Deine Leser

Lügen Sie Ihre Leser nicht an!

Das ist ja mal ein erstaunlicher Rat, oder? Wo es Ihnen doch wahrscheinlich gar nicht erst in den Sinn gekommen ist, vorsätzlich in Texten zu lügen.

Dennoch kommt es häufig vor. Dass gelogen wird oder dass beim Leser zumindest der Eindruck entsteht, dass er angelogen wird. Das ist so ziemlich das Schlimmste, was Ihnen passieren kann. Denn damit verlieren Sie Glaubwürdigkeit und Vertrauen.

Lügen in Texten geschieht meistens, um einen Kunstgriff zu versuchen. Ein Klassiker, der mir ganz häufig begegnet, ist es, einen Inhalt als echt abgelaufenes Gespräch zu verkaufen. Sozusagen „mitbelauscht“, unmittelbar dabei. Problematisch wird das dann, wenn Sie als AutorIn das Gespräch 1:1 wiedergeben, aber selbst offensichtlich nicht dabei gewesen sein können. Wenn man als Leser denkt:

Hä? Woher weiß er das, dass das Gespräch so abgelaufen ist? Welche Rolle hat er selbst dabei gehabt?“

Eine weitere typische „Lüge“ sind Testimonials: Also Kundenreferenzen im O-Ton, die so umfassend, werblich oder voller Lobeshymnen sind – oder schlichtweg so gestelzt ausgedrückt, dass man beim Lesen den Kopf schüttelt:

Nie und nimmer redet jemand so! Das hat sie selbst geschrieben oder sogar den Kunden komplett erfunden!“

Das Gute ist, dass all das gar nicht nötig ist! Und noch besser ist es, dass Ihre Texte sehr viel mehr davon profitieren, wenn Sie bei der Wahrheit bleiben.

Sie müssen nichts drumherum konstruieren:

Berichten Sie es so, wie es war: Sind Sie bei dem Gespräch dabei gewesen? Dann sagen Sie es! Anonymisieren Sie nicht etwa ein eigenes Gespräch, indem Sie sich selbst zu einer anderen Person machen.

Simulieren Sie ein Gespräch? Dann sagen Sie das! Es ist völlig egal, ob es ein echtes Gespräch war oder ein beispielhafter Dialog.

Achten Sie bei O-Tönen, also wörtlicher Rede, immer auf Echtheit! Niemand spricht im Alltag druckreif. Eine Referenz muss nicht Ihr gesamtes Unternehmen oder alle Ihre Leistungen erwähnen und lobpreisen. Das Gute ist ja gerade, dass Ihre Kunden genau das hervorheben, das sie ganz besonders gut finden. Und gerade das macht die Referenz – und das Lob – aussagekräftig!

Wenn Sie ein Gespräch in Ihrem Text einbauen und Namen verfälschen wollen, überprüfen Sie, ob Sie Namen überhaupt brauchen. Ein „Anita S.“ und „Manfred P.“ ist völlig unnötig. Manchmal reicht es, Funktionen anzugeben. Oder Sie belassen es beim Vornamen. Ach, und weil wir gerade dabei sind: Ganz schlimm finde ich erfundene Namen wie „Susi Schlau“ oder „Peter Pedant“. Da steige ich sofort aus (jaja, total subjektiv!).

Sie brauchen auch nichts zu erfinden:

… zum Beispiel, wenn Sie über ein Produkt schreiben, wahrheitswidrig behaupten, dass Sie es selbst auch nutzen – oder als AutorIn einfließen lassen, dass Sie sich selbst in puncto X schwergetan haben, wenn es gar nicht so war!

Das klingt lustig, aber auch das ist mir schon öfter begegnet: weil man etwas schreiben „soll“ oder weil man eine Formulierung von jemandem gut fand. Wenn es nicht auf Sie zutrifft, dann sagen Sie es nicht! Lassen Sie es weg oder sagen Sie wie es ist: „Ich selbst hatte ehrlich gesagt noch nie so große Probleme mit, weil …“ oder „Ich kann gut nachvollziehen, dass …„.

Sie schreiben aber auch keine Dokumentation

„Nicht lügen“ in Texten heißt jedoch nicht: Alles minutiös und detailreich aufschreiben wie es sich tatsächlich zugetragen hat. Es ist ganz klar, dass Sie in Ihren Texten Auszüge wählen, Personen verfälschen, vielleicht ein besonders pointiertes Beispiel nutzen, das sich in Wirklichkeit aus verschiedenen Personen zusammensetzt.

Doch die Bestandteile so einer Zusammenfassung oder Auszugs sollten immer der Wahrheit entsprechen!