formulieren

Rumkommandieren!

Viele tun sich Tipp-Texten schwer, weil sie das Gefühl haben, oberlehrerhaft aufzutreten oder sich einfach scheuen, persönliche Empfehlungen zu geben. Letzte Woche habe ich im Zuge der gezwungen wirkenden Synonyme noch mal erwähnt, dass eine Häufung jeder Art ein Hinweis darauf ist, dass noch ein Wurm drin ist.

Das gilt auch für Appelle.

herumkommandieren

Zu viele Aufforderungen sind mühsam

Wann immer wir in einem Text zu etwas auffordern, nutzen wir Formulierungen wie

  • Mach!
  • Lass!
  • Denk!
  • Achte!
  • Sei!

Sowas kann als Stilmittel wunderbar durchgehen. Die 10 Schreib-Gebote enthalten zum Beispiel total viele solcher Appelle – aber es sind „10 Gebote“, da darf man sowas mal machen, weil die Leser das Format einordnen können. Wenn Sie sich die Gebote schnell mal durchlesen, merken Sie, dass es schon hart an der Grenze zum Rumkommandieren ist. Wären die einzelnen Absätze pro Gebot ausführlicher und ich würde diesen Tonfall konsequent durchziehen, wäre es anstrengend zu lesen.

Gleiches gilt für jeden normalen Fließtext. Es ist völlig okay, immer wieder mal eine persönliche Aufforderung zu nutzen. Doch auch hier ist ein dosierter Einsatz gefragt.

Das Coole ist, dass es ein ganz simples Warnsystem gibt, das Sie alle kennen: Das gute alte laute Lesen. Denn wenn Sie es auf die Ohren bekommen, dann hören Sie sofort, wenn Sie zu sehr ins Kommandieren verfallen. In Gedanken liest man da oft drüber.

Bitte die Verwandtschaft beachten

Bei Tipp-Texten gibt es außerdem oft das dürfen-müssten-sollten. Auch die bitte immer dosiert verwenden, außer Sie wollen Ihre Leser gezielt ein bisserl anstacheln.

Es ist völlig normal, dass man sich als Leser eher angesprochen fühlt – vielleicht sogar empört ist – wenn einem jemand sagt, was man zu tun oder zu lassen hat. Bitte machen Sie nicht den Fehler, das jetzt generell zu vermeiden. Setzen Sie es einfach bewusst und dosiert ein. Denn es liegt immer an den Formulierungen im Gesamten.

*zurückspul*

Sagen Sie Ihren Leser nicht immer, was sie zu tun oder zu lassen haben! Machen Sie nicht den Fehler, das generell zu vermeiden! Setzen Sie es bewusst und dosiert ein! Beachten Sie die Formulierungen im Gesamten!

Es ist alles gesagt.