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Formulieren stört das Konzipieren!

Wann immer Sie etwas konzipieren – Ihre Website, einen Flyer, einen Artikel, eine Seminarausschreibung, ein Buch, eine Checkliste, ein Projekt – verbieten Sie sich in der Konzeptionsphase das Formulieren! Schreiben Sie aussagekräftige Stichpunkte, halten Sie sich erstmal ganz an die Fakten.

Warum?

  • Weil das Formulieren Ihr Gehirn in eine Richtung schickt, die Sie momentan nicht brauchen. Fokussieren Sie erstmal auf Rahmen, Inhalt, Struktur und Ziele.
  • Weil das Formulieren auch Sie selbst sehr schnell darüber hinwegtäuschen kann, dass es kein „Fleisch an den Knochen gibt“ (siehe auch „Where’s the beef?“).
  • Und weil das Formulieren den einen sehr leicht und den anderen sehr schwer fällt: Wenn es Ihnen leicht fällt, haben Sie das Gefühl „fertig“ zu sein, obwohl Sie überhaupt nicht genug in die Tiefe gedacht haben. Und wenn es Ihnen schwer fällt, sind Sie doppelt gelackmeiert: Denn wer keine klaren Fakten hat, kann auch nicht gut formulieren: da fehlt der Stoff für Struktur und Inhalte. Unterm Strich brauchen Sie also noch länger und haben am Ende weder das eine, noch das andere richtig gemacht.

Über die Aussagekraft von Stichwörtern

MindMaps waren ja mal ganz groß in Mode, und auch ich finde das – richtig eingesetzt – ein wunderbares Werkzeug (siehe auch: Ein MindMap erstellen Schritt für Schritt von Ralf Senftleben)

Allerdings stehe ich regelmäßig fassungslos vor MindMaps, auf denen gar nichts steht! Hier ist der gleiche Effekt eingetreten wie beim Formulieren: der Aufbau der Verästelungen täuscht oft ganz viele Ergebnisse vor, vor allen Dingen, wenn Sie mit einer Software arbeiten. Doch maßgeblich ist nur die Konkretheit von Ergebnissen.

Bei allen Stichworten, egal in welcher Form Sie sie sammeln, zählt in erster Linie die Aussagekraft. Und Aussagekraft erreichen Sie beim Konzipieren durch

– Konkretwerden
– eine oder zwei Ebenen tiefergehen
– Rahmen und Struktur

Zuerst die Henne oder das Ei?

An das Konzipieren eines Textes können Sie ganz unterschiedlich herangehen. Bei kürzeren Texten ist manchmal die Überschrift bereits strukturgebend.

Ansonsten gibt es zwei Hauptwege, Ihren Text zu konzipieren:

Sie gehen vom Thema aus und erschließen sich logisch, was sich daraus ergibt.

Wenn ich ein Buchkonzept angehe, gehe ich auf diese Weise vor. Ich habe mein Thema und weiß dann relativ klar, welche Bausteine (Kapitel) das Thema aus meiner Sicht haben sollte. Besonders Leute, die recht sattelfest in ihrem Thema sind und die auch sonst sehr strukturiert und logisch denken, tun sich mit dieser Art des Konzipierens sehr leicht. Das ist nicht jedermanns Sache. Wenn Sie das also nicht so gut können, weil Sie Ihr vieles Wissen und die Erfahrungen nicht so geordnet abrufen können oder weil Sie Strukturen nicht auf Anhieb vor sich sehen, dann ist das gar nicht schlimm!

Im Gegenteil: Es ist sehr wichtig als AutorIn, zu wissen, wie Sie ticken. Sonst passiert es Ihnen, dass Sie entgegen Ihrer Denkweise immer versuchen, auf Anhieb ein klares Konzept zu „sehen“ und frustriert sind, dass es nicht gelingt.

Sie sammeln erst einmal Ideen.

Eine weitere wunderbare Herangehensweise ist es, erstmal zu sammeln. Und hier empfehle ich immer einzelne Blätter beziehungsweise Haftzettel zu verwenden und nicht etwa ein starres Mindmap zu nutzen. Das hat mehrere Gründe:

1. Sie denken mit Papier und Bleistift anders.

2. Sie können Notizen mitnehmen. Jedes Brainstorming, besonders bei größeren Projekten, profitiert davon, wenn Sie es liegen lassen, Abstand bekommen, neue Ideen hinzufügen – und nicht versuchen, alles auf einen Sitz abzuhaken. So laufen gute Ideen ja auch im Hintergrund weiter, selbst wenn Sie sich gerade mit etwas anderem beschäftigen. Wann immer Sie ein größeres Projekt konzipieren, sorgen Sie dafür, dass Sie Notizblätter in der Tasche haben.

3. Sie können die einzelnen Blätter viel besser umsortieren. Das ist Gold wert, denn in dem Moment, wo Sie „wild“ alle Ihre Ideen gesammelt haben, sehen Sie – wenn Sie konkret genug waren! – nämlich in so einem Brainstorming oft ein klares Muster. Sie können es also wunderbar umsortieren oder sich Haftzettel an die Wand kleben und so das Konzept alleine durch das Vorsortieren Ihrer Ideen schon grob zusammensetzen.

Sie sehen, warum ich auf die aussagekräftigen Stichwörter poche – und vom sofortigen Formulieren abrate. Ein blumig umschriebener Absatz klingt oft wahnsinnig beeindruckend. Wenn Sie aber die konkreten Aussagen herausziehen, bleibt oft nicht viel übrig. In einem formulierten Text fällt das nicht auf. Bei einem Zusammenstellen aussagekräftiger Fakten sehen Sie schnell, wenn Sie noch nicht wirklich etwas haben.

Gleiches gilt natürlich auch, wenn Sie mit anderen zusammenarbeiten: Verbieten Sie allen Beteiligten Formulierungsnebel zu machen! Damit wird automatisch die Arbeit effektiver, weil sich jeder besser vorbereiten muss, um wirklich abzuliefern.

 

Kategorie: anfangen

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Seit 1999 bin ich selbstständig, seit über fünf Jahren aufs Schreiben spezialisiert. Das Wichtigste, wenn man Neues lernen und besser werden möchte, ist das Dranbleiben. Damit das gelingt, braucht es Neugier und Spaß an der Sache. Das wiederum erfordert, dass man sich traut, nicht perfekt zu sein.

4 Kommentare

  1. Silke Bicker sagt

    Hallo Gitte,

    die zweite Variante liegt mir persönlich sehr. Erst die Detailfreude und dann konsequent (aus-) sortieren, Konzept erstellen, schreiben und dann, später, an den Formulierungen feilen. Gerade bei größeren Projekten kann man schnell den Überblick und damit den roten Faden verlieren ohne ordentliches Konzept.
    Die Idee mit den Haftzetteln übernehme ich gerne, bisher sind Mindmaps auf alten Plakaten meine Lieblingsmethode (mit Blei- und Buntstiften).

    Danke!

    Viele Grüße,
    Silke

  2. Gitte Härter sagt

    Hallo Silke,

    ich mag die zweite Variante besonders, wenn ich für Kunden arbeite: denn mit einem Brainstorming kommen viel mehr Ideen durch und die Leute sind offener, „enthemmter“ und direkter als wenn sie schon von vornherein in fester Struktur denken sollen.

    Aus so einem Sammelsurium an Ideen kann ich, wie Du auch schon sagst, sehr schnell ein Muster, roten Faden oder wichtige Schwerpunkte erkennen.

    Ansonsten ist ja immer gut: vieles ausprobieren, um es dann je nach Einsatz und Tagesform aus dem Werkzeugkasten zu holen.

    Viele Grüße
    Gitte

  3. Hallo Gitte,

    Danke für diese wundervollen Beiträge. Es ist eine große Freude, Dir zu folgen.

    Ich liebe Mindmaps. Allerdings gebe ich Dir Recht: Mindmaps auf Papier/Whiteboard sind zu starr und bei Mindmaps am Computer erlebe ich immer wieder, dass die Technik den Fluss stört: “ Wo war gleich wieder das fett schreiben?“ oder „kann man hier irgendwo das Blatt in eine andere Ebene ziehen?“

    Deswegen verwende ich eine Mischung: Ich entwerfe die Geschichte (in meinem Fall sind das Hypnosen oder Geschichten mit hypnotischem Storytelling) am Whiteboard auf Haftnotizen, die ich dort als Mindmap anhefte.

    So habe ich die Vorteile beider Welten gut vereint (ja, OK: es gibt Abstriche. Z.B. kann man die Haftnotizen zwar leicht abnehmen und umsortieren, aber wenn man den Raum verlässt und woanders weiter machen will, sollte man zuvor ein Foto machen, um auch den Mindmap-Effekt mitnehmen zu können.)

    Häufig sind diese Umzüge sehr nützlich:
    Beim erneuten „An die Wand sortieren“ der Haftnotizen, beschäftige ich mich mit jeder einzelnen automatisch noch mal auf struktureller Ebene. Und häufig fallen mir so Verbesserungen auf, auf die ich zuvor in Stunden nicht kam 🙂

    Alles Liebe und weiterhin viel Freude am Schreiben!

    Holger.

    • Gitte Härter sagt

      … ja, das klingt großartig, Holger: Immer ausprobieren und kombinieren, was besonders gut für einen selbst funktioniert.

      Und auch die Abstriche, die du schilderst, wahrnehmen. So lassen sich dann die verschiedenen Tools viel besser individuell einsetzen und so hinbiegen, wie es selbst besonders gut funktioniert.

      Ja, das mit dem Nochmal drangehen nach einem „Umzug“ und vor allem die Struktur, das kenne ich auch.

      Dir auch viel Spaß + auf wiederlesen 🙂
      Gitte

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