formulieren

Falsche Versprechungen

Wenn wir selbst von einer Sache überzeugt sind, neigen wir dazu, falsche Versprechungen zu machen. Das ist gemein, denn es enttäuscht, entmutig – oder verärgert – die Leser möglicherweise. Besonders schnell tappt man in diese Falle, wenn es um etwas geht, das einem sehr, sehr wichtig ist oder besonders gut tut.

Sagen wir, Sie kochen mit Herz und Seele. Und Sie wissen: Kochen bedeutet nicht nur, Zutaten in einen Topf zu werfen, sondern es geht auch darum, liebevoll zu kochen und mit dem Herzen dabei zu sein. Nun schreiben Sie aus dieser Perspektive heraus einen Text und empfehlen Ihren Lesern abschließend:

Lassen Sie einfach alle Liebe, die Sie für Ihre Familie spüren, in das Gericht einfließen – und das Essen wird wunderbar schmecken.

Ich kann Ihnen versprechen, dass es das nicht automatisch wird!

Der Satz selbst ist wunderschön. Er könnte aber auch so lauten:

Aus meiner Sicht ist mit die wichtigste Zutat beim Kochen das Herz: Rühren sie nicht nebenbei, vielleicht sogar hektisch, Ihre Zutaten zusammen, sondern gehen Sie liebevoll damit um. Achten Sie auf Details, geben Sie den Gewürzen die Zeit, die sie brauchen, um sich zu entfalten, kochen Sie mit Liebe!

Oder: Sie haben vor kurzem entdeckt, dass das Laufen Sie wahnsinnig glücklich macht. Jetzt möchten Sie das teilen und schreiben in einem Text:

Probieren Sie es aus! Ich verspreche Ihnen: Sie werden süchtig danach zu laufen! Die Glücksgefühle überschwemmen Sie, Sie schweben nur so dahin.

So in der Art liest man das oft. Wer schon mal angefangen hat zu laufen, weiß, dass das keineswegs der Normalfall ist. Leser werden hier also verächtlich die Nase rümpfen oder aber sie schnüren voller Ermutigung ihre Laufschuhe, gehen runter, und schnaufen wie ein Braugaul, bekommen Seitenstiche und können nach 50 m nicht mehr weiterlaufen. Süchtig nach sowas? Glücksgefühl? Schweben? Pustekuchen!

Anders und sehr viel animierender ist es, wenn da steht:

Vor einigen Monaten habe ich das Laufen begonnen. Es ging erstaunlich gut, ich hatte mir eigentlich erwartet, dass ich schon nach kurzer Zeit schlappmache, so unsportlich, wie ich war. Ich habe es dann – manchmal mit etwas Mühe – trotzdem durchgezogen und nach drei Monaten eine erstaunliche Entdeckung gemacht: Ich bin süchtig danach, zu laufen! Die Glücksgefühle überschwemmen mich, ich schwebe nur so dahin. Probieren Sie es aus, aber geben Sie sich diese erste Zeit, die naturgemäß etwas mühevoller ist, wenn man frisch anfängt. Geben Sie dem Laufen die Chance, auch für Sie eine schwebende, glücklichmachende Erfahrung zu werden.