Schreibfluss

Geben Sie sich nicht mit „Schreibblockade“ zufrieden

Normalerweise bin ich immer schnell. Sie können mich nachts um drei wachschütteln und nachdem ich Sie ausgiebig beschimpft habe, weil Sie mich aufgeweckt haben, kann ich Ihnen einen Text schreiben. Wann immer ich rumeiere, stimmt etwas nicht.

Der Begriff „Schreibblockade“ ist mir nicht sonderlich sympathisch, denn zum einen betoniert man für sich, dass nichts geht

– ICH bin blockiert. –

Zum anderen reagiert man oft darauf, indem man es entweder bleiben lässt, auf sich schimpft oder versucht, sich irgendwie zum Schreiben zu motivieren.

Auch der an sich gute Tipp, etwas liegenzulassen und nach einer Pause wieder dranzugehen, ist nicht immer die beste Wahl! So manches Schreibprojekt wird auf diese Weise geschoben und geschoben und geschoben … so macht sich neben dem Rumeiern langsam aber sicher auch noch Unlust breit.

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Rumeiern hat meist handfeste Gründe

Wann immer Sie feststecken, braucht es eine Diagnose: WAS blockiert denn da?

Das hilft Ihnen nicht nur für das aktuelle Projekt, sondern nützt dafür, Ihre Autorenqualitäten zu schärfen: Nicht umsonst gibt es hier im Blog eine Kategorie Selbstmanagement. Je besser Sie sich kennen, desto klarer wissen Sie auch, wo es hakt, wenn es hakt. Achten Sie also immer auch auf sich „insgesamt“. Ich beispielsweise kann bei mir sofort unterscheiden, ob ich gerade einfach nur schreibunlustig bin oder ob es hakt, weil ich noch keine funktionierende Struktur gefunden habe.

Kreisen Sie also immer so genau wie möglich ein, was dem Schreiben gerade entgegensteht.

Die fünf häufigsten Gründe für das Rumeiern sind:

Wenn Sie den Grund für das Festgefahrensein kennen, können Sie punktgenau ansetzen und vergeuden keine Zeit mit Strategien, die nichts bringen.

1. Nicht wissen, wie anpacken

Sie können Ihr Thema noch nicht greifen, Sie haben die Zielgruppe nicht klar, Sie wissen zu viel und kriegen irgendwie gar nicht alles unter.

Die größten Fehler, die Sie machen können:
1. Ins Blaue schreiben.
2. Mit dem ersten Satz anfangen „müssen“.

Wer nicht weiß, woran er seinen Text aufhängen möchte, was genau die Botschaft ist und wie anfangen, der kann sich noch so toll zureden und Hunderte von kreativen Pausen machen: Der Nebel lichtet sich nur durch die Konzeptionsphase.

Ich weiß wirklich nicht, warum so viele Leute diese Phase überspringen. Sogar in Workshops sagen mir Teilnehmer immer „jaja, ich sollte mit zwar vorher Gedanken machen, habe aber doch jetzt lieber drauflos geschrieben“ … und wohin führt das? In den Wald!

Konzipieren ist nicht nur für den aktuellen Text nützlich, sondern es ist die Kerneigenschaft, die Sie zu einem besseren Autoren macht. Einige hilfreiche frühere Artikel dazu:

2. Die erdachte Struktur stimmt nicht

Selbst Profis passiert es, dass sie wunderbar anfangen. Sie haben sich überlegt, wie sie den Text angehen, sie haben sich Gedanken gemacht, sie haben den Text durchstrukturiert – theoretisch ist alles super. Wenn es jetzt nicht fließen will, obwohl „eigentlich“ alles stimmt, dann liegt es fast immer daran, dass die Struktur nicht funktioniert.

Lustigerweise weiß man das manchmal, bevor man es weiß. Obwohl Sie vielleicht noch gar nicht an dem Punkt angelangt sind, wo wirklich nichts mehr geht, stellt sich ein Zögern ein. Manchmal verspürt man eine Unlust, die man sich nicht erklären kann. Sie wollen den Text nicht weiterschreiben oder machen immer mal Anläufe, die ins Leere gehen.

Bei umfassenderen Texten ist es besonders schwer, das zu erkennen, erst recht, wenn Sie schon ziemlich weit sind.

Seien Sie immer bereit, Ihre Struktur zu überprüfen und gegebenenfalls umzustoßen! Ich sage Kunden manchmal: Vergessen Sie, was Sie dazu bisher geschrieben haben und fangen Sie mal von Grund auf neu an.

Mir ist es beim Entscheidungsbuch einmal passiert, dass ich schon über siebzig Seiten fertig hatte und dann alles in die Tonne geklopft habe. Da schluckt man erst, aber unterm Strich gewinnen Sie, wenn wieder Leben in den Text kommt und es plötzlich fließt. Es war ja nicht von ungefähr, dass es sich vorher festgefahren hat.

3. Sie wissen nicht genug über Ihr Thema

Manche suchen sich zu komplexe Themen aus oder wollen über etwas schreiben, wovon sie gar keine Ahnung haben. Andere schreiben über Fachfremdes, zum Beispiel, weil sie für Kunden aller Branchen texten.

Wenn Sie die Wahl haben: Schreiben Sie immer nur über Dinge, zu denen Sie Bescheid wissen! Das geht nicht nur schneller, Sie ersparen sich umfassende Recherche – und widerstehen der Versuchung, bei anderen abzuschreiben.

Schreiben Sie für einen Kunden und merken, dass Sie das Thema nicht recht greifen können, dann holen Sie sich die Informationen per Telefon oder vor Ort. Auch wenn es schon ein Vorgespräch gab! Achten Sie darauf, dass Sie dann am meisten reden: Stellen Sie konkrete Fragen, erzählen Sie, was Sie verstanden haben. Nehmen Sie nicht nur passiv Informationen auf, das bringt Sie Ihrem Thema zu wenig näher.

Themenunsicherheit rächt sich mehrfach: Sie brauchen viel länger, Sie müssen Ihre Texte doppelt und dreifach checken und/oder Sie leben mit der Angst vor dem Veröffentlichen. Denn dann schlägt die Stunde der Wahrheit.

4. Sie haben eine Abneigung gegen einen Aspekt

Manchmal passt einem etwas nicht, zum Beispiel:

  • Eine vorgegebene Überschrift ist Ihnen zu reißerisch.
  • Sie mögen den Auftraggeber nicht.
  • Der Schreibstil taugt Ihnen nicht – das kann eine Vorgabe sein, zum Beispiel ein trockener, zu theoretischer Ansatz oder Sie haben auf eine bestimmte Weise angefangen, aber können sich nicht damit anfreunden.
  • Sie möchten mit einem Text Marketing für eine Leistung machen, aber insgeheim wollen Sie diese Leistung gar nicht pushen.

Je nachdem, worin die Abneigung besteht, heißt es nun handeln – und das wiederum erfordert eine nächste Frage: Was müsste sein, damit ich den Text schreiben will?

Das Schöne ist, dass wir bei eigenen Texten immer zu 100 % bestimmen können. Sie können ein Projekt umkrempeln oder sterben lassen. Und wenn Sie für jemand anderen schreiben, können Sie einen Alternativvorschlag machen oder im Extremfall einen Auftrag absagen. Wenn das nicht geht, heißt es, den Auftrag professionell zu Ende zu bringen – aber daraus für das nächste Mal zu lernen: DAS mach ich nicht nochmal!

5. Sich selbst zu viel Druck machen

Wer kann schon locker und mit Freude schreiben, wenn einem der heiße Atem eines anderen in den Nacken bläst, der die Augenbrauen skeptisch hochzieht und fordernd mit den Fingern auf der Tischplatte trommelt?

Genau so gehen manche AutorInnen mit sich selbst um: Bist du noch nicht fertig?!! Dieser Satz ist nicht gut genug!! Das will eh keiner lesen!! Das ist doch alles Mist!!

Es gibt einige Dinge, die ich Ihnen wieder und wieder und wieder und wieder erzähle. Eins davon ist das Runterhacken des ersten Entwurfs. Der erste Entwurf ist dazu da, den Text aufs Papier zu bringen – gerne ungelenk und mit „Plaudertonpassagen“. Wer das tut, kann mit seinem Text arbeiten. Wer versucht, den perfekten, druckreifen Text auf Anhieb zu schreiben, braucht nicht nur Ewigkeiten, sondern fördert Blockaden, denn da kommt nichts oder nur bruchstückhaft was aus Ihrem Kopf.

Schreibunlust ist selten einfach nur Unlust

Sie sehen, dass es mit den üblichen Anti-Schreibblockade-Tipps oft nicht getan ist. Je nachdem, was hakt, können Sie sogar direkt ohne großes Motivationsgedöns das Schreiben wieder in Fluss bringen.