typische Fehler

Bloß kein Schulaufsatz-Stil!

Erinnern Sie sich noch an die „So flicke ich ein Fahrrad“-Texte? Wo man total langweilig aneinanderreiht, was man alles nacheinander tun muss?

Genau das machen viele, wenn sie ein Erlebnis schildern. Selbst, wenn es das spannendste, lustigste, aufrüttelndste Erlebnis unter der Sonne war: Wird es zur blutleeren Wiedererzählung, kommt davon gar nichts mehr beim Leser an. Dabei sind gerade die Alltagsbeispiele oft der Pfeffer für einen Text.

fahrrad

Hier ein paar Do’s and Don’ts, die dafür sorgen, dass Ihre Erlebnisse richtig schön lebendig bleiben:

Keine Dokumentation schreiben

Das ist der absolute Klassiker: Die detailgetreue Nacherzählung. Und dann hat der Schwager meines Bruders auf Mallorca dieses und jenes gesagt. Und dann war das. Und dann ist das passiert. Und dann haben wir uns gewundert. Und dann … :mrgreen:

Wann immer Sie ein Erlebnis in einen Text einbauen, verfolgen Sie damit ja ein bestimmtes Ziel. Sie brauchen weder alle Details, was haargenau wo mit wem passiert ist, noch interessiert das alles.

Kommen Sie auf den Punkt: Was ist der Kern? Warum erzähl ich das genau?
Und dann nehmen Sie relevante Ausschnitte beziehungsweise verdichten das Ganze. Völlig egal, wenn Menschen, die noch da waren, rausfallen oder wenn Teile der Geschichte fehlen. Das ist keine Dokumentation!

In die Gegenwart wechseln

Ein sehr einfaches, wirksames Stilmittel ist es, die Zeit zu wechseln.

In dem Moment, wo Sie den Leser mit in die Situation nehmen, ist gleich viel mehr Pep drin. Das Beste: Es hilft Ihnen selbst, sich in die Situation zu versetzen. Das bringt dann auch Details und wie Sie sich gefühlt haben, mehr ins Bewusstsein.

Außerdem schreibt man in der Gegenwart gleich viel lebendiger als wenn man im Es-war-einmal-Modus ist.

Mit Wörtern und Halbsätzen das Tempo ändern

Sie wissen, dass ich immer auf den Plauderton poche: normal mit Ihren Lesern reden, und zwar so wie Sie „in echt“ klingen.

Wenn Sie Ihren Freunden eine Anekdote erzählen, dann schildern Sie das nicht in grammatikalisch korrekt aneinandergereihten Sätzen. Sogar, wenn Sie kein geborenes Erzähltalent sind, bringen wir im Gespräch ganz automatisch Leben rein. Dazu gehören auch mal einzelne Wörter oder Halbsätze.

Beim Schreiben sind viele überkorrekt. Das hat sich teilweise total verhakt. Da fällt dann schon der Plauderton oft schwer – und manchen würde es nie einfallen, einen unvollständigen Satz hinzuschreiben. Kurioserweise fallen elendig lange Schachtelsätze oft niemandem negativ auf. Nur, wenn man das Ganze laut liest, stolpert man drüber. 😉

Jedes Erlebnis hat Tempo- und Temperamentswechsel drin. Achten Sie das nächste Mal drauf, wenn Sie an der Supermarktkasse stehen und immer ungeduldiger werden, weil nichts vorangeht. In der Regel steigert sich das, vielleicht reguliert es sich zwischendurch wieder runter. Auf jeden Fall sind Erlebnisse nie völlig gleichförmig. Darum sollte das Erzählen nie gleichförmig sein.

Gezielt überspitzen

Sie wissen ja: Sie schreiben keine Dokumentation. Natürlich ist es völlig okay, wenn Sie übertreiben. Oft machen wir das ganz automatisch. Wir sagen „ich hätte den an die Wand klatschen können“, „reißen uns büschelweise die Haare aus“ oder hätten uns am liebsten die Bettdecke über den Kopf gezogen und wären drei Jahre nicht mehr hervorgekommen.

Vielleicht waren Sie im Lokal und der Kellner ist gefühlte zwei Stunden nicht mehr aufgetaucht, vielleicht sind Sie ein Mann und vor lauter Warterei ist Ihnen ein Vollbart gewachsen. Oder die Regentropfen waren so groß, dass schon ein einziger Sie von oben bis unten durchnässt hat.

Natürlich ist das eine Stilfrage. Manche Leute – wie ich – neigen generell zu solchen erzählerischen Übertreibungen. Bei anderen schleicht sich immer mal was ein. So oder so: Wenn wir etwas erzählen, überspitzen wir gerne. Bei Texten kommt das ebenfalls gut. Nicht nur, weil es lebendiger macht, sondern weil wir damit viel mehr Gefühle vermitteln.

Selbstironisch sein

Bei eigenen Erlebnissen ist man nicht immer ein Held. Wenn ich die Geschichte lese, die ich Ihnen unten gleich verlinke, schüttle ich teilweise selbst den Kopf. Und ich weiß, dass einige mein Verhalten für ganz schön bescheuert halten.

Genau das macht es gut! Der Mut, dass Sie ganz ungeschminkt mal Seiten von sich zeigen, die nicht perfekt oder nur schmeichelhaft sind – und das in einer Form, die klar macht, dass Sie über sich selbst lachen können. Das macht auch Ihren Lesern mächtig Spaß, man kommt sich näher und kann sich viel besser identifizieren.

Eine unerwartete Wendung geben

Vorhersehbare Geschichten sind langweilig. Wenn es um Alltagserlebnisse geht, denken viele, es kommt halt darauf an, was passiert ist. Wenn es nun aber keine besondere Wendung gab, wo soll sie herkommen?

Sie machen es schreiberisch! Wenn es nicht der Inhalt hergibt, so können Sie unerwartete Wendungen durch die Art, wie und was Sie schreiben – oder denken – herbeiführen.

 

Gedanken einbauen (dosiert)

Ein nützliches Stilmittel ist es auch, hin und wieder mal einen Gedanken einzubauen. Das sieht man oft in Romanen.

Ich lege also meine Sachen aufs Band. Aus den Augenwinkeln sehe ich schon, dass sich mein Vordermann in Zeitlupe bewegt. Oh Mann! Da schläft wieder einer.

Aussagen für sich wirken lassen

Es gibt ja so Leute, die einen Witz erzählen und anschließend anfangen, die Pointe zu erklären.

Das geht so nicht! 🙂

Auch bei Anekdoten schicken viele ein „Das war aber lustig“, „Da hab ich aber mit den Augen gerollt“ hinterher und schlagen oft die Anekdote damit zu. Vertrauen Sie auf das, was dasteht. Wenn es lustig, rührend, ärgerlich war, kommt das schon bei den Lesern an. Wenn Sie es lebendig schildern.