Eine gute Sache – gerade, wenn Sie noch nicht so wahnsinnig viel Schreibroutine haben – ist es, beim Überarbeiten verschiedene Durchgänge zu machen.
Also nicht versuchen, gleich auf Anhieb alles zu finden, was sich verbessern lässt oder was falsch ist, sondern in jedem Durchgang immer nur eine Sache im Blick haben:
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Ob ein Text gut funktioniert und Ihren Lesern wirklichen Nutzen bietet, hängt vor allen Dingen davon ab, wie klug Sie Ihr Thema wählen. Ein Bild, das sich meinen Schreibwerkstatt-Teilnehmern einprägt, ist der Vergleich mit dem Starnberger See.
Wann immer Sie ein Thema ausgesucht haben, das so groß ist wie der Starnberger See, werden Sie sich ziemlich schwer tun, einen guten Text dazu zu schreiben. Denn wenn das Thema zu gewaltig ist, kann man es schlichtweg nicht in einen kurzen Text pressen, ohne
- zu oberflächlich zu werden
- Leser zu überfordern
- wichtige Details außen vor zu lassen.
Dazu kommt, dass man als Autor oft auch schon merkt, dass es irgendwie nicht funktioniert: dass ein Text dem Thema nicht gerecht wird oder „zu banal“ erscheint.
Die Lösung: ein Plankton-großes Thema wählen!
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Die letzte ganz grundsätzliche Gefahr für Ihre Texte ist das Abkommen von der „Fahrbahn“, und damit ist viel mehr gemeint als nur das Wegkippen des Themas, von dem schon bei Gefahr Nr. 2: vergaloppieren die Rede war.
Wenn Sie ein guter Autofahrer sind, dann werden Sie vorausschauend fahren, das heißt:
- Sie wissen, wo Sie hin möchten,
- Sie beachten die Verkehrsregeln und fahren so, dass andere Verkehrsteilnehmer rechtzeitig erkennen, was Sie tun werden,
- Sie schauen, dass Sie auf Ihrer eigenen „Seite“ bleiben
- und vor allen Dingen: Sie denken für andere Autofahrer mit: Was könnte der jetzt tun? Bleibt er stehen oder gibt er Gas? Biegt der trotzdem ab, obwohl er den Blinker nicht setzt?
Und so absurd das klingt: Genau darum geht es beim Schreiben von Texten auch!
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Kennen Sie noch die „So flicke ich mein Fahrrad“-Aufsätze aus der Schule? Wo man ganz genau erzählt hat, was man nacheinander so alles gemacht hat?
Manchmal lesen sich Texte wie solche Schulaufsätze. Da wird einfach beschrieben und aufgezählt. Als Leser ist das nicht sonderlich spannend. Es packt einen nicht.
Ich hatte schon in einigen anderen Beiträgen erwähnt, dass Ihre Texte gewinnen, wenn man Sie als AutorIn „greifen“ kann.
Das wiederum passiert ganz besonders durch:
- Ihren ganz eigenen Stil
- Ihre natürliche („normale“) Sprache
- das Beziehen eines Standpunktes
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Das mit der Verwirrung ist ziemlich gemein: In den meisten Fällen merkt man das als Autor nämlich nicht. Hier einige typische Verwirrgründe und wie Sie gegensteuern können:
zu abrupte Gedankensprünge
In unseren eigenen Köpfen befindet sich unser gesamtes Know-how. Darum schließt unser Hirn Lücken im Text automatisch. Und deswegen kommen Ihnen Ihre eigenen Texte oft „klar wie Kloßbrühe“ oder „wirklich einfach ausgedrückt“ vor, auch wenn das gar nicht zutrifft.
Damit Sie das merken, können Sie in der Überarbeitungsphase zwei Dinge tun: Wenn es Ihnen gelingt, die Perspektive zu wechseln, sich also in Ihre Zielgruppe zu versetzen (mit deren Wissensstand), dann machen Sie beim Überarbeiten einen Lese-Durchgang, wo Sie NUR darauf achten, ob es aus Lesersicht klar genug ist.
Wenn Ihnen das nicht gelingt, dann suchen Sie sich einen Testleser. Achtung: Der Testleser soll nicht sagen „gut“, „schlecht“, „geht schon“, das bringt nichts! Stellen Sie Ihrem Testleser drei oder vier konkrete Fragen – entweder schriftlich oder mündlich. Zum Beispiel: „Erkläre mir den ersten Absatz in eigenen Worten.“ Oder: „Bei der Übung: Was genau hast Du verstanden, was Du tun sollst?“ Oder: „Was ist Deiner Ansicht meine ‚Message‘? Was will ich mit dem Text sagen?“ Auf diese Weise können Sie mit dem Feedback wirklich etwas anfangen.
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Sich zu vergaloppieren passiert ganz schnell mal: man schreibt so dahin und irgendwann kippt entweder das Thema weg oder man merkt, dass man bei einer Aussage ganz besonders viel und ausgiebig geschrieben hat. Im Extremfall hat der Text überhaupt nichts mehr mit der Überschrift zu tun.
Wenn Sie nicht gerade einen Text mit einem fixen Thema schreiben, können Sie einfach die Überschrift ändern und praktisch aus der Not eine Tugend machen. Möchten oder müssen Sie aber zu einem bestimmten Thema etwas schreiben, geht das nicht so einfach. Da heißt es dann “zurück auf Los”.
Sie vermuten es schon: Meistens passiert dieses Vergaloppieren, wenn man vor dem Schreiben noch nicht klar genug für sich hat, was man genau mit dem Text sagen möchte.
Ein weiterer Grund ist, dass einem das gewählte Thema gar nicht so liegt oder einfach nicht so richtig interessiert. Vielleicht möchten Sie Ihren Kunden einen guten Tipp zu einem Thema geben, von dem Sie wissen, dass es diesen superwichtig ist – aber Sie selbst lockt das Thema einfach nicht so sonderlich hinter dem Ofen vor.
Die gute Nachricht: Bei fertiggeschriebenen Texten, bei denen man merkt, dass man sich vergaloppiert hat, stecken meistens mindestens zwei Texte drin: das ursprüngliche und das, das sich reingemogelt hat. Vielleicht können Sie also Ihren ersten Entwurf mehrfachverwenden.
Bla-Artikel kennen Sie auch: Man liest so drüber, aber als Leser hat man nicht wirklich was davon gehabt. Manchmal ist es sogar regelrecht ermüdend und man hat schon kurz nach dem Einstieg keine Lust mehr und steigt aus.
Das wollen wir natürlich nicht. Denn als Autor möchten Sie ja, dass Ihr Werk auch gelesen wird. Wenn Sie Ihren Lesern engagiert ein Thema oder Tipps weitergeben möchten, dann sollen diese idealerweise auch noch etwas TUN. Ein Blabla macht die Chancen darauf zunichte.
Wenn Texte oder Textpassagen zu Blabla werden, hat das meistens diese Gründe:
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Leser lieben …
- etwas wirklich mitzuerleben
- Neues zu erfahren, über sich und ihre eigene Situation nachzudenken und etwas ganz konkret zu lernen
- Echtheit/bekannte Geschichten/das wirkliche Leben
- einen klaren Standpunkt
- eine „normale“ Sprache
- Selbstironie
- unterhalten zu werden (zu lachen!)
Je mehr Sie sich als AutorIn zeigen, desto lieber liest man Ihre Tipps. Schließlich ist genau das einer der großen Vorteile, wenn Unternehmen (besonders die ganz kleinen) zu Marketing- und Kundenbindungszwecken Tipps und Artikel veröffentlichen: als Leser erkennt man die Einstellung und die Art – und das reflektiert natürlich auch auf Ihr Business!
Ich veröffentliche ja auf selbstmarketing.de und unternehmenskick.de mit Christine und Ralf seit Jahren regelmäßig Artikel und Tipps. Und zwei Dinge hören wir am allermeisten: „Ihre Texte sind so erfrischend, so richtig aus dem Leben!“ und „Ich möchte Sie jetzt einfach duzen, weil ich das Gefühl habe, Sie zu kennen.“
So einen wunderbaren Effekt bekommen Sie nur, wenn Sie sich in Ihre Texte einbringen und sich trauen, authentisch zu sein.