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Gar nicht so leicht: Übungen und Anweisungen glasklar beschreiben

Kürzlich hatte ich schon mal über Übungen geschrieben. Übungen sind ja die Gelegenheit, Ihren Leser einen unmittelbaren Nutzen zu verschaffen und sie sofort ins Tun zu bringen.

Und auch sonst gibt es oft Anleitungen:

  • eine Gebrauchsanleitung
  • Aufbauanleitungen
  • die Lösung für ein Problem (z. B. ein Software-Tipp)
  • eine Anweisung (z. B. bei Ärzten: Das Verhalten nach einer Operation).

Diese Beschreibungen haben es wirklich in sich!

Aus Autorensicht: Als Fachkraft auf einem Gebiet, sind einem viele Informationen und Zusammenhänge selbstverständlich: man vergisst wichtige Details oder findet sie zu banal, um sie zu erwähnen (“Das ist ja eh klar!”).

Aus Lesersicht: Hat man bereits Ahnung von der Thematik, kann das als Leser helfen, aber auch schaden, denn vielleicht gibt es eine ähnliche Vorgehensweise, die das falsche Bild hervorruft.

Je unsicherer man ist, desto mehr Fragen kommen aus Lesersicht auf.

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Vorsicht! Aufmerksamkeitskidnapper!

Sie wissen ja: Jeder von uns labert. (Das kann ich übrigens nicht oft genug betonen, denn alleine der Laber-Detektor verbessert Ihre Texte sofort!).

Schwieriger zu erkennen sind die kleinen Aufmerksamkeitskidnapper, die eigentlich kein “Gelaber” sind, gleichzeitig aber doch: denn sie sind für den Punkt, den Sie machen möchten, nicht nötig.

Ein Aufmerksamkeitskidnapper ist eine Stelle in Ihrem Text, bei der Ihre Leser sagen: “Hä?” – … und zwar nicht auf gute Weise. Sprich: Der Lesefluss ist unterbrochen, weil man als Leser etwas nicht versteht, verwirrt wird oder auf eine andere Gedankenbahn geschubst wird.

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“Kill your darlings!”

Heute möchte ich Ihnen einen Grundsatz weitergeben, den ich vor einigen Jahren in einem Buch über das Drehbuchschreiben gelesen habe (leider weiß ich nicht mehr, in welchem es war): Kill your darlings!

Das Prinzip ist einfach: Sei bereit, die Idee, die Formulierung oder die Passage, die Dir besonders am Herzen liegt, loszulassen. Das heißt nicht zwingend, dass sie auch komplett “gekillt” wird, aber es heißt, dass Sie sie grundsätzlich zur Diskussion stellen.

Mir hat dieser Tipp nicht nur eingeleuchtet, was das Schreiben von Filmen oder auch Büchern angeht, sondern es ist auch genauso wertvoll für das Schreiben im Businesskontext: ob für einen Artikel, einen Werbetext oder auch Korrespondenz.

Ich merke das immer, wenn Kunden an einem dieser Lieblinge festhalten und beim Überarbeiten ihres Werkes dadurch eine quälende Version nach der anderen produzieren, weil sie um etwas schon Vorhandenes herumarbeiten.

Doch manchmal ist genau das, was man am Allerbesten findet, die Sackgasse für den Text.

Zum Beispiel:

  • Ihnen ist eine tolle Überschrift eingefallen. Sie ist knackig und knallt richtig rein. Beim Schreiben merken Sie, dass Sie dieser Überschrift nicht wirklich gerecht werden. Aber sie ist doch so toll! Die muss bleiben.
  • Sie schreiben eine Auftragsarbeit mit vorgegebenem Thema. Jetzt ist Ihnen mitten im Text ein tolles Beispiel eingefallen. Das Beispiel ist aber viel zu lange und nimmt zu viel Platz ein. Den Umfang überschreiten dürfen Sie nicht. Aber genau an diesem Beispiel kürzen? Niemals! Also muss ich wohl am Rest nochmal ran …
  • Ihnen ist für den Abschluss Ihres Textes ein perfekter Gag eingefallen. Genau so soll der Text unbedingt enden! Leider fällt Ihnen partout keine sinnvolle Überleitung ein. Aber das ist der Gag des Jahrhunderts, also muss der genau so wie er ist, dort stehen bleiben.

Wann es bei einem Text hakt und Sie gleichzeitig merken, dass Sie in eine bestimmte Sache Ihres Textes total verliebt sind, sollte ein Alarmglöckchen angehen! Natürlich ist es toll, wenn Sie sich in Ihre Einfälle regelrecht verlieben und selbstverständlich sollen Sie Ihre guten Ideen auch wertschätzen … und beschützen. Aber nicht um jeden Preis! Denn hier leidet schnell der gesamte Text oder aber das Schreiben dauert und dauert und daaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaauert.

Seien Sie immer bereit, Ihre Lieblinge umzubringen. Und vertrauen Sie darauf: Wo diese guten Ideen herkamen, gibt es noch mehr.

“Ist mein Text gut genug?”

Die Frage ist doch: Woran merken Sie überhaupt, dass Ihr Text gut genug ist? Was ist Ihr Maßstab?

Besonders, wenn Sie überkritisch sind und Geschriebenes nicht so recht aus der Hand geben können, lohnt es sich, vorher einen Maßstab dafür festzulegen.

Sie könnten sich eine kleine Checkliste machen. Kriterien können beispielsweise sein:

  • Habe ich mein Thema konsequent verfolgt – oder bin ich abgedriftet? Ist mir vielleicht das Thema mittendrin weggekippt?
  • Verfolge ich mit meinem Text meine persönlichen Ziele?
  • Habe ich die Perspektive meiner Leserschaft eingenommen? Sind Begriffe und Aufbau verständlich und aus dem Alltag meiner Leser, also so richtig praxisnah?
  • Liest sich der Text flüssig? Habe ich alles “Gelaber” gestrichen? Tipp: Unbedingt laut lesen!
  • Hält mein Text, was die Überschrift und der Einstieg versprechen?
  • Ist das Verhältnis Hinführung, Beispiele und Nutzen (= für meine Leser wichtige Informationen oder/und Tipps) ausgewogen? Erstrebenswert ist eine hohe Nutzendichte. Habe ich ein klar umrissenes, konkretes Thema gewählt, so dass ich in die Tiefe gehen kann und nicht zu oberflächlich bleibe?
  • Ist der Aufbau logisch oder
    … haben sich Gedankenschleifen eingeschlichen?
    springe ich inhaltlich zu sehr hin und her?
  • Sind Tipps eindeutig beschrieben? Kann man meinen Handlungsanweisungen wirklich folgen – auch als kompletter Laie oder, wenn ich an Fachpublikum schreibe, an eine nicht so versierte Fachkraft?
  • Ist mein Text persönlich? Spreche ich mit meinen Lesern oder berichte ich nur?
  • Wenn es sich um einen Marketingtext handelt: Sage ich klar und deutlich, was ich möchte? Gibt es einen so genannten “Call to Action”, also eine Aufforderung, etwas zu tun?

Das sind natürlich nur Beispiele. Wenn Sie sich an diese Checkliste hier halten, stellen Sie bereits sicher, dass Ihr Text auf jeden Fall gut ist!

Übertreiben kostet Glaubwürdigkeit

Zu Beginn meiner Selbstständigkeit hatte ich einige Jahre sehr viel mit Bewerbungen zu tun. Zum Entsetzen meiner Kunden konnte ich immer sofort erkennen, wenn ein Zeugnis selbstgeschrieben war. Nämlich dann, wenn eine Übertreibung die andere jagte.

Bei Selbstständigen ist es dasselbe: Jede Kundenstimme, die sich vor Begeisterung überschlägt, wirkt selbstgeschrieben. Wirkt. Denn gerade begeisterte Kunden meinen, sie tun einem etwas Gutes. Ich habe schon einige gut gemeinte, ehrliche Kundenstimmen oder Buchrezensionen etwas “entschärft”, weil die Glaubwürdigkeit leidet.

Maßlose Übertreibungen tun Ihren Texten meistens weh:

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Leser-Ansprache (Teil 3): Bieten Sie Ihr Wissen so an, dass Ihre Leser es auch annehmen?

Der dritte Teil zur Leser-Ansprache hat gleichzeitig etwas mit Ihrer Wirkung als AutorIn zu tun: Je nach Formulierung kann sich schnell das Gefühl einstellen, dass Sie auf Ihre Leser “herunterschreiben” oder aber auch, dass Sie scheinbar nicht genau wissen, wovon Sie sprechen. Beides ist nicht schön. Ihre Leser steigen aus oder zweifeln an dem, was Sie schreiben.

Auf Ihre Leser “runterschreiben”

Letzte Woche ging es ja um den schönen Anspruch, die Leser da abzuholen, wo sie sind. Dazu gehört es auch, bei Tipp-Texten Ihre Leser ganz klar an die Hand zu nehmen.

Nehmen wir einmal das Beispiel eines Artikels, der sich an Führungskräfte wendet. Es geht darum, rechtzeitig einzugreifen und seinen Mitarbeitern nicht alles durchgehen zu lassen oder zu hoffen, dass sich die Lage von selbst bessert.

Nun könnte ich den Artikel so beginnen:

Es ist wirklich ein Unding, wie viele Vorgesetzte in Wirklichkeit Angst haben und tatenlos danebenstehen. Als Führungskraft ist es Ihre Pflicht, zu handeln! Personalverantwortung fordert einfach viel mehr von Ihnen, als nur das Alltagsgeschäft zu regeln. Hier geht es um Menschen! Wenn Sie dieser Aufgabe gerecht werden möchten, müssen Sie A, B und C tun.

Gerade bei Themen, die uns sehr wichtig sind, kommt es schnell zu solchen Formulierungen. Die sind oft gar nicht so krass gemeint und kommen dennoch beim Lesen so an. Nun versetzen Sie sich einmal in eine Führungskraft. Wie gerne lesen Sie diesen Artikel weiter?

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Leser-Ansprache (Teil 2): Ihre Leser abholen

Das ist ein schönes Ziel: Ihre Leser dort abholen, wo sie stehen. Doch Tatsache ist: Die stehen alle ganz woanders!

Auch wenn Sie einen Text für lauter Fachleute in einem bestimmten Gebiet schreiben, sind diese lange nicht genau auf dem selben Stand. Stopfen wir doch mal einen Raum voller Informatiker: Glauben Sie, dass die alle dasselbe wissen und können, einen ähnlichen Erfahrungsschatz haben oder von ihrer Persönlichkeit so gestrickt sind, dass sie beispielsweise gut abstrahieren können? Weit gefehlt.

Hier einige wichtige Aspekte, auf die es sich zu achten lohnt:

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Leser-Ansprache (Teil 1): Sie/du, wir, ich

Das Schöne bei eigenen Texten ist, dass Sie völlig frei bestimmen können, wie Sie mit Ihren Lesern sprechen.

Wenn Sie für jemanden veröffentlichen, kann es hier natürlich feste Vorgaben geben, zum Beispiel mögen manche Redaktionen oder Verlage keine direkte Leser-Ansprache.

Wir gehen jetzt aber mal davon aus, dass es sich um Texte für Ihre Website, Ihren Newsletter oder Ihr Blog handelt, Sie also selbst entscheiden können.

Sie/du: Ihre Leser direkt anzusprechen, ist meiner Meinung nach ein großer Vorteil, denn Sie können dadurch noch unmittelbarer mit Ihnen in Kontakt treten. Wenn Sie es schaffen, über Ihre Texte so richtig mit Ihren Lesern zu reden, manchmal vielleicht sogar zu plaudern, dann liest sich das nicht nur flüssiger, sondern man fühlt sich auch gemeint.

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Regelmäßigkeit bringt’s!

In den letzten Newslettern habe ich Ihnen einige kleine Übungen
vorgeschlagen, mit denen Sie an Ihren Schreibfähigkeiten feilen können. Manche Übungen sind Schreibübungen, andere “nur” in Gedanken.

Oft nimmt man solche Übungen einfach so zur Kenntnis, findet sie ganz
interessant oder denkt “Das könnte ich mal machen.” … tut es aber
nicht. Ich kenne das selbst natürlich auch! :-)

Gleichzeitig wissen wir aber auch, dass nur das TUN auch etwas bringt.

Beim Schreiben merkt man es ganz besonders, finde ich. Wenn Sie
regelmäßig schreiben, werden Sie besser. Lese ich Artikel oder Bücher von vor zehn Jahren, könnte ich manchmal im Boden versinken. Oder ich lache nur, wie ungelenk ich mich ausgedrückt habe. Damals ist mir das natürlich nicht aufgefallen. Aber mit der Praxis – und eben der Übung! – verändert sich das. Sie werden aufmerksamer und Sie werden versierter.

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Bringen Sie es auf den Punkt!

Vielleicht haben Sie schon einmal gehört, dass bei den Webby Awards
die Dankesrede nur 5 Wörter haben darf. Hier ist der (englische) link
zu den bisherigen Dankes”reden” der letzten Jahre.

Das ist auch eine schöne Übung, die Sie gemeinsam mit anderen oder
auch alleine machen können. Entweder im Business-Kontext, etwa wenn Sie einen Sachverhalt knackig ausdrücken möchten, oder auch privat – zur Unterhaltung, als Spiel oder auch wenn Sie sich über etwas ärgern und gerne schnell wieder runterkommen möchten.

Zum Beispiel:

… sie sind schon knapp vor einem Termin:

Deadline naht. Ich habe Panik.

oder Sie stehen an der Supermarktkasse und der Kunde vor Ihnen
braucht Ewigkeiten beim Zahlen:

Schluss jetzt mit der Kleingeldsuche!
Sie sehen, es geht wieder einmal darum, dass Sie sich selbst
unterhalten und das gleichzeitig sehr effektiv mit einer
Formulierungsübung verbinden. Ob Sie sich 5 oder 7 Wörter zugestehen, ist egal. Wichtig ist nur, dass es auf den ersten Blick zu wenige sind.

Oder Sie üben spaßeshalber mit Haikus. Das sind diese japanischen Gedichte, die feste Silbenzahlen haben, meist 5-7-5:

Ich bin so müde.
Wo bleibt denn nur mein Kaffee?
Koffein weckt auf.

;-)



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