Selbstvertrauen/Sabotage

„Wer will das lesen?“ (Teil 2)

Das innere Stimmchen „Wer will das lesen?“ deutet nicht einfach nur auf Selbstzweifel hin. Es gibt sehr viele Gründe dafür – und je nachdem, was gerade vorliegt, gibt es unterschiedliche Lösungswege. Im ersten Teil ging es um eine pessimistische Ader und die weit verbreitete Verunsicherung, weil schon alles gesagt scheint. Außerdem haben wir darüber gesprochen, dass man manchmal das Thema selbst nicht spannend findet oder schlichtweg keine Lust hatte beim Schreiben. Dazu kommt, dass viele ihre Schreibe uninteressant finden.

Aber es gibt noch weitere Facetten:

Sie wissen, dass Sie sich keine besondere Mühe gegeben haben.

Hand aufs Herz: Nicht immer gibt man sein Bestes. Manchmal hat man etwas schnell-schnell zwischendurch gemacht oder eben erledigt, weil es gerade ansteht. Vielleicht ist es die Kombination mit einem der Punkte oben – zum Beispiel, dass Sie das Thema einfach nicht sonderlich interessiert.

Fährt man beim Schreiben halbe Kraft, merkt man das.

Auch, wenn man vor sich selbst rechtfertigt, dass es doch nun fertig und okay ist, meldet sich oft das „Wer will das lesen?“ und zeigt in diesem Fall an, dass Sie wissen, dass Sie es wesentlich besser können.

Sie haben zu viel Routine.

Alle, die Texte zu ihrem eigenen Fachbereich schreiben, wissen nur zu gut, dass damit Segen und Fluch verbunden ist:

➡ Auf der einen Seite steht das riesige Know-how, die Erfahrung und die Routine, die mit der Sattelfestigkeit einhergeht. Immerhin arbeiten Sie tagein, tagaus – oft seit vielen Jahren oder gar Jahrzehnten – auf diesem Gebiet.

➡ Auf der anderen Seite stehen die negativen Seiten von Routine: Bei vielen Grundbausteinen Ihres Themas brauchen Sie gar nicht mehr nachdenken, weil Sie alles im Schlaf runterbeten können. Bei anderen kriegen Sie innerlich vielleicht schon einen Schreikrampft, wenn Sie das jetzt noch mal erklären sollen.

Wenn sich beim Schreiben hin- und wieder also das „Wer will das lesen?“ meldet, weil Sie regelrecht dicht von den immer gleichen Themen sind, dann überprüfen Sie, ob sich das Gefühl für Sie ändert, wenn Sie andere Plankton-Themen, Aufhänger, Artikelformen wählen oder mit Ihrem Schreibstil experimentieren.

Wenn sich jedoch praktisch immer, wenn Sie irgendetwas schreiben, der Unmut meldet, dann ist das oft ein deutliches Zeichen, dass es generell wichtig ist, Ihrem Business einen neuen Dreh zu geben. Für manche ist das eine komplette Neuausrichtung, für viele bedeutet es einfach, dem Business frischen Wind einzuhauchen. Dabei hilft übrigens der Betten machen-Text, den ich im ersten Teil als Beispiel verlinkt habe.

Sie sind von Sache/Produkt oder sich selbst nicht überzeugt.

Ja, es gibt auch den Fall, dass es am Fundament hakelt. Denn wenn Sie innerlich nicht überzeugt sind, kommt das ebenfalls im Text durch: Das Was und Wie ist deutlich anders, es schleichen sich oft unsichere oder distanzierte Formulierungen ein. Oder es wird zu viel rumargumentiert, um eine Wichtigkeit vorzutäuschen, als müsse man sich selbst überzeugen.

Lassen Sie sich dabei nicht darüber hinwegtäuschen, dass oft trotzdem Okay-Texte rauskommen. Okay-Texte lesen sich tadellos, aber sie sind gleichzeitig sehr neutral, distanziert und das Übliche. Bereits die Abwesenheit von Überzeugung und Engagement merkt der Leser, was sich wiederum einfach darin äußert, dass keinerlei Resonanz kommt.

Texte, bei denen Autoren nicht überzeugt waren, überzeugen nicht.
Je größer die eigene Unsicherheit ist, desto mehr schürt man auch die Unsicherheit der Leser. Ein gutes Beispiel sind viele, viele Über-mich-Texte von Selbstständigen, besonders gerne bei Quereinsteigern, die oft derart unsicher klingen, dass sie ihnen einen Bärendienst erweisen.

Hier hilft es darum auch nichts, den Text von Formulierungen her retten zu wollen. Denn hier fehlt von Haus aus die Substanz. Also zurück auf Los und erst einmal überprüfen, wo die Zweifel an der Sache liegen.

Sie sind Veröffentlichungsnovize.

Das „Wer will das lesen?“ meldet sich natürlich auch besonders schnell bei allen, die noch nicht viel veröffentlicht haben. Hier ist es einfach Ausdruck der zitternden Knie und erfüllt teilweise den Zweck, dass man schnell noch die Biege macht und doch nicht veröffentlicht.

Denn hey, wenn eh schon klar ist, dass es keiner lesen will, warum dann auf den Veröffentlichungsknopf drücken? Das können wir uns ja dann ersparen …

Knicken Sie jetzt nicht ein! Wenn wir alles immer abbrechen, nur weil die Knie ein bisschen wackeln, kämen wir nie zu etwas. Ja, es gibt jede Menge möglicher Leser-Reaktionen und wenn Sie sich fürs Veröffentlichen entscheiden, müssen Sie sich darauf gefasst machen.

Veröffentlichen bedeutet Öffentlichkeit bedeutet Resonanz.
Das eine geht ohne das andere nicht.

Sie sind lesemüde.

Wenn Sie viel im Netz unterwegs sind, ständig Bücher und Artikel lesen, dann stellt sich nach einiger Zeit eine gewisse Lesemüdigkeit ein. Besonders, wenn Sie in Ihrem eigenen Fachbereich unterwegs sind.

Irgendwann ist man einfach satt an Themen oder Artikel-Formen,
zum Beispiel Tipp-Texten.

Das ist wirklich wie beim Essen. Wenn wir pappsatt sind, passt nichts mehr rein. Da kann uns dann auch nichts mehr locken: Wir mögen gerade nichts mehr essen. Manchmal haben wir zu viel gegessen. Dann schwören wir uns vielleicht sogar „Ich ess nie mehr was!“

Bei Viel-Lesern kann sich diese Sattheit ebenfalls einstellen. In diesen Fällen hilft oft eine kleine Lese-Abstinenz. Wenn die Lese-Sattheit sich auf Ihre Schreib-Lust ausgewirkt hat, eventuell sogar gekoppelt mit einer Schreibpause. Wenn Sie also seit längerem regelmäßig bloggen, es sich aber gerade irgendwie für Sie totgelaufen hat, dann machen Sie eine Blogpause! Aber sagen Sie Ihren LeserInnen Bescheid, dass Sie eine kreative Pause machen und einen Monat im Blog nichts passiert.

Dann lädt sich der Kreativitätsakku wieder auf und Sie werden wieder richtig wild aufs Schreiben. 😉

Achten Sie also beim nächsten Text, bei dem Sie diesen Gedanken haben, auf die Qualität des „Wer will das lesen?“ Denn wenn Sie wissen, was genau dahintersteckt, können Sie gezielt darauf reagieren – anstatt es einfach hinzunehmen und trotzdem zu veröffentlichen oder entmutigt den Text als unvollendete Datei auf dem PC liegenzulassen.