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Schreibfluss

Gedankenprotest. Formulierungslähmung. Kreativitätsvakuum.

Es gibt ja Leute, die können trinken … literweise! Nein, ich meine nicht Alkohol, sondern sagenwirmal Wasser. Bei mir geht da gar nicht so viel rein. Ich bin ja medizinisch nicht beschlagen, aber es muss da eine Klappe geben, wo die Speiseröhre in den Magen mündet, und diese Klappe macht bei mir irgendwann gnadenlos zu. “Noch ein Schluck? No Sir! Es wird nichts mehr angenommen!”

Manchmal geht das auch mit dem Schreiben so. Also nicht generell mit dem Schreiben. Aber bei einem bestimmten Projekt ist einfach zu. Es ist keine Unlust, an einem bestimmten Text zu arbeiten. Sondern eine regelrechte Unfähigkeit. Gedankenprotest. Formulierungslähmung. Kreativitätsvakuum.

Vermutlich ist Ihnen das auch nicht fremd, oder?

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Geben Sie sich nicht mit “Schreibblockade” zufrieden

Normalerweise bin ich immer schnell. Sie können mich nachts um drei wachschütteln und nachdem ich Sie ausgiebig beschimpft habe, weil Sie mich aufgeweckt haben, kann ich Ihnen einen Text schreiben. Wann immer ich rumeiere, stimmt etwas nicht.

Der Begriff “Schreibblockade” ist mir nicht sonderlich sympathisch, denn zum einen betoniert man für sich, dass nichts geht

- ICH bin blockiert. -

Zum anderen reagiert man oft darauf, indem man es entweder bleiben lässt, auf sich schimpft oder versucht, sich irgendwie zum Schreiben zu motivieren.

Auch der an sich gute Tipp, etwas liegenzulassen und nach einer Pause wieder dranzugehen, ist nicht immer die beste Wahl! So manches Schreibprojekt wird auf diese Weise geschoben und geschoben und geschoben … so macht sich neben dem Rumeiern langsam aber sicher auch noch Unlust breit.
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Keine Zeit zum Schreiben? So geht es schneller.

Zum letzten Newsletter kommentierte Armin: “Thema da. Wille da, aber Zeit?” Tatsächlich ist die Zeit für die meisten von uns ein knappes Gut. Irgendwas ist immer zu tun und wenn nicht, dann wollen wir ja auch noch ein Privatleben.

Wie ich Armin in den Kommentaren schon geantwortet habe, ist das “keine Zeit” etwas komplexer und keineswegs nur eine Organisationsfrage. Im wesentlichen geht es, wie beim Sport, darum, das Schreiben möglichst effizient zu machen. Das wiederum ist eine nur individuell richtig zu beantwortende Frage:

Was sind Ihre persönlichen Ziele, was ist Ihr aktueller Stand
und welches Zeitpensum steht zur Verfügung?

Darauf basierend ließe sich dann tatsächlich wie bei einem Personal Training auch das Schreiben sinnvoll gestalten. Sowohl, was das Üben, sich ausprobieren, als auch das Texteproduzieren angeht.

Es gibt aber natürlich unabhängig davon zahlreiche Zeitspar- und Beschleunigungstipps beim Schreiben. Fünf habe ich Ihnen hier zusammengestellt:

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Formatieren Sie nicht schon beim Schreiben!

Hier noch den Rand anders, da noch die Schrift größer, hier vielleicht ein Symbölchen … keine Frage: Das Layout ist wichtig (und sollte die Inhalte immer stützen!), aber wenn Sie sich während des Schreibens verkünsteln, dauert es nicht nur lange, sondern bringt das Schreiben gewaltig ins Stocken.

Ich merke das sehr stark bei Büchern: Normalerweise schreibt man ein Buch ohne großartige Formatierungen, sondern macht lediglich kenntlich, wo welche Überschriftenhierarchie oder ein Kasten steht. Das sieht dann zum Beispiel so aus:

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Sehr, sehr nützlich: Textschablonen

Eine simple Möglichkeit, schneller zu schreiben, ist, sich vorab eine Standardstruktur zu überlegen. Auf diese Weise entsteht eine “Textschablone”, die Sie nur zu füllen brauchen.

:arrow: Das erleichtert es Ihnen, die besten Inhalte auszuwählen.

:arrow: Sie halten sich (und Ihren Text) sicher auf Kurs.

:arrow: Sie tun sich sehr viel leichter, schneller zu schreiben.

:arrow: Wenn Sie mehrere Texte für die gleiche Sache schreiben, z. B. eine Artikelserie oder Ihre Website, dann wird das Endergebnis ausgewogener und “runder”. Die Leser finden sich zudem schneller zurecht.

So geht’s:

1. Sie überlegen sich zuerst, was genau in einen Text soll.
2. Sie definieren sinnvolle Textabschnitte (die manchmal auch identisch sein können).
3. Jetzt brauchen Sie nur noch aufzufüllen. Dabei brauchen Sie nicht mal sofort zu formulieren, sondern können zunächst Stichpunkte pro Textabschnitt notieren.

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Übung macht nicht immer den Meister!

Auch von mir hören Sie, dass Regelmäßigkeit und „üben, üben, üben“ wichtig dafür ist, wenn Sie besser, müheloser und schneller schreiben möchten. Alles, was Sie beherrschen möchten, braucht Übung. Die Musikerin im Profiorchester übt. Der Hochleistungssportler trainiert regelmäßig. Wieso kommen nur so viele auf die Idee, dass sie besser werden könnten, wenn sie alle Vierteljahr einen kleinen Text schreiben?

Bleiben wir kurz beim Sport: Wie viele Leute rennen, oft seit Jahren, in ein Fitnessstudio, aber es verändert sich nicht viel. Sie werden nicht muskulöser, leichter, ausdauernder. Weil sie falsch trainieren.

Üben ist also eine gute Sache. Doch es ist vor allem wichtig, richtig zu üben.

Jetzt kommt die schlechte Nachricht

Es gibt nicht die schnellen drei oder fünf Tipps für richtiges Üben. Schreiben ist eine komplexe Sache, die einige große Brocken umfasst:

:arrow: das richtige Thema zu finden und es schlüssig (und schlau) herunterzubrechen
:arrow: den Text klar aufzubauen
:arrow: verständlich zu schreiben, idealerweise im Dialog mit Ihren Lesern
:arrow: überarbeiten: straffen, kürzen und feintunen

Aber auch:

:arrow: Ihr Selbstbewusstsein als AutorIn („Wen interessiert das?“, „Habe ich überhaupt was zu sagen?“, „Alles schon mal dagewesen!“)

:arrow: Ihr Schreibprozess in allen Schreibphasen, der besonders für die Mühelosigkeit und Schnelligkeit verantwortlich ist

Darum ist, wie beim Sport, oft der kürzeste Weg zum Ziel, sich einen Personal Trainer zu holen.

Die gute Nachricht

Natürlich gibt es immer auch grundlegende Dinge, die Sie beachten können, wenn Sie zielgerichtet üben wollen. Ich habe sieben davon für Sie herausgegriffen:
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Schreibrhythmus und Ballkontakt

Stellen Sie sich vor, Sie fahren zu einem eine Stunde entfernten Badesee. Beim Starten des Wagens lassen Sie die Kupplung zu schnell kommen und würgen den Motor ab. Neuer Versuch. Jetzt geben Sie zu viel Gas und das Auto macht einen Satz vorwärts. Nochmal starten.

Endlich fahren Sie los. Erst fahren Sie im Schneckentempo, dann geben Sie kurz ganz viel Gas, nehmen die Füße von den Pedalen, drücken wieder auf die Tube. Jetzt fahren Sie rechts ran und bleiben einfach mal zehn Minuten stehen. Dann wieder anfahren. Sie steigen abrupt auf die Bremse. Sie geben wieder Gas. Sie fahren wieder rechts ran und machen eine halbe Stunde gar nichts. Dann weiter …

Nach Ewigkeiten kommen Sie so an Ihrem Ziel an. Sie sind völlig gestresst, angestrengt und alles andere als ausgeglichen. Von einem schönen Ausflug kann keine Rede mehr sein.

Genau so schreiben viele Leute:

  • Sie beginnen etwas, unterbrechen dann, lassen es Ewigkeiten liegen.
  • Sie wollen schnellschnell nach vorne preschen, ohne wirklich überlegt zu haben, was das Ziel, ihre Botschaft ist und wie sie den Text am besten strukturieren.
  • Sie setzen sich unter Druck, weil sie es hinter sich bringen wollen.
  • Oder sie geben sich viel zu viel Zeit, setzen aus, die Wochen ziehen ins Land, bevor sie sich nochmal völlig neu einlesen müssen.

Die Folge: Das Schreiben ist anstrengend. Es fließt nicht richtig. Und oft verliert man schlichtweg die Lust, sich schon wieder damit auseinanderzusetzen.
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Ausstechformen für Ihre Texte

Stellen Sie sich vor, Sie möchten mehrere Bleche Kekse backen. Stellen Sie sich weiter vor, Sie nutzen keine Ausstechformen, sondern schneiden jedes einzelne Plätzchen „frei Hand“ mit dem Messer aus dem Teig und heben es anschließend auf das Blech. Da wären Sie ganz schön lange beschäftigt und es würde auf Dauer nicht sonderlich viel Spaß machen.

Ein Blog oder ein Newsletter fühlt sich für viele genauso an. Hier geht es um eine hohe Frequenz an Texten. Wer sein Blog oder einen Newsletter für Marketingzwecke nutzt, ist gefragt, seinen Lesern kontinuierlich Nützliches und Fachbezogenes zu liefern. Wenn Ihnen zudem das Schreiben (noch) nicht sonderlich leicht fällt, kann das ganz schön in Arbeit ausarten – und entsprechend Zeit kosten.

Damit es schneller geht, ist es sinnvoll, sich Ausstechformen zurechtzulegen. Damit verkürzen Sie die Zeit, die Sie für das Schreiben brauchen, weil Sie

  • vorausplanen
  • nicht lange auf der Suche nach Themen sind
  • zielgerichtet schreiben können, weil Thema und Skelett schon stehen

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Was Sie von den Wiener Philharmonikern lernen können

Der Dirigent Hans Knappertsbusch bezeichnete die Wiener Philharmoniker als „die Unvergleichlichen“. Recherchiert man ein wenig, erfährt man unter anderem:

Das Instrumentarium von Bläsern und Schlagwerk der Wiener Philharmoniker unterscheidet sich von dem anderer großer Orchester, was zu einem deutlich anderen Klang führt. [...] So blasen die Hornisten auf dem Wiener Horn, das nur noch bei den Wiener Philharmonikern gespielt wird, während sich in praktisch allen übrigen Orchestern das F/B-Doppelhorn durchsetzte.

Auch in anderen Stimmgruppen werden spezielle, sonst nicht verwendete Instrumente eingesetzt, so bei der Klarinette (Sonderheiten gegenüber der deutschen Klarinette hinsichtlich Bohrungsdurchmesser, Mundstück und Rohrblättern), dem Fagott, der Posaune und der Trompete. Bemerkenswert ist der Einsatz der Wiener F-Tuba und der Wiener Oboe. Alle Fellinstrumente sind mit Ziegenpergament bespannt, Kunststofffelle werden nicht verwendet. Bei der Wiener Pauke wird der bewegliche Kessel gegen das Fell gedrückt. Der Klang des Orchesters wird dadurch im historischen Sinn authentischer …
(aus: wikipedia)

Die Wiener Philharmoniker schaffen sich so einen ihnen eigenen, besonderen Sound. Und genau das ist auch ein schönes Ziel für Ihre Texte.

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Haben Sie schon mal mit der Hand Kartoffeln ausgedrückt?

Wenn Sie nicht gerade der Seewolf sind (youtube-Video), dann werden Sie das nicht schaffen. Wenn Sie aber eine Kloßpresse benutzen, ist es kein Problem, auch das letzte Tröpfchen Wasser aus den Kartoffeln zu drücken.

Beim Schreiben gibt es ebenfalls eine ganze Menge Hilfsmittel, die Ihnen das Leben als AutorIn erheblich erleichtern.

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