Korrespondenz/Marketing

Sie liefern kostenfrei einen Text: Ist ja gutes Marketing …

In den ersten zehn Jahren meiner Selbstständigkeit bin ich enorm viele solcher Kooperationen eingegangen, habe meine Texte anderen Websites zur Verfügung gestellt, aber auch in Printzeitschriften veröffentlicht. Manchmal waren es exklusiv geschriebene Texte, manchmal war es ein nicht-exklusives Abdruckrecht (= ein bereits vorhandener Text darf erneut verwendet werden, dieser erscheint aber auch an anderer Stelle).

Meine Bilanz, wie sich sehr sich das lohnt, sieht, wie gesagt, eher ernüchternd aus. Darum hatte ich Sie in dem früheren Beitrag gebeten, sich ganz genau anzusehen, wer Ihnen so eine Textkooperation anbietet.

Ein weiterer Aspekt ist, dass die Gegenleistung, die Sie erhalten, auch Ihrem Einsatz entspricht. Auch hier habe ich leider immer wieder mit Redaktionen und Websites zu tun gehabt, die ihrem Part einfach nicht nachkommen. Damit Sie sich nicht übervorteilt fühlen, hier mal einige typische Abzockermethoden, über die ich mich mehr als einmal ärgern musste. Was Sie im Vorfeld schon kennen, können Sie am ehesten abwenden.

Das vereinbarte Profil oder der link wird nicht angebracht
Von „Das haben wir vergessen“ bis hin zu „Das konnten wir aus Platzgründen dann doch nicht machen“ reichen die Ausreden gerne mal. Ganz besonders ärgerlich ist das, wenn es sich um Printaufträge handelt. Denn dann ist der Zug buchstäblich abgefahren. Bei Websites können Sie wenigstens darauf pochen, dass nachträglich nachgebessert wird.

Der Verweis auf Sie wird fast unkenntlich gemacht
Ihr Name oder die Website werden klitzeklein dazugeschrieben oder, was ich auch schon hatte, in weißer Schrift ganz klein auf ein Bild gedruckt, so dass man es nur mit der Lupe findet.

Vereinbarte Bilder werden nicht gezeigt
Portraitfotos – oder, wenn Sie ein Buch promoten, das Cover – werden unterschlagen und statt einer prominenten Werbung, die als Gegenleistung für Ihren Text versprochen wurde, steht gerade mal Ihr Name da.

Website oder Kontaktdaten werden falsch abgedruckt
Schlampigkeit führt zu Tippfehlern, so dass Ihr Name oder die Website nicht gefunden werden.

Sie machen Werbung für die Konkurrenz
Sie haben einen Artikel geliefert oder waren ausschließlicher Interviewpartner, nur um festzustellen, dass Ihr größter Konkurrent dick und fett daneben steht.

Falsche Versprechungen
Ich hatte es auch hin und wieder, dass ein Journalist einfach einen hübschen Satz dazu erfand, so dass Leser den Eindruck bekamen, sie könnten mich für ein weiterführendes Coaching oder Tipps zum Thema jederzeit kostenfrei anrufen.

Mehrfachverwertung oder sogar: Sie treten alle Rechte ab
Manchmal nutzen Redaktionen oder Websites vorhandene Texte für alle möglichen weiteren Publikationen, zum Teil sogar für Bezahlcontent. Es kann stillschweigend oder im Kleingedruckten dabeistehen, dass Sie alle Rechte abtreten – oder Sie erfahren überhaupt nichts davon.

Ernüchternderweise muss ich sagen, dass häufig auch große Verlagshäuser zu solchen Mitteln greifen. Ich bin erst vor zwei Wochen wieder schön über den Tisch gezogen worden, indem eine Redaktion als Promotion meines Buches „NERV NICHT!“ einen mehrere Seiten langen Artikel von mir bekommen hatte. Natürlich mit der Auflage, dass das Buch dann auch richtig prominent gezeigt wird. Als das Belegexemplar kam, war vom Buch keine Rede – weder das Cover, noch die Erwähnung.

Natürlich sind das schwarze Schafe, ob es nun Absicht oder Schlampigkeit ist. Meistens läuft es gut.

Eine Möglichkeit, sich nicht böse überraschen zu lassen, ist es, vorher schriftlich genau festzulegen, in welcher Form die Gegenleistung erfolgt – und auf Nummer Sicher gehen Sie, wenn Sie das Layout der Seite vorher absegnen. Das geht nicht immer, doch gerade bei kleineren Publikationen wird das auf Anfrage gerne gemacht.