Autoreninterviews

Buch-Interview: Alexandra Bischoff

Zu meiner großen Freude ist schon wieder ein Buch erschienen, das in meinem Buchkonzept-Workshop geboren wurde. Dr. Alexandra Bischoff – Balance Coaching/Training/Moderation – hat ihr Erstlingswerk im März veröffentlicht:

Ich wünsche mir Gelassenheit
Ein Balancierkurs für die Seele


Facebookseite mit Hintergrundinfos und aktuellen Terminen zum Buch.

Ich habe ihr einige Fragen gestellt:

Du hast im Februar 2012 den Buchkonzept-Workshop mitgemacht. Ursprünglich bist du mit einer anderen Idee in den Workshop gekommen. Kannst du dich noch erinnern, wie der Prozess der Themenfindung war: das Loslassen der ursprünglichen Idee, das Weggehen von Fremdmethoden bis hin zum „Balancierkurs für die Seele“, dessen Konzept so richtig nah an deiner eigenen Praxis + deiner Art ist?

sandrabischoffDas stimmt, meine ursprüngliche Idee war, mein Thema „Selbststärkung“ mit einem bekannten Roman zu kreuzen. Und zwar nicht, um auf der Erfolgswelle des Buchs zu reiten, sondern weil ich das Ergebnis für überzeugend und hilfreich halte. Ich hatte schon in den Monaten vor dem Workshop Notizen gesammelt, welche Namen und Zitate ich verwenden könnte, um daran meine Seminarinhalte zu veranschaulichen.

Gleich zu Beginn des zweiwöchigen Workshops hast du mir dann so richtig die Luft rausgelassen – im Abstand muss ich sagen, völlig zu Recht. Du hast geschrieben, ich müsse unbedingt die Urheberrechte klären. Ich kann mich noch gut erinnern, wie es mit meinen Gefühlen rauf- und runterging: Sonntagabend habe ich mich voll Vorfreude eingeloggt und in unseren virtuellen Arbeitsräumen umgesehen, Montag mein Konzept beschrieben. Montagabend hatte ich deine kritische Antwort. Daran hatte ich erst mal ziemlich zu knabbern. Deine Argumente waren aber total überzeugend.

So, und dann wusste ich nicht, wie ich weitermachen sollte. Ich wollte ja nicht irgendein Buch schreiben um des Schreibens willen, sondern genau dieses Buch. Ohne Bezug auf den Roman fehlte mir der Aufhänger.

Eine Möglichkeit war, den Kurs sofort zu beenden – das wollte ich jedoch auf keinen Fall. Eine andere, meine Seminarskripte auszubauen – aber das hätte wenig Neues in die Welt gebracht. Als dritten Weg wollte ich, um alles mitzunehmen, was ich im Kurs lernen kann, mein Projekt trotzdem durchziehen und die Rechte nach dem Workshop klären. In mir hat es permanent gearbeitet, wie eine Buchalternative aussehen könnte.

Schon in den ersten Tagen hast du uns acht TeilnehmerInnen sehr ermutigt, etwas EIGENES zu schaffen, beispielsweise Methoden ganz selbstbewusst abzuwandeln oder Fantasiereisen selbst zu formulieren. Freitagmittag im Fitnessstudio – also ganz typisch in einer entspannten Situation – kam mir ganz plötzlich die Idee eines „Balancierkurses“. Daran konnte ich meine sämtlichen Inhalte ausrichten, ich hatte einen roten Faden. Übers Wochenende habe ich die Idee ausgearbeitet – und am Montag kam von dir eine euphorische Rückmeldung. DAS war’s – und das wurde dann tatsächlich auch das Buch.

 

Wie waren direkt nach dem Workshop, aus dem du ja mit dem fertigen Konzept raus bist, deine nächsten Schritte?

Das klingt jetzt vielleicht etwas nach Streberin – aber ich habe wirklich einfach Schritt für Schritt all das gemacht, was du uns empfohlen hast. Und es hat super funktioniert! Schon während des Kurses war ja eine Hausaufgabe, in Buchhandlungen herauszufiltern, zu welchem Verlag mein Buch passen könnte und welche Aufmachung in welcher Buchreihe mir gefallen würde. Daher hatte ich mehrere Verlagsnamen auf meiner Liste. Durch eine Internetrecherche bei den Verlagen wurde mir klar, dass ich keine Lust hatte, im dicken Stapel auf irgendeinem Lektoratsschreibtisch zu landen. Bei den großen Verlagen steht meistens abschreckend auf der Website, dass man ein paar Monate bis zur ersten Reaktion warten müsse. Ich setzte darauf, dass in einem kleinen Verlag der Weg zum Ja oder Nein viel kürzer wäre. Dass bei einer Zusage die Auflage sicherlich kleiner würde, nahm ich in Kauf.

In den Wochen nach dem Workshop habe ich noch ein bisschen am Konzept gefeilt, aber viel gab es Dank deiner intensiven Betreuung wirklich nicht mehr zu tun. Der Ellert & Richter Verlag war dann tatsächlich der erste und einzige Verlag, dem ich mein Buchkonzept vorgelegt habe. Mein Anschreiben, in das ich mich wie für ein Bewerbungsschreiben reingekniet hatte, kam offenbar an: Schon nach einer Woche erhielt ich eine Mail von der Verlegerin persönlich, das klinge doch interessant und wann wir telefonieren könnten. Ab da, das war im April 2012, waren wir im Gespräch! Die Idee mit dem kleinen Verlag hat sich auch bei den Mitsprachemöglichkeiten bewährt; ich habe das Glück, bei vielen Entscheidungen rund um Buch und Werbung einbezogen zu werden.

 

Wann hast du beim Verlag unterschrieben und wie lange hattest du anschließend Zeit bis zur Manuskriptabgabe?

Das hat erst mal noch eine Zeitlang gedauert, dafür musste es dann umso schneller gehen. Wir waren von April bis Oktober immer wieder im Kontakt, per Mail und telefonisch. Die Rückmeldungen der Verlegerin, was ich vielleicht anders machen könnte, habe ich jeweils versucht umzusetzen.

Ich habe mit dem Schreiben angefangen, ohne einen Vertrag zu haben. Mitte Oktober wurden die Absprachen mit der Verlegerin immer konkreter; Mitte November fragte sie mich, ob ich das Buch bis Ende des Jahres fertig bekommen könne. Sie würde es gerne auf der Leipziger Buchmesse Mitte März vorstellen. Ich hatte aber erst ein Drittel der Kapitel fertig, fünf von geplanten 15!

Wir konnten aushandeln, dass es genügt, wenn ich Mitte Februar die allerletzten Textteile abgeben würde. Meine zukünftige Lektorin könnte parallel schon mit den jeweiligen fertigen Kapiteln arbeiten. Ich habe durchkalkuliert, dass ich pro Woche im Schnitt ein Kapitel schreiben müsste. Das erschien mir machbar, noch dazu lagen noch zwei Urlaube in diesem Zeitraum. Und so konnte ich in der letzten Novemberwoche den Vertrag unterschreiben. Ein unglaublich schönes Gefühl! Ich habe es dann sogar bereits im Januar geschafft fertig zu schreiben. Allerdings gab es danach bis zum Druck noch richtig viel zu tun, zum Beispiel Arbeiten an den Zwischenüberschriften, an den Klappentexten und am Layout. Bis zur Buchmesse legten wir wirklich eine glatte Punktlandung hin. In den Buchhandlungen lag das Buch sogar erst im April.

 

Wie ging es dir mit dem Schreiben deines ersten Buches?

Das Konzept, mit dem ich aus dem Workshop rausging, hatte dermaßen Hand und Fuß, dass ich es schlichtweg „nur“ abarbeiten musste. Du hattest uns in den zwei Wochen Schritt für Schritt wunderbar systematisch dazu gebracht, zu durchdenken und schriftlich auf den Punkt zu bringen, was wir an welcher Stelle sagen wollen. Durch meine Seminare wusste ich klar, was ich inhaltlich sagen wollte. Dadurch fiel mir das „Was“ nicht schwer. Das Neue war das „Wie“.

Ich musste im Laufe der Monate erst herausfinden, welche Rollen ich einerseits mir als Autorin und andererseits meiner fiktiven Buchbegleiterin „ANNA“ gebe. Mehrmals wechselte ich hin und her, wer von uns beiden wie viel Persönliches an welcher Stelle der Kapitel sagen darf. Ich bin im Rückblick sehr froh, dass meine Verlegerin mich ermutigt hat, im Buch als Person und Persönlichkeit so greifbar wie möglich zu werden und ehrlich von mir selbst zu erzählen.

Neu war für mich auch der große Unterschied zu den Seminaren: Dort habe ich konkrete Menschen vor mir. Ich kann spontan auf deren Anliegen eingehen. Wir können uns im Wortsinn beschnuppern, sehen, hören, sogar berühren. Meine Stimme, meine Körpersprache, die Farben meiner Seminarmappen etc. – all das fließt zu einem Gesamteindruck zusammen. Im Buch schreibe ich dagegen für einen anonymen Menschen irgendwo „da draußen“, von dem ich nichts weiß – und er zunächst auch fast nichts von mir. Ich musste lernen, die Leserinnen und Leser „eng an die Hand zu nehmen“, wie es meine Verlegerin formuliert. Das hatte Einfluss auf meine Sprache, so dass ich allmählich meinen persönlichen Sprachstil für dieses Buch entwickelte.

 

Wie hast du dein Schreiben organisiert?

Es war wichtig für mich, herauszufinden, wann und wo ich am besten schreiben kann. Meine Hauptarbeitsphase war immer abends. Das liegt mir vom Tagesablauf – nach Job und Zeit für meine Familie – und von meinem persönlichen Biorhythmus her am meisten. An Wochenenden kamen auch Nachmittagsschreibphasen hinzu.

In den letzten intensiven Wochen musste ich bereits mittags, nach dem Heimkommen von meiner Teilzeitstelle, loslegen. Sonst hätte ich den knappen Zeitrahmen nicht einhalten können. Eine Woche in den Weihnachtsferien hat mich so richtig nach vorne geworfen: Da konnte ich Langlaufen mit Schreiben kombinieren. Bei der Bewegung an der frischen Luft kamen mir richtig kreative Ideen. Durch die Unterstützung meines Mannes hatte ich total den Kopf und den Rücken frei vom Alltagskram – und habe mehr als zwei Kapitel geschafft. Mein Lieblingsschreibort war in den warmen Monaten unser Balkon. Der Laptop ist da wirklich praktisch.

Zur Unterstützung hatte ich meine „Privatlektorin“, die mir regelmäßig Feedback gegeben hat. Dank E-Mail war das leicht zu organisieren. In den letzten Wochen war die Verlagslektorin mein wertvolles Gegenüber, die nochmal sehr wichtige Impulse geben konnte.

Eine tolle Erfahrung war es für mich, im Freundeskreis UnterstützerInnen zu finden, die mich teils persönlich, teils per E-Mail durch diese intensive Zeit begleitet haben. Da konnte ich auch jammern, wenn nichts voran ging, oder Fragen stellen. Sehr ermutigend!

 

Was waren beim Buchschreiben/-veröffentlichen besonders schöne Momente für dich?

Da fallen mir gleich mehrere Situationen ein: Die Vorschläge des Verlags für den Buchtitel und wenig später für das Cover haben mich sehr berührt. Sie trafen genau meinen Geschmack und passen meiner Meinung nach perfekt zum Buch. Durch dich war ich ja vorgewarnt, dass es da auch ganz andere Erfahrungen geben kann …

Auf der Buchmesse in Leipzig Mitte März dem Verlegerpaar, meiner Lektorin und meinem Buchbaby zum ersten Mal live zu begegnen, war ein weiterer ganz besonders schöner Moment. Auch als die Kartons mit den ersten Büchern zu uns nach Hause geliefert wurden, war wunderbar. Richtig bewegt war ich, als ich mein funkelnagelneues Buch in Münchner Buchhandlungen toll präsentiert vorfinden durfte. Und sehr beglückend war für mich natürlich mein Dankesfest für den Unterstützerkreis mit erster Lesung und Signierstunde. Das war dann auch gleich ein guter Probelauf für künftige Buchpräsentationen.

 

balancierkurscover

 

Ich wünsche mir Gelassenheit – Ein Balancierkurs für die Seele
Alexandra Bischoff

Ellert & Richter Verlag – 12,95 Euro
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