typische Fehler

Versierter formulieren

Genauso, wie wir alle einen sehr begrenzten aktiven Wortschatz haben, haben wir eine bestimmte Art, uns auszudrücken. Sie merken das, wenn Sie bestimmte Begriffe, Redewendungen aber auch Satzkonstruktionen immer wieder nutzen. Solche Sprachmuster hat jeder: die einen mehr als die anderen.

Wenn Sie sich schriftlich völlig anders ausdrücken als mündlich, ist es wahrscheinlich, dass Sie die immer gleiche schriftliche Ausdrucksweise verwenden. Schauen Sie also mal über das, WAS Sie schreiben hinweg … und achten Sie auf die Formulierungsmuster, die Sie verwenden.

Ich schreibe seit 11 Jahren fast täglich. Je mehr Sie schreiben, desto eher werden Sie merken, dass Sie an Ihre Grenzen stoßen, wenn Sie vorhandene Muster nicht erkennen – und sie erweitern.

Wie wichtig die Flexiblität beim Schreiben ist, habe ich in diversen Beiträgen schon behandelt. Heute zeige ich Ihnen anhand von Beispielen, was ich mit dem Erweitern von Formulierungsmustern meine.

Vielseitigkeit

Jeden Satz können Sie in unzähligen Varianten aufbauen. Eine Formulierung, die ich beispielsweise oft nutze, ist „Wenn Sie jemand sind, der …“.

Hier einige spontane Variationen davon:

  • Wenn Sie jemand sind, der mehr überlegt …
  • Sind Sie jemand, der mehr Zeit zum Überlegen braucht?
  • Gehören Sie zu den Menschen, die ausgiebig überlegen?
  • Brauchen Sie mehr Zeit zum Überlegen?
  • Manche Menschen brauchen eine längere Überlegungsphase.
  • Überlegen Sie lieber länger?
  • Zerbrechen Sie sich vorher ausgiebig den Kopf?
  • „Gut Ding will Weile haben“, heißt es, und das gilt auch fürs Überlegen …

Genau das ist eine hervorragende Übung, mit der Sie Ihre Formulierungsfähigkeiten ausbauen können: Überlegen Sie sich, wie Sie einen Satz anders formulieren können. Experimentieren Sie mit einer Handvoll unterschiedlicher Möglichkeiten. Auf diese Weise halten Sie Ihr Gehirn auf Trab, und ich kann Ihnen aus eigener Erfahrung sagen, dass sich die damit aufgebaute Vielseitigkeit nach und nach automatisch in Ihren Texten bemerkbar macht.

Inhalte straffen

Mit der richtigen Formulierung können Sie aber auch eine Aussage verdichten und damit mit weniger Worten mehr ausdrücken. Im April hatte ich hierzu zu einer interaktiven Aktion aufgerufen: „Sagen Sie’s anders … kürzer!“

Die Fähigkeit, etwas kürzer auszudrücken und dabei nicht wesentlich an Inhalt zu verlieren, ist sehr wichtig, weil Sie damit den Platz sehr viel besser nutzen. Sie vermeiden es, langatmig und umständlich zu sein (was man im ersten Entwurf oft ist) und erhöhen außerdem den Lesespaß UND die Nutzendichte Ihres Textes.

In Workshops höre ich oft „Ich kannnnnn nichts mehr kürzen!“ – Dieses Gefühl kenne ich selbst nur zu gut. Aber: Man kann in der Regel sehr viel an Anschlägen einsparen, ohne großartig wegkürzen zu müssen. Hauptsache ist: Die Kernbotschaft bleibt erhalten.

Hierzu ebenfalls ein Beispiel:

Fühlen Sie sich nicht verpflichtet, mit jedem umfassend Smalltalk zu machen. Natürlich ist es nett, ein paar persönliche Worte zu wechseln – und es gibt immer Geschäftspartner, mit denen man etwas ausführlicher darüber spricht, wie der Urlaub war, wie das Wetter ist etc. Das ist auch sehr wichtig. Zusammenarbeit soll nicht nur professionell gut laufen, sondern auch menschlich angenehm sein.
(393 Anschläge)

Fühlen Sie sich nicht verpflichtet, mit jedem umfassend Smalltalk zu machen. Möchten Sie mit einem Geschäftspartner intensiver über Persönliches reden, fällt der Smalltalk ausgiebiger aus. Bei anderen halten Sie sich kürzer und leiten nach kurzem Smalltalk direkt zum Thema über.
(279 Anschläge)

Selbstverständlich sind Sie nicht verpflichtet, Smalltalk zu machen! Und doch ist eine Zusammenarbeit nicht nur rein fachlicher Natur, sondern sie hängt auch von Sympathie ab. Und genau dafür ist Smalltalk da.
(210 Anschläge)

So nett es ist, persönliche Worte zu wechseln: Smalltalk ist keine Pflicht!
(75 Anschläge)

Üben Sie es, anders und gestraffter zu formulieren. Ihre Texte werden alleine dadurch sofort besser!