Selbstdarstellung

5 weit verbreitete Eier im „über mich“-Text

Wir sind uns einig drüber, dass das mit der Selbstdarstellung nicht immer so einfach ist. Gerade die über mich-Texte auf Websites zeigen das mehr als deutlich.

Hier fünf Eier, die sich viele legen – mitunter gleich mehrere auf einmal:

1. reines Marketinggeplapper

Ganz weit verbreitet sind hohle Worthülsen aus der Marketingküche, oft aus Verlegenheit heraus: Man weiß nicht genau, was man über sich schreiben soll und rettet sich einfach über die Werbeschiene. Da steht dann gerne mal „Vision“ oder „Philosophie“ drüber, aber dann steht da weder eine individuelle Vision, noch eine klar nachvollziehbare Philosophie, sondern dass man termingerecht abliefert, der Kunde im Mittelpunkt steht und „bei uns Service nicht nur ein Wort ist“.

Oft wird auch der Platz verwechselt: Statt „über mich/uns“ werden Leistungen vorgestellt. Das passiert vielen übrigens ganz unbemerkt. Da schreiben Sie gerade über eine Sache, die Ihnen wichtig ist, dann schießt ein Gedanke quer, was/wie sie arbeiten und schon rutschen Sie ins Anpreisen von Leistungen.

Das Gute ist, dass gerade EinzelunternehmerInnen sich mit solchen Werbetexten gar nicht wohl fühlen. Da meldet sich meistens deutlich das innere Stimmchen: „Bläh, das klingt so merkwürdig“, „das bin ich irgendwie gar nicht“. Dann weg damit (auch wenn Sie für teures Geld grad einen Text vom vermeintlichen Profi eingekauft haben).

2. zu fachlich

Listet man lediglich berufliche Stationen und Ausbildung – am besten noch mit einer nüchternen Tabelle, die nur Daten und Schlagwörter enthält – spricht man potenzielle Kunden nicht sonderlich an. Unabhängig davon, ob Sie irgendwo sonst auf der Seite mehr von sich erzählen oder ein Blog integriert haben: Gehen Sie nie davon aus, dass Webbesucher Ihre gesamte Seite lesen! Die machen sich einen ersten Eindruck und dann klicken Sie auf Informationen zu Ihnen (oder Ihrer Firma), um einen besseren Eindruck zu bekommen.

Der typische Kunde entscheidet nie nur nach Fachwissen, denn das ist in der Regel austauschbar. Man bildet sich auch einen persönlichen Eindruck: Kann ich mir vorstellen, dass er/sie das hält, was versprochen wird?/… mein Problem löst?/… die Chemie stimmt?

Sie können natürlich berufliche Stationen, Projekte, Veröffentlichungen und Ihre Ausbildung schön übersichtlich auflisten, aber bitte belassen Sie es nicht nur dabei. Man möchte etwas über die Person hinter dem Angebot erfahren.

Wenn Sie sehr viele Fortbildungen besuchen, dann erinnern Sie sich an „weniger ist mehr“: Listen Sie nicht jeden Furz auf 😉 – denn endlose Listen sind eher ermüdend und man nimmt das, worauf es Ihnen am meisten ankommt, gar nicht mehr wahr. Behalten Sie bitte auch immer die Wirkung im Blick. Hat jemand einen einzigen Wochenendkurs für „gewaltfreie Kommunikation“ besucht, verkauft aber dick und fett gleich mehrere Leistungen zu dem Thema, blinzelt man als potenzieller Kunde eher irritiert.

3. unbekannt + unverständlich

Sie selbst kennen sich aus: Sie wissen, was die Firma Motzer & Söhne macht, bei der Sie einige Jahre als Ingenieur tätig waren. Aber Ihre Leser kennen die Firma nicht, können also noch nicht einmal die Branche einordnen. Und hey: Was genau Sie da als Ingenieur gemacht haben, weiß auch kein Mensch. Es ist aber ein Unterschied, ob Sie Elektronik entwickelt haben, die in den Körper implantiert wird oder ob Sie Autos konstruiert haben.

Natürlich kann auch das strategische Weglassen eine Rolle spielen. Vielleicht wollen Sie explizit die autolastige Vergangenheit weglassen. Wunderbar, aber dennoch: so aussagekräftig wie möglich bleiben und lieber im bisherigen Werdegang klare Schwerpunkt setzen als sich in Unklarheit zu stürzen.

Total unverständlich sind auch viele Koryphäen: Haben Sie nicht gerade beim Dalai Lama eine Fortbildung gemacht, von dem so gut wie jeder schon mal gehört hat, dann denken Sie bitte daran, dass viele Experten in verschiedenen Fachgebieten den meisten Leuten da draußen überhaupt nichts sagen. Wenn ich also eine Feldenkrais-Lehrerin suche und die in ihrem Profiltext schreibt, dass sie ihre Fortbildung bei Gunda Maier aus Hintertupfing gemacht hat, dann ist das für mich eine Nullinformation, auch wenn Gunda Maier in der Feldenkraisszene eine gefeierte Superoberexpertin ist.

Schließlich: die Abkürzungen! Ob Vereine, Branchenverbände oder Netzwerke. Wie oft stehen da Sachen wie „Mitglied im DSV“ – und man hat keine Ahnung, ob das der Deutsche Sportverein, der DolmetscherSprachenVerband oder die Diskus und Schlagball-Vereinigung ist.

4. ein Roman

Das andere Extrem zu den Listenschreibern sind die Erzähler. Da wird dann gerne mal von Adam und Eva begonnen: Schon als Kind habe ich … in der dritten Klasse haben wir mal einen Aufsatz geschrieben und der Lehrer hat gesagt … als ich zum zweiten Mal „Ja“ gesagt habe, war ich an einem Punkt in meinem Leben … meine Freundin sagte mir, ich solle mir doch mal überlegen, ob ich das nicht zu meinem Beruf machen sollte …

Klar: Sofern eine klare Botschaft reinbringt und zu Ihnen passt, dann ist es durchaus eine schöne Sache, auch etwas Erzählendes reinzubringen. Aber bitte nicht verwechseln mit „ich schreibe eine Dokumentation über meinen Werdegang“.

Persönliche Lebengeschichten können durchaus relevant sein – gerade im Coaching-, Beratungs- und Trainerbereich – aber der Fokus liegt auf Selbstdarstellung, nicht Lebensgeschichte oder gar „Tagebuch“.

Treffen Sie eine Auswahl, die Ihre Persönlichkeit zeigt und Ihre Kompetenz untermauert – aber in gestraffter Form.

5. Zweifel schüren (und haben?)

Wenn Leute unsicher wirken, sind sie es meistens auch. Das lässt sich in Texten oft nicht verbergen. Beim über mich gibt es dabei meistens diese zwei Fälle:

Jemand ist Quereinsteiger in dem, was er jetzt selbstständig verkauft.

… und denkt, dass er nicht genug vorweisen kann oder fühlt sich noch zu sehr als Anfänger. Das kommt in schwachen Formulierungen durch oder indem man den Leser mit Nachweisen bombardiert. Am Schlimmsten sind vorauseilende Rechtfertigungen oder Appelle („ich hoffe, dass meine Auftraggeber nicht zu sehr auf Scheine schielen“/“auch Anfängern eine Chance geben“).

Jemand bietet etwas an, mit dem er selbst ein Problem hat.

… der Wunsch, anderen aus einer ähnlichen Misere zu helfen, in der man selbst war (oder sogar noch ist) hat zur Selbstständigkeit geführt. Oder die neue Weiche im altbekannten Business, etwa einen sehr viel kreativerer Ansatz zum bisher ausführenden „nüchternen“ Arbeiten.

In diese Sparte gehört auch die Verbitterung: Man ist schon länger im Geschäft, aber nicht da, wo man längst sein wollte. Oder ist in einer hart umkämpften Branche, wo zum Beispiel die Preise immer mehr fallen oder die Märkte wegbrechen. Auch diese Art von Problemen scheint in manchen Formulierungen durch. Verbitterung ist aber – wie Bedürftigkeit – niemals attraktiv.

Hier spielen übrigens auch Fotos eine Rolle: Wenn ein Personal Trainer verspricht, mit eiserner Disziplin zum Wunschkörper zu verhelfen, aber sichtbar übergewichtig ist. Behauptet jemand von sich, glücklich und zufrieden zu sein, aber das Bild wirkt total verbissen, ist das ziemlich unglaubwürdig.

Eindruck machen

Es geht nicht darum, dass Sie die perfekte Selbstdarstellung schreiben. Es geht auch nicht darum zu täuschen oder gar zu lügen.

Aber es geht darum, dass Sie die über mich-Seite explizit dafür nutzen, sich greifbar zu machen: Ihre Persönlichkeit durchblitzen lassen (was nicht nur dadurch geschieht, was Sie über sich schreiben, sondern vor allen Dingen wie), gleichzeitig Ihre Schokoladenseite zeigen und auch klar auf Ihren beruflichen Background eingehen.

Wie ausführlich das ausfällt, hängt auch davon ab, in welchem Bereich Sie tätig sind und wie bekannt Sie bereits sind. Wer schon richtig gut im Geschäft ist oder/und sich auf anderen Kanälen einen Namen macht, der fasst sich auch mal bewusst kürzer.