formulieren

Ich bin es, das Gehirn Ihrer Leser

Liebe Autorin, lieber Autor,

ich möchte Ihre Texte so gerne einordnen, lesen und verstehen – und zwar idealerweise genau so, wie Sie sie meinen. Ohne Verwirrung, ohne Wissenslücken, ohne Missverständnisse und Fehlinterpretationen … vor allen Dingen aber auch, ohne mich zu langweilen. Sie können mir enorm dabei helfen, dass das gelingt. Da haben wir beide was davon!

Sagen Sie mir von vornherein, worum es geht.

Kennen Sie Gespräche, bei denen Ihr Gegenüber redet und redet und redet – und Sie können gar nicht richtig folgen, bis Sie endlich mal herausbekommen, worum es überhaupt geht? Genau das passiert bei ganz vielen Texten auch. Sie glauben gar nicht, wie oft ich drei oder vier Absätze lesen muss, bis ich überhaupt verstanden habe, worauf der Verfasser hinaus will!

Das Blöde ist, dass ganz viele Informationen durch mich hindurchlaufen BIS ich überhaupt checke, worum es geht. Vielleicht haben Sie in den ersten Absätzen bereits gute Informationen oder Tipps für mich, die ich überhaupt nicht wahrnehme, weil ich noch mit der Frage „Worum geht es hier überhaupt?“ beschäftigt bin.

Nehmen Sie Korrespondenz. Der Betreff bei Briefen ist dazu da, mich von vornherein auf die richtige Gedankenschiene zu bringen. Wenn der aussagekräftig ist, kann ich ab diesem Zeitpunkt aufmerksam Ihren Brief lesen. Wenn … – Die Realität ist, dass der Betreff oft fehlt oder alles andere als aussagekräftig ist.

Bei anderen Texten ist es die Überschrift oder der Einstieg, der mir sofort klarmachen muss, was mich erwartet. Erst wenn Sie das sicherstellen, kann ich Ihnen meine volle Hirnleistung schenken – von Anfang an.

Machen Sie mir das Lesen bitte leicht!

Mein Alltag ist schnell. Ich überfliege viel, ich muss neue Informationen und Eindrücke ganz fix verarbeiten. Damit ich diesen Job gut machen kann, brauche ich:

  • eine gut lesbare Schriftgröße (keine Popelschrift)
  • einen übersichtlich, klar strukturierten Text (keine Bleiwüste)
  • etwas Luft und Lockerheit (quetschen Sie nichts zusammen)
  • kurze, eindeutige Sätze und keine wild verschachtelten Satzkonstruktionen

Ist Ihr Text länger? Dann machen Sie Zwischenüberschriften für mich rein. Ich orientiere mich bei längeren Texten auch gerne an grafischen Symbolen oder Kästen, wenn etwas besonders wichtig ist.

Seien Sie strukturiert und „logisch“.

… nicht nur, wie eben schon gesagt, von der Textgestaltung her, sondern ich meine das vor allen Dingen inhaltlich:

  • Achten Sie darauf, dass Ihre Inhalte aufeinander aufbauen. Springen Sie nicht wild hin und her!
  • Leiten Sie Argumente schlüssig ab. Besonders, wenn Sie mich von etwas überzeugen möchten.
  • Drücken Sie sich nicht davor, konkret zu werden. Wenn Sie mir empfehlen, etwas schon oder auf gar keinen Fall zu tun, sagen Sie mir, was ich davon habe – und warum!

Machen Sie mir Lust, dranzubleiben.

Mir kommt täglich so viel unter: Ich kann und mag nicht alles bis zum Ende lesen. Ganz schnell entscheide ich: Ist das Thema für mich interessant? Verspreche ich mir genug von diesem Text, um wirklich aufmerksam weiterzulesen? Oder steige ich vorzeitig aus beziehungsweise scanne halbherzig drüber?

  • Ich möchte handfeste Informationen haben.
  • Ich möchte für mich relevante, ganz praxisnahe Tipps bekommen.
  • Ich will konkrete Lösungen, die mir im Alltag nützen.

Verpacken Sie das spannend für mich. Entweder, indem Sie mich mit einer pfiffigen Überschrift oder einem interessanten Einstieg locken – oder auch, indem Sie mich unterhalten. Ich lese sehr gerne weiter, wenn mir das Lesen Spaß macht.

Gehen Sie nicht davon aus, dass ich weiß, was Sie wissen.

  • Beziehen Sie sich nicht auf Dinge, die ich nicht kenne. Nur, weil für Sie etwas allgemein bekannt ist, ist es das für mich noch lange nicht.
  • Überspringen Sie nicht einfach Tipps, von denen Sie glauben, dass sie „selbstverständlich“ sind. Für mich sind sie vielleicht neu.
  • Nutzen Sie keinen Fachjargon: auch einzelne Begriffe können mich total verwirren.

Alles, was ich nicht kenne – und was Sie mir nicht erklären! – und alles, bei dem ich hängenbleibe und großartig überlegen muss, nimmt mir die Aufmerksamkeit für Ihren gesamten Text.

Helfen Sie mir beim Abstrahieren.

Wenn Sie Vergleiche oder Beispiele nutzen oder wenn Sie mir Ihre eigenen Erfahrungen schildern, dann helfen Sie mir dabei, das auf meine Situation anzuwenden.

Fragen Sie sich schon beim Schreiben: „Was heißt das denn jetzt für meine Leser? Was braucht er/sie dafür, diese Info wirklich auf sich selbst anwenden zu können?“

Manchmal reicht mir schon ein Zweizeiler,  mit dem Sie ein klares Fazit ziehen. Manchmal ist es für mich besser, wenn ich zwei oder drei verschiedene Beispiele bekomme, um Ihren Punkt deutlicher zu verstehen. Und oft helfen mir am besten Leitfragen oder eine gute Übung.

Drücken Sie mir bitte nichts auf!

Auch als Hirn bin ich emotional. Ich mag es nicht gerne, wenn man mich in einen Topf mit anderen wirft, wenn Sie mir Ihre Meinung aufdrücken wollen oder mich maßregeln. Ich lese auch nicht gerne Texte von Klugscheißern – ein Eindruck, der oft durch Formulierungen entsteht.

Ich mag es am liebsten, wenn Sie mir Angebote machen und mir gute Gründe liefern, warum ich diese Angebote auch nutzen sollte. Denn eine Meinung bilde ich mir immer noch selbst!

Füttern Sie mich!

Ich bin ein Nimmersatt, was Wissen angeht.

  • Ich freue mich, wenn Sie mir interessante Informationen liefern.
  • Ich liebe es, wenn Sie Fachjargon so einsetzen, dass ich ihn verstehe und sagen kann „Aaaaah, so nennt man das! Wieder was gelernt!“
  • Ich mag es, wenn Sie in Details gehen. Denn vieles, was Sie mir sagen, weiß ich schon. Am Wissen liegt es selten. Am Anwenden, am WIE und an Tiefe fehlt es den meisten Texten.

Wenn Sie auf diese Bitten achten, lese ich Sie liebend gerne und sauge Ihre Inhalte richtig in mich auf.

Herzliche Grüße

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