Im Februar habe ich Sie gefragt: “Dauert das Schreiben auch so lange bei Ihnen?” und dabei einige typische Ursachen aufgelistet, die der Grund dafür sein könnten.
Abgesehen von irgendwelchen Blockaden und Hürden ist aber die Schreibgeschwindigkeit allgemein ganz leicht zu erhöhen, und zwar in ganz einfachen drei Schritten.
Der erste Schritt ist optional: Wenn Sie geübt sind oder wenn Sie recht klar und logisch denken, dann werden Sie die Bestandteile von Schritt 1 ganz automatisch “nebenbei” bedenken und einfließen lassen. Wenn Sie eher nicht so der strukturierte Typ sind beziehungsweise noch nicht so viel Schreiberfahrung haben, empfehle ich Ihnen unbedingt, beim ersten Schritt zu beginnen.
Schritt 1: Klare Ziele
Jeder Text verfolgt ein Ziel. Ich gehe mal davon aus, dass die meisten von Ihnen aus beruflichen Gründen schreiben: für Ihr Unternehmen, zur Kundenakquise- und bindung, um sich einen Namen zu machen – oder einfach, weil Sie Lust haben, zu schreiben.
Für alles, was Sie schreiben, stellen sich diese beiden Fragen:
- Was soll dieser Text für mich tun?
- Was soll dieser Text für meine Leser tun?
Es nützt Ihrer Schreibgeschwindigkeit enorm, wenn Sie sich diese Fragen vorher wirklich beantworten: auf genau den Text bezogen, den Sie planen. Auf diese Weise bleiben Sie auf Kurs und können beim Überarbeiten auch wirklich noch mal überprüfen, ob der Text Ihren Zielen gerecht wird.
Noch viel wichtiger ist aber, dass sich daraus oft inhaltliche Bestandteile ergeben, die Sie vielleicht noch gar nicht bedacht haben und die Sie für die Text-Struktur brauchen.
Schritt 2: Eine klare Struktur
“Jedem Text sein Skelett” habe ich Ihnen schon vor einiger Zeit empfohlen … und tatsächlich hämmere ich Ihnen die drei Schritte in diesem Newsletter auch im Blog wieder und wieder ein, zum Beispiel auch kürzlich, als ich über die Entstehung eines Artikels berichtet habe.
In meinen Coachings und Trainings sehe ich andauernd, dass Leute drauflosschreiben und eine vorherige Konzeption ihres Textes (oder Buches) entweder überspringen wollen oder sie viel zu oberflächlich machen.
Das gilt für alle Texte, also auch für Ihre Unternehmensdarstellung, Marketingaktionen etc.!
Natürlich kann man einfach so losschreiben: beim ersten Wort beginnen und beim letzten aufhören. Und vielleicht kommt auch ein wunderbarer Text dabei raus. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Vorgehensweise jedoch viel länger dauert und meistens in irgendeiner Form in den Wald führt, ist ziemlich groß.
Geschwindigkeit beim Schreiben ist gleichbedeutend mit Zielgerichtetheit. Je klarer Ihre Struktur ist, desto weniger müssen Sie beim Schreiben großartig überlegen, und desto besser wird Ihr erster Entwurf (was wiederum die Überarbeitungsphase stark verkürzt).
Schritt 3: Schnell raus mit dem kompletten Entwurf!
Die meisten von uns machen sich das Schreiben zu kompliziert. Da wird zerdacht, verkünstelt, umgeworfen, angefangen, geändert, geflickwerkt und die Stunden, Wochen oder gar Monate gehen ins Land.
Ich habe in meinem Leben tatsächlich schon Selbstständige getroffen, die monatelang gebraucht haben, um zwei oder drei Sätze über sich selbst zu schreiben – und damit ihr Business unnötig blockiert haben (ganz zu schweigen davon, dass solche Aufgaben einem dann andauernd im Genick sitzen).
Wenn ich höre, dass jemand einen halben Tag für einen kurzen Text braucht oder für seine kleine Image-Website wochenlang rummacht, schlage ich die Hände über den Kopf zusammen. Und zwar aus drei Gründen:
- Texte, die so entstehen, sind meistens leider nicht besonders gut.
- Es ist hinten und vorne nicht rentabel, wenn so viel Zeit draufgeht.
- Vor allen Dingen aber weiß ich, dass man einen kleinen Text in maximal einer halben Stunde und umfangreichere Schreibprojekte wie etwa die Webtexte schon in wenigen Stunden hinkriegen kann (und dazu müssen Sie kein Schreibprofi sein!).
Die Lösung: Hauen Sie immer einen ersten Entwurf runter. Möglichst in einem Aufwasch. Und wirklich runterhauen, also “quick and dirty”: Erlauben Sie sich Umgangssprache oder Platzhalter à la “Hier steht dann ein phänomenaler Absatz über den Kundennutzen”, aber schauen Sie, dass Sie Ihr zuvor erstelltes Text-Skelett möglichst schnell auffüllen.
Warum betone ich das “möglichst schnell” so?
- Weil Texte, die fließend geschrieben sind, sich auch fließend lesen.
- Weil Sie sich selbst keine Zeit geben, sich zu verkünsteln.
- Weil Sie näher an Ihrer eigenen Stimme bleiben, als wenn Sie jeden Satz zerdenken.
Solche ersten – zackig entstandenen – Entwürfe, sind meiner Erfahrung nach bereits wahre Rohdiamanten. Und: Das Polieren geht schneller am fertigen Text. Die Schreibfreude bleibt erhalten. Ihre Texte haben mehr Charakter.
Doch selbst, wenn sich der eine oder andere so entstandene Entwurf als noch nicht so der Bringer entpuppt, ist das nicht tragisch! Sie haben die erste Hürde genommen. Die Inhalte stehen vor Ihnen. Jetzt fällt es Ihnen sehr viel leichter, hin- und herzuschieben, Absätze zu tauschen, zu streichen, zu straffen oder zu ergänzen als wenn alles nebulös in Ihrem Gehirn hin- und herschwappt.