Autoreninterviews

Buch-Interview: Andrea Joost

Andrea Joost – Wirkungsvolles Reden & Sprachliche Cleverness – ist frischgebackene Buchautorin. Ende des Jahres ist ihr Buch in den Handel gekommen:

Mit Worten bewegen
Präsentationen und Reden, die wirklich begeistern

Ich habe ihr einige Fragen gestellt:

andreajoostDein Buch ist im Dezember 2012 erschienen. Wie kam es dazu?

Das Buch kam zu mir. Angefangen hat alles mit einem Seminar, das ich Anfang 2011 besucht habe – damals frisch selbstständig, aber noch angestellt bei einer Investmentgesellschaft. Inmitten der allgemeinen Aufbruchstimmung sprach mich die Trainerin an: „Andrea, könntest Du Dir vorstellen über das Reden und Präsentieren ein Buch zu schreiben? Ein Verlag hat bei mir angeklopft, aber ich habe zu diesem Thema bereits ein Buch veröffentlicht. Wenn Du magst, bringe ich Dich ins Spiel.“ – „Ja klar, mag ich!“, habe ich wie aus der Pistole geschossen geantwortet, ohne diesen Vorschlag allerdings erst einmal allzu ernst zu nehmen.

Fast zwei Monate ist dann auch nichts passiert. Umso überraschter war ich, als ich nach einer Blinddarm-OP aus dem Krankenhaus kam und eine Mail in meinem Postfach fand: „Der Verlag hat Interesse, schick mir doch mal Dein Exposé!“. Äh, wie Exposé? Ich hatte keines und – offen gesprochen – zu diesem Zeitpunkt auch nicht viel Ahnung, was da rein muss. Aber wow, so eine Chance bekommt man ja nicht jeden Tag! Also habe ich sofort ein Buch zum Thema „Wie schreibe ich ein Sachbuch“ bestellt und mich ans Werk gemacht. Begleitet übrigens von allen Emotionen, die der Markt so hergibt – von einem euphorischen „Toll, ich werde Buchautorin!“ über „Wollen das die Menschen lesen?“ bis hin zu „Das schaffe ich nie!“. Meine armen Mitmenschen! 🙂

Aber irgendwie habe ich es geschafft und innerhalb von sieben Tagen ein vollständiges Exposé inklusive Probekapitel gezaubert. Das „gute Stück“ ging an den Verlag, nun hieß es: abwarten! Nach einigen Wochen schickte mir die Lektorin dann eine Mail: Sie fand meine Ansätze gut und bat mich, einen Projektfragebogen auszufüllen, um die Buchidee im nächsten Verlagsmeeting vorzustellen. Wieder war Geduld gefragt, bis schließlich Ende August 2011 das „Ja, wir wollen!“ des Verlags kam.

 

Wann hast du den Vertrag unterzeichnet, wie lange hattest du Zeit zum Schreiben – und wie ging es dir mit dem Schreiben deines ersten Buches?

Mit der Zusage des Verlags wurde es bei mir noch einmal richtig spannend. Denn nun musste schnell eine Entscheidung her, wie ich mich organisiere. Denn soviel war klar: Neben Fulltimejob in der Bank und neu gestarteter, nebenberuflicher Selbstständigkeit gab es keine zeitlichen Freiräume, um „nebenbei“ 200 Buchseiten zu füllen.

Bei einigen ausgedehnten Spaziergänge im Wald ist mein Entschluss dann gereift: Ich kündige … und nutze die Schreibphase als Start in die Selbstständigkeit. Also habe ich im September den Buchvertrag unterschrieben und gleichzeitig per Ende März 2012 den sicheren Job in der Bank an den Nagel gehängt. Das war bislang sicherlich eine meiner mutigsten Entscheidungen.

Da sich der Verlag erfreulicherweise auf einen Abgabetermin des Manuskriptes Ende Juli 2012 eingelassen hatte, blieben mir für mein erstes Buch vier Monate. Ich habe mir den Luxus gegönnt, mich in dieser Zeit fast ausschließlich aufs Schreiben zu konzentrieren. Diese produktive Auszeit war klasse: Ich konnte mich zu 100 Prozent mit meinem Thema beschäftigen. Wann hat man sonst schon diese Chance im Alltagstrubel? Durch das Schreiben habe ich die Dinge für mich noch mal komplett durchdacht, auf den Punkt gebracht und durch die Experteninterviews wertvolle Impulse bekommen. Davon profitiere ich nun auch in meinen Workshops … und ein neuer Vortrag ist dabei ebenfalls entstanden.

 

Was fiel dir leichter, was schwerer als gedacht?

Da ich grundsätzlich wusste, von was ich rede und schreibe, ist es mir relativ leicht gefallen, die Inhalte zusammenzusammeln. Allerdings habe ich schnell festgestellt, dass es manchmal doch einfacher ist, Dinge in der Praxis zu tun bzw. im Training mündlich zu vermitteln als schriftlich festzuhalten. Da muss man noch viel genauer sein, um wirklich alle Leser mitzunehmen. Gerade wenn man zum Beispiel Übungen beschreibt (in diesem Buch sind das unter anderem Sprech-, Atem- oder Lockerungsübungen). Ich stand das eine oder andere Mal neben meinem Schreibtisch, habe vor mich „hingeturnt“ und dann Satz für Satz aufgeschrieben, was ich da eigentlich tue.

Gewöhnungsbedürftig war es für mich, viele Wochen zu schreiben und Material zu produzieren – ohne dafür Feedback zu bekommen. Gerade weil es mein erstes größeres Schreibprojekt war und ich ziemlich hohe  Ansprüche an mich selbst habe. Da kam Dein Online-Workshop „Leser ins Tun bringen“ gerade recht. Es war super, so zielgerichtet an den eigenen Themen zu arbeiten und sich dabei permanent auszutauschen. Mal abgesehen davon, dass wohl niemand so positiv piesacken kann wie Du! :mrgreen: Deshalb habe ich auch im Nachgang an den Workshop noch mal in 5 oder 6 Coaching Stunden bei Dir investiert. Zu wissen, dass ich auf dem richtigen Weg bin, hat das Schreiben für mich deutlich entspannter gemacht.

 

Du hast ja mit deinem Buch zu „Präsentationen und Reden, die wirklich begeistern“ ein Buch zu einem Dauerbrennerthema geschrieben. Dauerbrennerthemen sind ein zweischneidiges Schwert: auf der einen Seite sind sie immer gefragt, auf der anderen Seite gibt es zu diesen Dauerbrennern immer schon eine Vielzahl an Büchern. Wie bist du von Anfang an damit umgegangen, dass das Thema bereits so stark auf dem Büchermarkt besetzt ist?

Die Tatsache, dass der Verlag ja einen Titel genau zu diesem Thema auflegen wollte, hat es für mich ein bisschen einfacher gemacht. Allerdings habe ich doch ganz schön geschluckt, als meine Marktrecherche auf Amazon alleine beim Begriff „Rhetorik“ mehr als 24.000 Treffer ergab. Da habe ich mich schon gefragt: „Braucht die Welt dazu wirklich noch ein weiteres Werk?“

Beim Blick in mein Bücherregal habe ich festgestellt, dass Bücher in diesem Segment entweder schwerpunktmäßig die Persönlichkeit des Redners beleuchten ODER Methoden für überzeugende Präsentationen und Reden vorstellen. Schnell war die Idee gewachsen, in diesem Buch beide Komponenten einer gelungenen Rede zu verbinden und den Lesern dabei ganz konkrete, leicht umsetzbare Tipps an die Hand zu geben. Das Ganze aus meinem persönlichen Blickwinkel – mit viel Bezug zur Praxis. So habe ich es dem Verlag auch in meinem Exposé vermittelt und gleichzeitig zwei Methoden hervorgehoben, die im deutschsprachigen Raum noch nicht so bekannt und verbreitet sind.

 

Warum wolltest du gerne ein Buch veröffentlichen/was erwartest du dir davon?

In erster Linie ist das Buch für mich eine erweiterte Visitenkarte, die den Kunden zeigt, dass ich mich in meinem Gebiet gut auskenne. Außerdem können Veröffentlichungen sicher auch Türen öffnen.

Und natürlich ist es ein tolles Gefühl, das fertige, gebundene Werk in Händen zu halten … auch wenn man damit im Ratgebersegment ganz bestimmt nicht das große Geld verdient.

 

Du hast ja schon die nächste Buchidee. Interessant ist natürlich für mich auch, warum du, obwohl du schon alles einmal erfolgreich alleine gemacht hast, für das nächste Buchprojekt den Buchkonzept-Workshop mitgemacht hast. Du hättest das ja locker wieder selbst machen können …

Ja, grundsätzlich weiß ich nach dem ersten Buchprojekt, worauf es ankommt. Allerdings habe ich schon bei „Mit Worten bewegen“ gemerkt, dass ich mit professionellem Feedback immer noch ein bisschen mehr rausholen kann. Das habe ich schätzen gelernt. Da meine zweite Buchidee im Vergleich zur ersten anfangs nur sehr vage war, dachte ich mir, dass ich mit einem gezielten Brainstorming und Deinen bohrenden Fragen schneller ans Ziel komme, als wenn ich mich in mein stilles Kämmerchen einsperre. Dem war auch so! Nach dem Workshop stand das Konzept … und liegt nun bei meinem Wunschverlag. Jetzt heißt es wieder einmal: warten! 🙂

 

mitwortenbewegen
Mit Worten bewegen:
Präsentationen und Reden, die wirklich begeistern.

Andrea Joost
Wiley-VCH – EUR 19,90

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