Standpunkt + Kritik

Übersteigerte Ängste vor Ideenklau

Na, haben Sie auch Angst, dass Ihnen jemand eine Idee wegnehmen könnte? Für Autoren ist das eine sehr hinderliche Befürchtung, denn die Konsequenz daraus ist meistens:

  • Sie geben überhaupt nichts nach außen.
  • Sie bleiben so vage, dass niemand etwas abschauen kann (aber auch alle anderen Leser nichts davon haben).
  • Sie kommen durch zu schwammige Beschreibungen oder Superlative, mit denen Sie aus Stolz und Überzeugung Ihre Idee, ein Produkt oder eine Leistung beschreiben, als Dampfplauderer rüber.

 

Niemand hat etwas davon, wenn Sie aus Furcht, dass man Ihnen eine Idee klauen könnte, überhaupt nichts nach außen geben. Für Selbstständige ist es doppelt fatal, weil diese dann oft nicht mal einen aussagekräftigen Unternehmensauftritt auf die Beine stellen, nur damit ja kein Mitbewerber sehen kann, was sie tun (und damit leider auch kein potenzieller Kunde!).

Lassen Sie es mich ganz klar sagen:

Wenn Sie etwas verkaufen möchten, müssen Sie genügend handfeste Informationen geben. Sonst bremsen Sie sich und Ihren Geschäftserfolg aus.

Wenn Sie als AutorIn veröffentlichen wollen, dann gewöhnen Sie sich ganz schnell diese übersteigerten Ängste ab! Denn so kommen Sie zu gar nichts. Denn einen Artikel oder ein Buch verkaufen Sie durch ein überzeugendes Konzept. Und ein Konzept, in dem nichts wirklich steht, oder das Sie überhaupt nicht rausgeben möchten, kann nicht zum Erfolg führen.

Gerade bei Büchern haben manche Menschen enorme Ängste. Das geht soweit, dass Leute ein Buchcoaching bei mir machen wollen, aber selbst MIR nichts sagen wollen. Der Gipfel ist es, dass manche sogar davor Angst haben, dass Verlage ihnen die Ideen wegnehmen und dann eigene Leute beauftragen.

So mancher kommt auf die Idee, sich rechtlich abzusichern. Da gibt es dann Autoren, die einem Verlag erstmal sagen, dass sie eine wahnsinnig tolle Idee haben, diese aber erst mitteilen, wenn der Verlag eine rechtsverbindliche Erklärung abgibt, dass er die Idee nicht einfach nehmen darf. Wenn Sie mit so einem Gedanken auch schon gespielt haben: Vergessen Sie das! Ein Verlag, dem Sie mit sowas kommen, lächelt müde. Das tut er sich nicht an. Zumal das auch schon ein Vorbote ist, dass man es mit einem unprofessionellen und schwierigen Autoren zu tun haben wird.

Nun klingt das etwas gemein, aber ich meine es nicht böse. Das ist nur so ein Thema, das Klartext braucht:

Der Weg, Ideenklau zu umgehen, kann nicht sein, dass Sie nichts nach außen geben. Veröffentlichen = nach außen gehen.

Aber Textklau gibt es doch!

Mir brauchen Sie das nicht zu erzählen. Ich werde seit über zehn Jahren beklaut, weil ich im Internet so freigiebig Texte veröffentliche und selbst aus Büchern und Selbstlernkursen wird geklaut wie die Sau. Ärgert mich das?

Ärgern ist gar kein Ausdruck! Mein Blutdruck steigt und wenn Voodoopuppen funktionieren würden, würden sich die Diebe 24 Stunden am Tag krümmen, das verspreche ich Ihnen!

Aber ich lasse mich natürlich durch diese Tatsache nicht begrenzen. Denn die Option wäre, dass ich nichts mehr nach außen geben darf und auch keine Bücher mehr veröffentlichen.

Wenn Sie etwas veröffentlichen und es wird geklaut, dann gehen Sie zum Anwalt. Liegt ein nachweisbarer Klau vor, dann muss der Dieb auch richtig löhnen. Über den Geldbeutel lernen es die meisten dann doch früher oder später.

Übrigens gibt es ganz viele Leute, die gar nicht wissen, dass man beispielsweise im Internet nicht einfach mit copy & paste etwas auf seine Website stellen darf. Auch nicht mit Angabe der Quelle. Unwissenheit schützt aber vor Strafe nicht: Wenn man Sie erwischt, heißt es blechen.

Die meisten „einmaligen Ideen“ gibt es schon

Jetzt müssen Sie sehr stark sein: Die meisten Ihrer Ideen sind bei weitem nicht so einzigartig und revolutionär wie Sie meinen.

Denn es ist eine Tatsache, dass so gut wie alles schon mal da war – in allen Disziplinen: ob es Weisheiten, Musikstücke, Choregraphien, Filmideen, Geschichten oder ob es einfach bestimmte Leistungen sind.

Viele Selbstmanagement-Tipps von heute habe zahlreiche Philosophen vor unzähligen Jahren schon genau so gesagt. Zahlreiche Dinge beruhen schlichtweg auf dem berühmten Menschenverstand.

Im Trainer- und Beraterwesen liest man häufig „Ich habe da eine besondere Methode entwickelt“ und wenn man sich die Methode anschaut, kann man nur lachen, weil sie so banal ist und nichts Besonderes hält – nur hat da halt jemand das hübsche Wort „entwickelt“ dazugeschrieben.

Darum empfehle ich Ihnen etwas Gelassenheit.

Denn jede wirklich gute Idee oder Methode, die Sie haben, können auch nur Sie in dieser Form ausarbeiten. Selbst wenn jemand also eine Buchidee von Ihnen klauen würde, so würde ein völlig anderes Buch entstehen, auch wenn Sie Ihre Idee konkret darlegen (was sie müssen, damit ein Verlag überhaupt entscheiden kann, ob er Sie veröffentlicht).

Es wäre doch ein Jammer, wenn Ihre Idee – gerade, wenn sie wirklich so besonders ist – niemals an die Öffentlichkeit kommt, nur weil Sie ängstlich draufsitzen.

Apropos draufsitzen: Je länger Sie eine außergewöhnliche Idee nicht veröffentlichen, desto mehr laufen Sie Gefahr, dass Ihnen jemand mit einer ähnlichen oder sogar gleichen Idee zuvorkommt. Tja: guten Zeitpunkt verpasst und plötzlich gelten Sie als Nachahmer.

Seriöse Verlage haben kein Interesse, etwas zu „klauen“

Jeder seriöse Verlag sucht gute Buchideen von guten Autoren. Ein Verlag hat keine angestellten Schreiber im Hinterzimmer sitzen, denen er Buchideen zuschiebt! Der Verlag hat kein Interesse daran, fremde Autoren zu suchen. Er will ja Ihre gute Idee von Ihnen, wenn Sie ihn davon überzeugen, wie das Buch genau aussieht und dass Sie in der Lage sind, das Buch auch zu schreiben (ein Buch zu schreiben ist nochmal eine ganz andere Disziplin, als nur eine gute zu haben!).

Überzeugend heißt nicht: alles im Detail preisgeben

Als AutorIn haben Sie immer in der Hand, was und wie Sie es preisgeben. Sie können also durchaus dosieren, inwieweit Sie Ihre Idee veröffentlichen.

Dabei dürfen Sie aber nicht den Fehler machen, sich zu sehr zurückzuhalten. Ich sehe es total oft bei Büchern, Selbstdarstellungen und Verkaufstexten, dass viele Leute viel zu vage bleiben. Da versteht man dann gar nichts.

Das andere Extrem sind die, die alles preisgeben. Ein Selbstständiger, der sein Angebot so detailreich macht, dass ich seine Leistung gar nicht mehr buchen muss, weil ich eh schon alles habe und selbst loslegen kann, verschießt natürlich zu früh zu viel Pulver.

Insofern gilt natürlich schon: So klar wie möglich, aber so viel wie nötig.

Die Angst, dass man Ihnen etwas abschauen könnte, ist jedoch eine hinderliche Schere im Kopf. Denn wer sich auf die (wenigen) Diebe konzentriert, vergibt sich die Chancen, die (vielen) fairen und interessierten Leute – und Käufer! – zu erreichen.