Ratgeber schreiben

Es ist einfach, ein Buch schreiben zu wollen.

Gestern habe ich den fleißigen Erstautoren im Buchkonzept-Workshop etwas gesagt, das auch für Sie wichtig ist, wenn Sie schon immer mal einen Ratgeber schreiben wollten: Es ist sehr leicht, zu sagen „Ich will ein Buch schreiben.“ Es ist auch noch sehr leicht zu sagen: „Es soll ein Buch über … sein.“ oder „Mein Buch soll den Menschen dabei helfen, … zu tun.“

Ein wenig schwieriger wird es dann schon, diese vage Idee in ein konkretes Buchthema zu packen, sich für eine klare Zielgruppe zu entscheiden und festzulegen, welchen Aufhänger man seinem Thema geben möchte.

Wenn Sie es bis hierher geschafft haben, wird es richtig komplex. Denn jetzt heißt es, die späteren Buchinhalte festzulegen:

Welche Kapitel sind sinnvoll?

Was muss der Leser erfahren/können/tun?

Wie bringe ich mein Wissen und meine Erfahrung verständlich aufs Papier? Und zwar in einer Form, die in sich rund ist und die Leser befähigt, in Eigenregie seine eigene Situation zu überdenken und Erkenntnisse zu haben.

Besonders Trainer, Coaches und Berater kommen da erstmal an eine Grenze. Denn sie erkennen, dass es einen riesigen Unterschied macht, das, was sie normalerweise im persönlichen Gespräch (oft intuitiv) vermitteln, plötzlich schriftlich aufbereiten zu müssen:

Statt ein einziges Gegenüber mit einer konkreten Fragestellung hat man plötzlich eine breite Masse an Lesern, die verschiedene Persönlichkeiten, Wissens- und Erfahrungsschätze haben. Die in ganz unterschiedlichen Situationen stecken und verschiedene Einstellungen und Rahmenbedingungen haben. Alle müssen Sie in Ihrem Buch unter einen Hut bringen.

Dazu kommt, dass man im persönlichen Kontakt als Coach, Trainer und Berater sehr viel zum eigentlichen Erkenntnisprozess beisteuert. Auch wenn Sie „nur“ die richtige Fragen stellen und Ihren Kunden durch Beobachtungen auf Kurs halten.

Aber auch wenn Sie nicht in dieser Berufssparte unterwegs sind, ist es ganz schön schwer, Wissen buchgerecht aufzubereiten: Das geht bereits bei der Struktur los und setzt sich im klaren An-die-Hand-nehmen der Leser fort.

Wenn Sie sich ein Buch im Laden kaufen, dann gibt es zwei Extreme:

1. Sie sind wahnsinnig begeistert, können gar nicht aufhören zu lesen und nehmen ganz viel aus dem Buch für sich mit. Bei solchen Büchern hat der Autor einen tollen Job gemacht. Wenn Sie sich das Inhaltsverzeichnis anschauen und das Buch lesen, dann sieht alles total einfach aus. Aber lassen Sie sich mal nicht täuschen! Hinter Aufbau, Schreibe und wirklich guten aktivierenden Elementen steckt sehr viel Hirnleistung.

2. Sie finden das Buch nicht prickelnd, zu trocken oder sogar irgendwie willkürlich. Das passiert meiner Erfahrung nach immer dann, wenn die Konzeptionsphase nicht sorgfältig genug gemacht wird. Das Schwitzen über Struktur und Inhalten, wie es meine WorkshopteilnehmerInnen gerade erfahren, ist anstrengend, aber es lohnt sich.

Gerade für Erstautoren ist es sehr wichtig, sich Input und Unterstützung von einem Profi zu holen. Das kann jemand wie ich sein, der viel Erfahrung mit Büchern hat, oder ein gutes Lektorat. Es kann auch jemand aus Ihrem Bekanntenkreis sein, aber nicht einfach „jemand Nettes“, sondern eine Person, die sehr strukturiert ist und das große Ganze genauso wie Details sieht. Jemand, der qualitativ Feedback gibt, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Und natürlich jemand, von dem Sie dieses Feedback auch annehmen können.

Wenn Sie wirklich ein Buch schreiben möchten, dann machen Sie sich darauf gefasst, dass der eigentliche Schweiß idealerweise beim Ausarbeiten Ihrer Buchidee fließt und Sie sich extrem Mühe bei Struktur & Inhalten machen sollten. Diese Phase ist die sprichwörtliche halbe Miete:

➡ Dafür, dass ein Verlag anbeißt.
➡ Und dass Sie Ihr Buch anschließend mühelos schreiben können.