tipps in diesen Texten könnte ich auch ohne Eigenanteil weitergeben, sprich: neutraler formulieren. Doch gerade das Persönliche macht Texte für Ihre Leser interessanter! Wenn Sie sich als AutorIn greifbar machen:

  • werden Informationen und Tipps alltagstauglicher,
  • lesen sich Texte unterhaltsamer,
  • können Sie Ihre Kompetenz „personalisieren“,
  • sind Sie menschlicher und Leser können und wollen sich eher mit Ihnen identifizieren + sie haben mehr Lust, sich mit Ihrem Text auseinanderzusetzen.

Jetzt kommt das große Aber!

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Charmant: dosiert eingesetzter Dialekt

In der Münchener Abendzeitung gab es gestern ein „Gartel-ABC“. Kein Garten-ABC, kein Gartenarbeits-ABC, sondern ein Gartel-ABC. Wenn wir Bayern im Garten arbeiten, dann „garteln“ wir.

Punktuell eingesetzter Dialekt kann goldrichtig sein, um die Sprache Ihrer Zielgruppe zu sprechen oder aber um charmante Glanzlichter in Ihrem Text zu setzen. Dazu kommt, dass Dialekt ausgeschrieben meistens extrem lustig aussieht.

Ich schreibe beispielsweise, wenn ein E-Mail-Empfänger bayerisch spricht, gerne mal als Grußformel „An scheena Dog“ – was nicht nur lustig aussieht (und merkwürdig doppeldeutig wirkt), sondern mich selbst auch jedes Mal zum Lachen bringt … und ganz sicher auch den Empfänger.

„Tun Sie dieses, lassen Sie jenes“ – willkommener Klartext oder Befehlston?

Da ich seit über zehn Jahren andauernd Tipps und Bücher schreibe und auch sonst jemand bin, der automatisch Klartext spricht, war ich zunächst erstaunt, dass in meiner Schreibwerkstatt: Artikel und Tipps regelmäßig herauskam, dass viele Autoren echte Probleme mit direktiver Sprache haben.

Also zu schreiben: „Mach dieses!“ und „Lass jenes!“ anstatt eine direkte Aufforderung zu vermeiden oder so lange umzuformulieren, bis es „netter“ klingt.

Das ist ein sehr vielschichtiges Thema. Denn wie eindeutig Sie sich ausdrücken, wirkt sich darauf aus:

  • wie kompetent man Sie erlebt („sie weiß, wovon sie spricht“)
  • wie eindeutig man Ihre Texte versteht.
  • wie praxisnah ein Text empfunden wird.
  • wie animiert Ihre Leser sind, etwas auszuprobieren.

Wenn Sie selbstständig sind, dann verraten Ihre Texte auch etwas über Ihre Arbeitsweise. Mir sagen LeserInnen immer wieder: Ich weiß schon, dass Sie nicht lange rumfackeln! Oder: Ich kenne das schon, dass Sie unverblümt und geradeheraus sind. Und Sie sagen: Sie sind mir so vertraut! – Warum? Weil ich keine neutral hingefeilten Texte liefere, sondern Klartext rede.

Schauen wir uns zunächst einmal drei Extreme an:

- rumeiern
- neutral sein wollen
- Anordnungen
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Call to Action – Fordern Sie Ihre Kunden auf!

Ich bin jetzt 41 Jahre und habe es nur ein einziges Mal erlebt, dass im Schaufenster eines kleinen Ladens so ein Schild stand:

Bitte kommen Sie herein!
Wir freuen uns auf Sie.

Das Schild begeistert mich jetzt schon seit vielen Jahren. Natürlich weiß ich, dass ich hereinkommen darf. Doch mich im Schaufenster anzusprechen und damit aktiv hereinzuholen, ist nochmal was ganz anderes!

Das Schild sagt nicht: „Sie sind willkommen. Wir beraten Sie gerne.“, sondern es fordert mich freundlich und gleichzeitig unverbindlich zum Reinkommen auf. Die freuen sich auf mich! Das müssen nette Leute sein.

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Sinnvolle Gleichmacherei

Ich gebe zu: dass sich der Artikel „10 Formatierungen, die Ihren Text unlesbar machen“ zum Renner entwickelt, habe ich nicht erwartet. In nur einer Woche wurde er schon Hunderte Male angeklickt.

Das freut mich, denn tatsächlich ist die Lesefreundlichkeit genauso wichtig wie ein guter Text. Mir ist nachträglich noch ein weiterer wichtiger Aspekt aufgefallen, den ich ergänzen möchte: die sinnvolle Gleichmacherei.

Damit ist gemeint, dass Sie bestimmte Formate, Schreibweisen und auch die Bebilderung „gleich“ durchziehen und nicht andauernd wechseln.

Konkrete Beispiele dafür sind:

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Ist Ihr Friseur krank oder warum erzählen Sie mir das?

Als Leser kratzt man sich mitunter heftig am Kopf und fragt sich: „Was will der Künstler mir damit sagen?“ Oder man steigt vorzeitig aus: „Das ist nichts für mich.“ Sehr viele Texte reden an Leser hin oder sogar an ihnen vorbei.

10 typische Gründe dafür und wie einfach Sie sie vermeiden können:

:arrow: 1. zu viel „ich“:

Anekdoten und sonstige eigene Erfahrungen sind eine schöne Sache, wenn sie dosiert sind und jeweils als Sprungbrett dafür dienen, den Text wieder auf für Ihre Leser relevante Gleise zu bringen.

Hat ein Text einen zu hohen Ich-Anteil, labern Sie Ihre Leserschaft voll. Sie kennen das von Gesprächen, bei denen Ihr Gegenüber andauernd nur über sich selbst redet.

Durchgehend Ihre eigene Perspektive einzunehmen ist nur dann interessant, wenn Sie von vornherein einen Erfahrungsbericht ankündigen und dieser – je nach Thema – dann auch wirklich relevant, spannend oder unterhaltsam zu lesen ist.

Ansonsten gilt für Tipp-Texte und für Korrespondenz: der Leser und dessen Belange müssen im Vordergrund stehen.

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Zielgruppengerecht – am Beispiel Säbelzahntiger

Bevor Sie weiterlesen, klicken Sie doch bitte mal hier und lesen diesen Beitrag auf der Kinderseite blinde-kuh.de: Der Tiger, der gar keiner war und fürchterliche Zähne hatte

Fertig?

Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie phänomenal gut ich diesen Artikel geschrieben finde! Abgesehen davon, dass es auch als Erwachsener richtig Spaß macht, ihn zu lesen, und man wie nebenbei etwas lernt (lesen Sie mal zum Vergleich den wikipedia-Text), ist das natürlich die perfekte zielgruppengerechte Sprache.

Dieser Text zeigt zwei wichtige Dinge:

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Leser-Ansprache (Teil 3): Bieten Sie Ihr Wissen so an, dass Ihre Leser es auch annehmen?

Der dritte Teil zur Leser-Ansprache hat gleichzeitig etwas mit Ihrer Wirkung als AutorIn zu tun: Je nach Formulierung kann sich schnell das Gefühl einstellen, dass Sie auf Ihre Leser “herunterschreiben” oder aber auch, dass Sie scheinbar nicht genau wissen, wovon Sie sprechen. Beides ist nicht schön. Ihre Leser steigen aus oder zweifeln an dem, was Sie schreiben.

Auf Ihre Leser “runterschreiben”

Letzte Woche ging es ja um den schönen Anspruch, die Leser da abzuholen, wo sie sind. Dazu gehört es auch, bei Tipp-Texten Ihre Leser ganz klar an die Hand zu nehmen.

Nehmen wir einmal das Beispiel eines Artikels, der sich an Führungskräfte wendet. Es geht darum, rechtzeitig einzugreifen und seinen Mitarbeitern nicht alles durchgehen zu lassen oder zu hoffen, dass sich die Lage von selbst bessert.

Nun könnte ich den Artikel so beginnen:

Es ist wirklich ein Unding, wie viele Vorgesetzte in Wirklichkeit Angst haben und tatenlos danebenstehen. Als Führungskraft ist es Ihre Pflicht, zu handeln! Personalverantwortung fordert einfach viel mehr von Ihnen, als nur das Alltagsgeschäft zu regeln. Hier geht es um Menschen! Wenn Sie dieser Aufgabe gerecht werden möchten, müssen Sie A, B und C tun.

Gerade bei Themen, die uns sehr wichtig sind, kommt es schnell zu solchen Formulierungen. Die sind oft gar nicht so krass gemeint und kommen dennoch beim Lesen so an. Nun versetzen Sie sich einmal in eine Führungskraft. Wie gerne lesen Sie diesen Artikel weiter?

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