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Überarbeiten

Entrümpeln Sie Ihre Sätze, indem Sie auf diese fünf einfachen Dinge achten

Manchmal, wenn man so schreibt, wie es einem gerade einfällt, schleichen sich eine ganze Menge Nebensätze ein – und die machen einem dann das Lesen und das Verstehen wirklich schwer, wenn nicht gar unmöglich. Gleiches gilt (nicht nur, aber auch!) für die meisten Klammern. Punktuell eingesetzt ist eine Klammer (genauso wie Spiegelstriche) natürlich in Ordnung, aber wenn Sie sie über Gebühr einsetzen, wird es ganz schnell unübersichtlich. ;-)

Behalten Sie beim Überarbeiten im Augen:

:arrow: Entschlacken Sie Sätze: Verzichten Sie auf Ausschmückungen und Gedankenschleifen.

:arrow: Verkürzen Sie zu lange Sätze: entweder knackiger formulieren oder Sätze einfach teilen

:arrow: Lösen Sie Klammern & Co. möglichst auf: Auch hier gilt „keep it simple“ – meistens kann man auf Klammern sogar verzichten, etwa wenn Sie bei einer Aufzählung in jedem Punkt eine Klammer gesetzt haben. Oft ist ein Doppelpunkt wesentlich übersichtlicher.

:arrow: Achten Sie auf ein Zuviel: zu viele Kommas, zu viele Gedankenstriche, zu viele Aufzählungen, zu viele „und“, „oder“, „weil“ etc.

:arrow: Reißen Sie den Sinn nicht auseinander! Der Satz „Punktuell eingesetzt ist eine Klammer (genauso wie Spiegelstriche) natürlich in Ordnung“ ist so ein Beispiel für einen auseinandergerissenen Sinn, weil ich vor dem Satzende noch schnell etwas anderes „reingestopft“ habe. Das „(genauso wie Spiegelstriche)“ stört den Lesefluss und damit die Verständlichkeit.

Übungen bringen Ihren Lesern echten Mehrwert

Ein ganz wesentliches Merkmal guter Tipp-Texte ist es, dass Sie Ihre Leser ins Tun bekommen. Das geht hervorragend über konkrete Übungen. Wie wichtig (und wie schwierig) es ist, Übungen glasklar zu beschreiben, können Sie hier nachlesen.

Wesentlich dafür, dass Ihre Leser auch ausprobieren, was Sie vorschlagen, ist es, genau zu erklären, wofür die Übung jeweils gut sein soll. Häufig liest man Artikel, bei denen eine Übung relativ willkürlich angetackert erscheint. Manchmal ist es auch gut, Übungen einzubauen, die vorteilhaft für eine bestimmte Fähigkeit ist, die aber nicht direkt damit zu tun hat.

Schauen Sie sich dazu mal meinen Artikel “Trockenübungen” für Ihre Telefon-Akquise an. Dort habe ich fünf einfache Übungen zusammengestellt, die Grundfähigkeiten für das Telefonieren trainieren:

Übung 1: Lob-Anruf
Übung 2: Fragen stellen
Übung 3: Um einen Gefallen bitten
Übung 4: Eine Kleinigkeit reklamieren
Übung 5: Anruf statt E-Mail

Das sieht dann zum Beispiel so aus:

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Übersetzte Texte

Boah, da gibts jetzt eine (für mich neue) Unsitte: Zeitschriften aus den USA werden offenbar einfach übersetzt oder maximal noch mit einem Editorial oder ein, zwei selbst geschriebenen Geschichten ausgestattet. Das wäre ja noch nicht schlimm: Wenn es lesbar wäre!

Es sollte sich ja herumgesprochen haben, dass es nicht funktioniert, einfach einen fremdsprachigen Text 1:1 in eine andere Sprache zu übertragen – denn es geht ja lange nicht nur um Wortbedeutung, sondern auch um Sprachmuster und regionale Eigenheiten.

Jetzt muss ich lesen, dass ich keine “schwerfälligen Kohlenhydrate” essen  und Walnusskerne toasten soll – von falsch klingenden O-Tönen ganz zu schweigen. Unlesbar! Da ich sehr viel auf Englisch lese, komme ich auch mit den meisten übersetzten Büchern nicht mehr klar.

Wie geht es Ihnen mit übersetzten Texten?

Vom Hölzchen aufs Stöckchen

Anfang des Jahres hat sich Silke mal gewünscht, dass ich etwas mehr über Struktur schreibe, unter anderem darüber, wie man sich nicht in Details verliert. Jetzt ist das Thema „Struktur“ wirklich sehr komplex – es zieht sich buchstäblich durch jeden Ihrer Texte. Und Sie können sich mit den verschiedensten Hilfsmitteln Struktur schaffen: Mit einer Artikel-Form etwa, die vorgibt, dass Ihr Text „7 Tipps“ enthält, mit einem Interview oder einer Liste. Um nur drei zu nennen.

Leider kann man nicht einfach sagen „Mach A und B, dann wirst Du Dich nie mehr in Details verlieren oder vom Thema abkommen“. Denn es kommt immer auf den Text insgesamt an. Auch eine Detailinformation oder ein kleiner Ausflug auf ein Nebenthema kann goldrichtig platziert sein.

Schauen wir uns also am besten mal drei grundlegende Aspekte an, die Sie fest im Blick halten sollten, wenn Sie einen Text schreiben. Denn diese sind dafür verantwortlich, dass Sie den Text grundsätzlich richtig aufbauen. Wenn der Aufbau in sich stimmt, sind grobe Verzettelungen schon gar nicht mehr richtig drin.
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Drei Annahmen, die dafür sorgen, dass Texte unter ihren Möglichkeiten bleiben

Wenn ich mit Kunden an Texten arbeite, fallen mir ganz oft Informationsdefizite auf: da werden wichtige Fakten einfach nicht erwähnt oder vorteilhafte Argumente nicht geliefert. Auch habe ich oft sehr lebendige oder auf irgendeine Weise besondere Menschen vor mir und blicke auf flache, neutrale Texte, die diesen Persönlichkeiten gar nicht gerecht werden.

Spreche ich das an, kommt meistens eine Antwort, die in eine der folgenden Kategorien fällt:

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Immer nochmal Hand anlegen

Ich weiß es noch gut. Ich sitze in der Erörterung, für die wir fünf Schulstunden Zeit hatten. Die erste Hälfte ist um. Ich hole mir noch zwei Blätter und schreibe weiter. Nach drei Stunden bin ich fertig. Mist! Blick nach links: da schreiben noch alle. Blick nach rechts: die auch. Manche haben erst drei Seiten. Ich habe neun. Es gibt nur eine Erklärung: Meins ist schlecht. Zu schlecht. Am besten ich nutze die verbleibende Zeit für Verbesserungen …

ARGH! Schon war ich im Reich der Verschlimmbesserungen.
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Schwafelschwafelschwafelschwafel (inkl. Top 5-Schwafel-Satzanfänge)

Wann immer Sie einen Text schreiben, kann es sein, dass Sie sich erstmal einschreiben müssen. Erst fällt einem nichts ein, dann holt man etwas weiter aus, um ins Thema einzuführen und dann ufert diese Einführung vielleicht sogar in philosophische Überlegungen aus.

Letztes Jahr habe ich Sie schon mal gefragt Können Sie den ersten Absatz streichen? Meistens geht das. Schauen Sie sich einfach diesen Text an. Erster Absatz völlig unnötig! Das geht sogar bis zum unvermittelten Anfang.

Es ist normal, beim Schreiben nicht auf Anhieb auf den Punkt zu kommen. Wir kommen eben schnell ins Schwafeln:
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Ist Ihr Friseur krank oder warum erzählen Sie mir das?

Als Leser kratzt man sich mitunter heftig am Kopf und fragt sich: „Was will der Künstler mir damit sagen?“ Oder man steigt vorzeitig aus: „Das ist nichts für mich.“ Sehr viele Texte reden an Leser hin oder sogar an ihnen vorbei.

10 typische Gründe dafür und wie einfach Sie sie vermeiden können:

:arrow: 1. zu viel „ich“:

Anekdoten und sonstige eigene Erfahrungen sind eine schöne Sache, wenn sie dosiert sind und jeweils als Sprungbrett dafür dienen, den Text wieder auf für Ihre Leser relevante Gleise zu bringen.

Hat ein Text einen zu hohen Ich-Anteil, labern Sie Ihre Leserschaft voll. Sie kennen das von Gesprächen, bei denen Ihr Gegenüber andauernd nur über sich selbst redet.

Durchgehend Ihre eigene Perspektive einzunehmen ist nur dann interessant, wenn Sie von vornherein einen Erfahrungsbericht ankündigen und dieser – je nach Thema – dann auch wirklich relevant, spannend oder unterhaltsam zu lesen ist.

Ansonsten gilt für Tipp-Texte und für Korrespondenz: der Leser und dessen Belange müssen im Vordergrund stehen.

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Wichtig für Autoren: ein Staubsaugerbeutel beim Überarbeiten

Jeder Text profitiert vom Überarbeiten. Ein gestraffter Text bedeutet aber auch, dass Sie kürzen oder bestehende Formulierungen ändern – wie unter anderem hier beschrieben:

Gedankenschleifen killen, Kill your darlings, Vorsicht! Aufmerksamkeitskidnapper!

Manchmal ist es aber so, dass das, was Sie in einem Text kürzen wo- bzw. wannanders super gut passt. Oder Ihnen ist die Formulierung des Jahrhunderts gelungen … und ausgerechnet diese muss weichen.

Gehen Sie also nicht einfach mit dem Presslufthammer an Ihre Texte und machen gnadenlos alles nieder, sondern befreien Sie Ihre Texte sorgsam und bedacht von allen Fitzelchen, die nicht hingehören – und bewahren Sie die Perlen in Ihrem Staubsaugerbeutel auf. Nicht alles, was sich beim Überarbeiten dort verfängt, können Sie später wieder brauchen – aber die eine oder andere Idee, Formulierung oder Passage ist vielleicht nochmal nützlich. Vielleicht einfach nur als Sprungbrett für eine neue Idee.
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Wie hätten Sie’s denn gerne?

Manchmal ist man mit einem Text einfach nicht zufrieden. Dann gibt man entnervt auf oder doktert hier ein wenig und da ein wenig und schaut, ob es damit besser wird. Wenn man Pech hat, wird alles noch ein wenig „falscher“.

Das Gemeine dabei ist, dass man oft einfach nicht sieht, warum ein Text nicht funktioniert. Sonst wäre das Überarbeiten ja einfach.

Eine gute Lösung ist es, wenn Sie sich überlegen, wie Sie Ihren Text gerne hätten. Wie er sein sollte … anstatt sich darauf zu versteifen, dass er „langweilig“ oder „kantig“ oder „holprig“ ist.

Ich schreibe beispielsweise gerade an einem Kapitel eines neuen Buches. Der erste Entwurf, den ich fertig gestellt habe, ist tadellos: er liest sich gut, er hat alles Wichtige drin, was drin sein sollte, er bezieht die Leser mit Fragen ein. Aber obwohl objektiv alles stimmt, bin ich damit noch nicht zufrieden.

Frage: Wie hätte ich es gerne?
Antwort: Ich hätte es gerne noch runder, noch mehr als Einheit.
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