sich managen

Für alle, die ihre Schreibe in Eigenregie verbessern wollen.

Vor vier Jahren habe ich geschrieben „Verbessern Sie Ihre Korrespondenz in nur fünf Tagen“ Im Gegensatz zu den „Waschbrettbauch in nur einer Woche“-Versprechungen geht das tatsächlich. Warum? Weil es beim Schreiben sofort nützt, an einer klitzekleinen Schraube zu drehen.

Der Clou dabei ist, einzelne Aspekte im Fokus zu behalten und ganz gezielt was zu merken, um dann was zu machen. Genau das Gleiche gilt, wenn Sie in größerem Stil Ihre Schreibfähigkeiten verbessern möchten, ganz egal, ob Sie komplett anfangen oder sich schon gut finden.

Nur, dass es in diesem Fall sinnvoll ist, systematisch vorzugehen. Vor allem, wenn Sie in Eigenregie besser werden wollen.

Schritt 1: Die Ist-Soll-Analyse

„Ich will besser schreiben können“ ist ja eine komplexe Sache. Das kann vieles bedeuten, und für alle von Ihnen ist dieses „besser“ was anderes.

In den Formularen gibt es einen Selbst-Check: Wie steht es um Ihre Autorenqualitäten?

Wenn Sie Ihre Schreibfähigkeiten gezielt verbessern wollen, dann fangen Sie hier an. Wichtig dabei ist, über jeden Schreib-Aspekt, den ich da separat aufgeführt habe, intensiv nachzudenken und ganz ehrlich Bestandsaufnahme zu machen.

Um sich gezielt weiterzuentwickeln, muss man immer erst ermitteln, wo es überhaupt Verbesserungspotenzial gibt. Ja, das ist selbstverständlich, aber mal ehrlich:

Wie viele von Ihnen lesen nur mit? Und wie viele von ihnen TUN was mit den Tipps, und zwar so richtig konsequent?

– Eben. 😉 Weil wir meistens gar nicht wissen, wo genau ansetzen oder denken, das ist jetzt ein Riesen-Act. Stimmt aber nicht. Sofern Sie einzeln an den wenigen beschlossenen Punkten arbeiten und die wirklich fest im Blick behalten, tut sich da nämlich schon nach kurzer Zeit was.

Für alle, die regelmäßig schreiben – zum Beispiel bloggen oder einen Text-Beruf haben – ist es übrigens gut, diese Selbstanalyse regelmäßig zu machen. Je intensiver Sie schreiben, desto kürzer das Intervall: Wer also ständig bloggt, kann alle Vierteljahre gucken, wie die eigene Einschätzung jetzt aussieht.

Schritt 2: Konkret werden

Die Aspekte in der Selbst-Analyse sind für sich gesehen natürlich wiederum komplexer. Genau darum geht es im zweiten Schritt, dass SIE erst mal konkret werden.

Sehen wir uns ein Beispiel an [draufklicken, um es zu vergrößern]:

selbsteinschaetzungbeispiel

Jetzt wissen Sie, was schon gut ist, was besser geht und vor allem, wo Schwachstellen sind. Aber eine Schraube, wo man damit ansetzt, ist noch nicht in Sicht. Erst will das mal konkretisiert werden.

Es ist eine gute Idee, das für alle Punkte zu machen – auch für das, wo Sie sich schon ein „super“ oder ein „ausbaufähig“ geben.

Denken Sie bitte dran: Das ist eine Bestandsaufnahme, die den Grundstein für Ihr eigenes Trainingsprogramm bildet. Also nicht huschi-huschi vorpreschen oder doch wieder was anderes machen. Wenn Sie besser schreiben können wollen, dann schenken Sie sich die Zeit und das Hirnschmalz, eine richtig gute Ist-Soll-Analyse zu machen.

Vielleicht meinen Sie es auch super ernst und gehen endlich Ihr Schreibtraining systematisch an: Kaufen Sie sich einen goldenen Ordner oder irgendeine coole Ablagemappe, wo Ihre Bestandsaufnahmen reinkommen.

Konkret werden heißt jetzt:

  • Was genau meine ich damit?

Und:

  • Was ist schon gut und was/inwiefern läuft nicht bisher?

Dabei gibts jetzt drei Dinge zu beachten:

(1) KEINE Schlagwörter. Sie wissen ja, Schlagwörter sind der Feind!
(2) KEINE Diagnosen oder Gegenmaßnahmen planen (noch nicht).
(3) Auch mit sich selbst im Plauderton reden, also ein Selbstgespräch auf Papier führen.

Sonst ist nur wichtig, dass Sie richtig aussagekräftig ermitteln, was Sache ist.

Sie nehmen sich also einzeln Ihre Punkte vor [jeweils draufklicken für größere Ansicht]:

selbsteinschaetzungbeispiel2

Meine Grobeinschätzung beinhaltet ja jede Menge. Sie wissen bisher also nur, dass da was ist, das Sie frustriert:

selbsteinschaetzungbeispiel3

 

Also mal Butter bei die Fische, und zwar im Selbstgesprächmodus aufschreiben, frisch von der Leber weg, aber gleichzeitig schön näher einkreisen, was Sie meinen. Am besten fangen Sie mit der Bewertung an und begründen Sie dann für sich, was da genau los ist:

Ich bleibe beim Schreiben nicht gut genug auf Kurs. Damit meine ich: Auch, wenn ich mir vorher ein gutes, kleines Thema überlegt habe und prinzipiell weiß, was ich will, komme ich beim Schreiben vom Hundertsten ins Tausendste. Mir fällt einfach immer noch was ein, das auch wichtig ist. Erst merke ich es nicht, aber meistens irgendwann nach der Hälfte fällt mir auf, dass es gar keinen richtigen roten Faden gibt. Dann verheddere ich mich oft selbst. Bei manchen Texten habe ich am Schluss zwar ein Ergebnis, aber es ist irgendwie gar nicht mehr das Thema, das ich schreiben wollte. Bei anderen muss ich ewig rumhirnen, ob ich es durchs Umbenennen oder eine andere Reihenfolge doch noch hinkriege, worums geht.

Genau nach diesem Prinzip gehen Sie jeden Schreibaspekt durch. Schreiben Sie ruhig ausführlicher, denn manchmal liegen mehrere Hunde an derselben Stelle begraben – aber schreiben Sie bloß keine Romane! Denn das ist Ihre konkrete Analyse, mit der Sie weiterarbeiten sollen. Also keine Textwüsten produzieren, die Ihnen das erschweren.

Schritt 3: Die Schraube finden

Wenn Sie das mit der „Korrespondenz in 5 Tagen verbessern“ testweise mal machen, dann sehen Sie, dass das natürlich etwas einfacher ist: Denn das ist keine fundamentale Arbeit, sondern es verfeinert was Vorhandenes, z. B. „freundlicher machen“.

Trainiert man Grundfähigkeiten, ist es etwas komplexer. Das schreckt uns aber nicht. Es geht nach wie vor um Klarheit und kleine Schrauben, die im Blick bleiben. Die großartige Taktik der kleinen Schritte!

Wir suchen aber wirklich nach DER SCHRAUBE, die das Problem behebt.

Hier haben wir einen klassischen Fehler, wenn man in Eigenregie was trainieren möchte: Man überfordert sich mit „das muss ich“ und „jenes lass ich“. Das macht alles total kompliziert und arbeitsreich. Bevor Sie also einen Plan machen, finden Sie DIE SCHRAUBE. Zurück zu unserem Beispiel.

Ich bleibe beim Schreiben nicht gut genug auf Kurs. Damit meine ich: Auch, wenn ich mir vorher ein gutes, kleines Thema überlegt habe und prinzipiell weiß, was ich will, komme ich beim Schreiben vom Hundertsten ins Tausendste. Mir fällt einfach immer noch was ein, das auch wichtig ist.

Heureka!

Diese kleine Erkenntnis verändert alles. Hier geht es nicht darum, während des Schreibens besser zu werden oder gar mittendrin bzw. beim Überarbeiten die Kurve zu kriegen, sondern es geht ums „prinzipiell weiß, was ich will“ und „fällt immer noch was ein“.

DAS ist die Schraube! Es braucht eine einzige kleine Gegenmaßnahme, die die Beispielperson locker im Blick behalten kann und die ihr bisheriges Problem in Schach hält.

In diesem Fall wäre das „Mach das Thema so klitzeklein, dass es keine Hundertstes-Tausendstes gibt, was einem sonst noch so einfallen könnte.“ Das beste Trainingsprogramm für diesen Frust-Punkt ist also, sich das Thema so weit einzugrenzen, dass die Ausbrech-Gefahr gering ist.

Das heißt nicht, dass man für alle Ewigkeiten nur kleine Themen aussuchen darf (was nicht schlecht ist, denn Sie wissen ja: Das Plankton ist Ihr Freund!)

Bei unserem Schreibfähigkeiten-in-Eigenregie verbessern geht es ums Vereinfachen. Anstatt sich eine ganze Latte an „Dingen, an die ich denken und die ich lernen muss“ vorzunehmen, geht es nur darum, die richtige Schraube zu erkennen und dann EINE Sache im Fokus zu halten.

Unsere Beispielperson bremst sich also ab jetzt bewusst aus, fängt nicht gleich zu schreiben an, sondern hat die Aufgabe, ihr Thema weiter zu verkleinern. Dabei hilft natürlich die Arbeitstitel-Überschrift. So entwickelt sie ganz nebenbei ein besseres Schreibgefühl für Themengrößen und das logisch-strukturierte Schreiben.

Es schaut also so aus:

  • Man kann irgendwas machen oder sich ganz gezielt weiterentwickeln.
  • Eine Bestandsaufnahme, die wirklich was bringt, braucht etwas Zeit. Ganz systematisch erst einmal die relevanten Aspekte einschätzen [ehrlich sein!], dann wirklich aussagekräftig konkretisieren und schließlich auswerten.
  • Anstatt lauter To-Dos zu ermitteln, die meistens zeitlich und oft vom Können überfordern, ist es besser eine einzelne Schraube zu erkennen, die das Problem direkt beeinflusst. Und dann eine einzige Sache fest im Fokus behalten.

Wenn Sie bis hierher gelesen haben sind und jetzt fest entschlossen sind, endlich konsequent Ihre Autorenqualitäten voranzubringen, dann überlegen Sie sich bitte auch, wie Sie das Im-Blick-behalten im Blick behalten.

Entweder in Ihrem goldenen Ordner … hihi … oder in anderer Form. Das kann ein bunter Klebepunkt in Ihrem Kalender sein, mit dem Sie sich bestätigen, dass Sie auf Ihre Schraube + Ihre Fokus-Aufgabe geachtet haben. Es kann auch eine Smiley-Kette sein, wo Sie sich selbst einschätzen, wie gut es geklappt hat.

Und dann bitte keinen Druck machen: Nicht vorpreschen, aber kontinuierlich dranbleiben. Ich zum Beispiel habe gerade das Training an einem Klimmzug begonnen. Ja: einem einzigen. Seit knapp einem Monat arbeite ich fast täglich dran und kann Ihnen sagen, dass dieser Klimmzug noch arschweitweg ist. Aber es geht voran. Mit Fokus und der Taktik der kleinen Schritte kommt man eben weiter. Mit „müsste ich auch mal“ oder „menno, es geht mir nicht schnell genug“ bremst man sich hingegen aus.