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Für alle Visuellen: Am Anfang war das Bild

Hin und wieder sagen mir meine LeserInnen: „Ich gehe nicht so planend vor. Ich bin eher ein visueller, kreativer Typ!“ – Heute möchte ich darauf mal näher eingehen, denn die Prinzipien, die hinter meinen Tipps stehen, gelten ganz genauso – egal, was Ihre bevorzugte Vorgehensweise ist.

Auch wenn ich durch das Zeichnen mehr mit Bildern arbeite, ändert das nichts daran, dass ich im Grunde meines Herzens ein Kopfmensch bin. Die Kopflastigen unter Ihnen wissen, was das bedeutet: Wir sehen bei einer Phantasiereise keine plätschernden, klaren Waldbäche durch dicht bewaldete grüne Landschaft fließen. Wir können uns wohl einen WALD und BACH vorstellen und wissen, was das bedeutet, aber vor unserem inneren Auge SEHEN wir ihn nicht.

Das andere Extrem sind die total visuellen Typen: Sie sehen richtige innere Bilder, können durch Landschaften streifen und einen reichen Bilderschatz erleben. Ich kann mich gut erinnern an eine frühere Arbeitskollegin, die eine Ausbildung zur Akupunkturistin gemacht hat. Sie ist so ein visueller Typ und sagte mir damals: „Ich sehe mich schon in einem weißen Kittel in meiner eigenen Praxis neben der Behandlungsliege stehen.“ Und zwar nicht als Beschreibung, sondern als richtiges Bild. Manche Menschen können dieses innere Bild sogar noch sinnesreicher ergänzen: Die stehen dann mitten im Wald, riechen die frische Luft und hören das Bächlein plätschern.

Auch beim Schreiben ist es wichtig, Ihre Ihnen eigene Art zu nutzen. Das zu tun, was Sie besonders gerne machen, mit dem Sie am besten Ihre Ideen  anzapfen und fördern können. Es ist aber genauso wichtig, sich nicht zu sehr einzuschränken! Denn alle die erwähnten Eigenschaften im Zusammenspiel bringen Ihnen am meisten.

Der Kopfmensch kann beim Schreiben davon profitieren, mit Skizzen, Spontaneität oder einem bestimmten Layout zu arbeiten.  Und die Bildermenschen, indem sie Struktur, Planung und Konkretheit reinbringen. Hier ein paar praktische Beispiele.

Mit Bildern eine Grundstruktur schaffen

Wenn ich ein neues Buch konzipiere, habe ich im Regelfall schnell eine klare Struktur vor Augen. Als ich kürzlich mein erstes 30-Minuten-Büchlein schrieb, stand ich vor einer neuen Herausforderung: denn in diesem kleinen Büchlein müssen einige wenige Kapitel einerseits klar aufeinander aufbauen, andererseits aber einzeln abgeschlossen, durcheinander- und „querlesbar“ sein. Anstatt also direkt in Kapiteln zu denken habe ich mir Strichmännchen gemalt, welche Aspekte ich zum Thema „Umgang mit Arschlöchern“ zentral finde. Das sind meine Originalzeichnungen:

Dann habe ich zu jedem Aspekt erst einmal wild gesammelt und meine Einfälle  anschließend fokussiert auf:

  • 1. Sie selbst (Auswirkungen, Selbstmanagement-Ziel, Nervenstärke entwickeln)
  • 2. Das Gegenüber (Ursachen, Typologie, Die Beziehung spielt eine Rolle)
  • 3. Konfrontation (Eine gute Vorbereitung, Verhaltensanalyse, Wenn es Publikum gibt)
  • 4. Gesprächsführung unter widrigen Umständen (Ansprechen – aber wie?)

Man sieht, dass die Aufteilung des Buches sich bereits in den Skizzen sehr gut wiederfindet. Sie waren mir eine bildliche Anleitung, die aber natürlich auch in eine andere Struktur hätten führen können! Auch Bilder dienen dazu, Ideen erst einmal zu haben, nicht darum, den gesamten Text bereits festzulegen.

Ideen bildhaft festhalten

Hier ist eine Variante davon: Vorgestern sah ich mir auf youtube eine Podiumsdiskussion an und erinnerte mich sofort an einige Podiumsdiskussionen, bei denen ich als Selbstständige eingeladen war, die ich selbst organisiert habe und wo ich als Zuschauerin dabei war. – Ah! Ein guter nächster Text für unternehmenskick.de. Schnell notieren. Ich habe mir die paar Köpfe in der Mitte aufgezeichnet und „Pod.disk.“ drüber geschrieben. Und nach und nach kamen mir immer mehr Stichworte, die ich gleich festhalten wollte. Daraus ergaben sich mehrere nebenbei vollgekritzelte kleine Blätter, die ich irgendwann demnächst zu einem Text zusammenfasse.

Man sieht in diesem Wirrwarr auch, dass zwischen dem Festhalten von wirren Ideen und dem Losschreiben eine Sortier- und Strukturierphase kommen muss (das Konzipieren!), denn wenn man sofort losschreibt mit groben Ideen im Kopf, dann kommt es zu Kraut und Rüben.

Kraut und Rüben heißt, dass es meistens ein wirrer Text wird – oder aber, dass Sie es ganz passabel hinbekommen, aber mit deutlich mehr Mühe und Zeitaufwand, als wenn Sie die Konzeptionsphase machen.

Mit Mindmaps & Co. arbeiten

Mindmaps, Clustering, bildhafte Tabellen … egal mit welchem Kreativitätswerkzeug Sie am liebsten arbeiten: Auch hier werden die ganz typischen Fehler gemacht, die die „Kopfmenschen“ auch machen.

Die drei größten Fehler sehen Sie hier vereint:

➡ 1. „Partner finden“ ist ein viel zu riesiges Thema!
➡ 2. Die Ideen bestehen nur aus relativ nichtssagenden Schlagwörtern.
➡ 3. Es geht willkürlich in die Breite, aber nicht in die Tiefe.

Aber: Es sieht nach was aus! Und darin besteht die erste große Falle bei den Mindmap-Freunden. Das Layout lässt das, was man gerade tut, wahnsinnig toll wirken. Woah! Ich habe schon so viele Äste, das sieht richtig nach was aus.

(Keine Sorge, die Kopfmenschen tappen in diese Fallen genauso, wie der Mehrteiler zum Brainstorming schon zu Tage gebracht hat.)

Wie immer gilt: PLANKTON ist gefragt! Wer mit zu riesigen Themen anfängt, muss so weit runterbrechen bis es konkret genug wird. Insofern kann so ein Mindmap wie das obige ein allererstes, sehr grobes Ideenstarterkabel sein, um überhaupt mal ein großes Thema sehr sehr grob in einzelne Facetten zu zerteilen.

Die Abkürzung ist es, von Haus aus mit einem Teilthema zu beginnen, zum Beispiel:

Es ist hier nicht relevant, dass ich die Optik geändert habe. Das ist nur, um ein paar unterschiedliche visuelle Beispiele zu zeigen. Sie können genauso gut ein Mindmap oder einen Baum oder was weiß ich als Form wählen.

An diesem Beispiel sieht man auch, dass es völlig egal ist, WIE Sie das Konkretwerden angehen. Ich habe hier als klare Aufgabenstellung die „Kanäle“, also wo(rüber) lernt man jemanden kennen – das ist im ersten Mindmap ein Ast gewesen. Und das könnte man jetzt in zweiter Hierarchie runterbrechen wie ich es gemacht habe, in „ansprechen“, „sich zeigen“, „Zufall“. Aber man könnte hier natürlich auch „Internet“, „Anzeigen“, „Speed-Dating“, „verkuppeln lassen“ o. Ä. als nächste Hierarchie wählen und diese jeweils runterbrechen.

Wie Sie das angehen, bleibt ganz Ihnen überlassen! Das ist ja das Schöne: Beim Themen herunterbrechen und strukturieren können Sie nur den Fehler machen, zu schwammig zu bleiben.

siehe auch: Damit gehen Ihnen nie die Themen aus!

Erkennen, wenn Ihr visueller Aufbau nicht ausreicht

Hier eine weitere Alternative für eine erste Ideensammlung. Sie sehen, dass ich das Thema noch konkreter gewählt habe: „Der Horror des ersten Dates!“ Also nicht nur „das erste Date“, sondern der Fokus ist direkt auf möglichen HORROR beim ersten Treffen gerichtet.

Sie glauben, dass das ein witziges Thema ist, das viel hergibt. Sie denken, Sie sind auch schon bei einem guten Planktonthema gelandet. Es hört sich zumindest schon konkret genug an. Jetzt gehen Sie in die Konzeptionsphase, indem Sie erst mal brainstormen, was es da alles geben könnte. Diese Phase dient dazu, einschlägige „Horror-Aspekte“ zu sammeln. So bekommen Sie einen näheren Überblick.

Ich empfehle ja immer, mit Humor an die Sache ranzugehen, dann wird man gleich lockerer. So eine Tabelle macht doch gleich viel mehr Spaß als eine nüchterne Liste, was?

… jetzt sammeln Sie also zunächst wieder wild drauflos und merken beim untersten Punkt: „Oh! Es gibt ja gar nicht nur ICH  und DER ANDERE, es gibt ja auch ein WIR! Also würden Sie jetzt sofort Ihren Zettel erweitern und die „Wir-Aspekte“ extra brainstormen.

Das ist wichtig, denn je klarer Sie Einzelaspekte andenken, desto besser sind Ihre Ergebnisse! Wenn ich diesen Wir-Punkt jetzt bei „der andere“ lasse, dann denke ich weiter in „ich“ und „der andere“, schränke mir also mein Thema ein, was den Text weniger ausgewogen macht.

Wenn ich das Gefühl habe, jetzt habe ich den ganzen Horror niedergeschrieben (nicht aufhören, nur weil das Blatt voll ist!), dann sehe ich: „Aha! Doch ganz schön viel Zeug! Will ich hier jetzt eine Auswahl treffen für mein gewähltes Thema? Will ich eine Artikelserie machen rund um den Horror des erstens Dates, und wenn ja, mit welchen Teilen? Oder merke ich, dass ich einzelne Aspekte doch nochmal zusammenfassen und extra sortiert herunterbrechen will?“

Zum Beispiel sehen Sie, dass ein Grundmuster Ihrer Ideen da oben sehr viel mit Nervosität zu tun hat. Also könnte ein schönes Teilthema sein:

… und schon sind Sie total konkret bei der Sache!

Sie sehen: Auch visuell können Sie wunderbar an Themenfindung und Texte herangehen. Doch auch hierfür ist es wichtig, immer konkreter zu werden und sich nicht von der Optik täuschen zu lassen.

PS: Auch hierfür gibt es eine Kopf-Entsprechung: Formulieren stört das Konzipieren