typische Fehler

Ist Ihr Friseur krank oder warum erzählen Sie mir das?

Als Leser kratzt man sich mitunter heftig am Kopf und fragt sich: „Was will der Künstler mir damit sagen?“ Oder man steigt vorzeitig aus: „Das ist nichts für mich.“ Sehr viele Texte reden an Leser hin oder sogar an ihnen vorbei.

10 typische Gründe dafür und wie einfach Sie sie vermeiden können:

1. zu viel „ich“

Anekdoten und sonstige eigene Erfahrungen sind eine schöne Sache, wenn sie dosiert sind und jeweils als Sprungbrett dafür dienen, den Text wieder auf für Ihre Leser relevante Gleise zu bringen. Hat ein Text einen zu hohen Ich-Anteil, labern Sie Ihre Leserschaft voll. Sie kennen das von Gesprächen, bei denen Ihr Gegenüber andauernd nur über sich selbst redet.

Durchgehend Ihre eigene Perspektive einzunehmen ist nur dann interessant, wenn Sie von vornherein einen Erfahrungsbericht ankündigen und dieser – je nach Thema – dann auch wirklich relevant, spannend oder unterhaltsam zu lesen ist.

Ansonsten gilt für Tipp-Texte und für Korrespondenz: der Leser und dessen Belange müssen im Vordergrund stehen.

2. keine Leser-Ansprache

Nicht umsonst ist die Sie-Ansprache stetig im Kommen. Versuchen Sie einmal, einen Text komplett ohne direkte Leser-Ansprache zu schreiben. Das wirkt zu allgemein, sperrig und wenn Sie ins wissenschaftliche Arbeiten abgleiten wie ein nüchterner Lehrtext.

Das alleine ist noch nicht mal das Problem. Selbst wenn genug Informationen drin sind, rauscht so ein Text sehr viel schneller an Ihrer Leserschaft vorbei, weil diese sich schlichtweg nicht angesprochen fühlt. Und wer sich nicht angesprochen fühlt, ist weniger aufmerksam, steigt schneller aus und macht sich vor allen Dingen nicht die Arbeit, sich näher mit Ihren Infos und Anstößen auseinanderzusetzen.

Sprechen Sie Ihre Leser möglichst direkt an. Wenn Sie partout keine Sie- oder Du-Ansprache mögen, achten Sie auf eine mitreißende Sprache, hohen Praxisnutzen und kommen Sie auf den Punkt, um das auszugleichen.

3. etwas hat eine große Bedeutung für Sie selbst

.. aber weit weniger für Ihre Leser: Wenn mich Neukunden anrufen, weil sie schon immer mal gerne ein Buch schreiben möchten, sagt jede/r zweite, dass er seine persönlichen Erfahrungen in der Sache X unbedingt weitergeben möchte: eine bewegte Lebensgeschichte, wie eine Methode zu einem besonderen Aha-Effekt geführt hat, was die Entscheidung abzunehmen für einen selbst bedeutet hat … Und auch in Tipp-Texten wird häufig geschwärmt oder regelrecht missioniert.

Das ist auch alles wunderbar, aber nur wenn Sie dann auch den Bogen zum Leser spannen. Wie beim „zu viel ich“ schon erwähnt, ist es wichtig diese Erfahrungen relevant zu machen:

  • Was sollen meine Leser damit tun?
  • Wie können sie diese Erfahrungen auf sich selbst anwenden?
  • Was lässt sich daraus an Rückschlüssen ableiten, wie jemand andere diese Situation ebenfalls meistern kann?

4. kein Identifikationspotenzial

Zu theoretisch, zu speziell, besondere – seltene – Beispiele, abstruse Ansichten, Personen im Text, die sich merkwürdig verhalten … immer wenn es keinen Praxisbezug hat oder wenn man als Leser nur so den Kopf schüttelt, kann oder will man sich nicht identifizieren.

Überlegen Sie sich also immer genau, wer Ihre Leser sind (beziehungsweise welche Leser Sie speziell anziehen möchten) und wie deren Situation aussieht. Dann schreiben Sie Ihren Text und lesen ihn, wenn der erste Entwurf steht, einmal ganz speziell auf das Identifikationspotenzial durch. Es hat schon einen Grund, warum sich beim Überarbeiten mehrere Durchgänge empfehlen.

5. schon 100 x gehört

Die Befürchtung etwas, das schon hundertmal gesagt wurde, nochmal zu beschreiben, höre ich in jedem Schreibworkshop. Und das ist gut so! Sie möchten nicht das Immergleiche nachplappern. Es ist aber auch eine unnötige Hürde: denn es ist tatsächlich so gut wie alles schon gesagt. Meistens bereits von irgendwelchen Philosophen 20 vor Christus. 🙂

Unnötig wird es nur, wenn Sie etwas, das schon hundertmal gesagt wurde, auf dieselbe Art sagen, wie es schon hundertmal gesagt wurde.

Wenn Sie sich jedoch einbringen, ein Ziel haben und Nutzen für Ihre Leser bringen, dann ist es immer relevant. Ganz egal, ob man das Thema grundsätzlich schon kennt. Wir wissen vieles, aber tun das meiste nicht.

6. zu wirr

Wer seinen Texten nicht klar strukturiert und nicht weiß, warum er diesen Artikel schreibt und was seine Leser davon haben sollen, der wird schnell wirr: es gibt keinen Punkt, keine Richtung, es ist zu weitschweifend oder springt wie eine Flipperkugel von Detail zu Detail. Als Leser steht man davor und denkt: Hä?

Die einfache Lösung: Achten Sie immer auf den roten Faden! (und das ist weit weniger trivial als es sich anhört)

7. zu angerissen

Ist Ihr Text zu oberflächlich, fehlt ihm jede Relevanz (und er bleibt im hundertmal Gehörtem stecken). Das ist leider in fast allen Zeitschriftenartikeln so: die Substanz fehlt.

Mehr Fleisch an die Knochen“, sage ich zu meinen Kunden.
Wählen Sie Ihre Themen klein und praxisnah, dann können Sie auch in die Tiefe gehen.

8. zu spezielle Beispiele

Wenn Beispiele zu weit hergeholt sind, es um spezielle Branchen geht oder die Situation, die geschildert wird, einfach zu abstrakt ist, fühlt man sich nicht gemeint. Noch schlimmer: das, was Sie mit dem Beispiel illustrieren wollen, wird nicht klarer, sondern durch das zu spezielle Beispiel oft sogar noch nebliger.

Vermeiden können Sie das, indem Sie auf Beispiele achten, die aus dem Leben der Zielgruppe sind oder, wenn diese zu breit gefächert ist, allgemein verständlich sind. Noch besser ist es, wenn Sie Ihren Lesern beim Abstrahieren helfen und nach einem Beispiel klipp und klar sagen „Das heißt für Sie …“

Manchmal machen es sich Autoren auch zu einfach mit Beispielen. Erst kürzlich habe ich einen Artikel zu Kundenakquise gelesen, das das Beispiel eines Immobilienmaklers durchzog. Der Text ist wunderbar, doch alle Nicht-Immobilienmakler finden nichts, weil im gesamten Text dieses griffige, aber sehr spezielle Beispiel durchgezogen wurde. Beim Lesen dachte ich mir gleich: Echt gut, aber wenn man hier die Branche ändern würde, käme der Autor mit den Beispielen erstmal gehörig ins Schwitzen.

Und wissen Sie was: das ist gut so! Fordern Sie sich raus! Kommen Sie ruhig hin und wieder ins Schwitzen.

9. zu neutral

Wenn es keine „Moral von der Geschichte“ gibt, keine Meinung, keinen Punkt, den der Autor machen möchte – wenn es völlig ziellos erscheint, dann steht man als Leser ebenfalls ratlos davor. Man fühlt sich weder angesprochen, noch scheint der Autor irgendeinen Zweck zu verfolgen. Wenn es aber nicht mal den Schreiber interessiert, warum verschwendet er seine Worte und meine Zeit?

10. keine klaren Ansagen

Und noch eine Scheu, die mir Kunden oft offenbaren: die Zurückhaltung, klare Ansagen zu machen. Man will ja nicht klugscheißern oder jemandem etwas audrücken … das führt dann zum Herumlavieren und dem Vermeiden von „Tun Sie dieses!“, „Probieren Sie jenes!“, „Lassen Sie das!“

Die gute Nachricht: Sie haben es ja immer in der Hand, wie Sie solche klaren Ansagen formulieren. Aber besonders bei Tipptexten kommen Sie nicht drum herum, denn es liegt in der Natur der Sache, dass Anstöße, Übungen und eben Tipps enthalten sind – und die funktionieren eben nur, wenn sie glasklar formuliert werden.

Bedenken Sie bitte auch: Man erwartet von Ihnen als AutorIn, dass Sie eine Ahnung von dem haben, was Sie schreiben. Also treten Sie bitte auch so auf!

Diese zehn Gründe sind übrigens auch eine wunderbare Checkliste fürs Überarbeiten eines Textes.