typische Fehler

7 x Kohlensäure für schale Texte

Sie haben sich so viel Mühe mit Ihrem Text gegeben, aber irgendwie liest er sich nicht richtig. Ein wenig flach alles, langweilig. Dann ist es Zeit, den Text etwas aufzublubbern. Sie haben zahlreiche Möglichkeiten, Ihren Text lebendiger zu machen. Sieben dieser Möglichkeiten habe ich Ihnen zusammengestellt:

1. Kürzere Sätze = höheres Erzähltempo.

Ist das Lesen flüssig und verständlich, nimmt jeder Text Fahrt auf. Am meisten mitverantwortlich sind die Satzlängen. Die Grundregel: Bloß keine sperrigen Sätze! Sie kennen die Standards: Hauptwörter in Verben umwandeln. Aktiv statt Passiv. Keine Schlangensätze. Reden, wie Sie sprechen.

2. Gibt es eine witzige Analogie?

Überlegen Sie: Kann ich das, was ich sagen möchte, an einem besonderen Aufhänger festmachen? Das macht nicht nur Ihren Text pfiffiger, sondern Sie können auch oft gehörten Tipps einen besonderen Anstrich verleihen.

Ich habe zum Beispiel mal einen Text geschrieben „Arbeit und Leben unter einen Hut bringen. Was für ein Hut ist das denn?“ und dann verschiedene Hüte (Cowboy-, Sonnen-, Schlapp-Hut) als Aufhänger genommen, um verschiedene Work-Life-Szenarien zu skizzieren.

3. Kräftige Wörter und Vergleiche

Hier sind Synonymwörterbücher Ihr bester Freund. Nehmen wir mal das Wort „ärgern“. Einige Synonyme davon sind:

aufbrausen, aufbringen, bekümmern, belästigen, betrüben, entrüsten, ergrimmen, erzürnen, fuchsen, hänseln, kochen, kränken, necken, peinigen, quälen, reizen, rotieren, schäumen, sieden, triezen, verärgern, verstimmen, wurmen

Na, da sind doch schon einige viel aussagekräftigere Wörter dabei, die sehr viel mehr beim Leser auslösen als „ärgern“.

Eine gute Übung ist es, Formulierungen durchzuprobieren – vielleicht haben Sie das Gefühl, ein Satz drückt noch nicht stark genug das aus, was Sie rüberbringen wollen:

Es nervt mich, bei Telefonhotlines anzurufen.
Okay.
Ich hasse es, bei Telefonhotlines anzurufen.
Schon besser.
Ich steche mir lieber heiße Nadeln unter die Fingernägel, als bei einer Hotline anzurufen.
Jaaaa, das will ich sagen!

Wichtig. Es geht nie darum, sich zu verkünsteln, sondern es steht immer im Vordergrund, welches Wort am ehesten das ausdrückt – idealerweise den Leser spüren lässt -, was Sie aussagen möchten.

4. Ein oder mehrere O-Töne

O-Töne lassen Ihre Leser viel unmittelbarer in der Situation dabei sein. Vergleichen Sie:

Nach der Stunde gehe ich zur Rezeption, um mich zu entscheiden, ob ich mich anmelde. Der Steptrainer kommt vorbei. Ich sage ihm, dass mir die Stepstunde gefallen hat, aber mir nicht gefällt, dass sie unpünktlich begonnen hat. Ob das öfter vorkomme?

und:

Nach der Stunde gehe ich zur Rezeption, um mich zu entscheiden, ob ich mich anmelde. Der Steptrainer kommt vorbei. Ich zu ihm: „Die Stepstunde hat mir gefallen, aber Du warst unpünktlich, und sowas regt mich auf. Kommt das öfter vor?“

Besonders, wenn Sie einen Kommunikationstipp geben möchten, sind O-Töne unschätzbar. Vergleichen Sie wieder:

Ich habe also bei dem Reha-Zentrum angerufen und mich erkundigt, ob jeder dort Kunde werden könne oder ob es nur Patienten vorbehalten ist. Leider war das Telefongespräch nicht sehr ergiebig, denn die Rezeptionistin ließ sich alles aus der Nase ziehen.

Ganz anders wirkt es, wenn ich das Gespräch „zeige“:

Ich rufe also bei dem Reha-Zentrum an:

– „Ja hallo, mein Name ist Härter. Leider ist auf Ihrer Website seit Monaten ein Baustellenschild. Jetzt ruf ich doch mal an: Kann jeder zu Ihnen kommen oder muss man in irgendeiner Weise krank sein, weil Sie ja ‘Reha’ heißen?“

– „Nein, können Sie auch so kommen.“ (freundliche, aber passive Stimme)

– „Was haben Sie denn so alles?“

– „So verschiedene Geräte.“

– „Aha. Und wenn ich mir Ihr Studio anschauen will: kann ich da einfach kommen oder mache ich einen Termin aus?“

– „Können Sie einfach kommen.“

– „Alles klar. Danke.“

Ein O-Ton kann übrigens auch einfach ein eigenes Zitat von Ihnen sein, etwa in Ihrer Selbstdarstellung:
Zitate? Das sollten Sie bedenken!

5. „Wie krieg ich den Text praxisnaher hin?“

Das Problem von leblosen Texte ist oft Rumtheoretisieren. Überprüfen Sie Ihren Text auf Praxisnähe: Reden Sie MIT Ihren Lesern oder reden Sie an sie hin? Findet der Text mit direktem Bezug auf den Leser-Alltag statt? Findet er sich in Ihrer Schilderung wieder, kann er sich vielleicht sogar identifizieren?

weiterlesen:
Ist Ihr Friseur krank oder warum erzählen Sie mir das?

6. Dosiert Umgangssprache reinbringen

… das können einzelne Wörter sein: wie hier

Stilmittel: Umgangssprachlich schreiben

7. An Formatänderung oder Gimmick denken

Schauen Sie sich diese drei Beispiele an – inhaltlich hätte ich die Grundaussagen und Tipps auch in ganz reguläre Artikel packen können. Aber so ist es besonders, witzig und für die Leser viel animierender: Ich habe mit dem „Medikament Akquise“ mal das Thema wie einen Beipackzettel aufgebaut. Oder unter der Überschrift „Es gibt Zeugnisse“ ein Formular erstellt, mit dem sich UnternehmerInnen selbst Noten geben.

Maßgeblich dafür, welche (und wie viele) Tipps Sie nutzen ist natürlich der Gesamtzustand Ihres Textes: Mitunter gibt es mehrere Faktoren, die dafür sorgen, dass ein Text flach ist. Da würde es nicht viel helfen, nur mal eben etwas Kohlensäure reinzuwerfen.

Sicherstellen, dass die Grundlagen stimmen:

Sagen Sie’s einfach(er) und reden Sie Klartext!

„Tun Sie dieses, lassen Sie jenes“ – willkommener Klartext oder Befehlston?

Straffen und kürzen Sie, was geht!

Versierter formulieren
Gedankenschleifen killen
Zehn Verwässerungsfallen