Korrespondenz/Marketing

Kleine Follower-Typologie

Auf Social Media-Plattformen wird ja viel um „Follower“ gebuhlt. Genau wie beim Newsletter wollen die meisten Aktiven möglichst viele „Verfolger“ haben. Doch das ist Quatsch und führt oft zum Nummernselbstbetrug, bei dem wir denken „viel ist gut“.

Viel entscheidender als eine möglichst hohe Anzahl ist die Qualität Ihrer Follower. Denn was nützen Ihnen Abertausende von Leuten, die Ihre Updates abonniert haben, wenn ein Großteil davon überhaupt nicht wahrnimmt, was Sie da ständig ins Internet blasen?

Reden wir mal gar nicht von den reinen Werbeaccounts, sondern schauen wir uns einfach mal an, wie unterschiedlich ganz normale Follower sich verhalten. Dann verstehen Sie auch gleich viel besser, warum manche Leute Ihnen nicht folgen, obwohl Sie deren Updates abonniert haben – und sind nicht beleidigt oder frustriert.

folgenentfolgen

Wie so oft gibt es natürlich Mischtypen:

Der Gegenseitige

Devise: „Folgst du mir, folg ich dir.“

Für diesen Typen ist selbstverständlich, dass Social Media auf Gegenseitigkeit beruht: Wenn ihm jemand folgt, folgt er auch. Wenn er jemandem folgt, erwartet er, dass ihm auch gefolgt wird. Und zwar völlig unabhängig davon, ob er an den Updates des anderen interessiert ist. Oft liest er gar nicht oder nur sporadisch, was gerade aktuell im Dauerstrom der neuen Nachrichten reinkommt, wenn er online ist. Selbst wenn er wollte: aufgrund der Masse kann er sowieso nicht alles lesen.

Manche dieser Gegenseitigen wollen einfach nicht unhöflich wirken, obwohl sie sich von der Masse an Updates überfordert fühlen. Sie haben das Gefühl, der andere könnte es als Affront auffassen, wenn man seine Nachrichten nicht abonniert – besonders, wenn man sonst einen persönlicheren Kontakt hat.

Im Extremfall entfolgt er nach wenigen Tagen demonstrativ, wenn der andere seine Updates nicht auch abonniert oder schickt die Aufforderung, es endlich zu tun.

Der Qualitative

Devise: „Was ich abonniere, lese ich auch aufmerksam.“

Der Qualitative möchte nur abonnieren, was ihn wirklich interessiert: Je nachdem, wie er einen spezifischen Social Media-Kanal nutzt, kann das persönliches Interesse sein oder er entscheidet danach, was für seine Zielgruppe interessant ist.

Folgt ihm jemand, sieht er sich genau das Profil und die bisherigen Updates an. Gibt es noch nichts zu sehen, abonniert er nicht. Merkt er an den bisherigen Nachrichten, dass Thema oder Nutzwert der Abonnenten-Nachrichten nicht zu seinen Interessenten passt, abonniert er auch nicht.

Das muss nicht bedeuten, dass er nicht interagiert. Aber er abonniert nicht alles, weil er sonst nicht allem folgen kann. Loggt er sich ein, scrollt er zurück bis zum letzten Zeitpunkt, um zu sehen, was es interessantes Neues gab seit seinem letzten Einloggen.

Der Konsument

Devise: „Ich will lesen, aber nicht schreiben.“

Der Konsument nutzt Social Media nur einseitig. Er schreibt selbst nichts, lässt oft sogar sein Profil leer. Er pickt sich für ihn interessante Menschen raus, deren Updates er im Stillen verfolgt. Das sind manchmal einfach interessante Menschen, oft aber Sender, die zu seinem beruflichen Fachgebiet Updates schicken. So erfährt er auf die Schnelle gute links und Neuheiten, ohne groß selbst recherchieren zu müssen.

Manche Konsumenten sind sehr streng, was das regelmäßige Ausmisten betrifft. Gibt es lange Pausen zu neuen Updates, entfolgt er, weil sich nicht mehr genug rührt. Auch wenn es mehrmals hintereinander Nachrichten gab, die ihn nicht zu 100 % interessieren, bestellt er ab.

Der Weiterleiter

Devise: „Es muss für meine Zielgruppe relevant sein.“

Der Weiterleiter schreibt oft nicht viel selbst, aber er möchte gerne auf Social Media aktiven Service bieten. Darum folgt er allen, die nützliche Inhalte posten, die seine Zielgruppe interessieren. Auf diese Weise sorgt er für gehaltvolle eigene Updates: seine eigenen Aktualisierungen werden zu einem nützlichen Bündelungsservice.

Weiterleiter haben ganz unterschiedliche Motive. Die einen möchten sich nur keine Arbeit machen, aber damit sich was rührt, schicken sie einfach querbeet immer mal was in die Runde. Andere gehören einfach zu den Vernetzern, so dass sie neben zahlreichen eigenen Updates auch immer wieder was Fremdes weiterleiten. Und manche sehr beliebte Accounts sind dadurch extrem groß geworden, weil sie ganz aktiv Ausschau halten nach gehaltvollen Fachleuten und das, was sie weiterleiten, vorher genau prüfen. Was er/sie weiterleitet, ist immer gut!

Der Vernetzer

Devise: „Lasst uns social sein!“

Es gibt Menschen, die von Herzen vernetzen – nicht nur sich selbst. Manche freuen sich wahnsinnig, andere zusammenzubringen. Hast du schon von X gehört? – Y ist total lesenswert. – Z könnte zu dir passen.

Vernetzer suchen den Kontakt, sie sind an den Menschen interessiert. Manche begrenzen sich auf ihr Fachgebiet, doch oft geht es auch ums Persönliche.

Der Vernetzer folgt nicht jedem, aber er interagiert auch mit größeren Followerzahlen, indem er oft mit allen spricht und sich intensiv (öffentlich) einzeln austauscht. Er nennt immer Quellen, bringt auch in Updates andere zusammen, schickt weiter, antwortet, tröstet, motiviert, lässt an seinem Leben teilnehmen und nimmt an dem seiner Abonnenten teil, …

Der Entertainer

Devise: „Social Media = Freizeit“

Für den Entertainer ist Social Medial ein Ausgleich, eine Pause, gute Unterhaltung. Als EinzelunternehmerIn holt er sich dort die Gemeinschaft, fragt nach Ideen, bringt sich ein und lacht mit anderen.

Manche schalten ihre Social Media-Aktivität daher auf privat, weil sie nicht dort auch noch beruflich tätig werden möchten. Andere halten das, was sie abonnieren und verschicken, absichtlich lockerer, damit es nicht in Arbeit ausartet.

Es gibt auch Entertainer, die zwar einen offensichtlich beruflichen Account pflegen, aber die Gelegenheit nutzen, sich persönlicher zu zeigen: Infotainment sozusagen.

Genau wie im richtigen Leben

Schon an dieser kleinen Typologie sieht man, wie unterschiedlich jeder Social Media nutzt. Alles davon ist völlig legitim! Wir sind ja auch im richtigen Leben ganz unterschiedlich.

Mich finden Sie zum Beispiel auf keiner großen Party oder Netzwerktreffen, weil ich mich lieber unter vier Augen oder in einer kleinen Gruppe unterhalte. Andere blühen dafür in einem Saal mit Hunderten von Leuten auf, weil sie viele Impulse bekommen und neue Bekanntschaften machen.

Oder überlegen Sie mal, wie Sie mit Informationen umgehen: Scannen Sie viele Websites, Fachzeitschriften und Bücher oder lesen Sie sich an einer Sache fest, bevor das nächste kommt?

Wenn Sie diese Unterschiede im Blick behalten, dann brauchen Sie sich künftig nicht mehr zu wundern, wenn jemand Ihnen nicht folgt (obwohl Sie ihm folgen) oder wenn Ihnen jemand plötzlich nicht mehr folgt.

  • Wir alle ticken anders.
  • Wir alle nutzen verschiedene Plattformen unterschiedlich, was auch von unseren Zielen und unserer Zeit abhängt.