Autoreninterviews

Buch-Interview: Fabian Grolimund

Fabian Grolimund befasst sich seit fast zehn Jahren mit den Themen „Lernschwierigkeiten“ und „Prüfungsangst“. Seit dem Jahr 2005 hat er ein Training für Jugendliche sowie einen Kurs für Eltern entwickelt. Er leitet zusammen mit Nora Völker und Stefanie Rietzler das Projekt Mit Kindern lernen, unterrichtet an der Universität Fribourg und der Fernuniversität Schweiz.

Website: www.mit-kindern-lernen.ch

Du hattest dein erstes Buch „effektiv denken – effektiv lernen“ für Jugendliche als kostenloses e-book ins Netz gestellt. Wie kam es dazu und wie war die Resonanz?

Ja – mein erstes Buch habe ich kostenlos ins Netz gestellt. Gleichzeitig habe ich es bei Lulu (www.lulu.com), einem Print-on-demand-Verlag, drucken lassen. Diese Verlage haben den Vorteil, dass sie – wie der Name schon sagt – auf Bestellung drucken. Man kann ein einzelnes, 50 oder 500 Exemplare drucken lassen und geht damit kein Risiko ein – sobald eine Nachfrage da ist, bestellt man sich wieder einige Exemplare.

Inzwischen wurde dieses Buch mehrere zehntausende Male heruntergeladen und ich konnte bereits über 2000 Exemplare verkaufen. Es gibt sie eben doch noch, die Menschen, die lieber ein Buch in den Händen halten als am Bildschirm zu lesen. 😉 – Für mein zweites Buch „Mit Kindern lernen“ wollte ich aber einen richtigen Verlag.

 

Ist das Buch Schritt für Schritt entstanden und war dann plötzlich ein Buch oder hast du dir vorgenommen, ein Buch zu veröffentlichen und es erst komplett geschrieben?

Das erste Buch habe ich gleich nach dem Studium geschrieben. Ich führte Trainings an Berufsschulen durch und die Schüler fanden die Bücher zum Thema „Lernen lernen“, die ich zunächst nutzte, zu langweilig. Also nahm ich mir vor, ein etwas provokativeres und witzigeres Buch für Jugendliche zu schreiben. Als ich im August einen Monat frei hatte, war es im Kopf schon fast fertig, sodass ich es innerhalb von vier Wochen niederschreiben konnte.

An meinem zweiten Buch habe ich deutlich länger gearbeitet. Aus ersten Skripten, die ich Eltern bei Seminaren und Beratungen mitgab, entstand nach und nach ein Buch.

 

Hast du damals Werbung für das Buch/die Website gemacht oder wie hat es sich verbreitet?

Ja – ich hatte mehrere andere Webseiten-Betreiber angeschrieben und sie gefragt, ob sie einen Link auf das Buch setzen möchten. Mit der Zeit hat es sich aber auch viral durch Weiterempfehlungen ausgebreitet. Gibt man heute „effektiv denken – effektiv lernen“ auf google ein, findet man einige Artikel dazu.

 

An welchem Punkt + warum kam der Entschluss, das Buch bei einem „richtigen Verlag“ unterzubringen?

Bei meinem ersten Buch fühlte ich mich einfach nicht reif, um es einem Verlag anzubieten. Ich rechnete mir kaum Chancen aus. Ich denke, dass es wichtig ist, sich zu überlegen, wie die Anfrage aus Verlagssicht aussieht. Und ich glaube, als Verleger hätte ich damals wie folgt auf eine Anfrage von mir reagiert:

27 Jähriger Psychologe, der gerade sein Studium abgeschlossen hat, bietet uns ein Buch zum Thema Lernen an – was ja wahrlich kein neues Thema ist. Können wir das verkaufen? Ich glaube nicht. Vreni, schreib dem Typen mal, dass das Buch interessant klingt blablabla, aber…die üblichen Absagegründe einfügen … danke für Interesse pipapo… Herzliche Grüsse, der Verleger …

Verlage müssen sich einigermassen sicher sein, dass sie ein Buch auch verkaufen können. Gibt es bereits renommierte Autoren in einem Bereich, ist es immer die sicherere Wahl, ein weiteres Buch eines bekannten Autors aufzulegen.

 

Wie bist du dabei vorgegangen, das Vorhandene einem Verlag anzubieten?

Der erste Schritt bestand darin, mir einen Namen zu machen. Zum Glück gibt es im Internet keine „Gatekeeper“, die einem den Eintritt erschweren. Mit guten Inhalten kann man sich so nach und nach ein Publikum aufbauen und bekannter werden.

Als ich mein zweites Buch den Verlagen anbot, konnte ich vorweisen, dass ein Publikum da ist, dass ich für Vorträge gebucht werde, Seminare anbiete und eine gut besuchte Internetseite habe – und damit wesentlich dazu beitragen kann, das Buch zu vermarkten und zu verkaufen. Ich wollte auf keinen Fall, dass mein erstes Buch bei einem Verlag einfach unter geht und am Ende verramscht wird (ein großes Werbebudget wird ein Verlag bei einem Erstling normalerweise nicht einsetzen). Es war immer mein Ziel, dass das Buch nicht nur gedruckt wird, sondern eine zweite Auflage erreicht – und es mir damit in Zukunft einfacher macht, verlegt zu werden.

Wichtig fand ich auch, ein professionell gestaltetes Anschreiben für die Verlage zu haben – Dafür nochmals herzlichen Dank, Gitte. 😉

 

Ich ermahne meine Kunden, die BuchautorInnen wollen werden, immer dazu, beharrlich zu sein. Wie gestaltete sich die Verlagssuche für dich?

Ich habe mir die Verlagssuche von Beginn an als etwas äußerst Mühseliges vorgestellt und war entsprechend auf eine Flut von Absagen gefasst. Ich habe es so gemacht, dass ich eine Liste von Verlagen vorbereitet habe und das Exposé gleich an 4 Verlage gleichzeitig geschickt habe. Gleichzeitig habe ich 4 weitere Briefe vorbereitet. Sobald ich eine Absage erhielt, habe ich 4 weitere ausgesendet. So musste ich mich im Moment der Absage nicht neu motivieren, sondern einfach nur die Briefe auf die Post bringen.

Mit den schriftlichen Unterlagen wollte es jedoch nicht klappen. Ich bekam eine Standardabsage nach der anderen – kein Verlag wollte sich das Buch ansehen (ich war wahrscheinlich doch nicht bekannt genug oder das Thema war schon zu stark besetzt).

Nach der 20. Absage hatte ich genug. Ich dachte: „Jetzt reicht‘s – ich rufe den Verlag, bei dem ich es am liebsten veröffentlicht sehen würde, einfach an.“

Ich habe mich dann bedankt für den Brief und gefragt, ob es möglich wäre, mir noch etwas genauer zu schildern, wie es zur Absage kam – damit ich weiß, wie ich weiter vorgehen soll. Es stellte sich heraus, dass es vor allem berechtigte Zweifel gab, ob sich das Buch verkaufen lässt (viele Bücher zu diesem Thema auf dem Markt / viele davon lassen sich schlecht verkaufen / geringer Bekanntheitsgrad meiner Wenigkeit. 😉 Im Gespräch konnte ich dann aufzeigen, dass ich von meinem ersten Buch nur über meine Internetseite 2000 Exemplare verkaufen konnte, regelmäßig Vorträge vor einem größeren Publikum halte, Weiterbildungen zu diesem Thema anbiete und dadurch beim Verkauf kräftig mithelfen kann. Eine Woche später rief mich der Verlag an: Sie waren bereit, das Risiko einzugehen!

Es gibt ein Sprichwort, das mir sehr gefällt:

Das Glück kann man nicht zwingen – aber es scheint für die Hartnäckigen sehr viel übrig zu haben!

Nach 7 Jahren als Selbständiger glaube ich, dass es für den Erfolg keine wichtigere einzelne Eigenschaft gibt, als die Fähigkeit, dran zu bleiben und Misserfolge und Absagen einzustecken. Fast jeder schöne Erfolg kam nach einer Serie von Niederlagen, die mich dazu gezwungen hat, mir neue Strategien zu überlegen, mich weiterzubilden, Hilfe zu holen, mich genauer zu informieren und etwas mutiger zu werden.

 

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Fabian Grolimund, Huber Verlag, Bern – 19,95 Euro
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