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Zusammenlassen, was zusammengehört

Eine Sache, die nicht nur das Layout betrifft: Besonders bei kürzeren Texten [auch Briefen], sehe ich oft, dass Inhalte angekündigt und dann darunter erst erklärt werden.

Zwei typische Variationen anhand eines Beispiels:

Es gibt 3 gute Gründe, etwas zu warten, bevor Sie auf eine Reklamation antworten:

1) Sie werden ruhiger.
2) Sie können Inhalte von Emotionen besser trennen.
3) Sie bringen dadurch auch mehr Verständnis auf.

Schauen wir uns diese drei Gründe näher an:

1) Sie werden ruhiger.
blablahierstehtdanndererklärendeText

2) Sie können Inhalte von Emotionen besser trennen.
blablahierstehtdanndererklärendeText

3) Sie bringen dadurch auch mehr Verständnis auf.
blablahierstehtdanndererklärendeText

oder

Es gibt 3 gute Gründe, etwas zu warten, bevor Sie auf eine Reklamation antworten:

1. Sie werden ruhiger.
2. Sie können Inhalte von Emotionen besser trennen.
3. Sie bringen dadurch auch mehr Verständnis auf.

zu 1) blablahierstehtdanndererklärendeText

zu 2) blablahierstehtdanndererklärendeText

zu 3) blablahierstehtdanndererklärendeText


Diese zweite Variante mit zu 1) etc. ist generell nicht empfehlenswert:

➡ Denn entweder es gibt sehr wenig Text zu jedem Punkt, dann ist es unnötig, die Erklärung vom Aufzählungspunkt zu trennen.

➡ Außerdem ist es verwirrend, weil man immer wieder hochschauen muss, was denn jetzt noch mal erstens, zweitens oder drittens war. Das ist besonders mühsam, wenn sehr viel Text dabeisteht, so dass man weiter vorne nachsehen, eventuell sogar vorblättern muss.

Was aber ist mit der ersten Variante?

… die scheint doch in Ordnung und sogar sehr verbreitet, sogar hier im Blog.

Das stimmt, doch auch hier kommt es auf die Textmenge an, die jeder Aufzählungspunkt beinhaltet. Nehmen wir an, der Text sieht vollständig so aus:

Es gibt 3 gute Gründe, etwas zu warten, bevor Sie auf eine Reklamation antworten:

1) Sie werden ruhiger.
2) Sie können Inhalte von Emotionen besser trennen.
3) Sie bringen dadurch auch mehr Verständnis auf.

Schauen wir uns diese drei Gründe näher an:

1. Sie werden ruhiger. Wenn wir uns angegriffen fühlen, schlagen die Emotionen wie eine Welle über uns zusammen. Darum gilt das gute alte Prinzip „Erstmal bis 10 zählen“ genauso wie das tief durchatmen. Ein wenig zeitlicher Abstand lässt unsere starken Ad-hoc-Emotionen verrauchen. Wir mäßigen uns und sind buchstäblich gefasster.

2. Sie können Inhalte von Emotionen besser trennen. Das ist wichtig, weil die meisten Menschen sehr stark auf Reklamationen reagieren, die sie als Angriff wahrnehmen. Dabei muss sich der andere gar nicht im Ton vergriffen haben. Auch die eigenen Gefühle behindern die Sicht. Wer sich etwas Zeit gibt, kann sachlicher auf Inhalt, den anderen und sich selbst blicken.

3. Sie bringen dadurch mehr Verständnis auf. Es entsteht ein wahrer Schneeballeffekt, denn das Ruhigerwerden ermöglicht es, Inhalt und Emotionen auseinanderzudividieren. Dadurch fällt es uns auch leichter, die Perspektive zu wechseln, zum Beispiel merken wir „Stimmt eigentlich, ich hätte mich darüber auch geärgert“ oder auch einfach „Ich bin auch nicht immer die Sachlichkeit in Person, wenn ich sauer bin.“

Warum so umständlich, wenn es einfacher geht?

Wenn Sie einen so kurzen Text pro Aufzählungspunkt haben, ist es sehr viel schöner, zusammenzulassen, was zusammengehört – die vorgeschaltete Aufzählung und der Hinweis, näher hinzusehen, wird unnötig. Dann sieht der Text einfach so aus:

Es gibt 3 gute Gründe, etwas zu warten, bevor Sie auf eine Reklamation antworten:

1. Sie werden ruhiger. Wenn wir uns angegriffen fühlen, schlagen die Emotionen wie eine Welle über uns zusammen. Darum gilt das gute alte Prinzip „Erstmal bis 10 zählen“ genauso wie das tief durchatmen. Ein wenig zeitlicher Abstand lässt unsere starken Ad-hoc-Emotionen verrauchen. Wir mäßigen uns und sind buchstäblich gefasster.

2. Sie können Inhalte von Emotionen besser trennen. Das ist wichtig, weil die meisten Menschen sehr stark auf Reklamationen reagieren, die sie als Angriff wahrnehmen. Dabei muss sich der andere gar nicht im Ton vergriffen haben. Auch die eigenen Gefühle behindern die Sicht. Wer sich etwas Zeit gibt, kann sachlicher auf Inhalt, den anderen und sich selbst blicken.

3. Sie bringen dadurch mehr Verständnis auf. Es entsteht ein wahrer Schneeballeffekt, denn das Ruhigerwerden ermöglicht es, Inhalt und Emotionen auseinanderzudividieren. Dadurch fällt es uns auch leichter, die Perspektive zu wechseln, zum Beispiel merken wir „Stimmt eigentlich, ich hätte mich darüber auch geärgert“ oder auch einfach „Ich bin auch nicht immer die Sachlichkeit in Person, wenn ich sauer bin.“

Nur, wenn der erklärende Text ausführlicher ist

Anders ist es, wenn jeder Aufzählungstext ausführlicher ist. In diesem Fall fragen Sie sich:

Ist es für das Verstehen sinnvoll, wenn ich die Aufzählungspunkte insgesamt vorher schon mal „auf einen Haufen“ sichtbar mache?

Also hat der Leser etwas davon, wenn er es vorab schon mal auf einen Blick sieht? Bei längeren Artikeln und bei Büchern ist das oft eine gute Idee. Es hängt aber immer auch vom Thema ab und wie Sie es aufbereiten. Darum gibt es eine klare „Mach es immer so“-Empfehlung. – Lassen Sie nur auf jeden Fall gerade bei kürzeren Artikeln oder in sich abgeschlossenen Passagen unnötiges Doppeln weg.

Das Straffen des Layouts fördert das Verstehen.

5 x Feintuning für Aufzählungen