Als Leser kratzt man sich mitunter heftig am Kopf und fragt sich: „Was will der Künstler mir damit sagen?“ Oder man steigt vorzeitig aus: „Das ist nichts für mich.“ Sehr viele Texte reden an Leser hin oder sogar an ihnen vorbei.
10 typische Gründe dafür und wie einfach Sie sie vermeiden können:
1. zu viel „ich“:
Anekdoten und sonstige eigene Erfahrungen sind eine schöne Sache, wenn sie dosiert sind und jeweils als Sprungbrett dafür dienen, den Text wieder auf für Ihre Leser relevante Gleise zu bringen.
Hat ein Text einen zu hohen Ich-Anteil, labern Sie Ihre Leserschaft voll. Sie kennen das von Gesprächen, bei denen Ihr Gegenüber andauernd nur über sich selbst redet.
Durchgehend Ihre eigene Perspektive einzunehmen ist nur dann interessant, wenn Sie von vornherein einen Erfahrungsbericht ankündigen und dieser – je nach Thema – dann auch wirklich relevant, spannend oder unterhaltsam zu lesen ist.
Ansonsten gilt für Tipp-Texte und für Korrespondenz: der Leser und dessen Belange müssen im Vordergrund stehen.
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Jeder Text profitiert vom Überarbeiten. Ein gestraffter Text bedeutet aber auch, dass Sie kürzen oder bestehende Formulierungen ändern – wie unter anderem hier beschrieben:
Gedankenschleifen killen, Kill your darlings, Vorsicht! Aufmerksamkeitskidnapper!
Manchmal ist es aber so, dass das, was Sie in einem Text kürzen wo- bzw. wannanders super gut passt. Oder Ihnen ist die Formulierung des Jahrhunderts gelungen … und ausgerechnet diese muss weichen.
Gehen Sie also nicht einfach mit dem Presslufthammer an Ihre Texte und machen gnadenlos alles nieder, sondern befreien Sie Ihre Texte sorgsam und bedacht von allen Fitzelchen, die nicht hingehören – und bewahren Sie die Perlen in Ihrem Staubsaugerbeutel auf. Nicht alles, was sich beim Überarbeiten dort verfängt, können Sie später wieder brauchen – aber die eine oder andere Idee, Formulierung oder Passage ist vielleicht nochmal nützlich. Vielleicht einfach nur als Sprungbrett für eine neue Idee.
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Manchmal ist man mit einem Text einfach nicht zufrieden. Dann gibt man entnervt auf oder doktert hier ein wenig und da ein wenig und schaut, ob es damit besser wird. Wenn man Pech hat, wird alles noch ein wenig „falscher“.
Das Gemeine dabei ist, dass man oft einfach nicht sieht, warum ein Text nicht funktioniert. Sonst wäre das Überarbeiten ja einfach.
Eine gute Lösung ist es, wenn Sie sich überlegen, wie Sie Ihren Text gerne hätten. Wie er sein sollte … anstatt sich darauf zu versteifen, dass er „langweilig“ oder „kantig“ oder „holprig“ ist.
Ich schreibe beispielsweise gerade an einem Kapitel eines neuen Buches. Der erste Entwurf, den ich fertig gestellt habe, ist tadellos: er liest sich gut, er hat alles Wichtige drin, was drin sein sollte, er bezieht die Leser mit Fragen ein. Aber obwohl objektiv alles stimmt, bin ich damit noch nicht zufrieden.
Frage: Wie hätte ich es gerne?
Antwort: Ich hätte es gerne noch runder, noch mehr als Einheit.
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Wenn Sie möchten, dass Ihre Texte wirklich wirken, sollten Sie unbedingt darauf achten, Ihre Aussagen nicht zu verwässern.
Das mit dem Verwässern ist wortwörtlich gemeint: Wenn Sie einen Apfelsaft mit Wasser verlängern, wird er weniger süß schmecken. Je nach Wassermenge schmeckt es bis zu einem gewissen Grad noch etwas nach Apfel, aber irgendwann nur noch wässrig.
Ein guter Text ist Ihr Apfelsaft: Die Ausagekraft soll richtig da sein, die Formulierung gut lesbar sein, vielleicht pointiert. Der Nutzengehalt für Ihre Leser möglichst groß und Ihre Aussage möglichst eindeutig sein.
Getreu dem Motto “Gefahr erkannt, Gefahr gebannt” mache ich Sie mit zehn typischen Verwässerungsfallen bekannt:
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Eine große Schwäche bei vielen Texten ist die mangelnde Struktur und Durchführung des Lesers. Das ist eine „Disziplin“, die am Anfang gar nicht so einfach ist. Besonders ungeübte Schreiber sind oft so sehr mit Formulierungen beschäftigt, dass sie nicht auf das Fundament des Textes achten.
Ich hatte Ihnen hier und hier schon beschrieben, wie wichtig es ist, Ihren Texten vor dem Schreiben eine klare Struktur zu geben. Wenn Sie das tun, können Sie die Probleme, die durch einen nicht vorhandenen klaren roten Faden, von vornherein aushebeln (und: Sie werden Ihre Texte sehr viel schneller schreiben, wenn die Struktur vorher steht).
Eine weitere Möglichkeit, ein Gespür dafür zu entwickeln, ob sich ein klarer roter Faden durchzieht, ist es, die typischen Schwächen zu erkennen.
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Zur Zeit stelle ich ja gerade mein neues Buch fertig. Der erste Entwurf ist vollendet und aktuell steht Überarbeiten an. Wie hier beschrieben heißt “überarbeiten” zunächst mal alles, was ich bisher geschrieben habe, durchzulesen. Das ist bei einem Buch natürlich ziemlich viel.
Egal, ob Sie ein Buch oder einen anderen langen Text, zum Beispiel eine Gebrauchsanweisung oder einen Selbstlernkurs schreiben: Es ist natürlich immer wichtig, das Endprodukt insgesamt zu beurteilen bevor Sie es fertigstellen. Gerade bei umfassenden Texten arbeitet man ja immer an einzelnen Abschnitten oder Kapiteln. Doch insgesamt muss die Schlüssigkeit natürlich da sein, es fällt einem erst im insgesamten Lesen auf, wo es Wiederholungen oder Überschneidungen gibt, wann ein Querverweis nötig ist und wo einfach die Struktur noch nicht so stimmig ist.
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Genauso, wie wir alle einen sehr begrenzten aktiven Wortschatz haben, haben wir eine bestimmte Art, uns auszudrücken. Sie merken das, wenn Sie bestimmte Begriffe, Redewendungen aber auch Satzkonstruktionen immer wieder nutzen. Solche Sprachmuster hat jeder: die einen mehr als die anderen.
Wenn Sie sich schriftlich völlig anders ausdrücken als mündlich, ist es wahrscheinlich, dass Sie die immer gleiche schriftliche Ausdrucksweise verwenden. Schauen Sie also mal über das, WAS Sie schreiben hinweg … und achten Sie auf die Formulierungsmuster, die Sie verwenden.
Ich schreibe seit 11 Jahren fast täglich. Je mehr Sie schreiben, desto eher werden Sie merken, dass Sie an Ihre Grenzen stoßen, wenn Sie vorhandene Muster nicht erkennen – und sie erweitern.
Wie wichtig die Flexiblität beim Schreiben ist, habe ich in diversen Beiträgen schon behandelt. Heute zeige ich Ihnen anhand von Beispielen, was ich mit dem Erweitern von Formulierungsmustern meine.
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Ich glaube, ich habe es schon mal wo erwähnt: Bei meinen Texten – besonders auch, wenn ich neue Buchkapitel schreibe – kann ich in der Regel den ersten Absatz direkt nach der Überschrift ersatzlos streichen. Das ist meistens ein wenig Gelaber, um ins Thema zu führen.
Genau wie bei Filmen, wo es empfehlenswert ist, so spät wie möglich in eine Szene einzusteigen (weil es das Erzähltempo erhöht und eine Szene in der Regel sehr viel spannender macht, als wenn man großartig hinführt), tut es Texten oft sehr gut, etwas straffer erzählt zu werden. Auch für die Aufmerksamkeit Ihrer Leser ist es gut, wenn diese direkt ins Thema eintauchen.
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“Where’s the beef?” ist eine amerikanische Redewendung, die ihren Ursprung in einem Hamburger-Werbespot hatte (bei youtube ansehen): Damit wird eine Sache hinterfragt. Auch bei Texten können Sie sich immer fragen “Where’s the beef?” – oder wie ich das bei meinen Kunden immer mache: “Wo ist die Substanz?”
Hä? Welche Substanz?
Ich sehe ja sehr viele Texte: Korrespondenz, Flyer, Angebote, Webtexte, Artikel … und der größte Makel, den die meisten dieser Texte haben, ist nicht, dass sie schlecht oder unverständlich, sondern dass sie zu bla sind.
Das klingt gemein, ist es aber nicht.
Im Gegenteil: Ich lege Ihnen hiermit ans Herz, dass Sie Ihre Texte immer gründlich auf den Bla-Faktor prüfen. Je höher der Bla-Faktor, desto weniger wird Ihr Text das erreichen, was er für Sie erreichen soll.
Bla-Texte zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich meistens ganz gut anhören, aber der Frage “Wo ist die Substanz?” nicht standhalten.
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Ich habe gerade mit dem Buch Manuscript Makeover: Revision Techniques No Fiction Writer Can Afford to Ignore angefangen, und da steht auf den ersten Seiten diese gute Übung zum Überarbeiten – die auch für Businesstexte nützlich ist:
Den Text einem anderen zum Lesen geben. Aber: Mit dabei sein, wenn er oder sie ihn zum ersten Mal laut vorliest. Und dann darauf achten, wie/was der andere betont, wo er strauchelt, wie er schaut …
Sie können anschließend auch gleich nachfragen, was Ihr Testleser verstanden hat oder sich Passagen wiedergeben lassen.
Wichtig: Widerstehen Sie dem Drang, Ihren eigenen Text zu erklären oder direkt auf Feedback zu antworten. Klappe halten, Feedback aufsaugen! 
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