Stil + Stilmittel

Die Wiederholung als Klarmacher

Vor einem Jahr haben wir schon mal über das Stilmittel der Wiederholung gesprochen. Damals ging es um die Wiederholung als Verstärker. Eine etwas andere Art der Wiederholung ist es, in einem Text die gleiche Sache aus einem positiven und einem negativen Blickwinkel zu betrachten. Das bringt Ihren Lesern einen großen Zusatznutzen: Klarheit!

Besonders nützlich ist das bei jeder Form von Anleitung. Sie wissen ja: Übungen und Anweisungen glasklar zu beschreiben, ist gar nicht so leicht.

Letzte Woche beispielsweise bekam ich einen Newsletter, in dem beschrieben war, wie man Liegestütze trainieren kann. Nehmen wir das mal gleich als Beispiel:

Da wird also beschrieben, was man tun soll: Arme direkt unter den Schultern, Körper gerade wie ein Brett, Bauch anspannen etc. … Als Experte sagt man also, wie etwas richtig geht.

Hier ist schon die erste Gefahr: Als Experte weiß man zu viel. Dadurch vergisst man schnell mal, Dinge zu erwähnen, weil sie eh klar sind.

Sie haben als Fachkraft aber immer noch einen riesigen Vorteil: Ihre Erfahrung. Aus Erfahrung kennen Sie unter anderem die typischen Fehler. Und die sind in diesem Fall der „negative Blickwinkel“ an der Sache.

Wenn mir als Laie geschildert wird, wie Liegestütze gehen, dann hilft mir zwar eine gute Anleitung dabei, aber dennoch schleichen sich Fehler ein. Man denkt zum Beispiel, dass man seinen Körper wie ein Brett hält, aber in Wirklichkeit hängt der untere Rücken total durch. Oder man macht alles richtig, führt die Übung aber viel zu hektisch aus.

Die Anleitung gewinnt enorm an Verständlichkeit, wenn man sie um typische Fehler ergänzt. Das gilt natürlich für alle Fachbereiche.

Denken Sie also nicht „jetzt hab ich doch schon gesagt, wie es geht“, sondern überlegen Sie immer: Was sind da denn typische Fehler? Dann merken Sie, ob Sie einen Punkt einfach etwas klarer beschreiben oder sich des Stilmittels der Wiederholung bedienen wollen, indem sie eine Sache noch mal aus dem negativen Blickwinkel aufgreifen.