Ratgeber schreiben

12 Dinge, die ich am Bücherschreiben nicht mag

Ich liebe es, Bücher zu schreiben. In zwölf Jahren habe ich über zwei Dutzend Bücher verfasst: vom Pocket bis zum Handbuch. In dieser Zeit hat sich meine Schreibe verändert, meine Interessen haben sich verlagert und einige Bücher würde ich so heute nicht mehr schreiben.

Aber genau das ist ja Entwicklung! Das ist das Tolle, dass man über die Zeit einen anderen Blick bekommt und einen eigenen Stil entwickelt. Darum sage ich meinen ungeduldigen oder frustrierten Erstautoren auch immer: Hey, jetzt sei mal realistisch, ich habe immerhin über zehn Jahre Vorsprung.

Dennoch ist nicht alles Friede-Freude-Eierkuchen mit so einem Buch. Diese 12 Dinge mag ich persönlich überhaupt nicht:

1. Dass viele Verlage immer dasselbe wollen.

Haben Sie sich schon mal gewundert, warum es zu vielen Themen noch ein und noch ein und noch ein Buch gibt? Im Ratgeber-Bereich zum Beispiel gibt es Dauerbrennerthemen, die immer gefragt sind. Selbstmanagement, Beziehungen, Kommunikation, Bewerbung, Gesundheit, Kochen … daraus besteht natürlich unser Leben. Doch innerhalb dieser Bereiche gäbe es viel Spielraum für Facetten: Teil-Themen, spannende Blickwinkel, eine etwas außergewöhnlichere Herangehensweise.

Leider spielen da viele Verlage nicht mit. Manchmal mit guten Gründen: immerhin ist ein Buch, seine Herstellung und die Vermarktung ein Kostenrisiko, das gut überlegt sein will. Aber dennoch ist es schade, dass viele tolle Ideen keine Chance bekommen. Und wenn doch, werden Sie manchmal mainstreamiger gemacht oder bekommen einen unguten Titel, der die besondere Idee gar nicht zur Geltung kommen lässt. Aber das ist ein anderes Thema.

2. Mehrere Korrekturdurchgänge kurz hintereinander.

Wenn man etwas schreibt und dann kurz hintereinander liest und dann wieder liest, dann ödet es einen irgendwann an.

Läuft es gut, gibt man das Manuskript ab, dann geht etwas Zeit ins Land. Wenn es jetzt aus dem Lektorat zurückkommt, ist es wieder neu. Wenn es gelayoutet ist, muss man es nochmal durchgehen. Läuft es schlecht, sind diese Termine kurz aufeinander. Bläääääh.

3. Wenn es keine klaren Ansprechpartner im Verlag gibt.

Zum Glück gibt es das selten, aber ich hatte schon einige Verlage, wo es leider so ist. Bei manchen kennt man gar niemanden und muss sich erstmal durchfragen. Bei anderen wird mit Volontären gearbeitet, die ständig wechseln. Ich mag gerne dieselben Leute. Natürlich sollen sie gut sein. Aber wenn sie das sind, sollen sie bitte ewig bleiben. Mich stört es so richtig, wenn Ansprechpartner dauernd wechseln.

4. Wenn das Lektorat pfuscht.

Auch das habe ich zum Glück selten erlebt, aber ich habe es erlebt. Bei einem Buch hat ein Lektor das ganze Buch sozusagen auf seinen Stil umgeschrieben und bei der Gelegenheit gleich mal zwanzig Seiten weggekürzt, weil er das gut fand.

Oder es gibt den Fall, dass mehr gekürzt werden muss: Dann ist es normalerweise so, dass der Autor die Kürzungen macht. Ich hatte es aber schon, dass aus Zeitgründen jemand anderer mit der Sense durchging, und dann natürlich zielgerichtet die mir besonders wichtigen Sachen gelöscht hat.

Natürlich kann man das ein bisschen steuern: Zum Beispiel arbeite ich mit manchen Verlagen einfach nicht mehr, wenn die Zusammenarbeit unerfreulich war. Oder ich wünsche mir, dass ein bestimmter Lektor auf das Projekt gesetzt wird, mit dem ich schon ein anderes Buch gemacht habe. Es ist unglaublich entspannend, wenn man sein Buch aus den Händen gibt und weiß, dass ein richtig guter Lektor drangeht. Denn dann läuft es so, wie es sein soll: ein Buch wird durch das Lektorat besser, beide Seiten ergänzen sich richtig gut.

5. Wenn der Verlag ohne mich einzubeziehen den Titel und die Covergestaltung beschließt.

Das ist mein Hass-Thema, denn ehrlich gesagt finde ich die meisten meiner Buchcover – und manche Titel – nicht sonderlich prickelnd.

Beim Buchveröffentlichen gibt es Rechte und Pflichten auf beide Seiten. Eine der Verlagsentscheidungen ist der Buchtitel und die Gestaltung. Das ist auch gut so. Denn die Verlage haben pro Buchreihe einen bestimmten Stil, der mal strenger, mal weniger strenge Vorgaben hat, wie ein Buchtitel aufgebaut ist und wie Bücher aus dieser Reihe so aussehen. Dazu kommen Erfahrungswerte und Annahmen, was sich gut verkauft. Gerade über Titel wird lange nachgedacht. Außerdem gibt es oft Meetings mit vielen Leuten, wo der dann das nicht gut findet und der andere eher das.

Wenn alles gut läuft, kommt ein tolles Endprodukt raus. Wenn es noch besser läuft, wird man als Autor aktiv mit einbezogen.

Wenn es schlecht läuft, heißt es „Friss oder stirb“. Dann heißt es abwarten und mit bangem Herzen das PDF anklicken, wenn man wenigstens den Entwurf vorher sieht. Bei meinen Büchern habe ich einige wenige, wo ich rundum zufrieden bin. Dann gibt es das Mittelfeld, mit dem ich leben kann. Und dann gibt es leider auch Augenrollen.

Eines meiner Bücher ist ein absolutes Hassbuch: Als ich den Entwurf im Verlag gesehen habe, habe ich erst gedacht, da macht sich jemand einen Spaß mit mir. Es war, als hätte man meine Kollegin gefragt: „Sag mir alles, was die Gitte furchtbar findet, dann machen wir einen Fake-Entwurf und verarschen sie mal so richtig“. War leider nicht so.

6. Wenn das Layout unsorgfältig gemacht wird.

Zum Beispiel, wenn drei Zeilen auf eine Seite gesetzt werden und der Rest der Seite leer bleibt. Oder wenn eine Überschrift zwei Zentimeter vom unteren Rand noch angefangen wird. Oder Tabellen unschön auseinandergerissen werden. Dabei wäre es so einfach zu sagen „Hier müssen drei Zeilen gekürzt werden.“ oder „Da muss noch was hin, damit die Tabelle rüberrutscht.

Das Dumme ist, dass diese unsauberen Details den gesamten Satz beeinflussen. Wenn der Layouter sofort planen würde „hier drei Zeilen weg“, dann könnte man diese unschönen Sachen bereinigen. Wenn aber alles einfach durchgezogen wird, dann entsteht schlimmstenfalls ein sehr unschönes oder leseunfreundliches Buch. Da kann man dann als Autorin noch so genau alles auszählen und verschieben, damit es noch möglich wäre, das zu bereinigen. Oft heißt es dann: „Pech gehabt, das machen wir jetzt nicht“. Eines meiner Bücher, das nicht mehr im Handel ist, wurde auf diese Weise komplettverhunzt. Das Gemeine: Für die Leser ist immer der Autor Schuld.

7. Die Tatsache, dass nicht jeder Verlag gute Pressearbeit macht.

Da gibt es Riesenunterschiede, und die machen sich auch total in den Verkaufszahlen bemerkbar. Ich habe einige wenige Verlage, die absolut auf zack sind. Und andere, die gerade mal eine Pressemitteilung rausschicken. Bei einem Buch habe ich zufällig vorher die Pressemitteilung in die Hand gekriegt und bin aus allen Wolken gefallen: Die Presseinfo war völlig verkehrt! Hat das Buch falsch zusammengefasst und vollmundig Sachen versprochen, die im Buch gar nicht enthalten waren. Prost, Mahlzeit!

8. Dass Überarbeitungsdeadlines oft megakurz sind.

Ich bin es gewohnt, dass die Dinge meistens schnell passieren müssen. Aber Tatsache ist schon auch als: Auch als Autor sitzt man nicht auf der Couch und wartet, bis endlich Arbeit kommt. Da ist es dann oft eine richtige Ochsentour, mal eben alles umzuorganisieren, um ein Buch nicht nur durchzulesen, sondern konzentriert zu überprüfen, Seitenverweise einzubauen und und und.

9. Wenn Bücher neu aufgelegt werden, die ich eigentlich lieber nicht mehr im Handel sehen würde.

Man könnte meinen, dass eine Neuauflage immer Grund zur Freude ist. Aber das ist nicht immer der Fall. Manche Bücher veralten einfach. Mein Buch, wie man im Internet Kunden gewinnt zum Beispiel stimmt zwar nach wie vor, aber es ist trotzdem veraltet, weil zum Zeitpunkt des Erscheinens Social Media erst in den Anfangsschuhen war. Damals waren Foren und Chats der Gipfel der Interaktivität. Ein Buch über Online-Kundengewinnung heute, das kein Social Media beinhaltet, ist ein Witz.

Und dann gibt es natürlich auch Bücher, die ich vor einigen Jahren geschrieben habe, die ich mit dem heutigen Blick nicht mehr gut genug finde. Manchmal wäre es super, wenn diese Bücher einfach in der Versenkung verschwänden.

10. Dass sich manchmal sehr gute Bücher trotzdem nicht gut verkaufen.

Bücher verkaufen sich unterschiedlich. Je nachdem, wie präsent sie im Handel sind. Je nachdem, wie gut man als Verlag und AutorIn die Werbetrommel rührt. Je nachdem, wie gut die Mundpropaganda ist. Dass einige Bücher nicht so gut gehen, ist einfach so.

Hin und wieder gibt es aber Bücher, wo man denkt: Ach Mann, das ist ein Super-Buch, das hat es nicht verdient, eingestellt zu werden. Es gibt auch den Fall, dass ein Verlag sein Programm ändert und darum bestimmte Themen auslaufen. Dann hat man natürlich immer die Möglichkeit, sein Buch bei einem anderen Verlag nochmal unterzubringen.

11. Wenn Hörbücher gemacht werden.

Abgesehen davon, dass ich kein Ohren-Mensch bin, finde ich die Umsetzung sehr vieler Hörbücher entsetzlich. Furchtbare Aufzugmusik, unnatürliche oder unangenehme Sprecher. Ich habe da leider schon zu viele schlechte Produktionen gehört.

Von meinen Büchern gibt es nur ein Hörbuch, das ich super gelungen finde, und zwar das vom Kundenakquise-Buch. Denn da wurde nicht einfach das Buch gelesen, sondern der Verlag hat gesagt: Machen Sie das Skript. Darum konnte ich das Buch so umarbeiten, dass die Punkte, die als Hörbuch gut funktionieren, drin sind und andere einfach unter den Tisch fallen.

Beim Endprodukt habe ich sehr gelacht, weil es sehr abwechslungsreich gemacht wurde und sie auch Gags mitgemacht haben. Zum Beispiel gibt es eine Stelle am Anfang, wo ich sage, dass die meisten Leute Angst vor der Akquise haben. Ins Skript habe ich an der Stelle geschrieben, man könnte hier ja einen markerschütternden Schrei wie aus einem Horrorfilm machen. Das ist tatsächlich drin!

12. Dass Leser oft nicht wissen, dass es feste Vorgaben und Grenzen für Bücher gibt.

Ein Beispiel: Das Buch „Schriftliche Bewerbung“ ist in der 9. Auflage. Rezensenten merken immer wieder an, dass die Online-Bewerbung viel zu kurz kommt. Das stimmt! Die Online-Bewerbung ist zu einem paarseitigen Exkurs am Ende des Buches zusammengeschrumpft. Ursprünglich gab es ein ganzes Kapitel zur Online-Bewerbung. Aber: Diese Buchreihe hat nur 128 Seiten. Es gibt schlichtweg keinen Platz für ein ausführliches weiteres Kapitel.