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Brainstorming: die richtige Form wählen (Teil 2)

Ein Brainstorm sollte ein wahrer Sturm sein, der jede Menge Einfälle zu Tage bringt. Und doch haben viele mit einem Brainstorming ihre liebe Mühe. Im ersten Teil – Sie brainstormen falsch!– habe ich die oft vorherrschenden Wetterzustände aufgeführt, wenn es mit dem Brainstormen nicht recht klappen will. Heute schauen wir uns an, was Sie alles tun können, um Ihrem Hirn auf die Sprünge zu helfen.

Kreativitätswerkzeuge erfordern keine Kreativität!

Lassen Sie mich erst mit einer weit verbreiteten Hirnschranke aufräumen: „Ich bin einfach nicht kreativ!“ Das brauchen Sie auch gar nicht. Kreativitätswerkzeuge sind ja gerade dazu da, dass Sie gute Einfälle bekommen. Völlig Wurst, wie Sie sich in puncto Kreativität so einschätzen. Übrigens ist meine Überzeugung, dass gerade die nüchternen Logiker besonders gut brainstormen können, weil sie in der Lage sind, sich von Haus aus besser zu strukturieren. Sie haben also sogar einen Vorteil!

Computer vs. Stift und Papier

Natürlich sind Sie völlig frei, welches Medium und welche Form Sie für ein Brainstorming wählen. Und doch gibt es einige Empfehlungen, die Ihre Ideen ungehinderter fließen lassen.  Außerdem lohnt es sich, schon ein Auge auf den nächsten Schritt zu werfen und eine Form zu wählen, die besonders günstig dafür ist, die gefundenen Ideen weiterzuverarbeiten und auszuwerten.

Wichtig ist aber erstmal: In der Ideenfinde-Phase geht es wirklich einzig und alleine ums Finden. Quantität geht vor Qualität!

Obwohl ich ein großer Computerfan bin, empfehle ich Ihnen für ein Brainstorming auf jeden Fall Papier und Bleistift! Und zwar aus verschiedenen Gründen:

  • Sie sind örtlich unabhängiger. Mit einem Block in der Tasche können Sie sich einfach mal eben auf die Parkbank setzen. Doch auch, wenn Sie mit Netbook & Co. ausgestattet sind, lohnt sich der Block:
  • Am Computer denken wir anders: Wir denken professioneller, manche geraten ganz schnell in die üblichen Trampelpfade, andere machen sich den Druck, alles schon perfekt machen zu müssen. Außerdem ist das Rumkritzeln, Pfeile machen, etwas anmerken ein aktiverer Prozess, der mehr Leben reinbringt, als wenn man direkt in den Bildschirm starrt.
  • Für manche Menschen ist es nützlich, sich so richtig auszubreiten. Besonders, wenn Sie eine komplexere Sache durchdenken möchten. Warum nicht einfach mal den ganzen Wohnzimmerboden mit Brainstormingergebnissen belegen? Das physische Ausbreiten macht oft auch direkt das Gehirn breiter – und erlaubt Ihnen zudem, Muster zu erkennen und auf verschiedene Arten damit weiterzuarbeiten (das kommt im letzten Teil).
  • Besonders abraten möchte ich von Mindmap-Software, und ich weiß, dass jetzt viele Liebhaber davon protestieren werden. Ich kann mich nur darauf beziehen, was ich in den letzten zwölf Jahren von Kunden bekommen habe, die Mindmaps per Computer machen: Die Ergebnisse waren immer mehr als dürftig! Der Grund: Es sieht nach mehr aus. Das Layout einer Äste-Struktur, Sprechblasen und bunte Bildchen gaukeln einem vor, dass man schon wahnsinnig tolle und viele Ideen hat. Je professioneller es aussieht, desto schneller ist man von sich selbst beeindruckt. Jedes Computer-Brainstorming-Ergebnis, das ich bisher gesehen habe, war viel zu oberflächlich, zu allgemein, zu wenig und einseitig.Ich finde Mindmap-Software sehr gut, um ein wildes Brainstorming klarer zu strukturieren, also für die nächste Phase, die wir im übernächsten Teil angehen. Es ist auch hilfreich, um etwas zu planen oder eine grundsätzliche erste Struktur aufzustellen. Aber was die Ideenhagel-Phase angeht, halte ich es für zu beengend.
  • Ein Brainstorming lebt davon, mehrere Runden zu machen. Nach einer intensiven ersten „Sitzung“ ist es sehr sinnvoll, Ihre Ergebnisse auf den Wohnzimmertisch, neben das Bett oder in Ihre Tasche zu legen, um weitere Einfälle zu ergänzen. Das geht sehr viel einfacher, wenn Sie nicht auf Technik angewiesen sind.

Kommt drauf an: großes Papier – einzelne Zettel

Das eigentliche Brainstorming ist eine unsortierte Angelegenheit! Sie sollen also auf keinen Fall schon versuchen, nebenbei auszuwerten oder zu perfektionieren. Das gilt auch für das Aufschreiben!

Verkünsteln Sie sich also nicht: Keine Symbole, keine bunten Marker, kein irgendwas. Schreiben und kritzeln ist angesagt! Ich zeige Ihnen im nächsten Teil, wie Sie den Brainstormingprozess bereits kanalisieren können, um eine größere Ausbeute an verschiedenen Ideen zu bekommen. Das ist aber nicht gleichbedeuten mit Sortieren!

Die Ideenfindungsphase ist sozusagen „quick & dirty“. Darum soll Ihnen die Werkzeugwahl dafür nützlich sein:

➡ Bei klar umrissenen, kleineren Projekten ist es sinnvoll, mit einem größeren Blatt Papier zu arbeiten (z. B. ein Zeichenblock, Flipchart- oder Packpapier).

➡ Bei komplexeren Angelegenheiten oder wenn Sie sich über verschiedene Aspekte einer Sache klar werden möchten, ist es gut mit Einzelblättern zu arbeiten:

  • also entweder verschiedene A 4-Blätter zu nutzen für unterschiedliche Fragestellungen
    oder
  • indem Sie Einzelideen auf Haftzettel schreiben.

Wenn Sie einen Block nutzen, können Sie ebenfalls die Einzelidee-pro-Blatt-Methode beachten. Damit tun Sie sich für die Auswertung später leichter, weil Sie die Blätter herausreißen und verschieben können.

Schaffen Sie einen festen Platz für Querschläger-Ideen

Wenn wir jetzt dann gleich unser Gehirn auf Trab bringen, fällt uns alles Mögliche ein. Je besser Sie reinkommen, desto mehr Querschläger kommen Ihnen in den Sinn:

Eigentlich brainstormen Sie gerade Firmenslogans, aber jetzt fällt Ihnen ein, dass Sie Ihre Preisstruktur überarbeiten müssen oder Sie haben eine tolle Idee für diesen einen Kundenauftrag. Oder dass Sie Tante Martha unbedingt anrufen müssen.

Manche Kunden nehmen alle Ideen einfach in ihr reguläres Brainstorming auf. Das ist eine schlechte Idee, weil Sie Ihr Gehirn vom Kurs abbringen und damit an Fahrt verlieren.

Nehmen Sie diese Querschläger auf, ohne sich abbringen zu lassen:

➡ Legen Sie ein Blatt bereit, auf das Sie oben ein Park-Schild malen.

➡ Notieren Sie auf diesem Parkplatz alle Nebengedanken und machen Sie dann sofort weiter im Brainstorming. So vergessen Sie nichts, können sich auf die eigentliche Fragestellung konzentrieren und bleiben fest auf Kurs.

 

Im nächsten Teil: Auf zum Ideenhagel!

Von der richtigen Fragestellung, wie Sie für die gleichen Inhalte vielseitige Ideen finden (auch vom Denk-Stil her) – und wie Sie aus der Ideenfindungsphase alles herausholen, was geht … und noch ein bisschen mehr. 😉

Teil 1: Sie brainstormen falsch!
Teil 3: Auf zum Ideenhagel!
Teil 4: Die Ergebnisse verwerten