Zeit + Aufwand

Der verblüffend einfache Tipp, um schneller zu schreiben

Das große Problem für viele ist, dass das Schreiben einfach zu lange dauert. Selbst wenn das Endergebnis der tollste Text auf Erden ist, ist es nicht tragbar, wenn Sie eine Woche – oder auch nur einen halben Tag! – daran rumgeschrieben haben.

Wenn Sie selbstständig sind, fühlt es sich total nach Arbeit an, nur leider bezahlt Ihnen diese Arbeitszeit kein Mensch. Noch schlimmer: Sie verlieren doppelt. Denn in dieser Zeit können Sie nicht an Dingen arbeiten, für die Sie Geld bekommen – geschweige denn neue Aufträge an Land ziehen. Oder Sie arbeiten einfach unnötig viel.

Schreiben Sie für andere, ist es nicht tragbar, weil sich bei Pauschalen Ihr Honorar in Nichts auflöst beziehungsweise bei der Abrechnung auf Stundenbasis astronomisch wird.

Schreiben soll rentabel sein. Das ist das eine.

Schreiben soll aber auch fließen. Denn wie sehr es beim Schreiben flutscht, wirkt sich unmittelbar aus:

  • auf Sie selbst, Ihre Produktivität und Schreibfreude
  • auf die Qualität Ihrer Texte, weil man es Texten immer anliest, ob sie stockend geschrieben sind/ob der Autor blockiert war/ob ein Flickwerk rausgekommen ist, weil jemand schon mehrfach verschlimmbessert hat

Zieht sich das Schreiben, zieht es den buchstäblichen Rattenschwanz hinter sich her:

 

rattenschwanz

Das Ende vom Lied: Man quält sich durch oder schreibt in immer größeren Intervallen. Das ist die Ursache vieler Blogs, wo nur alle 53 Tage ein Beitrag kommt oder für Newsletter, die „in unregelmäßigen Abständen“ erscheinen.

Ganz klar: Es hat viele Vorteile, schneller zu schreiben.  – Was ist also jetzt dieser verblüffend einfache Tipp?

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Sind Sie bereit?

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Der Tipp lautet: Beeilen Sie sich gefälligst!

„Na dankeschön! Was soll das denn für ein Tipp sein?!“

Ein schlauer. Ein erprobter. Ein erwiesenermaßen wirksamer.

Meine WorkshopteilnehmerInnen können ein Lied davon singen. Die zeigen mir nämlich, so stelle ich mir das zumindest vor, immer erst mal den Vogel, wenn ich von ihnen verlange, sich einen Küchenwecker zu stellen und sich für einen Kurztext inklusive Konzeption eine halbe Stunde Zeit zu geben. (Die Konzeption spielt eine ebenso große Rolle wie das gute alte Plankton, mit dem ich Sie fast jedes Mal drangsaliere.)

Dieser Tipp funktioniert aus mehreren Gründen:

1. Sie begrenzen sich.

Wir kennen alle das Parkinsonsche Gesetz, wonach sich die Arbeit in dem Maß ausdehnt, wie die zur Verfügung stehende Zeit. Nehmen wir das Texten der eigenen Website. Viele Neukunden ächzen: „Das ist alles so aufwändig, ich kämpfe jetzt schon seit zwei Monaten mit diesen Webtexten!“ Sage ich: „Dann muss ich Sie jetzt schocken. So eine Imageseite mit ein paar Selbstdarstellungsseiten ist eine Sache von wenigen Stunden, wenn Sie konzentriert dran arbeiten.“

Klar kann man jetzt sagen: „Unfair, Gitte! Für dich vielleicht, du bist viel schneller und versiert!“ – Okay, dann gebe ich Ihnen das Fünffache dieser Zeit, weil es für Sie schwieriger ist. Dann sind Ihre paar Texte in drei Tagen fix und fertig.

2. Sie kennen Ihr Thema!

Das vergessen fast alle: Sie sind sattelfest in Ihrem Thema. Ich sage zu meinen Kunden immer: „Wenn ich dich jetzt in dieser Minute anrufe und sage ‚Hey, du bist doch Fachfrau/-mann für [Kommunikation/Anatomie/Hundetrainings/Grafik oderoderoder] sag mir mal bitte einen Tipp zu …/was ich in dieser Situation sinnvollerweise tue?‘, dann kann jeder von Ihnen mir zu seinem Fachbereich sofort helfen.

Niemand von Ihnen wird sagen: „Äh, jetzt muss ich aber erstmal fünf Stunden drüber nachdenken, was man in dieser Situation am besten tun könnte!“ Natürlich nicht! Weil Sie Ihr Thema kennen und können. Wer das kann, kann das auch vom Kopf aufs Papier „schütten“.

Wer das nicht kann, ist nicht gut in seinem Beruf oder schreibt über ein Thema, in dem er nicht sattelfest. Das ist aber dann ein ganz anderes Problem!

Für alle, die für andere schreiben, gilt das übrigens auch: Denn es ist Ihre Aufgabe, sich die relevanten Informationen zu erfragen, damit Sie einen guten Text schreiben können. Wenn Sie das nicht tun oder erst während des Schreibens, dann kann es auch nicht funktionieren, zügig zu schreiben. Denn dann schreiben Sie ins Blaue. Dazu kommen wir gleich noch.

3. Sie bleiben fokussiert bei der Sache.

Die wenigsten von uns haben für das Schreiben relaxte große Zeitinseln zur Verfügung. Oft entsteht so ein Blogtext nebenher oder man fängt mit einem Fachartikel an, dann klingelt das Telefon, dann muss man ein Angebot schicken, dann ist Zeit fürs Mittagessen … das ist der Stoff, aus dem Kaugummi-Schreibprozesse sind.

  • Wer sich für die Konzeption konzentrierte 10 Minuten gibt, weiß, was er schreibt.
  • Wer den 1. Entwurf des Textes zackig in einem Rutsch runterhackt ist schon fast fertig.
  • Dann etwas Abstand und mit frischem Auge noch mal drüber gehen fürs Feintuning.

Eine wichtige Voraussetzung dafür gibt es natürlich!

… und das ist die richtige Themenwahl und das Konzipieren. Die Phase, die viele Leute einfach nicht machen. Die Phase, die auch in Workshops gerne von Leuten übersprungen wird – oft begleitet von einem „Ich weiß, ich hätte vorher konzipieren sollen, aber ich hab trotzdem schon mal losgeschrieben.“ – Selbst schuld! Denn das ist immer ein Schuss ins Knie, wenn Sie schneller gute Texte produzieren wollen.

Was ist jetzt noch mal genau mit Konzept gemeint?

Einen Text zu konzipieren heißt nichts anderes, als ihn vorauszudenken, bevor man auch nur ein Wort schreibt. Mini-Kurs „konzipieren“

Jetzt sagen manche: „Bläh, das find ich aber blöd, jeder hat doch eine eigene Art ans Schreiben heranzugehen – ich bin halt jemand, der lieber drauslosschreibt.“

Ja, das können Sie so halten wie Sie wollen. Wenn Sie aber schneller und auf Anhieb richtig gute, mehrwertige Texte schreiben wollen, die Sie nur noch minimal feintunen müssen, dann heißt es vorher durchdenken, was Sie tun. – Ob Sie das in Form eines (aussagekräftigen, konkreten!) Mindmaps machen oder Bilder dazu zeichnen, das bleibt Ihnen überlassen. Wichtig ist nur: Nicht ins Blaue schreiben, wenn Sie schneller besser schreiben können wollen.

Ich bestehe in meinen Workshops immer drauf, dass die TeilnehmerInnen es bei jeder Aufgabe ausprobieren: Macht es einfach mal so. Vertraut mir, dass es was bringt, sich dran zu halten. Kein Wunder, dass sich dann auch sofort die Geschwindigkeit einstellt und die Qualität der Texte steigt.

Es gibt aber noch einen weiteren Grund, warum diese konkreten Gedanken beim Konzipieren so wichtig sind:

Wie bei allen Fähigkeiten wird man mit etwas Übung besser. Ich habe ja jetzt über zehn Jahre Vorsprung beim Schreiben von Tipptexten und Büchern, und bei mir läuft diese Konzeptionsphase automatisch zackizacki im Kopf ab. Das ist wie beim Autofahren: Am Anfang muss man sich genau erinnern, wann man schalten muss und dass man in den Rückspiegel schaut … und man wird ganz irre. Aber dann geht in Fleisch und Blut über.

Für alle, die viel schreiben wollen oder müssen, ist die Fähigkeit konzeptionell zu denken und sofort auch klare Strukturen daraus zu erkennen, extrem wertvoll. Sie profitieren auch mündlich davon, weil Sie Ihr Wissen viel gezielter aus dem Kopf ziehen und dann auch sehr viel strukturierter Reden.

Sich in der Zeit einzuschränken, das funktioniert. Aber es funktioniert nur, wenn Sie sich zehn- oder fünfzehn Minuten vorher gezielt hinsetzen, um das Thema klug zu wählen und den Text konzipieren. Dann kann der erste Entwurf ratzfatz und zielgerichtet rausfließen.