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Warum ich meine Bücher in eine Schachtel gepackt habe

Aufmerksame LeserInnen haben gemerkt, dass ich kürzlich meine Presse- und meine Bücher-Seite gelöscht habe. Am Wochenende habe ich jetzt auch meine über zwei Dutzend veröffentlichten Bücher, Hörbuchversionen und fremdsprachigen Ausgaben in eine Schachtel gepackt. Im September läuft dann zum letzten Mal der Onlineworkshop „Von der Idee zum Buchkonzept“, der neben dem Newsletter-Kurs mein absoluter Renner war. Und dieses Jahr begleite ich die letzten bereits vereinbarten Ratgeber.

Weil das auch viel mit dem Selbstmanagement – und dem Selbstverständnis – als AutorIn zu tun hat, erzähle ich Ihnen, warum ich diesen Schlussstrich ziehe.

Volles Regal

Als unser allererstes Buch erschienen ist, stand ich mit meiner Co-Autorin Christine mal im Hugendubel vor einem Ratgeber-Regal und sagte: „Einmal hab ich so viele Bücher, dass ich mein eigenes Regalbrett fülle.“ – Das war nicht wirklich ein Ziel von mir, ich hatte nur meinen Spaß am Schreiben entdeckt und plapperte Zeug vor mich hin.

Doch dann ergab eins das andere: Neue Buchideen, neue Verlage, alte Verlage mit neuen Buch-Anfragen … und schon war ich Serienautorin. Mein letztes Buch, das Peinlich, peinlich: So blamieren Sie sich selbstbewusst, erschien 2013. Die Zusammenarbeit mit allen Beteiligten war eine wahre Freude, ein wunderbarer Schlusspunkt, vor allem, weil nicht alles am Bücherschreiben schön ist und man als AutorIn manchmal auch ziemlich was mitmacht. Sagen wir es so: Nicht immer ist das Endprodukt, das im Laden steht, auch wirklich so, wie es vom Autor gedacht war. Auch wenn sein Name draufsteht.

Jedenfalls hatte ich nach über zehn Jahren tatsächlich mein volles Regalbrett:
regalvoll

Zusätzlich habe ich über die Jahre viele Buchkonzepte mit aus der Taufe gehoben und bei einigen das Manuskript begleitet.

Ich habe vom Pocketbüchlein bis zum fetten Handbuch, vom strengeren Ratgeber-Format bis hin zum frecheren Ton jede Menge ausprobieren dürfen. Aber mir wurden auch immer wieder tolle Ideen abgelehnt [aus Verlagssicht durchaus mit Gründen, die ich nachvollziehen kann] und manchmal wurden mir Freiheiten versprochen, die dann sukzessive während des Entstehungsprozesses umgeworfen oder verdreht wurden. Auch sowas kommt vor.

Alles gemacht.

Schon in den letzten Jahren habe ich meinen Verlagen gesagt „Ich mache nur noch gewöhnliche Themen im außergewöhnlichen Format“ oder „Außergewöhnliche Themen im gewöhnlichen Format“, was besonders der GABAL-Verlag wunderbar mitgemacht hat. Der Gipfel war das 30 Minuten Arschlöcher zähmen.

Doch dann war mir klar: Das wars. Jetzt hast du alles gemacht, was du bei herkömmlichen Ratgebern machen kannst. Dazu kam, dass ich mittlerweile anders bin, als noch vor zwei, fünf, acht, zehn Jahren. Ich schreibe anders. Ich sehe vieles anders. Darum bin ich auch immer froh, wenn die früheren Bücher in der Versenkung verschwinden. Nicht, dass das schlechte Bücher wären, aber das bin ich nicht mehr.

Genau darum habe ich die Presse- und die Bücher-Seite gelöscht. Und genau darum habe ich am Wochenende mein Regalbrett leer geräumt.

regalleer

Das Beste an der Riesenschachtel ist, dass sie mir meine persönliche Entwicklung zeigt. Dass ich abgesehen vom jeweiligen Ergebnis jede Menge gelernt habe – durchs und übers Schreiben, über die frühere und die heutige Gitte, aus der Zusammenarbeit mit den verschiedenen Verlagen + Leuten. Das war schon eine Schule!

Jetzt ist es Zeit für ein neues Kapitel

… oder besser: Für ein neues virtuelles Regal. Ich habe nämlich durchaus Lust, wieder zu schreiben. Es wird auch was Ratgeberstichiges sein. Aber es werden keine reinrassigen, herkömmlichen Ratgeber werden. Ich werde mehr spinnen und mehr unterhalten. Self Publishing ist mittlerweile wirklich interessant geworden – für mich ist der ausschlaggebende Punkt, das ich vollkommen selbst entscheide. Dass ich nicht – wie Verlage – ihr Programm, ihr Image, Marktprognosen und Meinungen einbeziehen muss. Sondern dass ich machen kann, was ich will. Mein Know-how mit einer gewaltigen Prise Schmarrn würzen.

Ich habe auch schon eine Idee. Da dieses Jahr allerdings dichtgedrängelt mit den letzten Workshops ist, kann es noch etwas dauern. Aber das macht ja nichts.

Möchten Sie auch einen Strich unter etwas machen?

Obwohl ich schon vor geraumer Zeit für mich beschlossen habe, meine „typische“ Ratgeberkarriere zu beenden – habe ich erst jetzt wirkliche Schlussstriche gezogen:

  • Durchs Abschaffen der Buchbegleitungen.
  • Durch den Entschluss, den gefragten Buchkonzept-Workshop nicht mehr zu machen.
  • Und vor allem durch die Schachtel.

schachtelDas fühlt sich jetzt viel endgültiger an … und befreiend.

Vielleicht sind Sie in einer ähnlichen Situation – das kann aufs Schreiben bezogen sein, dass Sie eine bestimmte Art von Aufträgen „eigentlich“ nicht mehr machen möchten, es aber doch immer noch auf der Website steht. Oder Sie haben auch schon mehrere Bücher geschrieben, merken nun aber, dass Sie gerne eine andere Buchform oder Schreibe ausprobieren möchten als das, was Sie bisher veröffentlicht haben.

Was immer es ist: Ich kann die Schachtel nur empfehlen. 🙂