Themenwahl

Warum die Überschrift erst einmal für Sie da ist

Wenn man über Überschriften liest, dann bezieht sich das meist auf die Leserperspektive: Wie man Überschriften formulieren soll, damit sie zum Lesemagneten werden. Ob es mal reißerischer sein darf und dass es wichtig ist, im Text auch abzuliefern, was man verspricht.

Dabei ist die Überschrift in erster Linie mal FÜR UNS AUTOREN da! Mit der Überschrift kann man derart viel beeinflussen – das Anfangen, das schnellere Schreiben, Stil-Änderungen, natürlich die Wirkung und und und. So viel, dass ich es gar nicht in einem kurzen Text alles aufgreifen kann.

Heute will ich aber mal mit Ihnen über eine ganz fundamentale Sache sprechen: Das Ausdenken von Themen in Arbeitstitelqualität.

Schon beim THEMA geht das Schreiben los

Gleich zeige ich Ihnen was, das völlig logisch klingt, wenn man es liest. Umso verwunderlicher, dass so viele Autoren das noch nicht für sich nutzen.

Aber fangen wir mal so rum an:

Wenn es in meinen Workshops darum geht, ein Plankton-Thema zu finden, zum Beispiel für einen Blogartikel, dann gibt es zwei sehr populäre Vorgehensweisen.

(1) Die einen nutzen Schlagwörter.

Da kommen dann solche Themen raus:

  • Konflikte lösen
  • produktiver sein
  • Ich schreib was zu „Selbstmanagement im Beruf“

Das wird nichts, weil es viel zu groß und schwammig ist.

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(2) Die anderen werden blumig oder reißerisch:

  • „Mist, schon wieder!“
  • Endlich ist mein Leben besser.
  • Wollten Sie nicht auch längst viel glücklicher sein?!!

Das ist keine gute Idee, weil es ebenfalls zu schwammig und oft sogar richtig kryptisch ist. Wenn ich dann sage: „Worum gehts denn da in dem Text? Was schreibste denn da?“, dann heißt es immer „Ääääääh …“. :mrgreen:

Außerdem verpasst man unterschiedliche Facetten eines Themas. So übersieht man gute Plankton-Themen, weil man nicht differenziert hinsieht.

Formulieren stört das Konzipieren

Viel aussagekräftiger ist das „in Überschriften denken“

… aber in Arbeitstitelqualität. Sprich: Da darf es holpern, zu lange sein und es darf sogar unmöglich klingen. Denn momentan ist die Überschrift UNSER SCHREIBWERKZEUG.

Die Überschrift ist in diesem Stadium dazu da, dass wir das Thema wirklich eindeutig fokussieren  und wir können es sogar bereits so formulieren, dass wir dem Text eine bestimmte Richtung geben. Entweder, indem man eine klare Struktur vorgibt (z. B. 7 Tipps für xy) oder indem man den Ton des Artikels lenkt, also etwas zum Beispiel total witzig formuliert. Dann ist man beim Schreiben auch gleich auf einer viel lockeren Schiene.

Am Allerwichtigsten ist aber, dass Sie Ihr Plankton-Thema richtig greifen können. Denn da stehen dann Arbeitstitel-Überschriften, die Ihnen selbst klipp und klar schon verraten, worauf Sie hinauswollen.

zum Beispiel:

  • „So eine Scheiße!“ Fünf Gründe, warum die meisten Beziehungen scheitern und wie Sie diesem Schicksal entgehen können. [Sie nehmen sich z. B. fünf vor, aber wenn Sie beim Konzipieren dann festlegen, was das denn genau für Gründe sind, sind Sie bei der Anzahl natürlich flexibel. Vielleicht werden es dann nur drei oder sieben.]
  • Warum es mein Leben verbessert hat, dass ich abends und am Wochenende meine Mails nicht mehr lese.

Oder Sie merken beim Überlegen, dass ein Thema ja ganz verschiedene Facetten hat. Dann notieren Sie das auch – das darf ruhig auch erst einmal den gleichen Überschriftengedankengang haben. Dann steht da nämlich zum Beispiel sowas:

  • Glück im Unglück? Steckt in schwierigen Lebensphasen wirklich immer was Gutes?
    Warum die eigene Sicht auf die Dinge zu mehr Kraft verhilft
  • Glück im Unglück? Steckt in schwierigen Lebensphasen wirklich immer was Gutes?
    Wieso das Schönreden mehr anrichtet, als es nützt.
  • Glück im Unglück? Steckt in schwierigen Lebensphasen wirklich immer was Gutes?
    Fall ruhig erst mal in ein Loch und orientiere dich.

Sie nutzen das Sprungbrett mit der Arbeitstitelüberschrift einfach für sich mehrmals, auch wenn Sie später natürlich nicht drei Texte gleich benennen.

➡ Artikelserie: Sie brainstormen falsch!

Sind ja, wie gesagt, Arbeitstitel!

Und genau das ist der Clou, denn das ist viel aussagekräftiger, damit Sie Ihren Text jetzt schon klar vor sich sehen können. Später können Sie das entschärfen, straffen, völlig verändern – oder lassen. Aber am Anfang ist die Überschrift IHR Schreibwerkzeug. Also nutzen Sie es!