Autoreninterviews

Buch-Interview: Ursula Wawrzinek

Ursula Wawrzinek ist Die Konfliktberaterin. Das alleine ist ja schon ein genialer Firmenname und ein kniffliges Feld. Umso schöner, dass sie auch Bücher schreibt: alleine und beim letzten Mal mit einer Co-Autorin.

Ich habe Ursula ein paar Fragen rund um ihre Buch- und Schreiberfahrungen gestellt.

 

Zum Auftakt: Wie bist du überhaupt auf die Idee gekommen, ein Buch zu schreiben – und wie bist du vorgegangen, um den Buchvertrag zu bekommen?

Ursula WawrzinekDie Idee, ein Buch zu schreiben ist aus meiner Arbeit heraus entstanden: Seit vielen Jahren bilde ich Führungskräfte aus, trainiere Mitarbeiter im Umgang mit Konflikten und berate eskalierte Konflikte im Unternehmen. In dieser vertrauensvollen Arbeit gewähren mir alle Parteien tiefe Einblicke in ihre persönlichen Sicht- und Erlebensweisen. Dabei konnte ich erforschen, wie es überhaupt zu Konflikten kommt und was es braucht um sie zu lösen.

Das Thema ist unglaublich spannend! Es gibt so viel zu entdecken und zu lernen. Bis heute gibt es immer wieder die Momente, in denen ich einfach nur dankbar bin, dass ich diese Arbeit machen darf. Denn es geht um nicht weniger als unsere Lebensqualität und um unser Glücksempfinden.

Bei meinen Kunden habe ich erkannt, dass meine Konzepte stabil funktionieren und hilfreich sind. Ich wollte meine Wirkung erhöhen und deutlich mehr Menschen erreichen. So kam die Idee, ein Buch zu schreiben. Ich habe mich zunächst schlau gemacht, wie das geht. Habe das Seminar „Wie schreibt man ein Buch?“ bei Sabine Asgodom besucht und das Buch „Erfolgreich als Sachbuchautor“ gelesen. Dabei wurde mir klar, dass ich eine Buchagentin brauche. Auf Empfehlung bin ich auf Karin Hertzer gestoßen, die für mich einen Verlag gefunden hat.

[Kleiner Einschub von Gitte: Meiner Erfahrung nach braucht man im Sachbuch- und Ratgeber-Bereich keinen Agenten. Man kommt über die Website direkt an die Ansprechpartner. Wenn man keine Erfahrung damit hat, wie man eine Buchidee entwickelt und ein Konzept für den Verlag schreibt, ist ein Fachmann total sinnvoll.]

 

gehtsnochDas erste Mal bin ich über dein Buch „Geht’s noch?!!!“ auf dich aufmerksam geworden. Das ist in der ersten Auflage bei Knaur erschienen und mit dem Cover kann ich mich heute noch voll identifizieren. 🙂
Dieses tolle Buch ist letztes Jahr bei Klett-Cotta neu erschienen unter dem Titel
Vom Umgang mit sturen Eseln und beleidigten Leberwürsten.  Wie kam es zu diesem Verlagswechsel?

Im Droemer Knaur Verlag war die erste Auflage in Höhe von 5000 Stück schnell vergriffen und der Verlag druckte weitere 3000 Stück nach. Als die dann verkauft waren, erhielt ich die Information, dass der Verlag es nicht mehr nachdrucken wird. Es verkauft sich nicht mehr so gut und es lohnt sich für den Verlag nicht, es vorzuhalten. Daraufhin bot ich das Manuskript zwei mir bekannten Programmleiterinnen in verschiedenen Verlagen an.

Die erste meinte, dass sie keine guten Erfahrungen mit zweitveröffentlichten Büchern gemacht hätten und die andere meinte, dass es leider gerade nicht passt, ermutigte mich aber, es bei anderen Verlagen zu versuchen. Ohne diese Ermutigung hätte ich aufgegeben. Ich fand sogar mehrere Interessenten und wählte den Klett-Cotta-Verlag.

stureeselcover

 

Was hast du dir damals von der Buchveröffentlichung erwartet – und was davon ist eingetreten?

Zunächst war das für mich persönlich eine ganz große Sache. Ich als Autorin – das war so aufregend. Aber nicht nur für mich, auch für mein Umfeld. Auf Partys stand ich plötzlich im Mittelpunkt: „Was du schreibst ein Buch? Wie toll!“

Andererseits quälten mich auch immer wieder Selbstzweifel: Habe ich wirklich etwas so Wichtiges zu sagen? Kann ich schreiben? Was, wenn die Presse das Buch „zerreißt“? Aber ich wollte es wissen. Ich war zutiefst davon überzeugt, dass meine Inhalte für viele Menschen wertvoll sind und dass die Welt mein Buch braucht. Nach den ersten begeisterten Rückmeldungen zum Buch war ich beruhigt. Ich bin daran persönlich und fachlich sehr gewachsen.

Öffentliche Aufmerksamkeit hatte ich mir allerdings mehr erwartet. Vor meinem inneren Auge sah ich einen riesigen Bücherstapel an zentraler Stelle im Hugendubel am Marienplatz aufgebaut. Stattdessen hatten sie es dort anfangs nicht einmal vorrätig. Ich dachte: Wie soll jemand mein Buch kaufen, wenn es nicht einmal im Buchladen liegt? Und ich merkte schnell, ohne Pressearbeit verkauft sich hier gar nichts. Daraufhin habe ich die Fäden selbst in die Hand genommen und mich dahinter geklemmt, dass mein Buch in Zeitschriften und Online-Foren besprochen wurde.

 

Was fällt dir beim Entstehungsprozess eines Buches besonders leicht und was fällt dir eher schwer – und warum?

Besonders leicht fallen mir die Inhalte. Die sind in meinem Kopf zu 90 % fertig. Ich erforsche über Jahre in meiner Beratungspraxis ein Thema und erst wenn ich es durchdrungen habe und hilfreiche Ansätze gefunden habe, die stabil in der Praxis funktionieren, entsteht bei mir die Idee, das Ganze in einem Buch zusammenzuschreiben.

Schwer finde ich, mein Wissen so auf das Papier zu bringen, dass es ein richtig gutes Buch wird, von dem der Leser enorm profitiert. Das Vorausdenken der Buchstruktur für eine komplexe Thematik ist für mich Schwerstarbeit. Bei meinem aktuellen Buch ist mir das einfach nicht gelungen. Dann konnte ich dich zum Glück als Schreibcoach gewinnen. Seitdem läuft es wie geschmiert. Und dann fällt es mir noch schwer, meinen ersten Entwurf einfach mal locker runterzuschreiben. Ist der mal auf dem Papier, geht mir die Weiterbearbeitung leicht von der Hand.

 

Wie organisierst du dich beim Schreiben? Also wie lange nimmst du dir Zeit für so ein Buch? Schreibst du eher am Stück oder immer mal nach Zeitintervallen „nebenbei“?

Nebenbei schreiben geht bei mir gar nicht, weil ich nicht so eine Fleißige bin. Ich nehme mir einzelne Tage oder Wochen frei und konzentriere mich dann ganz auf die Schreibarbeit.

An Schreibtagen gehe ich häufig mit einem Thema im Kopf zunächst eine Runde in den Park spazieren. Ich stimme mich auf meine Zielgruppe ein, hole mir Situationen aus meinem Beratungsalltag in die Erinnerung und überlege mir, was meine wesentliche Botschaft ist und wie ich das Thema aufbauen und rüberbringen könnte. Welches Fallbeispiel ich erzählen möchte, welche Übung helfen kann. Manchmal schreibe ich meine Gedanken zuerst handschriftlich auf.

Bei mir ist in der Regel nach gut zwei Stunden konzentrierter Schreibarbeit die Luft raus. Dann mache ich etwas Schönes und setze mich eventuell später noch mal dran und tippe den Text zumindest noch in den PC. Wenn ich gut zwei Stunden produktiv war, bin ich vollends zufrieden. Insgesamt dauert die Schreibphase etwa 10 bis 12 Wochen, verteilt über ein halbes Jahr.

 

Du hast mit einer Co-Autorin ein Buch zu Burnout-Strategien geschrieben – Was tun, wenn es brennt? Wie unterschied sich der Schreibprozess da für dich? Wie habt Ihr das organisiert, das Buch aufgeteilt oder alles zusammen geschrieben?

wastunwennsbrenntWir hatten einen Vortrag ausgearbeitet und dann spontan beschlossen, dass wir unsere Inhalte einfach mal aufschreiben und dann ein Buch daraus basteln.

Wochenlang saßen wir lachend in der Sonne im Garten bei Kaffee und lecker selbstgebackenem Kuchen von Annette, zwischen Hund, Katze und Hühner, den Laptop zwischen uns und erzählten uns unsere Erkenntnisse. Die eine erzählte, die andere tippte alles in den PC und umgekehrt. Das war gut, denn dadurch hatten wir keine Hänger oder Schreibblockaden. Wir wählten die gleiche Struktur wie in unserem Vortrag und ja, jede hatte ihr abgegrenztes eigenes Gebiet und ziemlich genau die Hälfte des Buches Platz.

Als wir die wesentlichen Inhalte grob erfasst hatten, ging es an die Feinarbeit. Von da ab überarbeiteten wir getrennt unsere Kapitel. Erst am Ende saßen wir wieder zusammen und konkretisierten unsere Struktur. Vorteil: Es war deutlich weniger Arbeit, hat beim Schreiben noch viel mehr Spaß gemacht. Nachteil: Bei allen Entscheidungen war es viel mühsamer, welche Inhalte, Titel, Cover, Buch-PR – überall gab es unterschiedliche Vorstellungen, die wir aufwendig auf einen Nenner bringen mussten.

[noch mal ein kleiner Einschub von Gitte: In vielen Verlagen ist Titel, Cover etc. Verlagsentscheidung. Es hängt vom Verlag ab, ob und inwieweit man als Autor eingebunden wird. Ich mag zum Beispiel viele Titel und Cover meiner Bücher gar nicht.]

 

Ich weiß ja, dass du schon am nächsten Buch dran bist und noch viele weitere Ideen hast. Warum schreibst du so gerne Bücher?

Das hat mehrere Gründe:

  • Eine komplexe Thematik, mit der ich mich über Jahre intensiv auseinandergesetzt habe, die ich erforscht und letztendlich gelöst und in der Praxis stabil erprobt habe, lasse ich aus meinem Kopf auf das Papier fließen. Das entlastet mein Gehirn enorm und schafft Raum für Neues.
  • Durch den Schreibprozess sortieren sich die Themen noch einmal neu in meinem Kopf, konkretisieren, strukturieren und vertiefen sich.
  • Während der Schreibarbeit genieße ich höchste Lebensqualität genau nach meinen Vorlieben. Ich kann meine Zeit völlig frei einteilen, entscheiden, wo ich schreiben möchte, ob auf meiner Couch, am See oder im Büro.
  • Die Arbeit hat sich gelohnt. Das Buch ist fertig und hat Bestand. Ich kann es bei Bedarf einem Kunden ans Herz legen und muss nicht alles selbst erklären.
  • Es beglückt mich irgendwie.
  • Es gibt mir eine enorme Befriedigung, zu erfahren, dass meine Erkenntnisse vielen Menschen hilfreich sind.
  • Beruflich kann ich mit Büchern meine Expertenpositionierung untermauern.
  • Ich erhalte damit Präsenz in der Presse und kann mein Image verbessern.
  • Es verschafft mir ein kleines Passiveinkommen.
  • hach, ich glaube, es hat noch viele weitere Vorteile …

 

Obwohl du bereits zwei Bücher veröffentlicht hast und ich dich bei deinem dritten coache,  besuchst du reihenweise Schreibworkshops bei mir. Wie kommt das?

Ich trage hilfreiches Expertenwissen in meinem Kopf. Aber ich habe nie gelernt, ein Buch zu schreiben. Da saß ich häufig ratlos vor dem PC und wünschte mir Anleitung und Schulung. Die habe ich bei dir gefunden, Gitte. Es ist unglaublich wertvoll und spannend, was du lehrst. Es bereichert mich persönlich, ich werde immer kompetenter im Schreiben, der Lesernutzen meiner Bücher wird größer und es macht enorm viel Spaß, mit dir zusammenzuarbeiten und von dir zu lernen. Ich freue mich total auf die weitere Zusammenarbeit mit dir. Ganz herzlichen Dank dafür.

Was tun, wenn es brennt? Neue Strategien gegen Burnout
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