Korrespondenz/Marketing

Worauf Sie sich einstellen sollten, wenn Sie in die Medien wollen.

Wenn Sie Ihren Bekanntheitsgrad erhöhen möchten – oder ein Produkt, zum Beispiel ein Buch, ins Blickfeld der Öffentlichkeit rücken wollen -, ist es definitiv eine gute Sache, wenn man über Sie in der Zeitung liest, im Radio hört oder Sie im Fernsehen sieht. Auch Interviews oder Expertenbeiträge auf gut besuchten Websites bringen viel. Allerdings ist so ein „Medienzirkus“ mit Pro und Contra verbunden.

Wann immer Sie sich aber in Publikationen anderer Leute bewegen, geben Sie jede Menge aus der Hand. Das muss Ihnen einfach klar sein,

➡ damit eine unkomplizierte Zusammenarbeit für beide Seiten möglich ist,

aber auch

➡ damit Sie nicht in einem falschen oder für Sie kontraproduktiven Licht präsentiert werden … auch wenn das leider nie ganz auszuschließen ist.

Seit Beginn meiner Selbstständigkeit mache ich viel mit den Medien. Erst in den letzten Jahren habe ich das von mir aus stärker eingeschränkt. Hier meine Erfahrungen und einige Informationen, die Sie vorher wissen sollten:

 

1. Wenn Medien auf Sie zukommen, unterscheiden Sie, ob es wirklich um einen redaktionellen Beitrag geht oder ob man Sie für ein Bezahlprodukt ködern will: So werden Sie mit Wörtern manipuliert. Ich habe sehr oft aufgeregte Kunden, die „gebeten wurden, einen Artikel für eine Zeitschrift zu schreiben!“ … und bei Nachfrage stellt sich heraus, dass es ein Lockangebot ist, das an eine bezahlte Anzeige oder die Abnahme von X zu bezahlenden Druck-Exemplaren gekoppelt ist.

 

2. Handelt es sich nicht um ein Interview, sondern schreiben Sie einen Artikel, achten Sie darauf, dass der Gegenwert für Sie stimmt! Und zwar der Gegenwert zu dem Aufwand, den Sie tatsächlich haben. Wer einen Artikel in zwanzig Minuten runterschreibt, hat da eine andere Ausgangslage wie jemand, der drei Tage die Arbeit niederlegen muss.

Das mit dem Gegenwert bezieht sich auch auf die Weiterverwertungsrechte, die Sie möglicherweise ganz nebenbei übertragen:

Sie liefern kostenfrei einen Text: Ist ja gutes Marketing …

Meine Bilanz der letzten dreizehn Jahre ist, dass nur ein kleiner Bruchteil dieser Tauschgeschäfte ausgeglichen war. Bei den meisten dieser „Kooperationen“ hatte der Gegenpart alle Vorteile, darum lasse ich mich seit einiger Zeit für Artikel nur noch ordentlich bezahlen – oder gehe lieber Kaffee trinken. Aber das muss man natürlich auch ins Verhältnis setzen: Denn ich bin mittlerweile durch meine vielen Bücher und gut laufenden Websites in einer anderen Position als ganz am Anfang. Wenn Sie gerade die ersten Schritte zu mehr Bekanntheit machen, sieht das natürlich anders aus.

 

3. Wenn Sie in regulären Medien erscheinen, dann ist das redaktioneller Kontext! Sie dürfen also nicht erwarten, dass man über Sie oder Ihre Produkte werblich berichtet. Wo man also bei Fachzeitschriften gerne zu einem Interview oder einem Artikel einen kleinen Autorenkasten anbringt, aus dem auch das Business und die Website hervorgeht, ist das bei Verbrauchermedien kaum der Fall. Da steht dann bei Interviews allenfalls neben Ihrem Namen noch eine kurze Berufsbezeichnung und in Ausnahmefällen manchmal ein link. Aber das Drumherum und der eigentliche Inhalt ist keine Werbeveranstaltung für Sie. Sie punkten hier durch möglichst kluge Inhalte, die die Leser/Zuschauer oder Zuhörer dazu animieren, Sie im Internet nachzuschlagen.

 

4. In den Medien werden Sie schnell zum Experten gemacht. Das ist Ihnen vielleicht am Anfang sogar peinlich und es kann Sie auch saublöd aussehen lassen, besonders wenn man Sie mit einem dämlichen Zitat abdruckt (glauben Sie mir, ich habe jede Menge peinliche Zitate selbst schon hinter mir). Da steht dann

Gitte Härter, Expertin für Verhandlungen, sagt: „Bei Verhandlungen kann man oft günstigere Konditionen für sich erreichen.“

oder

Die Bewerbungsfachfrau Gitte Härter rät: „Stellen Sie Ihre Kaffeetasse nicht auf Ihr Anschreiben, sonst hinterlässt das einen unschönen Ring!“

oder es stimmt nicht mal die Berufsbezeichnung:

Gitte Härter, Karriereguru, warnt: „Unpünktlichkeit kommt im Berufsleben meistens nicht so gut an.“

Mit den Jahren lernt man, darüber wegzulachen. Aber das ändert natürlich nichts, dass die Welt da draußen denkt, ich bin eine dieser selbsternannten Expertinnen und gebe Banalotipps, von denen ich offenbar meine, sie seien wahnsinnig clever.

Das Beste war übrigens mal eine Anfrage zu einem meiner Artikel auf der alten Website. Der hieß „Aufstehtipps für Langschläfer und Morgenmuffel“ und ich habe ihn aus Sicht einer Betroffenen geschrieben. Und schon war ich „Die Expertin fürs Aufstehen“!

 

5. … aber bekommt man nicht alles zum Gegenlesen? Nö. In vielen Publikationen wird einfach etwas gedruckt. Wenn Sie Glück haben, bekommen Sie hinterher ein Belegexemplar. Dann gibt es den Fall, dass Journalistin so nett sind, die O-Töne vorher zu schicken, aber auch das kann unterschiedlich weitergehen:

  • manche ändern sinnentstellende Zitate ab (die ja bei einem Interview schnell mal durch eine unscharfe Bemerkung , ein Missverständnis oder den Kontext, in dem das Zitat verwendet wird, zustande kommen können)
  • andere ändern überhaupt nichts
  • und dann gibt es noch weitere Instanzen in einer Redaktion, wo nachträglich dann doch noch was reingeschrieben, umformuliert oder zurückgeändert wird. In ganz krassen Fällen werden sogar O-Töne reingeschrieben, wenn einem Redakteur im Artikel eine bestimmte Aussage fällt. Ich hatte schon O-Töne, die überhaupt nicht von mir waren.

Übrigens: Wenn jemand so nett ist, Ihnen die Zitate vorher zu schicken, dann ist das keine Einladung dafür, dass Sie alles nach Herzenslust umschreiben!  Vor allen Dingen nicht verwerblichen, wenn Sie denken, da müsste doch noch deutlicher rauskommen, dass SIE dieses und jenes anbieten.

Wenn Sie von Medien immer wieder angefragt werden wollen, müssen Sie schon auch unkompliziert in der Zusammenarbeit sein. Das bedeutet, dass man Sachen stehenlässt, die nicht tragisch sind, auch wenn Sie sie als zu knapp oder oberflächlich empfinden. Was uns zum nächsten Punkt bringt.

 

6. Medien brauchen es plakativ. Was glauben Sie, wie oft ich schon einstündige, interessante, konkrete Telefoninterviews geführt wurde und am Schluss blieb nur einer der oben genannten Banalsätze übrig? – Dieser Zeitaufwand sollte übrigens auch in die Frage des „Lohnt sich das?“ einfließen.

Dazu kommt, dass für viele Beiträge oft mehrere Experten befragt werden. Da gibt es dann ein paar Minuten Radiobeitrag, aber fünf Interviewsätze unterschiedlicher Leute werden reingepresst. Oder es gibt nur zwei Seiten Zeitschriftenartikel und Sie merken: „Mist, jetzt dachte ich, nur ich bin als Experte zitiert, aber die haben ja noch neun andere befragt – und mein O-Ton ist der schwächste von allen.“

 

7. Medienpräsenz lässt Sie wichtiger wirken. Gerade, wenn Sie selbstständig sind, profitieren Sie davon, dass Sie damit „angeben“ können, wenn Sie regelmäßig in Printmedien, Funk und Fernsehen erscheinen. Denn das tun viele Ihrer Branchenkollegen nicht. Auch wenn Sie mit der Qualität der Aussagen nicht so einverstanden sein sollten, so können Sie auf Ihrer Website eine PRESSE-Kategorie einrichten und Titel + Publikation nennen. Die (manchmal peinlichen) Inhalte sind ja dann nicht lesbar.

Wenn Sie doch ein Audio, Video oder einen Abdruck zur Verfügung stellen möchten, beachten Sie bitte auch hier das Urheberrecht! Nur, weil man über Sie berichtet oder Sie sogar die Hauptperson eines Beitrags sind, gibt Ihnen das nicht automatisch das Recht, die Inhalte  einfach so weiterzuverbreiten.

 

8. Je öfter Sie auf verschiedenen Plattformen auftauchen, desto mehr prägt sich bei Menschen Ihr Name ein. Ich hatte es schon nach wenigen Jahren, dass mir Leute sagten: „Sie schon wieder! Ich hab Sie erst beim Friseur in der freundin gesehen und am Sonntag früh in meiner Tageszeitung!“

Darum ist es auch ganz gut, wenn Sie für Medien dasselbe Foto zur Verfügung stellen. Wird es dazu abgedruckt prägt sich das mehr ein und sorgt für den „Sie schon wieder!“-Effekt.

Apropos Foto: Bitte ordentliche, natürliche Fotos machen lassen! Keine „Bewerbungsfotos“ oder schlecht geknipste Digitalbilder-vor-Holztür. Klingt selbstverständlich, meinen Sie? Dann schauen Sie sich mal die Fachpublikationen durch, bei denen die Autoren eigene Fotos mitliefern. Das ist fast schon Satire!

 

9. Wenn Sie Fernsehen und Radio ins Auge fassen, dann stellen Sie sicher, dass Ihnen diese Medien auch liegen. Zum einen können Sie unterscheiden, ob Sie nur (oder überhaupt) Live-Interviews mitmachen oder nur Aufzeichnungen. Beides hat Vor- und Nachteile. Live sind Sie gefordert, schnell zu denken und möglichst klug, kurz und knapp zu antworten. Das ist eine besondere Herausforderung, wenn Ihr Gegenüber Ihnen Fragen stellt, die aus Ihrer fachlichen Sicht am Thema vorbeigehen oder zu komplex sind. Denn die Art der Fragen steuert natürlich auch die Qualität der Antworten. – Bei Aufzeichnungen kann man sowas korrigieren, den Moderator auf eine unglückliche oder zu große Frage hinweisen. Und man kann bei einem Versprecher oder Blackout einfach neu starten. Dafür kann bei Aufzeichnungen  der Beitrag nach Herzenslust zusammengeschnitten und auch durch nachträgliche Zwischenmoderationen der Sinn entstellt werden.

Übrigens, was viele nicht wissen: Radio-Telefongesprächen, bei denen man denkt, Moderator und Experte sind in diesem Moment live am Telefon, bestehen auch häufig aus voraufgezeichneten Statements, die eingespielt werden.

Zum anderen ist bei diesen persönlicheren Medien auch die Frage, ob Sie souverän und sicher genug sind oder vor Nervosität sterben. Das sollte man vorher schon mal ausprobieren. Mir haben schon oft Radiomoderatoren erzählt, dass viele plötzlich ganz unnatürlich sprechen und falsch atmen, wenn sie vor einem Mikrofon sitzen. Nicht unbedingt, weil sie total nervös sind, sondern weil sie plötzlich überkorrekt werden.

Auch beim Fernsehen kann es Ihnen passieren, dass das Drumherum Sie aus dem Konzept bringt. Das fängt beim Make-up an. Ich schminke mich nicht, aber im Fernsehen sieht man wie eine Leiche aus. Meine Freunde haben sich schon einige Male köstlich amüsiert, dass ich wie eine Bordsteinschwalbe geschminkt war. Es ist aber auch sehr wichtig, ob Sie sich Ihrer Wirkung bewusst sind. Wer stocksteif dasitzt, kommt nicht besonders sympathisch rüber. Wer wild mit den Armen fuchtelt oder dauernd beim Überlegen die Augen zur Zimmerdecke rollt, sieht nicht sonderlich attraktiv aus.

Zum Glück gibt’s für sowas Medientrainings. Wenn Sie also die Medien erobern wollen und sehr unsicher sind, wie das wohl sein wird, dann würde ich mir lieber mal ein Video- oder Sprech-Training gönnen, damit Sie sich selbst klarer einschätzen können.

 

10. Fragen Sie bei Beiträgen näher nach dem genauen Kontext. Idealerweise, bevor Sie eine Zusage geben! Ich habe mich diverse Male vorab ausgeklinkt. Zum Beispiel bei: „Wir machen einen Beitrag darüber, dass nur schöne Menschen Karriere machen“ (was ich einen Schmarrn fand) – „Ich mache einen Artikel über Coaches, der ‚Mein Lebensguru‘ heißt, wo Leute ihren Coach vorstellen“ (was ich total bescheuert fand und auf keinen Fall als ‚Guru‘ auftreten wollte) – „Wir brauchen Sie als Selbstmarketing-Expertin zum Thema ‚Man muss nichts können, aber ein guter Selbstdarsteller sein‘ (was ich ganz und gar nicht finde).

Wann immer etwas Ihren Überzeugungen und der Wirkung, die Sie vermitteln möchten, gegenläuft, dann lieber erst mal mit dem Gegenüber sprechen – manchmal ändert man gemeinsam den Tenor etwas. Oder dankend absagen.

 

11. Seien Sie locker! Auch für Interviews ist Ihre persönliche Wirkung und der Plauderton Trumpf. Niemand will distanzierte, staubige Statements hören. Trauen Sie sich ruhig, Sie selbst zu sein. Da kommen bei schriftlichen Interviews pfiffigere O-Töne raus (wenn sie bei der Bearbeitung nicht verflacht werden) und bei Funk + Fernsehen ist es erfrischend, wenn man eine ganz normale, sympathische Person vor sich hat anstatt einen oberwichtigen Experten. 😉