formulieren

Glauben heißt nicht wissen

Manche Formulierungen lassen Sie vage und unsicher erscheinen. Wenn es ganz dumm läuft, kommen Sie sogar unglaubwürdig rüber.

Ich glaube

Natürlich ist es in Ordnung, auch mal was zu glauben, aber wenn das in einem Text öfter geschieht, auch in anderen Varianten wie „ich nehme an“, „meiner Ansicht nach“, dann kommen Sie als AutorIn schnell unsicher rüber:

  • Weiß er überhaupt, was er sagt?
  • Macht sie es selbst/kann ich ihr vertrauen, dass diese Tipps funktionieren, wenn sie selbst so unsicher ist?

Darüber hinaus fällt es Lesern unangenehm auf, wenn sich Autoren über die Sprache abzusichern versuchen. Solche vagen Formulierungen sind ja oft nicht anderes als der Versuch, einen klaren Standpunkt zu umgehen: „Tun Sie dieses, lassen Sie jenes“ – willkommener Klartext oder Befehlston?

Man sagt/es heißt/das soll …

In der Nachbarschaft von „Ich glaube“ wohnen „man sagt“, „es heißt“, „das soll“ und auch „gilt als“ (letzteres via bildblog).

Ich habe gerade letzte Woche eine Kundenzeitschrift mitgenommen, in der andauernd steht „Dieses Produkt soll die Haut straffer machen“, „Dieser Saft soll zu mehr Ausgleich führen.“ In Workshops ertappe ich Selbstständige oft dabei, wie sie ihre eigene Leistung mit diesen oder ähnlichen Formulierungen verwässern:

  • Das Coaching soll dabei helfen …
  • Dieser energetischen Therapie wird nachgesagt, dass …

Machen Sie immer klare, selbstbewusste Aussagen. Und wenn das nicht geht, weil Sie etwas nicht versprechen können, dann überlegen Sie sich, was Sie klar sagen können anstatt eine Aussage, die nicht lupenrein ist, möglichst schwammig zu verpacken.

Wissenschaftliche Studien beweisen …

Der Verweis auf die Wissenschaft soll eine Aura der Glaubwürdigkeit schaffen. Aber mal ehrlich: Wir alle wissen, wie lausig Studien oft sind (7 Leute mit Sternzeichen Jungfrau haben in Nordschweden drei Wochen Erbsen gegessen) und wie absurd die vermeintlichen Ergebnisse.

Überlegen Sie sich den schwammigen Hinweis auf irgendwelche Studien gut. Schmeißen Sie bitte nicht mit Aussagen wie „85 % Prozent der Deutschen wollen Hape Kerkeling als Bundeskanzler“ oder „jeder zweite Mann geht fremd“ um sich. Das schwächt Ihre Texte nur!

Wenn Sie wirklich eine Studie zitieren möchten, kümmern Sie sich immer um die Originalquelle und lesen Sie die Studie komplett durch. Die reißerischen Häppchen, die Medien oft machen, sind so absurd, dass selbst die Studienleiter die Hände über dem Kopf zusammenschlagen.