Korrespondenz

9 Namensfehltritte und verpasste Chancen

Vom Namen in der Korrespondenz, in Newslettern, über Produktnamen bis hin zu Firmen- und Domainnamen. Da kann ganz einiges gehörig in die Hose gehen. Ein kleines Potpourri:

1. Falscher Name

Ein neuer Kunde ruft Sie an! Wie schön. Er will ein Angebot. Sie denken dran, ihn nach seinem Namen zu fragen. Der Herr Notsch also. Bloß blöd, dass man ihn „Nagy“ schreibt.

Kürzlich habe ich auf unternehmenskick.de erzählt, dass ich seit Jahren E-Mails von Leuten bekomme, die sich auf meine Website beziehen, mich aber dann „Frau Gitte“, „Herr Härter“ oder „Christine Härtl“ nennen. Letzteres kommt daher, dass auf der früheren Website meine Kollegin und ich standen: da wurde aus „Christine Öttl“ und „Gitte Härter“ merkwürdigerweise ständig „Christine Härtl“. Wie in Die Fliege.

Gerne erinnere ich mich auch an das Fax, das ich an einen Kunden geschickt habe: „Sehr geehrter Müller“.

2. Gar kein Name!

Dass es keine gute Idee ist, eine E-Mail oder einen Brief an „Sehr geehrte Damen und Herren“ zu schicken, hatten wir schon.

Merkwürdig wird es auch, wenn man sich eine Anrede ausdenkt. Etwa eine Bewerbung an eine kleine Firma, die an den „Herrn Personaldirektor“ gerichtet ist.

Auch die Technik kann da ganz schön haken. Etwa wenn eine Anrede vorgesehen ist, im Programm aber nichts für den Fall hinterlegt ist, dass jemand keinen Namen eingibt. Dann kommt der Newsletter mit „Guten Tag Frau“ an. Gerne kommt es in diesen Fällen natürlich auch zum schon genannten „Guten Tag Härter“.

3. Vorname: Frau oder Mann?

Da hat Ihnen also ein Interessent gemailt: Eike heißt er … oder Robin oder Chris oder Ondra … Vermeiden Sie dann die persönliche Anrede lieber komplett (das kann mit zunehmendem Kontakt richtig stressig werden und irgendwann wirds peinlich doch mal zu fragen). Oder schätzen Sie, ob es sich weiblich oder männlich anhört? Immerhin eine 50%ige Trefferquote. Googeln Sie? Aber was, wenn es Namen sind, die weiblich oder männlich sein können?

Natürlich: Immer auf Nummer sicher gehen. Wenn das nicht geht, können Sie einfach fragen oder in Ihrer Antwort offen sagen: „Guten Tag“ oder „Guten Tag Frau oder Herr X“ – mit einem „leider weiß ich nicht, ob ‚Eike‘ ein weiblicher oder männlicher Vorname ist“.

Wenn Sie selbst einen sehr unbekannten Namen haben, dann lohnt es sich, einen Hinweis zu geben. Ich habe es bisher einmal erlebt, dass ein E-Mail-Absender mit einem fremden Namen, der sehr weiblich klang, in Klammern ein „(Herr)“ dahinter geschrieben hat. Natürlich ist das ungewöhnlich, aber in diesem Fall die perfekte Lösung: Der Absender stellt sicher, dass er richtig angesprochen wird, und der Empfänger ist endlos dankbar, dass er weiß woran er ist.

4. Die merkwürdig unnatürliche Anrede

Ich weiß, ich weiß, es ist merkwürdigerweise mittlerweile ziemlich üblich, aber ich zucke immer wieder zusammen, wenn ich ein „Guten Morgen Gitte Härter“ in der Anrede habe. Wer redet denn so?

Auch die Doktortitel oder Doppelnamen bereiten mir manchmal Probleme, nämlich wenn die Absender selbst den Doktor weglassen oder bei Doppelnamen doch wieder nur einen Namen zur Unterschrift nutzen. Bin ich immer komplett irritiert, wie geht’s Ihnen da?

5. Der anbiedernde Name

Das sind meistens die Akquisebrief oder –mails: „Ja Frau Härter …“, „finden Sie, Frau Härter, nicht auch  …“, „Gerne schicke wir auch Ihnen, Frau Härter“. AAAAAAAAAAAAAAAAAAARGH!

Ständiges unnatürliche Einstricken des Namens in einen Brief ist sehr anbiedernd und eher ein Schuss in den Ofen.

6. Der verunglückte E-Mail-Absender

Das ist sehr lustig, denn die Absender merken es nicht. Bitte überprüfen Sie es selbst gleich mal, es kommt total oft vor:

Wenn Sie ein Mailkonto einrichten (oder das von Ihrem Computermenschen gemacht wurde), dann checken manche Leute nicht, was ein internes Feld und was die sichtbare Absenderangabe für die Empfänger ist.

Ich bekomme total oft Business-Mails mit solchen Absendern:

info
Firma
Matze
Kellermeier

Früher gern genommen war bei den T-Online-Adressen auch die endlose Teilnehmernummer à la 2452340245053682354@t-online.de – das sieht man mittlerweile aber gar nicht mehr.

7. Merkwürdige Phantasienamen

Sehr lachen muss ich immer über irgendwelche selbst entwickelten Sachen wie die KARIERT-Methode oder das MIESEPETER-Prinzip, wo dann die einzelnen Buchstaben wiederum für irgendein Schlagwort mit diesem Anfangsbuchstaben stehen. Ansich wäre das ja ganz pfiffig, nur leider gibt es ganz häufig Probleme damit, weil man für bestimmte Buchstaben dann doch nichts Richtiges findet und es dann an den Haaren herbeigezogen wirkt oder inhaltlich Überschneidungen oder Doppelungen stattfinden.

Phantasienamen für irgendwelche Firmen oder Produkte können auch eine völlig andere Wirkung erzielen, als von Ihnen gedacht. Eine kleine persönliche Firma kann schnell wie ein Technikkonzern wirken. Oder man assoziiert mit einem bestimmten Namen ein anderes Produkt oder der Klang erinnert an etwas ganz anderes, vielleicht sogar Unerwünschtes.

Ich kannte mal einen Unternehmensberater, der hat aus zwei Hauptwörtern immer neue Begriffe gezimmert. Mir fällt jetzt grad davon keines ein, aber sowas in die Richtung wie MARKTIBEL (Marketing + kompatibel). Sowas kann natürlich super werden, es kann aber auch sehr brechstangenmäßig und kantig sein.

8. zu komplizierte Domainnamen

Webadressen sollte man sich gut merken und auf jeden Fall richtig tippen können. Ein marianne-birkenreiter-beratung24-muenchen.de ist eher nicht so gut. Ein hermannmeierkommunikation auch nicht: denn schreibt jetzt denn jetzt den Hermann mit einem oder zwei R und wie schauts mit dem Mair, Maier, Mayr, Meier; Meir, Meyer o. Ä. aus? Schwierig wirds auch mit den Endungen.

Keep it simple und eindeutig, besonders bei der Webadresse!

9. uniforme, nichts aussagende Firmennamen

Hier muss ich in erster Linie die Abkürzungen nennen. Ich habe früher in der Werbebranche gearbeitet und Sie glauben gar nicht, wie viele Agenturen identische Namen hatten oder total allgemeine Abkürzungs-Varianten: AM Werbeagentur, AW Werbeagentur, BM&S Agentur.

Oder die Initialen. Ich könnte mich GH Coaching & Training nennen. Aber warum sollte ich? Es ist doch gerade als EinzelunternehmerIn viel schlauer, seinen Namen zu etablieren.

Gleiches gilt natürlich für naheliegende Schlagwörter Ihrer Branche. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich viele andere Unternehmen auch für naheliegende Begriffe entscheiden, ist sehr hoch. Oft zeigt bereits eine kurze Google-Suche, dass der ausgewählte Firmenname schon inflationär besetzt ist.

Das gilt übrigens besonders auch für den Zusatz. Bleiben wir kurz beim Coaching. Ein „Coaching & Training“ gibt es total oft. Warum das nicht konkreter formulieren und das Thema eindeutig mit reinbringen oder einen aussagekräftigen Slogan dazupacken? Ihr Firmenname kann viel mehr für Sie tun, umso wichtiger, wenn man aus Ihrem Logo und Firmennamen Ihr Thema gar nicht erkennen kann.

Vieles klingt ganz lustig, aber vergessen Sie nicht: In solchen vermeintlich kleinen Details wie Namen stecken enorm viele verpasste Chancen. Ist doch ein Jammer!