sich managen

Haltung annehmen!

Tastatur

Frau Jericka war meine Steno- und Maschinenschreib-Lehrerin. Steno! Das Wort haben Sie sicher schon lange nicht mehr gehört, was? Einige wissen wahrscheinlich schon gar nicht mehr, was das sein soll. Aber zurück zum Maschinenunterricht. Damals hatten wir noch elektrische Schreibmaschinen, mit Typenrad und Kugelkopf und so.

Im „Maschinenunterricht“

  • mussten wir immer erstmal die Fenster aufreißen und lüften,
  • aufstehen und zehn Kniebeugen machen (!),
  • und sie hat peinlich genau auf die richtige Haltung geachtet.

Mann, haben wir mit den Augen gerollt!

Im Rückblick hat sich Frau Jerickas hartnäckige Strenge für mich als wahrer Segen herausgestellt: Nicht nur habe ich bei ihr das unverzichtbare 10-Finger-System gelernt, das ich extrem schnell kann. Ich habe noch nie in meinem ganzen Berufsleben Probleme mit den Handgelenken gehabt. Und Nacken- oder Sitzbeschwerden habe ich immer nur, wenn ich nicht auf meine Haltung achte.

Heute bin ich Ihre Frau Jericka. 🙂

Gute Haltung, schlechte Haltung

Vor einigen Jahren hat eine Workshopteilnehmerin nebenbei erzählt, dass sie, wenn sie länger schreibt, immer große Probleme hat. Das Schreiben ist unbequem, teilweise tut es sogar weh. Wie das denn bei mir sei, vor allem beim Buchschreiben? Also habe ich ein bisschen über Schreibhaltung erzählt, und plötzlich haben sich ganz viele im Workshop geoutet, wie schrecklich sie sitzen und wie falsch die Armhaltung ist:

  • Der Tisch ist so voll, dass die Maus praktisch hinter der Tastatur liegt und man immer den Arm so blöd strecken und abwinkeln muss, um sie zu bedienen.
  • Der Stuhl ist zu niedrig, so dass man die Arme nach oben hält.
  • Die Handgelenke werden auf dem Tisch oder vorne auf dem Laptop (oder gar so einem unsäglichen Tastaturkissen) abgelegt.

Bitte bitte lesen Sie diesen Artikel aufmerksam durch, überprüfen Sie sich und optimieren Sie, was geht. Bestenfalls können Sie sich am Ende auf die Schulter klopfen, weil Sie alles richtig machen. Wahrscheinlich können Sie das eine oder andere optimieren, was Ihnen sofort zu Gute kommt. Vielleicht merken Sie, dass Ihr Arbeitsplatz und Ihre Haltung alles andere als der Hit ist, dann ist es höchste Zeit, das zu ändern. Keine Sorge: Es geht nur um wenig Details, und die haben in erster Linie mit der Körperhaltung zu tun.

Idealerweise ist Ihre Schreibhaltung aufrecht UND entspannt:

  • Tastatur und Maus sind vor Ihnen, ohne dass Sie sich strecken oder verbiegen müssen. Überprüfen Sie Ihren Arbeitsplatz auf Ergonomie (Wikipedia).
  • Sie sitzen aufrecht, beide Beine parallel am Boden im rechten Winkel. Der Rücken ist gerade.
  • Der Stuhl ist so hoch eingestellt, dass die Arme im bequemen rechten Winkel sind (oder ein minimal größerer Winkel, kein kleinerer!). Die Handgelenke sind gerade und schweben in der Luft. SCHWEBEN! Nicht die Handgelenke auflegen. Schauen Sie sich die Skizze im Wikipedia-link an, da kann man erkennen, wie das mit den Handgelenken gemeint ist.
  • Die Finger liegen sachte in der Grundhaltung auf der Tastatur auf (asdf, jklö – die Zeigefinger auf dem F + J). Das ist zumindest das Ideal, wenn Sie das 10-Finger-System nutzen – oder wenn Sie es lernen möchten. Denn von dieser Grundhaltung aus erreichen Sie locker, schnell und sicher jede Taste. Wenn Sie sich angewöhnen, diese Grundhaltung einzuhalten, können Sie auch blind schreiben lernen, weil Sie immer an den richtigen Tasten sind.

Ich schreibe seit meinem 18. Lebensjahr fast nonstop. In meiner Ausbildung zur Rechtsanwaltsgehilfin habe ich den ganzen Tag geschrieben, danach war ich Schreibkraft bei der Polizei und habe nur getippt. Später war ich in einer Bildagentur und auch da war mein Job zu einem Großteil am Computer. Seit ich selbstständig bin, tippe ich ebenfalls in einer Tour – in den Phasen, in denen ich Bücher schreibe, exzessiv. Ganz entspannt und ohne Zwacken.

Allerdings begegnen mir oft Leute mit Nacken-, Rückenproblemen und vor allen Dingen Sehnenscheidenentzündungen. Die sind nicht nur schmerzhaft, sondern meist extrem langwierig.

Ich versichere Ihnen: Diese Idealhaltung bewährt sich!

Sich suboptimaler Arbeitsplätze + Haltung bewusst werden

Nun gibt es natürlich immer Arbeitsplätze, die nicht so optimal sind. Sie fahren übers Wochenende zu Ihren Eltern auf Besuch und nehmen das Laptop mit, um ein wenig zu arbeiten. Oder Sie sitzen auf der Couch und müssen sich über den niedrigen Couchtisch beugen.

Manchmal verändert man auch die Sitzhaltung ungünstig. Einige Zeit hatte ich mir angewöhnt, bequem meine beiden Beine auf den PC zu legen – oder ein Bein aufs Regal daneben. Das war anfangs auch bequem, aber wenn ich mich nach einer halben Stunde (oder länger!) wieder bewegt habe, hat mir alles wehgetan.

Mal kurz suboptimal zu sitzen, ist kein Problem. Ich bin momentan auch im Café, sitze zurückgelehnt in einem Ledersessel und habe das Netbook auf dem Schoß. Oder abends sitze ich auch im Schneidersitz auf der Couch und schaue noch mal in mein Workshopforum.

Wichtig ist, dass Sie sich bewusst sind, dass das kein Dauerzustand sein sollte. Besonders unbewusste Angewohnheiten wollen optimiert – oder verhindert – werden. Zum Beispiel habe ich meinen PC einfach auf die andere Seite des Schreibtisches gestellt, damit ich nicht mehr in die Versuchung komme, meine Beine draufzulegen.

Bitte: Beweisen Sie Ausdauer!

Oft ist es mit dem Umorganisieren des Arbeitsplatzes schon getan. Oder Sie leisten sich endlich einen neuen Schreibtischstuhl, einen Laptoptisch oder werfen das Handgelenkauflegekissen weg.

Schwieriger ist es mit der Körperhaltung. Denn die hat sich eingespielt und fühlt sich richtig an. Wenn Sie bisher völlig anders sitzen oder die Arme/Hände anders halten, dann ist es anfangs ungewohnt – oder scheint unmöglich – sich umzugewöhnen.

Bleiben Sie im eigenen Interesse dran, besonders wenn Sie viel schreiben:

  • Ihr Körper braucht viel weniger Kraft, Sie ermüden nicht so schnell.
  • Dadurch können Sie viel besser denken und bleiben müheloser am Schreiben dran.
  • Vor allen Dingen aber sorgen Sie dafür, dass Sie sich keine Schmerzen oder gar langwierige körperlichen Probleme züchten.